Sonntag, 2. April 2023

Zwischen Zuckerhut und No-Go Area

Gestern Nachmittag sind wir wieder wohl behalten in Cafayate eingetrudelt und eins steht schon mal fest: das trockene Klima hier bekommt uns deutlich besser als die feuchte Hitze Brasiliens, bei der selbst zweimal tägliches Duschen kaum eine Erfrischung gebracht hat.

Zurück in Cafayate!

Trotzdem war es natürlich ein toller Urlaub und sowohl die Tage in Rio de Janeiro als auch in Sao Paulo eine besondere Erfahrung – wenn auch sehr unterschiedlicher Art!

Landeanflug mit Aussicht

Unsere Ankunft in Rio verläuft erstmal etwas holperig, denn zwar steht eine freundliche junge Frau vor unserem Appartement, um uns in Empfang zu nehmen. Was ihr nur leider fehlt, ist der Schlüssel zu eben diesem L. Wie blöd, denn den muss sie in den nächsten 45 Minuten nun erstmal holen!

Ankunft am Zuckerhut

Das Appartement selbst ist dann eine weitere Überraschung. Denn genau genommen sieht die Möblierung so aus, als wäre Oma verstorben und man hätte ihre Wohnung dann 1:1 als Ferienwohnung übernommen. VHS Video Kassetten, uralte CDs, das gute alte Goldfisch-Aquarium und nicht zuletzt die vergilbten handgeschriebenen Kochrezepte in der Küchenschublade… Es ist alles noch da. Fehlen tut leider eine funktionsfähige Klimaanlage, was sich bei dem subtropischen Klima in Rio noch als echter Nachteil herausstellen soll.

Museum of Tomorrow...

Am nächsten Morgen starten wir Runde 1 der Rio-Erkundung mit dem im Rahmen der Olympischen Spiele erbauten Wissenschaftsmuseum of Tomorrow. Schon das auf einem Pier ins Wasser gebaute, futuristische Gebäude ist beeindruckend und so ist auch die Ausstellung selber. Themen rund um Kosmos, Erde, den Menschen und die Veränderungen unserer Umwelt werden in innovativer, interaktiver, kreativer und sehr drastischer Weise dargestellt. Für mich ist das eines der besten und beeindruckendsten Museen, die ich bisher kenne.

... und wir

Ein weiteres Highlight des Tages ist die Fliesentreppe Escadaria Selaron, die von einem Künstler mit bunten Kacheln aus aller Welt beklebt wurde. Leider ist das aber auch kein Geheimtipp und so tummeln sich Instagram-wütige aus aller Welt auf den Stufen und es ist so gut wie unmöglich, nicht das ein oder andere Foto zu bomben. Wir erklimmen die Stufen und den Rest des Berges und werden dort mit einer tollen Aussicht auf den Zuckerhut belohnt – und man glaubt es kaum, aber nach den Menschenmassen von zuvor sind wir dort fast alleine unterwegs.

Kein Geheimtipp: Escadaria Selaron

Beim anschließenden Abstieg vom Berg kehren wir in ein authentisches brasilianisches Restaurant ein und probieren endlich die brasilianische Spezialität Feijoada – ein optisch wenig ansprechender, aber geschmacklich guter Eintopf aus Bohnen und Fleisch.

Der Zuckerhut ist überall

Am nächsten Tag steht der botanische Garten auf dem Plan. Wir sind ein wenig irritiert, dass es dort tatsächlich nicht möglich sein soll, den Eintritt mit Kreditkarte zu zahlen. Denn bisher konnte man das selbst bei jedem Straßenhändler. Aber it is what it is. Wir können nur bar zahlen, haben nicht genug Geld und müssen uns schließlich zum ermäßigten Preis für argentinische Staatsbürger reinschummeln. Allerdings erst, nachdem in dem eigentlich so digitalisierten Brasilien die Eintrittskarte in aller Seelenruhe per Hand ausgefüllt und ausgestellt wurde.

Willkommen in der digitalen Welt :-)

Der botanische Garten selbst ist beeindruckend und außerdem eine Oase der Ruhe, die uns mal eine Auszeit vom Trubel der Großstadt beschert. 

Riesenblüte im botanischen Garten

Denn das komplette Gegenteil erwartet uns dann an der Copacabana. Wir haben noch keine zwei Schritte in den Sand gesetzt als uns bereits Liegestühle, Marihuana, Obstsalat und Caipirinhas angeboten werden. Das halten wir keine 10 Minuten aus und suchen schnellstmöglich wieder das Weite. Also mein persönliches Urteil: ein völlig überbewerteter Strandabschnitt!

