8. September 2009
Die Emirates Business Class ist sensationell gut – daran sollte Lufthansa sich wirklich ein Beispiel nehmen. Schade, dass ich so müde bin und auf der ersten Teilstrecke nach Dubai das Essen und die Filme gar nicht ausnutzen kann, sondern fast die ganze Zeit schlafe. In Dubai haben wir dann noch 2 Stunden Aufenthalt und lernen die wohl größte Lounge der Welt kennen. So was habe ich in der Tat noch nie gesehen. Ich glaube, die Lounge ist größer als das gesamte Flughafengebäude von Berlin-Tegel, wo wir später landen, hat diverse Restaurants und sogar ein eigenes Kinderbuffet. Da kann man sich schon gar nicht mehr vorstellen, wie da wohl die First Class Lounge aussehen soll. Vor lauter Aufregung vergessen wir dort dann gleich eine unserer zahlreichen Taschen – leider ausgerechnet die, mit Lailas Stofftiersammlung und ihrer einzigen Jacke. Wir schlagen uns dann noch schnell durch die Duty Free Shops und dann geht es auch schon weiter nach Frankfurt und schließlich nach Berlin, wo mein Bruder uns schon erwartet. Eine gewisse Herausforderung stellt noch das Verstauen unseres Gepäcks in seinem Auto da, schließlich müssen wir ja auch noch mit rein. Dafür gibt es dann aber ein großes Hallo als Laila ihre kleinen Cousins Tim und Felix nach so langer Zeit wiedersieht. Und so beziehen wir dann unser neues Domizil in Stahnsdorf – Laila zunächst in Tims Zimmer, Stefan und ich im Ensuite-Gästezimmer :-)
9. – 16. September 2009
Gleich am Mittwoch kann Laila an 2 Probestunden in der Heinrich-Zille Grundschule teilnehmen und wir sind sehr
angetan von der Schule. Nach der Schule können die Kinder in den Hort gehen, dort essen, ihre Hausaufgaben machen und an zahlreichen AG’s wie Turnen, Tanzen oder Judo teilnehmen. Das sollte Laila doch wohl gefallen. Ich habe nachmittags einen Termin bei einem Neurochirurgen im Ernst von Bergmann Krankenhaus in Potsdam, der zwar ein netter, unterhaltsamer Mensch ist, den ich aber lieber nicht an meinem Gehirn herumschnippseln lassen möchte. Am Donnerstag geht Laila dann in die Klasse 1b und scheint uns etwas unterfordert, so dass wir sie am Freitag in die 2. Klasse stecken. Ich absolviere am Freitag noch einen Termin in einem Neuköllner Krankenhaus, das zumindest schon mal für eine OP in Frage kommen könnte. Danach gönnen wir uns einen freien Nachmittag, fahren nach Kreuzberg, bummeln an meinem alten Zuhause vorbei (was mittlerweile teilweise abgebrannt ist!) und über den
ein paar halbwegs sorgenfreie, entspannte Stunden, in denen ich sogar den Allien in meinem Kopf zeitweise mal vergesse. Und dann ist Wochenende. Julia und ich gehen shoppen, die Männer hüten die Kinder – so sollte es eigentlich immer sein, nicht nur mit Gehirntumor ;-) . Nachmittags gehen Julia und ich dann mit den beiden Großen in den Berliner Zoo, ernten aber hauptsächlich Gemecker und Gequengel. Na toll! Aber das sind anscheinend schon die ersten Anzeichen des Schnupfenvirus den sich Tim und Laila eingefangen haben. Das fehlte mir jetzt auch gerade noch. Schließlich haben wir inzwischen entschieden die OP in Hannover bei dem Ober-Gehirn Guru machen zu lassen, auch wenn das noch einen harten Kampf mit den Krankenkassen nach sich ziehen wird, weil es sich um eine Privatklinik handelt, aber Stefan ist ja Meister in solchen Dingen und gibt so schnell nicht auf. Übers Wochenende beschließen wir auch, Laila ab Montag wieder in die erste Klasse zu schicken. In der derzeitigen schwierigen Situation wollen wir sie nicht auch noch damit überfordern. Außerdem entscheiden wir, dass sie ein eigenes Zimmer bekommen soll. Das bedeutet ein paar Auf- und
Umräum- maßnahmen des derzeitigen Arbeitszimmers und einen Besuch bei Ikea und Porta, aber dann hat sie das perfekte Prinzessinnen-Turmzimmer und ich hatte viel Spaß beim Einkaufen, Aufbauen und Dekorieren. Schade, dass es schon so viele Einrichtungssendungen gibt und damit wohl kein Geld mehr zu verdienen ist und auf die Figur von Tine Wittler bin ich auch nicht gerade scharf ;-). Nachdem sich mein OP-Termin noch um einen Tag von Donnerstag auf Freitag verschiebt, nutzen Stefan und ich den Mittwoch noch um ein paar Erledigungen zu machen und ein abschließendes Gläschen Wein mit Ralf und Julia zu trinken. Donnerstagmorgen geht es dann mit dem Mietwagen nach Hannover und damit hoffentlich wieder in eine gesunde, sorgenlose Zukunft.
