Mittwoch, 22. März 2023

Santa Catarina - zwischen Einsamkeit und Trubel

Die Insel Santa Catarina ist bekannt für ihre grünen Hügel, die Lagunen, aber insbesondere für ihre 42 Traumstrände. Da werden wir es wohl ganz gut einige Tage aushalten können. 

Unser Dschungelcamp

Unsere erste Unterkunft liegt im östlichen Teil der Insel in einem kleinen Ort zwischen Lagunen und Stränden. Unser Gastgeber spricht fließend Englisch, was hier nicht so häufig anzutreffen ist, und sowohl Haus als auch Zimmer fühlen sich an wie ein Dschungelcamp. Pflanzen, wohin man schaut, dazu Schildkröten und kleine Affen inklusive niedlichster Affenbabys in Garten und Frühstückslounge. Einziger Nachteil: zwischen 17.00 und 19.00 hält man sich sicherheitshalber hinter verschlossenen Türen und Fenstern auf, denn dann kommen leider auch die Mücken aus ihren Verstecken.

Niedliche Gesellschaft beim Frühstück

Unschlagbar ist das Frühstück in unserer Bleibe. Selbstgemachte Cremes, Marmeladen, Gebäck, Omelett… einfach alles, was das Herz begehrt. Gut gestärkt starten wir daher in Richtung Flughafen, um unseren Mietwagen abzuholen und dann in Richtung Süden auf die erste Stranderkundungstour.


Die Strände und Strandorte sind sehr unterschiedlich. Während der Norden sich durch seine dichtere Besiedlung und Hochhausbebauung auszeichnet, findet man im Süden eher Villengegenden und Fischerdörfer. Was aber leider fast überall problematisch ist, ist das Parken. Möglich ist es eigentlich nur auf Tages-Bezahlparkplätzen, was auf Dauer eine teure Option ist, wenn man nur für eine kurze Zeit bleiben möchte.

Noch ist es leer am Strand

Nach einiger Fahrerei landen wir im kleinen Fischerort Pantano do Sul. In einem Strandrestaurant lernen wir dann unsere erste Lektion in brasilianischen Essgewohnheiten. Ausgehungert bestellen wir uns ganz selbstverständlich jeder ein Gericht – auch wenn es uns etwas teuer vorkommt und der Kellner uns ein wenig irritiert ansieht. Was dann aufgefahren wir übertrifft allerdings komplett unsere Vorstellungen. Denn selbst eine Portion davon hätten wir vermutlich zu dritt nicht essen können. Im Nachhinein erklärt das auch den Blick des Kellners und fürs nächste Mal wissen wir nun auf jeden Fall Bescheid, dass es sich offenbar bei den Gerichten auf der Karte immer um Familienportionen handelt – auch wenn es dort nicht ausdrücklich steht J


Nach einem weiteren ausgezeichneten Frühstück starten wir die nächste Inselerkundung. Nach dem Süden nehmen wir uns nun den nördlicheren Teil der Insel vor und landen schließlich an einem Naturstrand, an dem man tatsächlich auch mal parken kann. Interessanterweise finden wir dort unzählige Campervans aus Argentinien vor, die diese kostenlose Option vermutlich auch sehr zu schätzen wissen. Der Spot scheint dort ein Geheimtipp unter Campern zu sein.

Pantano do Sul

Je weiter wir anschließend in Richtung Norden fahren desto größer werden die Orte und das Verkehrschaos. Da das nicht so unser Ding ist, drehen wir ab und machen uns auf den Heimweg.


Am Donnerstag entdecken wir schließlich den kleinen Ort Armacao und den angrenzenden einsamen Strand Matadeiro mit seinen tollen Wellen. Außer drei Strandbuden und einigen Surfern ist dort nicht viel los. Wir sind auf Anhieb begeistert und beschließen uns dort für die nächsten Tage eine Unterkunft zu suchen. Gesagt getan! Am nächsten Tag beziehen wir ein kleines Haus 50 m entfernt vom Strand und freuen uns auf ein paar entspannte Tage dort. Vorher besteht aber die Aufgabe noch darin, ein geeignetes Strandoutfit zu kaufen, denn mein Bikini ist mittlerweile 12 Jahre alt und so sieht er auch aus bzw. sitzt leider auch so.