Überbewertet: die Copacabana

Doch der Abend hält noch ein Highlight der anderen Art bereit. Als wir uns gerade in einem Restaurant mit gigantischem Fernsehscreen niedergelassen haben, beginnt sich auf der Straße neben uns ein Filmteam inklusive Moderatorin aufzubauen. Einige Passanten lassen sich Autogramme geben, was vermuten lässt, dass die gute Frau in Brasilien bekannt ist. Dann beginnt die Übertragung und wir scherzen noch darüber, wie es wohl wäre, wenn diese Szene gleich auf unserer Riesenleinwand erscheinen würde. Tja, was soll ich sagen – und genau das passiert! Offenbar ist das die Anmoderation für das Spiel Brasilen gegen Marokko… und wir sind sozusagen live dabei!

Blick vom Corcovado

Der Sonntagmorgen steht im Zeichen von Jesus. In aller Frühe machen wir uns auf den Weg, um mit der ersten Bahn den Berg mit der Christusstatue zu erreichen. Doch was vor ein paar Jahren noch ein Geheimtipp war, ist mittlerweile unmöglich. Es hat sich bereits eine Schlange gebildet und die Tickets sind für die nächsten Stunden schon längst ausverkauft. Also muss wieder ein Uber her. Leider erwischen wir dieses Mal den dümmsten Uberfahrer Brasiliens. Nachdem er trotz Navi in die falsche Richtung fährt und dann wendet, um uns an unserem Startpunkt wieder absetzen zu wollen, schafft er es schließlich auf die richtige Straße zu gelangen. Und eigentlich ist die Ausschilderung idiotensicher. Doch nicht für ihn, denn an jedem Abzweig müssen wir ihn wieder auf den richtigen Weg lotsen und beim Anfahren am Berg verglühen in einer stinkenden Rauchwolke fast seine Hinterreifen. Doch was lange währt… Wir kommen an, kaufen Tickets, besteigen den Bus zum Gipfel und werden von hunderten Menschen überrascht, die sich alle bereits in Pose bringen für ihre Fotos von Christusfigur und Zuckerhut. Es wird geschubst und gedrängelt und wir sind froh als wir wieder im Uber auf dem Weg nach unten sitzen - diesmal zum Glück mit einem anderen Fahrer. Damit ist auch eins klar: die Fahrt auf den Zuckerhut streichen wir aus dem Programm.



Erfreulich ist dafür aber der bunte Straßenmarkt, auf dem Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch angepriesen werden und wo wir nun endlich auch ein wohlverdientes Frühstück einnehmen können.


Dann bricht unser letzter Tag in Rio an und wir nehmen uns als letztes noch das historische Zentrum von Rio vor. Wir haben von einem alten Kaffeehaus, dem Confeitaria Colombo, gelesen, in dem es die besten Coxinhas der Stadt geben soll. Aber das haben wohl auch hunderte andere gelesen. Allein die Schlange vor dem Cafe erstreckt sich über 150 m, setzt sich dann aber im Inneren des Cafes noch weiter fort. Irre! Wie kann man sich nur stundenlang dort anstellen?

Blick durchs Fenster: Confeitaria Colombo

Wir ziehen weiter, erkunden die Altstadt mit Stadttheater und Nationalbibliothek und essen ganz ohne in der Schlange zu stehen eine Pizza. Und damit endet dann auch unsere Rio-Etappe. Am nächsten Morgen geht es zum Flughafen und in Richtung Sao Paulo.

Historisches Zentrum von Rio

Anders als auf dem Hinweg haben wir diesmal ein Hotel im Zentrum gebucht, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Doch das geht gründlich nach hinten los, denn wie uns unser Uberfahrer zu verstehen gibt, ist zwar das Hotel selbst ok, aber die Umgebung alles andere als sicher. Das wird in Anbetracht der zombieartigen Gestalten um uns herum auch schnell offensichtlich. Da bleibt nur eins: Hotel stornieren, neues Hotel buchen und schnell wieder weg.

Knappe Kiste: Landeanflug auf Sao Paulo

Doch auch, wenn die Umgebung nun sicherer ist, fühlen wir uns nicht wohl. Insbesondere als wir auch noch mehrmals daraufhin gewiesen, auf gar keinen Fall unser Handy in der Hand zu halten. So flüchten wir letztendlich in eine Shoppingmall und gehen dort ins Kino. Denn das ist mal eine positive Überraschung. Die Filme werden tatsächlich in Englisch gezeigt. Ok, wir schauen ‚John Wick 4‘ und da spielt die Sprache am Ende für das Verständnis eigentlich keine große Rolle, denn knappe 3 Stunden Rumgeballer braucht ja nicht viele Worte.

