Montag, 10. November 2014

Twilight Market and Katy Perry

Zuerst noch zwei Updates zu letzter Woche:
1. Zur Entfernung von großen Tieren
Der stinkende Wal ist nach 2 Tagen harter Arbeit endlich abtransportiert und auf einer Deponie entsorgt, nachdem zunächst eine Sondergenehmigung für den Transport über die Straße ausgestellt werden musste - also Bürokratie fast wie in Deutschland! Western Australia geht damit sicherlich in die Geschichte ein für die teuerste, aufwendigste und langwierigste Kadaverentsorgung. Nach ersten Hochrechnungen hat die Aktion mehr als $100.000 gekostet und das Ganze nur, weil ein sinnloses Gesetz untersagt, tote Wale weiter aufs offene Meer hinaus zu schleppen statt sie an der Küste stranden zu lassen. Als wäre dem Wal das nicht egal, wo er verrottet.
2. Zur Entfernung von kleinen Tieren
Eine Freundin - von Beruf Ärztin - rät dringend davon ab, Zecken mit Zahnpasta (oder ähnlichen Mitteln) zu ersticken, da die Viecher sich erbrechen und dann ihren ganzen giftigen Mageninhalt ins Blut spucken können. Die australische Methode ist also auf keinen Fall zur Nachahmung empfohlen - auch wenn das hier selbst beim $140-Notarzt so praktiziert wird.
 

Was sonst noch so geschah:
Bis Freitag ehrlich gesagt nicht besonders viel. Business as usual: Schule, Strand, Surfen, Latein lernen. Letzteres immer wieder ein unerfreuliches Thema, was regelmäßig im Streit endet und mir jetzt 28 Jahre(!) nach dem großen Latinum wieder graue Haare beschert. Freitag dann - gottseidank zum vorerst letzten Mal - Putzen (vielleicht zwischendurch doch nochmal?!) und Umzug in ein anderes Quartier. Diesmal haben wir über Airbnb ein Zimmer in West Leederville gemietet - die Vermieterin  aus Norddeutschland ;-), das Haus direkt neben der Schule. Da wir dort nicht unbedingt kochen wollen, habe ich die grandiose Idee zu Perth' beliebtesten Twilight Hawker Market in die City zu fahren, wo es Spezialitäten aus aller Welt geben soll. Nur ist 'beliebt' leider gleichzusetzen mit Gedränge, Geschiebe und 10 m langen Schlangen vor JEDEM Stand - egal welcher Nationalität. Abgesehen von der Außentemperatur also ein authentisches Hamburger Weihnachtsmarkt-Feeling!
Auch  der Plan dieses Event möglichst schnell wieder zu verlassen geht leider nicht auf. Ich wundere mich über die Horden aufgebrezelter Teenie-Girls mit bunten Katzenohren auf dem Kopf, die sich mit ihren Eltern im Schlepptau vom Bahnhof in Richtung Perth Arena schieben, bis uns anhand der zahlreichen Katy-Perry-Merchandising-Produkte am Wegesrand klar wird, das wohl eben diese heute hier ein Konzert gibt. Ich muss gestehen, dass mir nicht klar war, dass ihre Zielgruppe hauptsächlich aus U18-Girlies besteht, wobei natürlich der Altersdurchschnitt bei so einem Konzert durch unfreiwillig mitgeschleppte Mütter und Väter extrem nach oben verfälscht wird. Auch war mir nicht bewusst, dass der Song 'Fireworks', den Laila seit Wochen vor sich hin singt, ebenfalls von Katy Perry ist. Aha!
Der Samstag gehört dann alleine mir! Nachdem Stefan sich als Fahrer für Saras Geburtstagsgäste zu einem Vergnügungspark östlich von Perth zur Verfügung gestellt hat und Laila natürlich zu den Gästen gehört, kann ich den ganzen Tag nach Herzenslust durch die Gegend bummeln, Kaffee trinken, shoppen, lesen, Eis essen, Skypen, Emails schreiben... Und da es sich um eine Übernachtungsparty handelt, bleibt Stefan und mir sogar noch der Abend um in Leederville zuerst eine Tapas- dann eine Winebar aufzusuchen und uns mal ohne die allgegenwärtigen Ohren einer 10-Jährigen zu unterhalten. Als wir Sonntagvormittag schließlich aufbrechen zum City Beach, um Laila vom Surf Life Saving abzuholen, hat die Temperatur bereits die 30 °C Marke geknackt und erstmals verspätet sich auch der Fremantle Doc (der kühlende Wind aus Richtung Süden), so dass die Klimaanlage unseres Mietwagens schon an ihre Grenzen stößt und man nachts erstmalig ohne richtige Bettdecke schlafen kann. So langsam hält wohl der australische Sommer Einzug!