Frische Säfte am Strand

Laila und ich schlagen uns einige Stunden durch eine umfangreiche Shoppingmall – ergattern Bikinis und darüber hinaus eine neue Jeans, Pulli, Bluse und jede Menge Kleinkram. Ich freue mich schon richtig auf die etwas kühleren Tage in Cafayate, wenn ich meine neuen Klamotten endlich auch anziehen kann. Denn hier ist es dafür jetzt natürlich noch viel zu warm!

Blick aus der Surfbar

Ein weiteres Highlight in Armacao ist die Surfbar direkt um die Ecke und am Wasser. Mit Livemusik, leckeren Cocktails und angenehmer Kerzenbeleuchtung kann man dort gut mal den einen oder anderen Abend verbringen. Die gastronomische Auswahl ist allerdings ansonsten hier auch nicht besonders hoch – insbesondere nicht an den Wochentagen.

Armacao

Am Wochenende allerdings ändert sich schlagartig der Füllegrad am Strand und um im Ort. Unser toller, einsamer Surferstrand verwandelt sich in das reinste Tollhaus. Keine Ahnung woher die ganzen Brasilianer anreisen, aber der Strand ist urplötzlich zugepflastert mit Menschen, Sonnenschirmen und Plastikstühlen. Allerdings pflegen die Brasilianer trotzdem noch ein entspanntes Strandleben. In den Strandbars spielt Livemusik, es wird Fußball gespielt, gesurft, gesonnt, getrunken und gechillt. Und am Montagmorgen ist der ganze Spuk dann schlagartig wieder vorbei.

Ribeirao da Ilha

Vorbei sind leider aber auch erstmal die Strandtage für Stefan. Er hat sich einen fiesen brasilianischen Magen-Darm-Virus eingefangen und verbringt die folgenden zwei Tage zwischen Toilette und Bett.

Lunch am Strand

So genießen Laila und ich mal etwas Mutter-Tochter Zeit, besuchen den Waschsalon und ein probieren in einem netten Restaurant direkt am Strand des hübschen Orts Ribeirao da Ilha das typisch brasilianische Gericht Muqueca – eine Art Eintopf mit Bananen und Gemüse. Sehr, sehr lecker!

Sehr lecker: Muqueca

Heute bleibt uns noch ein letzter entspannter Tag auf Santa Catarina und morgen geht es dann in den Trubel von Rio. Gegensätzlicher könnte es wahrscheinlich kaum sein, aber ich bin schon sehr gespannt.

Mittwoch, 15. März 2023

Wildes Argentinien und tropisches Brasilien

Lang ist es her, dass ich den letzten Post verfasst habe, denn mittlerweile ist das Leben hier in Cafayate ja unser Alltag geworden, der an den meisten Tagen tatsächlich eher unspektakulär und mit Arbeiten ausgefüllt ist.


Doch jetzt sind wir tatsächlich im Urlaub – davon später - und das ist natürlich ein guter Anlass mal wieder etwas zu schreiben. Denn ein paar Dinge sind natürlich trotzdem passiert.

Das 1. Spiel lief nicht soooo gut!

Zum einen wäre da natürlich der Weltmeistertitel für Argentinien. Nach einem eher enttäuschenden Start hat Argentinien - im Gegensatz zu Deutschland – die Kurve gekriegt und letztendlich in einem nervenaufreibenden Finale gegen Frankreich gewonnen. Daraufhin stand ganz Argentinien für eine Woche Kopf. Der folgende Dienstag wurde zum Feiertag erklärt und Millionen von Menschen sind nach Buenos Aires gepilgert, um Messi & Co. zu feiern. Unfassbar! Und für Argentinien in seiner desaströsen wirtschaftlichen Lage sicherlich eine verdiente und willkommene Abwechslung.