Und dann ist unser Urlaub vorbei! In aller Frühe machen Stefan und ich uns auf den Weg zum Flughafen. Lailas Flug geht erst abends und sie kann noch ein wenig länger das ‚schöne‘ Sao Paulo genießen.

Es ist ein schönes Gefühl wieder in Argentinien anzukommen. Und auch wenn unser Spanisch noch nicht überragend gut ist, verstehen wir hier zumindest wieder vieles. Denn auch das war eine neue Erkenntnis. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass zwei Sprachen, die geschrieben so ähnlich sind, sich gesprochen so unterschiedlich anhören können, dass der eine den anderen nicht versteht.

Nun sind wir also für 6 Wochen wieder in Cafayate und genießen Berge und Sonne bevor es im Mai nach Deutschland geht.

Bye, bye Brasilien!

Mein Fazit für diese Reise:

Es war toll Laila nach so langer Zeit wiederzusehen, mit ihr 3 Wochen zusammen zu reisen und endlich mal wieder gemeinsam shoppen zu gehen ;-)

Insgesamt haben uns Brasilien und die Menschen dort - auch wenn wir sie nicht verstehen können - sehr gut gefallen und wir werden sicherlich wieder dorthin reisen. Schließlich haben wir ja nur einen Bruchteil von diesem riesigen Land überhaupt gesehen.

Mir persönlich sind die großen Städte wie Rio und Sao Paulo auf Dauer allerdings zu stressig und Armut, Obdachlosigkeit und Drogenkonsum leider allgegenwärtig. Aber bei 5000 km Küste kann man dem sicherlich auch aus dem Weg gehen.

Fest steht aber vor allem: Der nächste Trip führt uns nach Deutschland und darauf freue ich mich schon riesig!

Mittwoch, 22. März 2023

Santa Catarina - zwischen Einsamkeit und Trubel

Die Insel Santa Catarina ist bekannt für ihre grünen Hügel, die Lagunen, aber insbesondere für ihre 42 Traumstrände. Da werden wir es wohl ganz gut einige Tage aushalten können. 

Unser Dschungelcamp

Unsere erste Unterkunft liegt im östlichen Teil der Insel in einem kleinen Ort zwischen Lagunen und Stränden. Unser Gastgeber spricht fließend Englisch, was hier nicht so häufig anzutreffen ist, und sowohl Haus als auch Zimmer fühlen sich an wie ein Dschungelcamp. Pflanzen, wohin man schaut, dazu Schildkröten und kleine Affen inklusive niedlichster Affenbabys in Garten und Frühstückslounge. Einziger Nachteil: zwischen 17.00 und 19.00 hält man sich sicherheitshalber hinter verschlossenen Türen und Fenstern auf, denn dann kommen leider auch die Mücken aus ihren Verstecken.

Niedliche Gesellschaft beim Frühstück

Unschlagbar ist das Frühstück in unserer Bleibe. Selbstgemachte Cremes, Marmeladen, Gebäck, Omelett… einfach alles, was das Herz begehrt. Gut gestärkt starten wir daher in Richtung Flughafen, um unseren Mietwagen abzuholen und dann in Richtung Süden auf die erste Stranderkundungstour.


Die Strände und Strandorte sind sehr unterschiedlich. Während der Norden sich durch seine dichtere Besiedlung und Hochhausbebauung auszeichnet, findet man im Süden eher Villengegenden und Fischerdörfer. Was aber leider fast überall problematisch ist, ist das Parken. Möglich ist es eigentlich nur auf Tages-Bezahlparkplätzen, was auf Dauer eine teure Option ist, wenn man nur für eine kurze Zeit bleiben möchte.

Noch ist es leer am Strand

Nach einiger Fahrerei landen wir im kleinen Fischerort Pantano do Sul. In einem Strandrestaurant lernen wir dann unsere erste Lektion in brasilianischen Essgewohnheiten. Ausgehungert bestellen wir uns ganz selbstverständlich jeder ein Gericht – auch wenn es uns etwas teuer vorkommt und der Kellner uns ein wenig irritiert ansieht. Was dann aufgefahren wir übertrifft allerdings komplett unsere Vorstellungen. Denn selbst eine Portion davon hätten wir vermutlich zu dritt nicht essen können. Im Nachhinein erklärt das auch den Blick des Kellners und fürs nächste Mal wissen wir nun auf jeden Fall Bescheid, dass es sich offenbar bei den Gerichten auf der Karte immer um Familienportionen handelt – auch wenn es dort nicht ausdrücklich steht J


Nach einem weiteren ausgezeichneten Frühstück starten wir die nächste Inselerkundung. Nach dem Süden nehmen wir uns nun den nördlicheren Teil der Insel vor und landen schließlich an einem Naturstrand, an dem man tatsächlich auch mal parken kann. Interessanterweise finden wir dort unzählige Campervans aus Argentinien vor, die diese kostenlose Option vermutlich auch sehr zu schätzen wissen. Der Spot scheint dort ein Geheimtipp unter Campern zu sein.

