Gestern Nachmittag sind wir wieder wohl behalten in Cafayate eingetrudelt und eins steht schon mal fest: das trockene Klima hier bekommt uns deutlich besser als die feuchte Hitze Brasiliens, bei der selbst zweimal tägliches Duschen kaum eine Erfrischung gebracht hat.
| Zurück in Cafayate! |
Trotzdem war es natürlich ein toller Urlaub und sowohl die Tage in Rio de Janeiro als auch in Sao Paulo eine besondere Erfahrung – wenn auch sehr unterschiedlicher Art!
| Landeanflug mit Aussicht |
Unsere Ankunft in Rio verläuft erstmal etwas holperig, denn zwar
steht eine freundliche junge Frau vor unserem Appartement, um uns in Empfang zu
nehmen. Was ihr nur leider fehlt, ist der Schlüssel zu eben diesem L. Wie blöd, denn den
muss sie in den nächsten 45 Minuten nun erstmal holen!
| Ankunft am Zuckerhut |
Das Appartement selbst ist dann eine weitere Überraschung. Denn
genau genommen sieht die Möblierung so aus, als wäre Oma verstorben und man
hätte ihre Wohnung dann 1:1 als Ferienwohnung übernommen. VHS Video Kassetten,
uralte CDs, das gute alte Goldfisch-Aquarium und nicht zuletzt die vergilbten
handgeschriebenen Kochrezepte in der Küchenschublade… Es ist alles noch da.
Fehlen tut leider eine funktionsfähige Klimaanlage, was sich bei dem
subtropischen Klima in Rio noch als echter Nachteil herausstellen soll.
| Museum of Tomorrow... |
Am nächsten Morgen starten wir Runde 1 der Rio-Erkundung mit dem im Rahmen der Olympischen Spiele erbauten Wissenschaftsmuseum of Tomorrow. Schon das auf einem Pier ins Wasser gebaute, futuristische Gebäude ist beeindruckend und so ist auch die Ausstellung selber. Themen rund um Kosmos, Erde, den Menschen und die Veränderungen unserer Umwelt werden in innovativer, interaktiver, kreativer und sehr drastischer Weise dargestellt. Für mich ist das eines der besten und beeindruckendsten Museen, die ich bisher kenne.
| ... und wir |
Ein weiteres Highlight des Tages ist die Fliesentreppe Escadaria
Selaron, die von einem Künstler mit bunten Kacheln aus aller Welt beklebt
wurde. Leider ist das aber auch kein Geheimtipp und so tummeln sich Instagram-wütige
aus aller Welt auf den Stufen und es ist so gut wie unmöglich, nicht das ein
oder andere Foto zu bomben. Wir erklimmen die Stufen und den Rest des Berges
und werden dort mit einer tollen Aussicht auf den Zuckerhut belohnt – und man
glaubt es kaum, aber nach den Menschenmassen von zuvor sind wir dort fast
alleine unterwegs.
| Kein Geheimtipp: Escadaria Selaron |
Beim anschließenden Abstieg vom Berg kehren wir in ein
authentisches brasilianisches Restaurant ein und probieren endlich die
brasilianische Spezialität Feijoada – ein optisch wenig ansprechender, aber
geschmacklich guter Eintopf aus Bohnen und Fleisch.
| Der Zuckerhut ist überall |
Am nächsten Tag steht der botanische Garten auf dem Plan.
Wir sind ein wenig irritiert, dass es dort tatsächlich nicht möglich sein soll,
den Eintritt mit Kreditkarte zu zahlen. Denn bisher konnte man das selbst bei jedem
Straßenhändler. Aber it is what it is. Wir können nur bar zahlen, haben nicht
genug Geld und müssen uns schließlich zum ermäßigten Preis für argentinische
Staatsbürger reinschummeln. Allerdings erst, nachdem in dem eigentlich so digitalisierten
Brasilien die Eintrittskarte in aller Seelenruhe per Hand ausgefüllt und ausgestellt
wurde.
| Willkommen in der digitalen Welt :-) |
Der botanische Garten selbst ist beeindruckend und außerdem eine Oase der Ruhe, die uns mal eine Auszeit vom Trubel der Großstadt beschert.
| Riesenblüte im botanischen Garten |
Denn das komplette Gegenteil erwartet uns dann an der Copacabana. Wir haben noch keine zwei Schritte in den Sand gesetzt als uns bereits Liegestühle, Marihuana, Obstsalat und Caipirinhas angeboten werden. Das halten wir keine 10 Minuten aus und suchen schnellstmöglich wieder das Weite. Also mein persönliches Urteil: ein völlig überbewerteter Strandabschnitt!
| Überbewertet: die Copacabana |
Doch der Abend hält noch ein Highlight der anderen Art bereit.
