Donnerstag, 28. Oktober 2021

Die letzten Etappen

Übernachtung mit Ausblick
Drei Nächte bleiben wir letztendlich in Padenghe sul Garda. Wir wandern einmal links und einmal rechts den See entlang, genießen die Sonne und den Blick auf den See, essen Eis und erholen uns von der Reiserei. Dann sind wir bereit für die Weiterreise. Wir spielen zum Abschied eine Runde Golf auf einem wirklich tollen, gepflegten Golfplatz ohne Ameisenhügel und Sandwürmer, gönnen uns noch eine heiße Dusche und machen uns auf den Weg in Richtung Norden entlang der westlichen Seite des Gardasees.

Limone sul Garda

Die Landschaft ändert sich sehr bald. Die Berge werden höher und schroffer, entlang der Straße geht es steil nach unten, wo sich einzelne Häuser und Villen verbergen. Wir fahren durch unzählige Tunnel bis wir schließlich in Limone sul Garda anhalten. Wir parken den Camper auf einem Parkdeck mit gigantischem Blick auf See und Berge– unser heutiger Übernachtungsparkplatz – und wandern in Richtung See und in den Ort hinab. Der Ort ist ganz hübsch, aber die Preise am Gardasee sind deutlich höher als in den anderen Teilen Italiens, die wir bisher bereist haben. Da wir temporär sowieso schon alle Restriktionen in Sachen Weizenmehl aufgehoben haben, gibt es mal wieder Pizza – die einzige günstige Option.

Gardasee am Morgen

Da der Parkplatz stundenweise berechnet wird, stellen wir uns einen Wecker und rollen morgens um acht Uhr schon durch die Schranke in Richtung Riva del Garda am nördlichen Ende des Sees. Wir haben Glück, finden einen tatsächlich einen Parkplatz und streifen durch die Stadt und am See entlang. Und es gefällt uns so gut, dass wir beschließen dort noch eine Nacht zu bleiben. Der Ort bietet so viele Möglichkeiten wie Segeln, Surfen, Tauchen, Wandern, Biken und vieles mehr, dass man dort auch wirklich mal mehr Zeit verbringen könnte. Wir erklimmen den Monte Brione, der eine Festungsanlage und einen tollen Ausblick zu bieten hat.

Schönes Mittenwald

Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Wir machen uns auf die Reise zurück nach Deutschland. Über Trient, Bozen und Innsbruck fahren wir bis Mittenwald, einem kleinen, idyllischen Ort in Bayern. Hier sind die Parkmöglichkeiten für Campervans gleich deutlich eingeschränkter. Vor den meisten Parkplätzen gibt es Höhenbegrenzungen und Hinweisschilder, aber wir haben mittlerweile eine gewisse Übung und finden eine freie Parkbucht für die Nacht – wie wir am nächsten Morgen feststellen direkt vor dem Rathaus. Mittenwald ist umgeben von Alpengipfeln und bekannt für seine alten und aufwendig bemalten Häuser. Wirklich sehr, sehr hübsch. Und es hat ein Brauhaus. Dort investieren wir unsere eingesparte Campinggebühr in ein paar leckere kalte Biere und ein deftiges bayrisches Essen.

Die Zugspitze

Nach dem Frühstück verlassen wir Mittenwald in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Wir stoppen in Garmisch, bummeln bei kaltem, aber sonnigem Wetter durch die Stadt, trinken einen Kaffee mit Blick auf die Alpspitze bevor es weitergeht zur Zugspitze. Wir schlängeln uns durch Österreich bis wir einen Platz finden, von dem wir die Zugspitze sehen und fotografieren können. Das Wetter dort oben ist zu kalt und stürmisch, so dass wir uns mit dem Blick von unten zufrieden geben. Als nächste Sehenswürdigkeit folgt Schloss Neuschwanstein. Das weiße Märchenschloss ragt aus dem bunten gefärbten Herbstwald hervor – ein wirklich toller Anblick und natürlich ein erstklassiges Fotomotiv.

Schloss Neuschwanstein

Unser Ziel an diesem Tag ist Heidenheim. Dort wohnen Freunde, die wir besuchen wollen. Eigentlich war nur eine Übernachtung geplant, aber nach einem langen Abend mit Raclette und vielen, vielen Flaschen teurem Rotwein, sind wir am nächsten Tag in keiner guten Verfassung für die Weiterfahrt. Wir verlängern um eine weitere Nacht, essen nochmal Raclette, lassen aber den Rotwein weg, so dass wir am nächsten Morgen tatsächlich fahrtüchtig und abreisebereit sind.