Pantano do Sul

Je weiter wir anschließend in Richtung Norden fahren desto größer werden die Orte und das Verkehrschaos. Da das nicht so unser Ding ist, drehen wir ab und machen uns auf den Heimweg.


Am Donnerstag entdecken wir schließlich den kleinen Ort Armacao und den angrenzenden einsamen Strand Matadeiro mit seinen tollen Wellen. Außer drei Strandbuden und einigen Surfern ist dort nicht viel los. Wir sind auf Anhieb begeistert und beschließen uns dort für die nächsten Tage eine Unterkunft zu suchen. Gesagt getan! Am nächsten Tag beziehen wir ein kleines Haus 50 m entfernt vom Strand und freuen uns auf ein paar entspannte Tage dort. Vorher besteht aber die Aufgabe noch darin, ein geeignetes Strandoutfit zu kaufen, denn mein Bikini ist mittlerweile 12 Jahre alt und so sieht er auch aus bzw. sitzt leider auch so.

Frische Säfte am Strand

Laila und ich schlagen uns einige Stunden durch eine umfangreiche Shoppingmall – ergattern Bikinis und darüber hinaus eine neue Jeans, Pulli, Bluse und jede Menge Kleinkram. Ich freue mich schon richtig auf die etwas kühleren Tage in Cafayate, wenn ich meine neuen Klamotten endlich auch anziehen kann. Denn hier ist es dafür jetzt natürlich noch viel zu warm!

Blick aus der Surfbar

Ein weiteres Highlight in Armacao ist die Surfbar direkt um die Ecke und am Wasser. Mit Livemusik, leckeren Cocktails und angenehmer Kerzenbeleuchtung kann man dort gut mal den einen oder anderen Abend verbringen. Die gastronomische Auswahl ist allerdings ansonsten hier auch nicht besonders hoch – insbesondere nicht an den Wochentagen.

Armacao

Am Wochenende allerdings ändert sich schlagartig der Füllegrad am Strand und um im Ort. Unser toller, einsamer Surferstrand verwandelt sich in das reinste Tollhaus. Keine Ahnung woher die ganzen Brasilianer anreisen, aber der Strand ist urplötzlich zugepflastert mit Menschen, Sonnenschirmen und Plastikstühlen. Allerdings pflegen die Brasilianer trotzdem noch ein entspanntes Strandleben. In den Strandbars spielt Livemusik, es wird Fußball gespielt, gesurft, gesonnt, getrunken und gechillt. Und am Montagmorgen ist der ganze Spuk dann schlagartig wieder vorbei.

Ribeirao da Ilha

Vorbei sind leider aber auch erstmal die Strandtage für Stefan. Er hat sich einen fiesen brasilianischen Magen-Darm-Virus eingefangen und verbringt die folgenden zwei Tage zwischen Toilette und Bett.

Lunch am Strand

So genießen Laila und ich mal etwas Mutter-Tochter Zeit, besuchen den Waschsalon und ein probieren in einem netten Restaurant direkt am Strand des hübschen Orts Ribeirao da Ilha das typisch brasilianische Gericht Muqueca – eine Art Eintopf mit Bananen und Gemüse. Sehr, sehr lecker!

Sehr lecker: Muqueca

Heute bleibt uns noch ein letzter entspannter Tag auf Santa Catarina und morgen geht es dann in den Trubel von Rio. Gegensätzlicher könnte es wahrscheinlich kaum sein, aber ich bin schon sehr gespannt.

Mittwoch, 15. März 2023

Wildes Argentinien und tropisches Brasilien

Lang ist es her, dass ich den letzten Post verfasst habe, denn mittlerweile ist das Leben hier in Cafayate ja unser Alltag geworden, der an den meisten Tagen tatsächlich eher unspektakulär und mit Arbeiten ausgefüllt ist.


Doch jetzt sind wir tatsächlich im Urlaub – davon später - und das ist natürlich ein guter Anlass mal wieder etwas zu schreiben. Denn ein paar Dinge sind natürlich trotzdem passiert.

Das 1. Spiel lief nicht soooo gut!

