So, jetzt brechen tatsächlich unsere letzten Tage an und ich muss sagen, dass ich mich jetzt sehr auf Deutschland freue. Die Nächte sind hier jetzt mittlerweile sehr kalt – eigentlich immer bei Minusgraden – tagsüber steigt die Temperatur trotzdem noch immer auf knapp 20°C und die Sonne scheint eigentlich jeden Tag. Da wünscht man sich fast manchmal so einen Tag Hamburger Nieselregen herbei. Nervig ist allerdings der starke Wind, der jetzt jeden Nachmittag auftritt und jede Menge Sand durch die Gegend treibt. Und auch das Thema Heizen ist hier nicht so optimal gelöst. Aus ein paar Schächten im Wohn- und Schlafzimmer wird mit viel Getöse warme Luft herausgepustet. Vermutlich sehr stromintensiv und leider auch sehr laut.
| Es ist Herbst! |
Ansonsten fliegen die Tage hier so dahin. Vor einigen Tagen gab es ein dreitägiges Poloturnier auf dem Polofeld der Estancia. Ich habe ja überhaupt keine Ahnung von Polo und den Regeln, die wir dann erstmal rudimentär gegoogelt haben, aber ich war dennoch sehr beeindruckt von dem Sport. Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasen die Spieler auf ihren Pferden über das riesige Polofeld auf der Jagd nach Ball und Toren. Unfassbar wie sie es schaffen in vollem Lauf den kleinen Ball meterweit zu schlagen und zwischen die Torpfosten zu manövrieren. Wenn man Polo spielen will, muss man auf jeden Fall ein unglaublich guter Reiter sein und die Pferde müssen übrigens nach spätestens 8 Minuten gewechselt werden, weil das Spiel so anstrengend ist.
| Poloturnier |
Eine andere Art von Tieren hat dann letzte Woche hier vorbeigeschaut. Ein riesiger Schwarm von Felsensittichen – habe ich natürlich auch googeln müssen – ist hier durchgezogen und hat einen Zwischenstopp in den Weinstöcken eingelegt. Es handelt sich dabei um eine Papageienart, die hier in den Anden lebt und einen ohrenbetäubenden Lärm veranstaltet hat als sich tausende ihrer Art direkt vor unserem Haus niedergelassen haben und dann mit noch mehr Lärm irgendwann weitergezogen sind. Das Ganze hatte ein bisschen Alfred Hitchcock ‚Die Vögel‘-Feeling J, zum Glück aber ungefährlicher.
In Sachen Hausbau haben wir jetzt den nächsten Versuch
unternommen, die Genehmigung der Estancia zu bekommen. Die Garage haben wir vom
Plan gestrichen, dafür gibt es jetzt ein weiteres Gästezimmer. Unsere
Architektin liegt jetzt erstmal in Kolumbien am karibischen Strand und wir
warten jetzt mal ab. Nach wie vor hoffen wir, dass es Anfang Juli der erste
Spatenstich gemacht werden wird.
Drei Tage bleiben uns jetzt noch in Cafayate. Die letzte
Gelegenheit noch ein paar unserer Lieblingsrestaurants abzuklappern und
Golfplatz, Spa und Pool zu genießen. Am Samstag geht es dann nach Salta, am
Sonntag nach Buenos Aires, am Montag nach Sao Paulo, am Dienstag nach Zürich
und dann endlich nach Hamburg. Es ist also noch ein langer Trip nach Hause. Das
hat allerdings auch etwas Gutes, denn Lailas Coronatest war heute morgen
positiv und sie liegt jetzt angeschlagen auf dem Sofa in Rellingen. Bis zu
unserer Rückkehr ist die Ansteckungsgefahr dann hoffentlich vorbei – auch wenn
man dem Thema vermutlich in Deutschland sowieso nicht mehr ganz entgehen kann.