Als wir uns gerade in einem Restaurant mit gigantischem Fernsehscreen
niedergelassen haben, beginnt sich auf der Straße neben uns ein Filmteam
inklusive Moderatorin aufzubauen. Einige Passanten lassen sich
Autogramme geben, was vermuten lässt, dass die gute Frau in Brasilien bekannt
ist. Dann beginnt die Übertragung und wir scherzen noch darüber, wie es wohl
wäre, wenn diese Szene gleich auf unserer Riesenleinwand erscheinen würde. Tja,
was soll ich sagen – und genau das passiert! Offenbar ist das die Anmoderation
für das Spiel Brasilen gegen Marokko… und wir sind sozusagen live dabei!
| Blick vom Corcovado |
Der Sonntagmorgen steht im Zeichen von Jesus. In aller Frühe
machen wir uns auf den Weg, um mit der ersten Bahn den Berg mit der
Christusstatue zu erreichen. Doch was vor ein paar Jahren noch ein Geheimtipp
war, ist mittlerweile unmöglich. Es hat sich bereits eine Schlange gebildet und
die Tickets sind für die nächsten Stunden schon längst ausverkauft. Also muss
wieder ein Uber her. Leider erwischen wir dieses Mal den dümmsten Uberfahrer
Brasiliens. Nachdem er trotz Navi in die falsche Richtung fährt und dann
wendet, um uns an unserem Startpunkt wieder absetzen zu wollen, schafft er es
schließlich auf die richtige Straße zu gelangen. Und eigentlich ist die
Ausschilderung idiotensicher. Doch nicht für ihn, denn an jedem Abzweig müssen wir
ihn wieder auf den richtigen Weg lotsen und beim Anfahren am Berg verglühen in
einer stinkenden Rauchwolke fast seine Hinterreifen. Doch was lange währt… Wir
kommen an, kaufen Tickets, besteigen den Bus zum Gipfel und werden von
hunderten Menschen überrascht, die sich alle bereits in Pose bringen für ihre
Fotos von Christusfigur und Zuckerhut. Es wird geschubst und gedrängelt und wir
sind froh als wir wieder im Uber auf dem Weg nach unten sitzen - diesmal zum
Glück mit einem anderen Fahrer. Damit ist auch eins klar: die Fahrt auf den
Zuckerhut streichen wir aus dem Programm.
Dann bricht unser letzter Tag in Rio an und wir nehmen uns als letztes noch das historische Zentrum von Rio vor. Wir haben von einem alten Kaffeehaus, dem Confeitaria Colombo, gelesen, in dem es die besten Coxinhas der Stadt geben soll. Aber das haben wohl auch hunderte andere gelesen. Allein die Schlange vor dem Cafe erstreckt sich über 150 m, setzt sich dann aber im Inneren des Cafes noch weiter fort. Irre! Wie kann man sich nur stundenlang dort anstellen?
| Blick durchs Fenster: Confeitaria Colombo |
Wir ziehen weiter, erkunden die Altstadt mit Stadttheater und
Nationalbibliothek und essen ganz ohne in der Schlange zu stehen eine Pizza.
Und damit endet dann auch unsere Rio-Etappe. Am nächsten Morgen geht es zum Flughafen und
in Richtung Sao Paulo.
| Historisches Zentrum von Rio |
Anders als auf dem Hinweg haben wir diesmal ein Hotel im Zentrum gebucht, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Doch das geht gründlich nach hinten los, denn wie uns unser Uberfahrer zu verstehen gibt, ist zwar das Hotel selbst ok, aber die Umgebung alles andere als sicher. Das wird in Anbetracht der zombieartigen Gestalten um uns herum auch schnell offensichtlich. Da bleibt nur eins: Hotel stornieren, neues Hotel buchen und schnell wieder weg.
| Knappe Kiste: Landeanflug auf Sao Paulo |
Doch auch, wenn die Umgebung nun sicherer ist, fühlen wir
uns nicht wohl. Insbesondere als wir auch noch mehrmals daraufhin gewiesen, auf
gar keinen Fall unser Handy in der Hand zu halten. So flüchten wir letztendlich
in eine Shoppingmall und gehen dort ins Kino. Denn das ist mal eine positive Überraschung. Die Filme werden tatsächlich in Englisch
gezeigt. Ok, wir schauen ‚John Wick 4‘
und da spielt die Sprache am Ende für das Verständnis eigentlich keine große
Rolle, denn knappe 3 Stunden Rumgeballer braucht ja nicht viele Worte.
Und dann ist unser Urlaub vorbei! In aller Frühe machen Stefan
und ich uns auf den Weg zum Flughafen. Lailas Flug geht erst abends und sie
kann noch ein wenig länger das ‚schöne‘ Sao Paulo genießen.
Es ist ein schönes Gefühl wieder in Argentinien anzukommen. Und auch wenn unser Spanisch noch nicht überragend gut ist, verstehen wir hier zumindest wieder vieles. Denn auch das war eine neue Erkenntnis. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass zwei Sprachen, die geschrieben so ähnlich sind, sich gesprochen so unterschiedlich anhören können, dass der eine den anderen nicht versteht.
Nun sind wir also für 6 Wochen wieder in Cafayate und genießen Berge und Sonne bevor es im Mai nach Deutschland geht.
| Bye, bye Brasilien! |
Mein Fazit für diese Reise:
Es war toll Laila nach so langer Zeit wiederzusehen, mit
ihr 3 Wochen zusammen zu reisen und endlich mal wieder gemeinsam shoppen zu gehen ;-)
Insgesamt haben uns Brasilien und die Menschen dort - auch wenn wir sie nicht verstehen können - sehr gut gefallen und wir werden sicherlich wieder dorthin reisen. Schließlich haben wir ja nur einen Bruchteil von diesem riesigen Land überhaupt gesehen.
Mir persönlich sind die großen Städte wie Rio und Sao Paulo auf
Dauer allerdings zu stressig und Armut, Obdachlosigkeit und Drogenkonsum leider
allgegenwärtig. Aber bei 5000 km Küste kann man dem sicherlich auch aus dem Weg gehen.