Zum einen wäre da natürlich der Weltmeistertitel für Argentinien. Nach einem eher enttäuschenden Start hat Argentinien - im Gegensatz zu Deutschland – die Kurve gekriegt und letztendlich in einem nervenaufreibenden Finale gegen Frankreich gewonnen. Daraufhin stand ganz Argentinien für eine Woche Kopf. Der folgende Dienstag wurde zum Feiertag erklärt und Millionen von Menschen sind nach Buenos Aires gepilgert, um Messi & Co. zu feiern. Unfassbar! Und für Argentinien in seiner desaströsen wirtschaftlichen Lage sicherlich eine verdiente und willkommene Abwechslung.

Das Finale dagegen schon!

Die darauf folgenden Weihnachtstage verliefen dann ebenfalls anders als gewöhnlich. Statt familiärer Weihnachtsbaum-Zeremonie gab es einen Mini-Häkeltannenbaum und ein Dinner mit Freunden am Pool. Doch zumindest die Käsefondue-Tradition haben wir am 2. Weihnachtstag aufrechterhalten. Und: auf den hohen Bergen rundherum lag für einen Hauch von Weihnachtstimmung sogar etwas Schnee!

Schnee zu Weihnachten

Anfang Januar haben wir uns dann auf den Weg nach Salta gemacht, um unser 90-Tage Touristenvisum zu verlängern. Tja, aber wer nicht richtig rechnen kann, hat dann eben leider Pech gehabt. Unsere Anfangseuphorie über die kurze Wartezeit wurde nämlich abrupt gestoppt durch die Tatsache, dass wir genau einen Tag zu spät gekommen waren. Unser ursprüngliches Visum war bereits abgelaufen und somit auch nicht mehr verlängerbar. Unsere restlichen Tage bis zu unserem Brasilien-Trip Anfang März würden wir jetzt als illegale Einwanderer verbringen und vor unserer Ausreise eine (sehr moderate) Strafe zahlen müssen.

1 Liter Bier im Plastikbecher

Leider sind dann auch noch ein paar wirklich schlimme Dinge passiert. Einem unserer guten Freunde ging es schon ein paar Tage nicht besonders gut, da er mit einem üblen Hautausschlag - vermutlich bakterieller Natur - zu kämpfen hatte. Nachdem wir ihn schon ein paar Tage nicht gesehen hatten und Stefans 7. Sinn ihm sagte, dass da etwas nicht stimmen kann, hat er sich schließlich auf den Weg gemacht, um nach ihm zu sehen. Leider lag er zu dem Zeitpunkt schon seit mehr als 24 Stunden bewusstlos in seinem Haus: Diagnose Schlaganfall! Er hat es überlebt, aber leider mit sehr schweren körperlichen Einschränkungen.

Nur wenige Tage später ist dann eine Bekannte beim Enduro fahren in den Bergen tödlich verunglückt. Sie wurde erst am nächsten Morgen 700 m von ihrem Motorrad entfernt gefunden!

Nach diesen schrecklichen Ereignissen bin ich jetzt eigentlich ganz froh, mal ein wenig Abstand zu Cafayate zu bekommen.

Straßenblockade mit brennenden Autoreifen

Letzte Woche haben wir also unsere Koffer gepackt und uns auf den Weg nach Cachi gemacht. Nachdem wir erstmal vor der qualmenden Straßenblockade protestierender Arbeiter ausharren mussten, ging es dann über unbefestigte Straßen 3 Stunden lang durch eine gigantische Berglandschaft mit Blick auf den 6380 m hohen und schneebedeckten Nevado de Cachi. Ich bin mir sicher, wäre diese Landschaft in den USA könnte man sich vor lauter Touristen nicht retten – doch wir waren dort komplett allein unterwegs!

Fahrt in die Wolken

Die zweite Etappe am nächsten Morgen führt dann von Cachi nach Salta. Wir haben diese Tour 2006 schon einmal gemacht – allerdings unter komplett anderen Bedingungen. Von der gigantischen Aussicht vom 3457 m hohen Gipfel bekommen wir dieses Mal nämlich absolut gar nichts zu sehen. Wir kämpfen uns über eine Stunde lang durch die Wolken mit einer Sichtweite von maximal 2 m. Eine interessante Erfahrung, aber auf Dauer super anstrengend in den Serpentinen überhaupt auf der Fahrbahn zu bleiben.

Gipfel ohne Ausblick

In Salta wartet dann eine weitere Herausforderung auf uns. Vor unserer Ausreise nach Brasilien benötigen wir ein neues Visum und müssen unsere Strafe bezahlen. Von einem Freund wissen wir bereits, dass er es nicht an einem Tag geschafft hat. Denn die Immigration schließt bereits um 12.30 wieder und da man zuvor zur Zahlung quer durch die Stadt zur chronisch überlasteten Bank muss, kann das schon mal knapp werden. In seinem Fall hat er wegen des folgenden langen Wochenendes 4,5 Stunden bei der Banco National warten müssen L!