Montag, 3. November 2014

Rogaining und Whalesurfing

So, wir sind also heil zurück aus dem Busch und um einige Erfahrungen reicher. Die beiden wichtigsten Erkenntnisse:
1. Wir können uns jetzt nur mit Kompass und Karte durch den australischen Busch und auch wieder raus kämpfen.
2. Wir haben gelernt, wie man Zecken erfolgreich mit Zahnpasta entfernen und dabei $140 sparen kann
Aber jetzt mal der Reihe nach.

Samstagmorgen um 06.30 ist Abfahrt. Nach einer Stunde verlassen wir die Straße und somit auch jeglichen Versicherungsschutz für unseren Mietwagen. Es geht eine weitere Stunde über staubige, holprige Schotter- und Sandpisten und ich hoffe die ganze Zeit nur, dass wir nicht irgendwo steckenbleiben, uns überschlagen oder ein Känguru anfahren. Und ehrlich gesagt: Ich wäre am liebsten nach 10 Minuten wieder umgekehrt. Aber wir schaffen es ohne Totalschaden zum sogenannten Hash House, einem improvisierten Campingplatz mit Dixieklos und Feldküche. Gerade noch rechtzeitig zur Einweisung, wo Regeln, Karte und Kompass erklärt werden. Nach ein paar Trockenübungen und Routenplanung fällt um 10.00 Uhr der Startschuss und es geht los in den Busch auf der Suche nach Bäumen mit orange-weißen Schildern. Und mit Busch meine ich auch Busch!
Nachdem wir 10 Minuten gelaufen sind, ist vom Hashhouse nichts mehr zu sehen und ohne Kompass und Karte wäre man spätestens jetzt orientierungslos. Zu meiner Beruhigung haben wir Sharron, eine erfahrene Rogainerin dabei, eine Trillerpfeife um den Hals und die Gewissheit, dass am Ende gecheckt wird, ob auch alle wieder angekommen sind. Nach 5 1/2 Stunden, 15 km Bushwalk, 6 abgehakten Kontrollpunkten und um eine echte Aussie-Experience reicher, erreichen wir ziemlich erschöpft wieder das Hashhouse, trinken noch schnell einen scheußlichen Instantkaffee und machen uns auf den Weg zurück nach Perth, um das Känguruland zu verlassen bevor die Dämmerung anbricht. Laila bleibt mit Sharron und Sara da, um noch eine Nachtetappe zu unternehmen und danach zu Zelten. Diesen Teil erspare ich meinem lädierten Kreuzband lieber, die Tagesetappe war schon mehr als genug.
Als wir endlich wieder festen Boden bzw. Asphalt unter den Reifen haben, wollen wir eigentlich nur noch Duschen, aufs Sofa und ein kaltes Bier - bis ich unter meinem Arm die Zecke entdecke! Jetzt will ich erstmal nur noch diesen Blutsauger unter meiner Haut los werden. So geht es also nicht nach Hause, sondern zur Apotheke, um eine Zeckenzange zu kaufen. Dummerweise gibt es keine Zeckenzangen und ich gerate an die einzige Mitarbeiterin, die wohl keine Australierin ist und mir überzeugend versichert, dass ich damit zum Arzt muss. Per se kostet der Arztbesuch schon mal $95, aber als wäre das nicht schon teuer genug, gibt es auch noch einen Aufschlag für 'Removal of foreign bodies'. Was da wohl sonst noch so drunter fällt? Schlangen, Krokodile, ausländische Liebhaber, Außerirdische... Macht also am Ende $140 und das Ding ist raus. Als Laila am nächsten Tag unter der Dusche ebenfalls eine Zecke entdeckt, sparen wir uns den Weg zum Arzt und entfernen sie auf die australische Weise: Zahnpasta drauf, 15 Minuten warten bis die Zecke sich kurz vorm Ersticken entschließt das Weite zu suchen, mit der Pinzette entfernen, fertig. Einfach, wirkungsvoll und fast umsonst. Leider stellen wir am Montag dann fest, dass wir noch ein paar von den Kameraden im Auto haben und die sind noch deutlich größer. Ich finde, es wäre jetzt  an der Zeit unter einer fadenscheinigen Begründung den Mietwagen zu tauschen :-) allerdings sollten wir vorher lieber den roten Outbackstaub unserer Offroad-Tour beseitigen.
Soviel also zu unserem Buschwochenende und nun zum Abschluss noch eine Anekdote, die es ja auch schon in die deutsche Presse geschafft hat.
Gestern wurde der Strand von Scarborough gesperrt, nachdem ein toter Wal angespült wurde begleitet von zahlreichen Haien. Eben auf diesem Wal hatte es sich am Tag zuvor ein 26-jähriger Australier vor Rottnest Island bequem gemacht als er überraschenderweise feststellen musste, dass dieser von Haien umzingelt war und es vielleicht nicht die beste Idee seines Lebens war, vom Boot zu dem Wal zu schwimmen, um darauf zu klettern.
http://www.spiegel.de/video/unglaublicher-leichtsinn-in-australien-am-hai-vorbei-video-1532897.html
Als wir heute Vormittag in Scarborough waren, waren die Bergungsarbeiten noch in vollem Gange und offensichtlich gab es noch keinen richtigen Plan, wie man die 50 Tonnen stinkenden Walkadaver beseitigen soll, nachdem beim ersten Versuch den Wal an der Schwanzflosse an Land zu ziehen, schon das Seil gerissen ist. Mal schauen, wie es ausgeht :-)