Das Finale dagegen schon!

Die darauf folgenden Weihnachtstage verliefen dann ebenfalls anders als gewöhnlich. Statt familiärer Weihnachtsbaum-Zeremonie gab es einen Mini-Häkeltannenbaum und ein Dinner mit Freunden am Pool. Doch zumindest die Käsefondue-Tradition haben wir am 2. Weihnachtstag aufrechterhalten. Und: auf den hohen Bergen rundherum lag für einen Hauch von Weihnachtstimmung sogar etwas Schnee!

Schnee zu Weihnachten

Anfang Januar haben wir uns dann auf den Weg nach Salta gemacht, um unser 90-Tage Touristenvisum zu verlängern. Tja, aber wer nicht richtig rechnen kann, hat dann eben leider Pech gehabt. Unsere Anfangseuphorie über die kurze Wartezeit wurde nämlich abrupt gestoppt durch die Tatsache, dass wir genau einen Tag zu spät gekommen waren. Unser ursprüngliches Visum war bereits abgelaufen und somit auch nicht mehr verlängerbar. Unsere restlichen Tage bis zu unserem Brasilien-Trip Anfang März würden wir jetzt als illegale Einwanderer verbringen und vor unserer Ausreise eine (sehr moderate) Strafe zahlen müssen.

1 Liter Bier im Plastikbecher

Leider sind dann auch noch ein paar wirklich schlimme Dinge passiert. Einem unserer guten Freunde ging es schon ein paar Tage nicht besonders gut, da er mit einem üblen Hautausschlag - vermutlich bakterieller Natur - zu kämpfen hatte. Nachdem wir ihn schon ein paar Tage nicht gesehen hatten und Stefans 7. Sinn ihm sagte, dass da etwas nicht stimmen kann, hat er sich schließlich auf den Weg gemacht, um nach ihm zu sehen. Leider lag er zu dem Zeitpunkt schon seit mehr als 24 Stunden bewusstlos in seinem Haus: Diagnose Schlaganfall! Er hat es überlebt, aber leider mit sehr schweren körperlichen Einschränkungen.

Nur wenige Tage später ist dann eine Bekannte beim Enduro fahren in den Bergen tödlich verunglückt. Sie wurde erst am nächsten Morgen 700 m von ihrem Motorrad entfernt gefunden!

Nach diesen schrecklichen Ereignissen bin ich jetzt eigentlich ganz froh, mal ein wenig Abstand zu Cafayate zu bekommen.

Straßenblockade mit brennenden Autoreifen

Letzte Woche haben wir also unsere Koffer gepackt und uns auf den Weg nach Cachi gemacht. Nachdem wir erstmal vor der qualmenden Straßenblockade protestierender Arbeiter ausharren mussten, ging es dann über unbefestigte Straßen 3 Stunden lang durch eine gigantische Berglandschaft mit Blick auf den 6380 m hohen und schneebedeckten Nevado de Cachi. Ich bin mir sicher, wäre diese Landschaft in den USA könnte man sich vor lauter Touristen nicht retten – doch wir waren dort komplett allein unterwegs!

Fahrt in die Wolken

Die zweite Etappe am nächsten Morgen führt dann von Cachi nach Salta. Wir haben diese Tour 2006 schon einmal gemacht – allerdings unter komplett anderen Bedingungen. Von der gigantischen Aussicht vom 3457 m hohen Gipfel bekommen wir dieses Mal nämlich absolut gar nichts zu sehen. Wir kämpfen uns über eine Stunde lang durch die Wolken mit einer Sichtweite von maximal 2 m. Eine interessante Erfahrung, aber auf Dauer super anstrengend in den Serpentinen überhaupt auf der Fahrbahn zu bleiben.

Gipfel ohne Ausblick

In Salta wartet dann eine weitere Herausforderung auf uns. Vor unserer Ausreise nach Brasilien benötigen wir ein neues Visum und müssen unsere Strafe bezahlen. Von einem Freund wissen wir bereits, dass er es nicht an einem Tag geschafft hat. Denn die Immigration schließt bereits um 12.30 wieder und da man zuvor zur Zahlung quer durch die Stadt zur chronisch überlasteten Bank muss, kann das schon mal knapp werden. In seinem Fall hat er wegen des folgenden langen Wochenendes 4,5 Stunden bei der Banco National warten müssen L!

Gut, wenn man 4x4 hat

Doch wir haben offenbar unseren Glückstag! In unter 2,5 Stunden haben wir Immigration- und Bezahlvorgang erledigt und können den Rest des Tages entspannt dem Shopping, Autowaschen und Entspannen widmen.

Am Donnerstagabend geht schließlich unser Flug nach Sao Paulo, wo Laila bereits am Morgen angekommen ist. Nach 5 Monaten gibt es nun endlich eine Familienzusammenführung J und wir freuen uns riesig darauf.

Nachdem wir uns in Argentinien mittlerweile einigermaßen verständigen können, erfolgt in Brasilien allerdings der große Rückschlag. Wenigstens in unserem als international deklarierten Airporthotel hätte ich ja noch erwartet mich mit Englisch oder wenigstens Spanisch verständigen zu können. Aber weit gefehlt. Stefan und ich schauen uns ratlos an als wir nach unserer ‚Umai‘ gefragt werden… Nach längerem Rätselraten stellt sich heraus, dass damit unsere Emailadresse gemeint ist. Mmhh, meines Wissens nach heißt das selbst in Portugiesisch Email…

Wiedervereint :-)

Da es mittlerweile ein Uhr nachts ist, verschieben wir unser Treffen mit Laila auf den nächsten Morgen beim Frühstück und treten dann gemeinsam die Weiterreise nach Curitiba an. Doch der Wettergott scheint es dort nicht besonders gut mit uns zu meinen. Denn kaum haben wir in unserem Hotel eingecheckt, beginnt es wie aus Eimern zu regnen. Da ist der beste Zufluchtsort doch die wenige Meter entfernte Shoppingmall, in der wir uns für einige Stunden austoben können.

Museum Oscar Niemeyer

Unglaublich begeistert sind wir vom Museum Oscar Niemeyer. Schon von außen ist das außergewöhnliche Design des Gebäudes faszinierend, aber auch die ausgestellte Kunst ist besonders und insbesondere die modernen Objekte begeistern sogar mich Kunstbanausen.

Kunstobjekt im 'Auge'

Beim anschließenden Bummel durch die Altstadt bleiben wir bei einem Capoeira-Wettbewerb hängen. Auch wenn das sicherlich noch nicht die oberste Liga ist, ist es unfassbar mit welcher Körperbeherrschung und Gelenkigkeit die Männer, Frauen und Kinder sich bewegen.  

Capoeira

Auch faszinierend ist, wie voll die Bars an diesem Sonntagnachmittag sind. Und überall spielt Livemusik. Dabei wirkt es teilweise wie ein spontanes Treffen von Freunden zum Musizieren – allerdings mit erfreulich gut hörbarem Ergebnis.

Am Montagmorgen kehren wir dann Curitiba den Rücken und nehmen einen FLIXBUS!!! nach Florianopolis. Dabei haben wir tatsächlich ein wenig Glück, denn auf Grund der starken Regenfälle der vergangenen Nacht ist die Strecke durch die Berge morgens gesperrt und wird erst ganz kurz vorher wieder geöffnet. Dafür dauert die Fahrt allerdings nicht die geplanten 4,5 Stunden, sondern mehr als 6 Stunden – und der längste Teil schlängelt sich dabei durch Serpentinen und Regenwald. Doch während Laila und ich uns ganz entspannt zurücklehnen, schlafen und Musik hören, bedeutet das für Stefan eine lange Tortur und einen harten Kampf mit seinem Mageninhalt.

Pantano do Sul

Doch was lange währt… Wohlbehalten erreichen wir letztendlich den Busbahnhof von Florianopolis und freuen uns nun auf ein paar entspannte Tage an Meer und Lagunen.