Gut, wenn man 4x4 hat

Doch wir haben offenbar unseren Glückstag! In unter 2,5 Stunden haben wir Immigration- und Bezahlvorgang erledigt und können den Rest des Tages entspannt dem Shopping, Autowaschen und Entspannen widmen.

Am Donnerstagabend geht schließlich unser Flug nach Sao Paulo, wo Laila bereits am Morgen angekommen ist. Nach 5 Monaten gibt es nun endlich eine Familienzusammenführung J und wir freuen uns riesig darauf.

Nachdem wir uns in Argentinien mittlerweile einigermaßen verständigen können, erfolgt in Brasilien allerdings der große Rückschlag. Wenigstens in unserem als international deklarierten Airporthotel hätte ich ja noch erwartet mich mit Englisch oder wenigstens Spanisch verständigen zu können. Aber weit gefehlt. Stefan und ich schauen uns ratlos an als wir nach unserer ‚Umai‘ gefragt werden… Nach längerem Rätselraten stellt sich heraus, dass damit unsere Emailadresse gemeint ist. Mmhh, meines Wissens nach heißt das selbst in Portugiesisch Email…

Wiedervereint :-)

Da es mittlerweile ein Uhr nachts ist, verschieben wir unser Treffen mit Laila auf den nächsten Morgen beim Frühstück und treten dann gemeinsam die Weiterreise nach Curitiba an. Doch der Wettergott scheint es dort nicht besonders gut mit uns zu meinen. Denn kaum haben wir in unserem Hotel eingecheckt, beginnt es wie aus Eimern zu regnen. Da ist der beste Zufluchtsort doch die wenige Meter entfernte Shoppingmall, in der wir uns für einige Stunden austoben können.

Museum Oscar Niemeyer

Unglaublich begeistert sind wir vom Museum Oscar Niemeyer. Schon von außen ist das außergewöhnliche Design des Gebäudes faszinierend, aber auch die ausgestellte Kunst ist besonders und insbesondere die modernen Objekte begeistern sogar mich Kunstbanausen.

Kunstobjekt im 'Auge'

Beim anschließenden Bummel durch die Altstadt bleiben wir bei einem Capoeira-Wettbewerb hängen. Auch wenn das sicherlich noch nicht die oberste Liga ist, ist es unfassbar mit welcher Körperbeherrschung und Gelenkigkeit die Männer, Frauen und Kinder sich bewegen.  

Capoeira

Auch faszinierend ist, wie voll die Bars an diesem Sonntagnachmittag sind. Und überall spielt Livemusik. Dabei wirkt es teilweise wie ein spontanes Treffen von Freunden zum Musizieren – allerdings mit erfreulich gut hörbarem Ergebnis.

Am Montagmorgen kehren wir dann Curitiba den Rücken und nehmen einen FLIXBUS!!! nach Florianopolis. Dabei haben wir tatsächlich ein wenig Glück, denn auf Grund der starken Regenfälle der vergangenen Nacht ist die Strecke durch die Berge morgens gesperrt und wird erst ganz kurz vorher wieder geöffnet. Dafür dauert die Fahrt allerdings nicht die geplanten 4,5 Stunden, sondern mehr als 6 Stunden – und der längste Teil schlängelt sich dabei durch Serpentinen und Regenwald. Doch während Laila und ich uns ganz entspannt zurücklehnen, schlafen und Musik hören, bedeutet das für Stefan eine lange Tortur und einen harten Kampf mit seinem Mageninhalt.

Pantano do Sul

Doch was lange währt… Wohlbehalten erreichen wir letztendlich den Busbahnhof von Florianopolis und freuen uns nun auf ein paar entspannte Tage an Meer und Lagunen.

Montag, 7. November 2022

Umzug, Auto, Wetterlage...

Nun sind schon wieder zwei Wochen um und ich wundere mich jeden Tag, wie schnell die Zeit auch hier in Cafayate vergeht. Dabei passiert hier zwischen Arbeit, Sport und Entspannung gar nicht so viel.

Es weihnachtet hier schon sehr...