Sonntag, 2. November 2014

Ausquartiert

Am Samstag müssen wir unser Appartment für zwei Nächte räumen, weil die Eigentümer quasi Eigenbedarf angemeldet haben. Mit dem Ganzen geht leider auch eine längere Putzsession einher, bevor wir mit dem Nötigsten bepackt das Feld räumen und das Gästezimmer von Freunden beziehen. Nachdem wir jetzt vier Wochen unterwegs sind, steht uns danach mal der Sinn nach einem Stück Heimat und wir fahren nach Malaga, um in Ollis Bratwurst Hütte eine deutsche Wurst zu essen.
Olli haben wir vor vier Jahren hier noch persönlich angetroffen, mittlerweile schmeißt ein australisches Ehepaar den Laden und Olli macht in Ungeziefervernichtung. Die Bratwurst schmeckt aber nach wie vor und gottseidank auch nicht nach 'Mortein Instant Kill' :-) Wir stöbern noch ein wenig durch die Malaga Markets, Laila probiert lustige Mützen aus, Stefan eine Rückenmassage.
Abends kochen wir für unsere Gastgeber, Sonntagmorgen geht's zu den Nippers (Surf Life Saving für Kids - kein Ahnung warum das so heißt?), nachmittags noch zu einem Straßenfest in North Perth und Montagmorgen dann endlich wieder in unsere Wohnung. Für Stefan beginnt nachmittags sein Kitesurfing-Kurs auf dem Swanriver. Dienstag ist dann auch schon wieder Schluss, weil er sich beim Bodysurfen den dicken Zeh gestaucht hat, kaum laufen kann und sich das Kitesurfen auch mit gesunden Füßen schon als nicht so einfach herausgestellt hat. Ansonsten hatten wir aber einen tollen Abend am City Beach mit super Wellen zum Bodysurfen und einem kleinen Picknick bei Sonnenuntergang sowie einer verloren Surfshorts, die wir auf wundersame Weise am nächsten Tag trotz Windstärke 8 fast an der selben Stelle am Strand wiederfinden. Am Freitag stehen Halloween und ein Barbecue mit Andrew und Sharon an, die wir noch gar nicht getroffen haben seit wir wieder in Perth sind. Und Samstag geht es in den australischen Busch
zum Rogaine (Rugged Outdoor Group Activity Involving Navigation and Endurance). Nur mit Kompass und Karte ausgestattet muss man versuchen bestimmte Kontrollpunkte zu erreichen. Ich hoffe ehrlich das unsere einheimischen Freunde wissen, wie das geht. Ich verlaufe mich ja schon in unserem Garten. Falls nächste Woche also kein neuer Post erscheint, ist irgendwas schiefgegangen ;-)