Unser letzter Stopp ist Hannover. Dort wohnen Stefans Schwester und ihr Mann, die gerade ein Sabbatical genommen haben und zwischen zwei Reisen zu Hause sind. Unterbrechen müssen wir unseren Trip kurz vor Kassel um Punkt 13.30 Uhr, denn da spielt St. Pauli und Stefan will das Spiel unbedingt sehen. Das stellt sich als gar nicht so einfach heraus, denn der Empfang ist so schlecht, dass wir erst auf dem dritten Autohof eine vernünftige Bildqualität bekommen. Was man nicht alles für ein Fußballspiel auf sich nimmt J

Home sweet home

Nach den vielen Wochen mit italienischem Essen gibt es abends zur Abwechslung mal griechische Küche. Zum Frühstück gibt es ein letztes Mal Weizenbrötchen, denn zu Hause ist wieder Schluss damit. Wir zögern unsere Heimreise noch ein wenig hinaus, fahren zu den Herrenhäuser Gärten und machen dort einen kurzen Spaziergang – die acht Euro pro Person für den großen Garten sind wir allerdings nicht bereit zu zahlen - nach 12 Wochen auf Achse ist es uns das nicht wert. Dann beginnt unsere letzte Etappe.


Tja, und dann ist die Reise plötzlich zu Ende. Gegen Nachmittag biegen wir in unsere Straße ein. Die riesige Tanne im Vorgarten und die Baustelle vor unserem Gartentor sind weg, ansonsten ist eigentlich alles beim Alten. Genau 90 Tage waren wir unterwegs. Wir haben in der Zeit zwar diesmal nicht die Welt, aber fast ganz Italien umrundet, einige schöne Ecken von Frankreich und für uns eine neue Form des Reisens entdeckt. Wir haben schnell gemerkt, dass wir großen Städten und Orten mit zu vielen Menschen lieber aus dem Weg gehen. Vier tolle Wochen sind wir zusammen mit Laila gereist und egal, ob zu zweit oder zu dritt, hatten wir im Campervan nie das Gefühl, dass uns etwas fehlen würde – mal abgesehen natürlich von Freunden und Familie. Wir haben viel gesehen und wenn mich jemand nach meinen drei Highlights fragen würde, wären es die gigantischen Sonnenblumenfelder in Frankreich, der Sonnenuntergang über dem Stromboli und die Ausgrabungen von Pompei. Aber natürlich gab es viel, viel mehr tolle Erlebnisse. Jetzt macht der Campervan erst einmal eine wohlverdiente Winterpause und dann schauen wir mal, wo es uns als nächstes hin verschlägt.

Sonntag, 17. Oktober 2021

Reisemüde

Super Stellplatz in Vieste...
Während wir etwas ziellos durch Italien irren, ist Laila inzwischen mit Unterstützung ihres Opas nach Bremen gezogen. Sie hat ein Zimmer in einer neu gegründeten Sechser-WG gefunden und beginnt jetzt mit ihrem Bio-Studium. Ein komisches Gefühl ist das schon, das alles nur aus der Ferne zu erleben und in ein paar Wochen nach Hause zu kommen, ohne sie in ihrem Zimmer vorzufinden. Aber vielleicht fällt die Trennung auf diese Art auch ein bisschen leichter und Bremen ist zum Glück ja nicht ganz so weit weg.

... aber leider auch super kalt

Wir bleiben schließlich zwei weitere Nächte in Vieste auf einem Campingplatz und haben den wohl besten Platz, den man sich vorstellen kann. Zwischen uns und dem endlos weiten, menschenleeren Strand ist nur ein kleiner Zaun. Leider verdirbt uns das Wetter den Spaß an längeren Strandaufenthalten. Stefan stürzt sich morgens kurz heldenhaft in die tobenden Wellen, ansonsten sind beim Spaziergang am Strand aber Jacke und Mütze notwendig. Schließlich verlassen wir Vieste ohne allerdings einen Plan zu haben, wo wir eigentlich hin wollen. Das Wetter hat sich gebessert, aber es bleibt kalt. Wir fahren die nördlich Seite des Sporens entlang, dort gibt es zwei größere Seen, an denen wir kurz stoppen. Dann geht es weiter an der Küste entlang nach Vasto, einem kleinen Badeort, der nun ziemlich verlassen vor sich hin schlummert.