Viel passiert ist dagegen in Deutschland. Am letzten Oktoberwochenende hat in mehreren Etappen Lailas Umzug stattgefunden. Doch auch wenn wir tausende von Kilometern entfernt sind und mein Bruder und seine Familie tollerweise die ganze Arbeit für uns übernommen haben, habe ich mich gestresst gefühlt. Bei einem Umzug geht ja selten alles glatt, aber in diesem Fall zogen sich die die Katastrophen durch die ganzen zwei Tage. Schon der Start am Samstag ist nicht besonders geschmeidig: Berge an Sachen in dem kleinen WG Zimmer, Verkehrschaos in Bremen, fehlende Parkmöglichkeiten vor der neuen Wohnung und, und, und… Aber das ist alles noch harmlos gegenüber dem Sonntag. Es beginnt damit, dass der gemietete Transporter nicht an der angegebenen Position steht, die Wartezeit in der Hotline über 30 Minuten beträgt, der Wagen letztendlich einen Kilometer entfernt zu finden ist und es am Ende auch noch das falsche und viel zu kleine Fahrzeug ist. Was das zur Folge hat kann man sich ja ausmalen. Die Sachen, die in Ellerbek und Rellingen gelagert sind, passen natürlich nicht alle rein, müssen auseinander gebaut bzw. zurückgelassen werden. Das ganze dauert natürlich unendlich viel länger. Dementsprechend mache ich drei Kreuze als der ganze Kram in Lailas Wohnung verstaut ist. Faszinierend finde ich dann allerdings, dass sie nach dem ganzen Trubel noch die Energie aufbringt mitten in der Nacht zu einer Halloween-Party zu fahren. Es lebe die Jugend!

Halloween-Queen

Doch auch hier ist natürlich ein bisschen was passiert. Abgesehen von den seltsamen Wetterphänomenen mit Stürmen und Temperaturstürzen um über 20°C, sind jetzt auch schon seit 2 Tagen die Berge um uns herum verschwunden. Gerüchte behaupten, es läge an einem Brand in Salta. Aber egal, woher es auch kommt: Für alle Tagestouristen, die wegen der tollen Ausblicke extra stundenlang hierher gefahren sind, muss das jedenfalls die totale Enttäuschung sein.

Sie blühen noch immer!

Unser Highlight der Woche jedoch, ist die Abholung unseres Autos. Freitagmittag machen wir uns ein letztes Mal mit unserem geliehenen Wagen auf den Weg nach Salta und ich kann nicht behaupten, dass ich darüber traurig bin. Nach dem ganzen Trouble mit kryptischen Warnmeldungen und platten, abgefahrenen Reifen bin ich froh, demnächst ein neues, hoffentlich fehlerfreies Auto mit neuen Reifen fahren zu können. Und ich muss zugeben, dass ich entgegen meiner ursprünglichen Skepsis positiv überrascht bin von der Farbe. Ich finde es richtig schick und hey, uns übersieht so einfach keiner mehr J. Aber vor allem brauchen wir uns keine Gedanken mehr zu machen, wenn in der Regenzeit die Flüsse quer über die Straßen fließen oder die Straßen mal nicht befestigt oder holprig sind. Ich freue mich schon auf unsere erste längere Tour – und bis Feuerland sind es ja nur 4500 km ;-)

Das ist es!!!


Sonntag, 23. Oktober 2022

Aus der Quarantäne nach Cafayate

Da haben wir es 1,5 Jahre geschafft dem Coronavirus auszuweichen und ausgerechnet auf unserer Campertour durch die einsamen Ecken des Balkans erwischt es uns dann doch. Zuerst Stefan und nach unserer Rückkehr schließlich auch mich. Alles andere wäre wohl auch eher ein Wunder gewesen, denn enger als im Campervan kann man wohl kaum aufeinander hocken. Das Timing ist natürlich nicht besonders günstig, denn wir haben nur noch 10 Tage bis zu unserer Abreise nach Argentinien und sind quasi ans Haus gefesselt, auch wenn es mir eigentlich nach einem Tag mit Fieber und Kopfschmerzen wieder gut geht. Alle unsere Erledigungen schieben sich nach hinten und das Treffen mit Freunden fällt entweder ganz aus oder findet auf den letzten Drücker statt. Selbst meine gemeinschaftliche Geburtstagsfeier im Tennisclub findet ohne mich statt. Aber um auch mal die positive Seite zu erwähnen: rechtzeitig zu unserem Abflug nach Argentinien sind unsere Tests wieder negativ und die Symptome waren sehr moderat.

30 km vor Cafayate

Tja, und dann sind wir unterwegs. Über Zürich und Sao Paulo geht es nach Buenos Aires. Dort haben wir 10 Stunden Aufenthalt und sind froh und glücklich, dass wir unsere vier megaschweren Gepäckstücke im Hotel von Freunden deponieren können. Der Flughafen in BA hat nicht mal eine Gepäckaufbewahrung. Wir organisieren Handykarten, gehen Essen und chillen ein wenig, bevor es wieder zum Flughafen und weiter nach Salta geht.