17. September 2009
Der Tag besteht hauptsächlich aus Warterei und zieht sich unerträglich in die Länge. Warten auf die Anmeldung,
warten auf die Blutuntersuchung, warten auf den Anästhesisten, warten auf das MRT, warten auf das EKG und vor allem warten auf den großen Meister Prof. Dr. Samii. Nach der ganzen Warterei bin ich aber auch abends so müde, dass ich wiedererwartend ohne Schlaftablette einschlafe, was ich vor einer kleinen 7-stündigen Hirn-OP nicht unbedingt als selbstverständlich finde. Ich bin aber auch ganz froh, dass ich nicht mit zu viel Details der OP belästigt werde. Damit sollen sich mal andere befassen!
18. September 2009
Pünktlich um 7.30 geht es los: Ab in OP-Hemd und Trombosestrümpfe, Beruhigungstablette eingeworfen und
dann dauert es auch nicht mehr lange bis ich ins Reich der Träume entschwinde. Gegen 14.00 Uhr werde ich wieder wach und meine zweite Frage gilt gleich meiner Haarpracht. Zu meiner Ehrenrettung muß ich sagen, dass ich mich zuerst nach dem Tumor erkundigt habe und mich außerdem an nichts mehr erinnern kann. Erst ab 16.00 Uhr setzt so langsam auch wieder die bewusste Wahrnehmung ein und der Meister persönlich erscheint noch mal an meinem Bett, um mir kundzutun, dass alles entfernt wurde und der Tumor zu 99,9% gutartig gewesen ist. Die 100% wird erst die Histologie bringen. Trotzdem:
Juhuuuuuu! Ich glaube nicht, dass ich beschreiben kann, was ich in dem Moment empfunden habe und es wird sicherlich auch noch ein paar Tage, bis ich diese Erkenntnis komplett verarbeitet habe. Auf jeden Fall ist klar, dass wir uns jetzt erstmal eine tolle Zeit in Deutschland gönnen werden, bevor wir wieder neue Reisepläne schmieden. Aber unser Van wartet in Perth und Andrew und Sharon halten schon eine gute Flasche Wein für uns bereit. VIVA LA VIDA!!!! Die Nacht auf der Intensivstation verläuft dafür dann katastrophal. Der Araber neben mir zerreißt mehrfach sein Hand- und Fußfesseln, schreit in arabisch rum und lässt die Pfleger und Schwestern ordentlich flitzen. Ich schlafe mehr so im Stundentakt und werde alles dransetzen die Intensivstation am nächsten Tag möglichst schnell zu verlassen.
19. September 2009
Schnell ist im Krankenhaus ja immer relativ – insbesondere am Wochenende. Bevor ich auf die Station darf,
muss ich nämlich erst noch zum CT und dazu muss erstmal der Bereitschaftsarzt anrücken. Gegen Mittag ist es dann aber endlich soweit: CT o.k., ab auf die Station. Da gibt’s Infusionen, Kranken- gymnastik, Besuch von Stefan und viel Langeweile. Zur Erheiterung zwischendurch wird noch der Schlauch aus meinem Kopf gezogen und es gibt einen neuen Turban – und auch wenn der italienische Arzt noch so gut aussieht, habe ich tierische Angst vorm Schlauchziehen. Zugegebenermaßen ist das entfernen des Pflasters und des Fadens viel unangenehmer. Vielleicht hätte ich den Arzt doch nicht so provozieren sollen.Nichtsdestotrotz geht es jetzt stetig bergauf und ich arbeite schon hartnäckig an meinem Entlassungstermin am Mittwoch. Und bekanntlich zahlt sich Hartnäckigkeit ja aus :-)