Verlassener Badeort Vasto
Wir übernachten auf einem kleinen Parkplatz am Meer, morgens geht es weiter in Richtung Norden. Wir sind nach wie vor unentschlossen und beschließen, erstmal eine Runde Golf zu spielen. Das Greenfee beträgt nur 10 €, mehr ist der Platz allerdings auch nicht wert. Auf den Grüns tummeln sich mehr Ameisen, Sandwürmer und Eicheln als Gras und ein Rasenmäher hätte den Fairways sicherlich auch mal gut getan. Ich spiele katastrophales Golf, dann zieht ein Unwetter auf, ein Hubschrauber kreist verdächtig lange über uns, wir haben Sorge, dass ein Tornado aufzieht und brechen die Runde ab – es soll heute einfach nicht sein. Zumindest der Abend ist versöhnlich. Wir übernachten auf einem Agritourismo mit eigener Bierbrauerei und Verköstigung am Abend. Zwei Bier und ein paar Antipasti heben die Stimmung vorübergehend bis dann nachts die Temperaturen so weit fallen, dass ich trotz mehrerer Schichten an T-Shirts und Pullis friere wie ein Schneider. Erst die heiße Dusche am Morgen taut mich wieder ein wenig auf.
Trabucco - Pfahlbau zum Fischfang

Schlechtgelaunt und müde fahren wir los, verwerfen den Plan noch ein paar Tage in den Apennin zu wandern und stoppen schließlich in Sirolo, einem kleinen Bergort. Während wir in einem Cafe auf unsere heiße Schokolade warten, sinkt die Stimmung auf den Tiefpunkt. Draußen tobt der Wind, mir ist kalt und ich bin müde. Wir haben keine Lust noch weitere Altstädte, Kathedralen und ähnliches zu besichtigen. Ich würde sagen, der Begriff Reisemüdigkeit beschreibt unseren derzeitigen Zustand sehr treffend. Und so kommt es, dass wir entscheiden früher als gedacht, nach Hause zu fahren. Wir werfen den Motor an und fahren an diesem Tag noch bis Cattolica, einer hübschen kleinen Stadt etwas südlich von Rimini und nicht weit entfernt von San Marino. Denn San Marino wollen wir auf jeden Fall noch besuchen, bevor wir weiterfahren. Mittlerweile sind wir Profis im Übernachten auf Parkplätzen, so auch in Cattolica. Sitzt man drinnen und schließt alle Jalousien am Camper, ist es eigentlich auch fast egal wo man steht J

Cattolica

Freitagmorgen nach dem Frühstück fahren wir nach San Marino. Mir war vorher gar nicht klar, dass die Stadt San Marino oben auf einer Bergspitze liegt. Den Camper müssen wir deshalb auch unterhalb stehen lassen und uns mit Fahrstühlen nach oben arbeiten. Die Altstadt ist von einer Stadtmauer umgeben, kleine Straßen ziehen sich steil nach oben, eine Burg und drei Wachtürme haben die Stadt früher beschützt und sind auch heute noch gut erhalten. San Marino ist wirklich schön und im Moment sind nicht mehr viele Touristen unterwegs, aber die Anzahl der Parkplätze lässt vermuten, was in der Hauptsaison hier los ist. Nach unseren Recherchen besuchen jährlich 2 Mio. Touristen das kleine San Marino, welches übrigens auf Platz 210 von 210  der Fußballweltrangliste steht J. Da San Marino kein Mitglied der EU ist, ist Einkaufen hier auch günstiger, was sich in den zahllosen Parfüm- und Schmuckgeschäften wieder spiegelt. Kurz vor der Grenze zu Italien gibt es überdies eine neue Outlet Shoppingmall. Wir wissen nicht, ob Corona der Grund ist, aber wir finden uns in einer riesigen nagelneuen, luxuriösen Anlage wieder, in der 90% der Geschäfte leer stehen. Laute Musik dröhnt aus Lautsprechern, aber Menschen sind so gut wie keine zu sehen. Wir kommen uns vor wie in einer Filmkulisse - eine absolut surreale Atmosphäre.
San Marino

Wir brechen auf in Richtung Bologna, aber als wir uns nähern ist es noch hell und so fahren wir weiter und immer weiter in Richtung Norden bis ein Stau uns schließlich kurz vor Mantua zum Anhalten bringt. In unserem Camper mit Klo, Kühlschrank und Automatikschaltung ist ein Stau ja halbwegs gut zu ertragen. Wir holen ein alkoholfreies Bier und ein paar Snacks aus dem Kühlschrank und warten bis es weitergeht. Irgendwann fahren wir von der Autobahn ab und wie das Schicksal es so will, befindet sich an unserem avisierten Übernachtungsparkplatz in Mantua doch tatsächlich eine Outlet Mall. Da ist doch noch ein Stündchen Shopping drin – auch wenn ich eigentlich gar nichts kaufen will. Alleine das Gefühl so zu tun als ob, ist ja manchmal schon Balsam für die Seele.

Unser Platz am Gardasee

An diesem Abend aktivieren wir zum ersten Mal unsere Heizung und auch wenn ich schlecht schlafe, liegt es zumindest nicht daran, dass ich friere. Es ist kuschelig warm und auch morgens beim Frühstück müssen wir nicht mit Mütze und Schal sitzen. Das ist wieder ein ganz anderes Lebensgefühl und so beschließen wir frohen Mutes, erst noch mal einen Abstecher zum Gardasee zu machen bevor wir den Heimweg antreten. Den deutschen Herbst und Winter können wir schließlich noch lange genug genießen.

Urlaub :-)

Wir fahren an die südwestliche Seite des Gardasees und sind überrascht wie viel hier los ist. Die Campingplätze, die noch geöffnet haben, sind fast voll, Restaurants und Cafes haben mehrheitlich geöffnet und sind gut besucht. Eine ganz andere Atmosphäre als in den verlassenen Badeorten an der Küste. Unser Stellplatz ist direkt am See, die Sonne scheint und bei einem Gläschen Aperol ist das Leben auf einmal doch wieder ganz entspannt. Eine gute Entscheidung noch eine Woche ‚Urlaub‘ am Gardasee einzuplanen J

Sonntag, 10. Oktober 2021

Der Absatz des Stiefels


Amphitheater in Lecce

Am zweiten Abend in unserem Pinienhain trinken wir ein Gläschen Wein mit unseren Nachbarn, die auf dem Weg sind nach Sizilien, um dort zu überwintern. In Deutschland haben sie alles aufgelöst, sich ein Wohnmobil gekauft und seitdem sind sie unterwegs. Auch ein durchaus interessantes Lebensmodell – auf jeden Fall mit wenig Ballast.


Unser nächster Stopp ist in Policoro, ein offenbar neu erschlossener Strandort mit neuen Ferienunterkünften und zahlreichen, aktuell leider schon geschlossenen Strandbars und Restaurants. Wäre nicht gerade ein Angelwettbewerb in Vorbereitung, wären wir vermutlich fast die einzigen Strandbesucher an diesem späten sonnigen Nachmittag. Nachdem wir das Projekt Wäschewaschen endlich erfolgreich abgeschlossen haben, geht es gegen Mittag los in Richtung Stiefelabsatz. Dort gibt es einige kleinere Barockstädtchen, die wir anschauen wollen. Zuvor verbringen wir aber die Nacht auf dem Parkplatz eines ehemaligen Campingplatzes. Der Weg dorthin ist holperig und als die Sonne schließlich untergeht, sind wir die einzigen weit und breit inmitten des Naturschutzgebiets. Für meinen Geschmack ist das etwas zu einsam!
Leuca

Am Morgen geht es nach Lecce, die erste Barockstadt in unserer Sammlung und außerdem die reichste Stadt Süditaliens. Das wirkt sich offenbar auch positiv auf die Sauberkeit aus. Die Stadt ist wie geleckt, hat eine tolle Altstadt und die Ausgrabung eines Amphitheaters. Und auch nachdem wir mittlerweile schon viele Kathedralen gesehen haben, sind wir beeindruckt von der aufwendigen Fassade der Basilika. Gratis dazu gibt es noch eine Hochzeitsgesellschaft inklusive Pferdekutsche. Wir verbringen einen entspannten Tag in Lecce und übernachten anschließend auf einem Agritourismo, mit den besten sanitären Einrichtungen, die ich bisher auf einem Campingplatz gesehen habe. Es gibt richtige Badezimmer mit Dusche und Bidet – fast besser als zu Hause. Kleiner Wermutstropfen: die zugehörige Pizzeria und der Pool haben geschlossen, das Olivenöl ist ausverkauft… Man kann wohl nicht alles haben.


Frisch geduscht und ausgeschlafen starten wir unsere Tour entlang der Ostküste. Die Küstenstraße nach Leuca am Südzipfel verläuft direkt am Meer entlang und ist eine der schönsten, die ich je gefahren bin. Wir stoppen in Otranto, der östlichsten Stadt Italiens, in einigen kleineren Orten und erreichen gegen Abend Leuca, einen kleinen Badeort mit einem großen, in italienischen Farben illuminierten Leuchtturm. Auch hier ist es offensichtlich, dass die Saison vorüber ist. Nur noch wenige Restaurants haben geöffnet, dafür ein gutes Geschäft für die Pizzeria, in der sich die letzten gestrandeten Touristen versammeln.

Weihnachtsstimmung

Aus Ermangelung an Alternativen übernachten wir im Camper am Straßenrand, was sich auf Grund des Verkehrs nicht als besonders erholsam herausstellt. Leider keine gute Schlafplatzwahl. Dafür gibt es als Entschädigung ein Frühstück in exklusiver Strandlage, bevor es auf der Küstenstraße an der Westseite des Absatzes weitergeht nach Gallipolli. Die Altstadt liegt auf einer Felseninsel, ist hübsch, gepflegt, aber auch sehr touristisch geprägt, so dass wir nach einer Kaffeepause die Weiterfahrt antreten. Wir stoppen an einem Strand in der Nähe von Maduria und übernachten auf einem Campingplatz mit angrenzender Beachbar. Die Bar ist riesig groß und richtig cool mit südamerikanischem Flair und dazu menschenleer. Bei einem Kaffee erfahren wir, dass dort in den Sommermonaten die Hölle los ist, jetzt aber die Saison zu Ende geht. Der Besitzer schließt die Bar Ende Oktober und verbringt den Winter bei einem Freund in Paris, wo er für 3 Monate im Restaurant aushilft, bevor er dann im April zurückkehrt in seine Strandbar. Auch das ist nicht das schlechteste Leben J

Cafe in Ostuni

An diesem Morgen hadern wir ein wenig, wie wir unsere Route fortsetzen sollen. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist nicht besonders erfreulich – es soll kalt und regnerisch werden. Schließlich entscheiden wir uns Ostuni, Alberobello und Monopoli anzuschauen.

Ostuni wird auch die weiße Stadt genannt, weil alle Häuser weiß gekalkt sind und sie dadurch schon von weitem zu sehen ist. Die schmalen Gassen gehen steil bergauf bzw. bergab – einige Cafes erstrecken sich über mehrere steile Treppenzüge – Hut ab vor den Kellnern dort ;-) Im Oktober sind auch hier nicht mehr viele Touristen unterwegs, aber wir mögen uns nicht vorstellen, was hier in den Sommermonaten abgeht. Das Gleiche gilt für Alberobello, welches bekannt ist für seine Trulli und damit zum UNESCO Weltkulturerbe avancierte. Trulli sind kleine, weiße Rundhäuser mit einem Spitzdach, die wirklich hübsch aussehen, aber natürlich auch entsprechend touristisch vermarktet werden.

Trulli in Alberobello

Für den Abend steuern wir schließlich Monopoli an. Unser Übernachtungsplatz ist diesmal ein kostenloser Parkplatz in zentraler Lage am Hafen, das eingesparte Geld legen wir an diesem Abend in Cocktails und Essen an. Die Altstadt grenzt direkt an den Fischereihafen, so dass die Wege kurz sind und wir, nachdem wir den Fischern beim Entladen ihrer Boote zugesehen haben, direkt im Getümmel von Monopoli landen. Es gefällt uns richtig gut und nach dem dritten Cocktail vermutlich noch besser. Leider wollen wir am nächsten Morgen weiter und bedauerlicherweise trifft auch die Wettervorhersage ein. Es hat sich abgekühlt und fängt leicht an zu regnen… Ein ungewohntes Ereignis nach so langer Trockenheit!

Monopoli

Wir fahren die Küste entlang in Richtung Manfredonia (sehr lustiger Name). Auf einem Teil der Strecke befinden sich kilometerlange Salzseen, welche zu den größten Salinen Europas gehören. Und in den Salzseen stehen tatsächlich weiße Flamingos. Wie cool! Unser Campingplatz liegt an der Steilküste in einem Olivenhain und man kann sich kaum noch vorstellen, dass man dort im Sommer im türkisblauen Wasser baden kann. Die Wellen brechen jetzt tosend und spritzen an den Felswänden in die Höhe. Ein echtes Spektakel, dem man endlos zuschauen könnte.

Ordentlich Brecher

Wir fahren nach Monte Sant Angelo. Dort gibt es eine Wallfahrtskirche, eine Festung und deutlich mehr Touristen als wir erwartet hatten. Aber allein die Fahrt dorthin mit spektakulären Ausblicken über die von Olivenbäumen geprägte Landschaft und die Stadt Manfredonia ist den Aufwand wert. Dann erwischen wir auch noch gerade einen günstigen Moment, um in die eigentlich bereits geschlossene Kirche zu gelangen. Damit haben wir dort eigentlich alles abgehakt und können uns durch Foresta Umbra weiterarbeiten nach Vieste. Der Wald ist groß, dicht und dunkel, was wohl auch seinen Namen Schattenwald begründen dürfte und es ist toll nach so viel Strand, Meer und Olivenbäumen endlich mal wieder durch einen richtigen Buchenwald zu fahren und die Waldluft einzuatmen. Was man nicht nach einer Weile so alles vermissen kann J.



Kreidefelsen in Vieste

Schließlich erreichen wir Vieste, parken am Strand, bewundern die Kreidefelsformationen und unternehmen einen ausgiebigen Strandspaziergang. Eine Strandbar reiht sich an die nächste, alle sind geschlossen. Im Sommer tobt hier garantiert der Bär. Heute sind wir fast alleine. Wir parken unseren Camper auf dem Parkplatz, auf dem wir übernachten wollen, erkunden die Stadt und die Altstadt, gehen Essen und finden schließlich zur Schlafenszeit eine lärmende Horde Jugendliche genau neben unserem Van. Die Idee ist wohl nicht aufgegangen und wir disponieren um und suchen einen anderen Parkplatz.
Altstadt von Vieste

Nachdem das streitende Ehepaar dort endlich abgefahren ist, kehrt endlich Ruhe ein bis das Prasseln des Regens uns am Morgen wieder weckt. Nun ist es also passiert. Der Herbst hat uns auch in Süditalien gefunden. Wir haben ungemütliche 13°C und Dauerregen. Unser Wassertank ist leer, die Batterie auch. Wir suchen uns in Vieste einen Campingplatz zum Auftanken und Abhängen und dann schauen wir mal, wie die Welt hier morgen aussieht. Vielleicht kommt der Sommer ja doch noch mal zurück!

Freitag, 1. Oktober 2021

Vulkanische Inseln und Canyons

Segelcrew 2021

Samstagmorgen geht es in aller Frühe zum Flughafen in Catania. In üblicher Manier kommen wir zu spät los, verpassen die richtige Abfahrt und stellen fest, dass nur Passagiere das Terminal betreten dürfen und wir Laila nur noch in die Schlange davor schieben können und hoffen müssen, dass ihre Temperatur nach dem gestrigen Fieberanfall in Ordnung ist und sie rechtzeitig durch alle Kontrollen den Weg zum Gate schafft. Wir warten währenddessen auf Stefans Kumpel, der aus Hamburg ankommt und meine Segelkollegen, die mich mitnehmen sollen zum Hafen in Portorosa im Norden Siziliens. Um es kurz zu machen: wir verbringen einige Stunden in dem einzigen geöffneten Cafe, es gibt keine Toilette, die Situation beim Mietwagenverleih ist mit dem Wort ‚Chaos‘ noch viel zu positiv beschrieben, aber am Nachmittag erreichen wir letztendlich den Jachthafen, der sich durch seine ‚großzügige‘ Ausstattung mit einem einzigen Duschklo nicht gerade positiv hervorhebt. Das gleiche gilt für unsere drei Boote, die klein, wenig geräumig und nicht gerade üppig ausgestattet sind. Wie sich später noch herausstellt, funktioniert leider auch der Außenborder unseres Dinghis nicht.

Stromboli

Sonntagmorgen geht es los. Unser Ziel sind die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien. Sie sind vulkanischen Ursprungs und gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO. Die bekannteste ist vermutlich die Insel Stromboli mit ihrem aktiven Vulkan. Unser erstes Ziel ist die Insel Vulcano, die tatsächlich namensgebend für Vulkane gewesen ist und aus der noch immer sichtbare, stinkende Schwefelgase austreten. Das Konzept der Jachthäfen der Inseln erschließt sich mir allerdings noch nicht. Wir zahlen viel Geld für den Liegeplatz (auch wenn sie eighteen Euros gesagt haben, meinten sie nämlich eigentlich eighty Euros!) und auch nur dafür, denn Duschen und Toiletten kosten leider nochmal extra. Was ist das für ein Service?


Unser nächstes Ziel ist Stromboli. Es ist ein langer Weg zur nördlichsten der Inseln und der Wind spielt leider nur zeitweise mit. Immerhin erreichen wir die Bucht am Abend noch so rechtzeitig, dass wir einen etwas geschützteren Platz an einer Mooringleine bekommen. Trotzdem ist das Kochen in dem schaukelnden Boot kein Spaß und selbst mir wird nach einer Weile leicht übel. Die anderen beiden Boote, die weiter draußen liegen, müssen nachts sogar den Ankerplatz wechseln, weil die Wellen unerträglich werden. Dafür brechen sie dann aber morgens um vier Uhr auf, um sich die spektakulären Eruptionen des Stromboli auf der anderen Seite der Insel anzuschauen. Wir dagegen sind unweckbar und verschlafen das Spektakel, nachdem endlich die Wellen nachgelassen haben und etwas Ruhe auf dem Boot eingekehrt ist.


Sonnenuntergang
Nach der unruhigen Nacht brechen wir auf nach Salina. Dort steuern wir einen Jachthafen an und wenn wir gedacht haben, dass schon der letzte Hafen teuer war, gibt es hier noch eine ordentliche Steigerung. Allerdings interessiert mich das momentan nur am Rande, da mich ein übler Virus ausgeknockt hat und ich den ganzen Tag und Abend verschlafen habe. Am nächsten Morgen fühle ich mich etwas besser und erkunde wenigstens jetzt noch kurz den kleinen Ort am Hafen, bevor wir lossegeln zu einer Ankerbucht auf der anderen Seite der Insel.

Bis dahin hatte ich gedacht, die Nacht vor Stromboli wäre schlimm gewesen, aber eigentlich war das im Vergleich wie eine Nacht im Grand Hotel. Der Wind und die Wellen steigern sich kontinuierlich, so dass wir irgendwann nur noch in unseren Kojen liegen können. Das Boot schaukelt wie wahnsinnig und unter Deck kracht und scheppert es unaufhörlich. Keiner von uns macht in dieser Nacht ein Auge zu und beim ersten Licht morgens um sechs Uhr werfen wir den Motor an und verlassen unseren Ankerplatz. Eins ist klar, die Liparischen Inseln sind kein geeignetes Revier zum Ankern. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Jachthäfen derartige Phantasiepreise aufrufen können. Denn auch wir laufen am Abend erschöpft den Hafen von Lipari an. Zumindest tagsüber haben wir eine tolle Bucht gefunden, in der man chillen, schwimmen und schnorcheln konnte. Zum Übernachten wäre diese aber ebenso wenig geeignet gewesen.

Markt in Ortygia

Am Freitag geht es zurück nach Portorosa. Der Wind ist nur mäßig und wir müssen leider längere Strecken motoren. Nach zwei kurzen Badestopps, reihen wir uns schließlich als letzte in die Schlange vor der Tankstelle in Portorosa ein. Den letzten Abend begehen wir dann mit allen drei Booten in die Pizzeria am Hafen und tatsächlich ist das der erste Abend, an dem wir es mal so richtig krachen lassen und nach einer sehr, sehr kurzen Nacht in ziemlich desolatem Zustand das Boot verlassen.

Stefan holt uns (Anja, Mert und mich) in Portorosa ab und nach einem schnellen Frühstück treten wir die Fahrt nach Ortygia an, einer kleinen Insel an der Ostküste Siziliens und das historische Zentrum von Syrakus. Mittlerweile hat das Virus Mert erwischt und trotz andauernder Behandlung mit Ibuprofen, geht es ihm nicht gut. Wir haben für zwei Nächte ein Apartment mitten in der Altstadt von Ortygia gemietet und genießen nach all den Erlebnissen mit Duschen und Toiletten in Häfen und auf Campingplätzen, jetzt den Luxus eines eigenen Bades und zusätzlich eines richtigen Bettes, was auch insbesondere für den kranken Mert eine Erholung sein dürfte.

'Grand' Canyon
Ortygia hat hübsche kleine Gassen, mit kleinen Altbauten und viele nette Restaurants und Bars. Wir gehen essen, erkunden die Stadt und verabschieden uns schließlich am Montag von Anja und Mert, die mit dem Bus zurückfahren nach Palermo, um unsere Campertour fortzusetzen.

Wir brechen auf in Richtung Süden nach Avola, beschließen dort aber bei einem Kaffee, dass wir hier nicht bleiben wollen und stattdessen zu einem Canyon im Cavagrande Naturreservat fahren möchten – ein Tipp, den Stefan bekommen hat. Die Fahrt dorthin ist bereits spektakulär. Die Straße schlängelt sich den Berg hinauf und man kann unendlich weit blicken. Der Canyon erinnert uns sofort an den Grand Canyon, auch wenn er natürlich deutlich kleiner ist. Am Fuße fließt ein Fluss, in dem man baden kann, nachdem man den 45-minütigen Abstieg über einen gerölligen Weg bewerkstelligt hat. Das Wasser ist toll und klar und für mich altes Weichei zugegebenermaßen zu kalt, um reinzuspringen. Ich halte lediglich die Füße rein und bestaune die ganz Mutigen, die sich aus fünf Meter Höhe mit Salto ins Wasser stürzen. Dann treten wir den Weg nach oben an. Auch wenn wir den Aufstieg schneller bewerkstelligen als den Abstieg, bin ich froh als ich oben über das Tor klettere und ein kaltes Bier in der Hand habe. Für ganze drei Euro können wir die Nacht hier auf dem Parkplatz verbringen – Toilette, Dusche und ein grandioses, selbstzubereitetes Frühstück mit Canyonblick inklusive. Viel besser und günstiger geht es kaum noch. Beim Frühstück beobachten wir das Treiben in der Holzhütte der Naturschutzverwaltung. Sechs Personen sind dort zeitweise vor Ort, von denen lediglich eine die Parkgebühren kassiert. Die Aufgaben der anderen fünf sind nicht erkennbar und vermutlich nicht vorhanden. Es lebe Italien J

Golf am Etna

Vom Canyon schlängeln wir uns den Weg wieder hinab und besuchen Noto, eine  der Barockstädte, die nach dem Erdbeben von 1693 entstanden ist und zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Man merkt so langsam, dass die Saison zu Ende geht. Nicht viele Touristen sind in Noto unterwegs und einige Restaurants scheinen gar nicht mehr geöffnet zu haben. Wir besichtigen die Kathedrale, die sich mit ihren hellen Farben positiv von den vielen eher düsteren Gebäuden in anderen Städten abhebt, bummeln die Fußgängerzone entlang und brechen irgendwann auf zu einem Naturreservat im Südosten Siziliens mit ‚Campingplatz‘ und Strand. Nach den Erlebnissen der Vergangenheit bin ich ja leicht hysterisch, wenn die Straßen uneben und unbefestigt sind und ich muss zugeben, dass ich niemals auch nur einen Meter diesen Weg weiter gefahren wäre. Stefan sieht das mittlerweile offenbar entspannter und so hoppeln wir im Schneckentempo 2,5 km über eine Buckelpiste zu dem vermeintlichen Campingplatz. Ich weiß nicht, ob es durch Corona oder andere Ereignisse bedingt ist, aber selten haben wir etwas in einem schlechteren Zustand gesehen. Die Stromanschlüssen sind wild verkabelt und hängen von Olivenbäumen, die Duschen sind draußen und auf dem Boden liegen Paletten, damit man sich nicht ganz so doll ekelt, die Spülbecken sind mit Unkraut zugewachsen und unbenutzbar. Die nächste Überraschung gibt es dann als wir zum Strand wollen. Es kostet 3,50 € pro Person – nirgendwo in ganz Italien haben wir bisher für einen Strand bezahlen müssen – und nachdem wir bezahlt haben, wird uns eröffnet, dass wir erstmal 20 Minuten laufen müssen, um überhaupt zum Strand zu gelangen. Na super! Ich kann nicht mal behaupten, dass mich der Strand übermäßig beeindruckt. Er ist klein, voll und eigentlich nichts Besonderes. Da waren wir schon an tolleren Strände und die waren kostenlos.

Bye bye Sicily

Am Mittwochmittag hoppeln wir zurück auf die Hauptstraße und treten den Rückweg in Richtung Norden an. Wir wollen noch eine Nacht am Golfplatz auf dem Etna verbringen und dann die Fähre in Richtung Festland nehmen. Leider ist der Etna wolkenverhangen und bei unseren abendlichen neun Loch können wir keinen Blick erhaschen. Dafür zeigt er sich aber am nächsten Morgen umso schöner in der Sonne bei unseren zweiten neun Loch. Und damit endet das Kapitel Sizilien. Nach einer Dusche in den Luxusumkleiden des Golfclubs fahren wir nach Messina, rollen auf die Fähre und kehren zurück auf das italienische Festland. An der Ostküste steigen wir in der Nähe von Bianco auf einem Agritourismo ab, mit einer herzlichen, wenn auch nur italienisch sprechenden Mama, direktem Strandzugang und nur einem weiteren Camper in unserem Olivenhain. Hier bleiben wir erstmal zwei Nächte, bevor wir die Weiterreise nach Norden antreten.