Cooler Roller

Es ist immer wieder erstaunlich, wie einfach wir das Jetlag überwunden haben. Wir gehen spät ins Bett, wachen zu einer normalen Uhrzeit auf und das war’s. Gut erholt machen wir uns auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz. Zwar haben wir uns für die nächsten 2 Monate das Auto eines Freundes geliehen, aber spätestens dann benötigen wir eine Alternative. Die erste Idee einen Roller zu kaufen, verwerfen wir aus verschiedenen Gründen wieder, auch wenn ich finde, dass ich mich optisch ganz gut darauf mache. Letztendlich landen wir bei einem Nissanhändler mit der Option noch im Oktober einen nagelneuen Nissan XGear bekommen zu können.

Kakteenblüte

Danach treten wir die letzte 3-stündige Etappe nach Cafayate an. Und dieses Mal ist es tatsächlich anders als die Male zuvor. Als wird die letzte Strecke durch die Quebrada fahren, fühlt es sich nicht mehr nach Urlaub, sondern mehr nach Nachhausekommen an.  Alles ist so vertraut und es fühlt sich an als wären wir nie weggewesen. Allerdings platzt Cafayate gerade aus allen Nähten, denn mit Feiertagen am Freitag und Montag ist es ein XXL-Wochenende und ganz Argentinien ist auf Reisen.

Unser neues Auto

Wir haben für die gesamten 7 Monate ein sehr schönes Haus gemietet und müssen zum Glück dieses Mal auch nicht zwischendurch ausziehen. Die Eingewöhnungsphase ist eigentlich schon vorbei, nachdem wir unsere Koffer ausgepackt haben. Und dann startet das Leben hier, eigentlich so wie es aufgehört hat – zum Glück allerdings bei höheren Temperaturen. Golfen, Schwimmen, Squashen, Haus planen, Steaks essen… Eine tolle Neuerung ist nebenbei, dass es im Supermarkt in Salta jetzt endlich auch alkoholfreies Bier gibt. Damit haben wir uns erstmal gut eingedeckt, denn es ist nicht so wahrscheinlich, dass wir es auch in Cafayate bekommen.

Noch mehr Kakteenblüten

Die Tage fliegen hier so dahin, die Nächte werden langsam wärmer, wir erkunden ein paar neue Restaurants und dann erfahren wir, dass wir noch im Oktober ein Auto haben können. Einziger Haken: die Farbe! Es ist knallrot. Doch in Argentinien sollte man besser die Gelegenheit nutzen, denn ob es in absehbarer Zeit ein anderes geben wird, kann uns niemand versprechen.

Da Stefan die Verträge unterschreiben und Geld anzahlen muss, müssen wir wieder nach Salta fahren. Als wäre es eine Vorahnung, fahren wir vor unserer Abfahrt zur Tankstelle, um den Reifendruck zu prüfen. Und man ahnt es ja schon, der linke Hinterreifen hat kaum noch Luft und bei genauerem Hinschauen wissen wir dann auch warum. Drei (!!!) Nägel stecken in dem Profil, welches überdies auch noch dermaßen abgefahren ist, dass man auch so schon ein ungutes Gefühl haben müsste. Mit argentinischem Pragmatismus verkauft der Reifenhändler uns für stolze 70€ einen mindestens ebenso abgefahrenen Reifen aus seinem Fundus und 1,5 Stunden später kann es dann auch schon losgehen. Ich würde es mal Glück im Unglück nennen, denn wäre uns der Reifen irgendwo in der Quebrada geplatzt, hätten wir dort weder einen passenden Ersatzreifen noch Handyempfang für einen Notruf gehabt. Ich bin sehr froh, dass wir die Strecke nach Salta mit diesem Auto nur noch einmal fahren müssen. Mit dem neuen Auto sollten wir dann hoffentlich erstmal keine Probleme haben.

Das erste argentinische Steak

Da die Hotels in Salta deutlich teurer geworden sind, probieren wir dieses Mal ein anderes Hotel aus. Die Lage ist perfekt, es hat eine Garage, doch damit sind auch alle positiven Eigenschaften genannt. Das Zimmer ist winzig klein und um es mal neutral auszudrücken im Vintagestil eingerichtet. Die Matratze ist steinhart, aber am schlimmsten ist der Lärm, der die ganze Nacht im und um das Haus tobt. Katastrophal! An Schlaf ist eigentlich kaum zu denken und dementsprechend gerädert machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg, um alle Formalitäten und ein paar Einkäufe zu erledigen. Nächsten Freitag können wir voraussichtlich das Auto abholen und sind dann stolze Besitzer eines Feuerwehrwagens J Da hat man auf jeden Fall kein Problem mehr, das Auto auf einem vollen Parkplatz wiederzufinden. Die Farbe hat also auch ihre Vorteile. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf!