Mantas und Tigersharks hautnah
Die erste Hälfte unserer Zeit auf Big Island stand ganz
im Zeichen von Lailas Tauchausbildung und natürlich zahlreicher Tauchgänge.
Laila hat in drei Tagen fast 20 Stunden Theorie durchgepaukt und hervorragend
bestanden. Nach einem Tag Poolsession ging es das erste Mal gemeinsam aufs
Boot. Ich hatte vorab viel Respekt vor den berüchtigten Hawaiianischen Wellen
und jeder empfahl mir dringend Drogen gegen Seekrankheit zu nehmen. Da ich als
einziger Fahrer die damit einhergehende Müdigkeit nicht riskieren wollte, habe
ich mich wieder einmal voll auf meine guten alten Ingwerkapseln verlassen. Am
Ende ging alles gut, wir hatten allerdings auch ein paar ruhige Tage erwischt.

Die Tauchgänge waren teilweise spektakulär. Als wir an
unserem Tauchspot ankamen sahen wir vom Boot aus bereits einen Tigershark.
Diese gehören zu den beiden gefährlichsten Haien im Ozean, fressen aber nur
selten Taucher. Auf unserem Tauchgang drehte ich mich gerade zu meinen
Mit-Tauchern um, als ich diese wild gestikulierend in meine Richtung zeigen
sah. Ich drehte mich um und da war er,
nur wenige Meter von mir entfernt. Ein fast 4 Meter langer Tigerhai! Irgendwie
habe ich es geschafft ihn trotz oder gerade wegen des mega Adrenalinschubes mit
unserer neuen Unterwasserkamera zu fotografieren. Was für ein cooler
Screensaver und Hintergrund für mein Handy! Auf dem Tauchgang am nächsten Tag
habe ich drei weitere dieser beeindruckenden Kreaturen gesehen und auch Laila
hatte dieses Mal Glück. Ein Tigerhai bei Ihrem 1.Tauchgang, ich habe 20 Jahre
gebraucht.
Laila taucht übrigens schon bei Ihren ersten Tauchgängen
wie ein Profi, was sicherlich Ihrer extremen Affinität zu Wasser, aber auch
ihrem Privatlehrer zu verdanken ist. One- on -one ist definitiv sein Geld wert!

Kann man den Tigerhai als Taucher noch toppen? Wenn ja,
dann auf Hawaii. Kona ist weltberühmt für seine küstennahe Mantapopulation, mit
einer Chance von fast 90%, dass man einen zu Gesicht bekommt. Leider haben wir
eine sehr schlechte Phase erwischt und schieben daher unseren Mantatauchgang
immer weiter auf. In den letzen zwei Wochen gab es 10 No-Shows, was sehr selten
ist. Irgendwann können wir nicht noch länger warten, da man nach dem Tauchen am
nächsten Tag nicht auf den 2500 Meter hohen Vulkan darf. An unserem Tauchspot
angekommen, bringen die Tauchlehrer eine große Lampe auf den Meeresgrund. Es
wird dunkel und das Licht zieht das nahrhafte Plankton an wie an Land die
Mücken. Das winzige Plankton wiederum ist die Lieblingsspeise der gigantischen
Mantarochen. Unten angekommen setzen wir uns mit den anderen Tauchern im Kreis
um die Lampe wie um ein Lagerfeuer. Plötzlich erscheint aus dem Nichts ein
riesiger Schatten und da war er, ein majestätischer Manta mit fast 3 Metern
Spannweite und gleich dahinter ein etwas kleinerer. Die beiden faszinierenden
Kreaturen ziehen Ihre Kreise, ziehen sich das Plankton zwischen die Kiemen und
gleiten dabei wenige Zentimeter über unsere Köpfe hinweg. Die 45 Minuten bis
wir wieder auftauchen müssen, vergehen
wie im sprichwörtlichen „Manta“-Flug. Laila ist als Taucherin nun endgültig
gespoiled, der Mantatauchgang von Kona gilt als einer der besten Tauchgänge der
Welt!
Glühende Lava und heiße Füße
Unsere Zeit in Kona ging nun zu Ende und wir hatten noch
DAS Highlight von Big Island vor uns. Der Kilauea ist der einzige aktive Vulkan der
Welt, an dem man als Tourist bis an die fließende Lava heran kann. Unser
Guidebook „Big Island Revealed“ schreibt: „ If you can only do one thing on
Hawaii, it has to be the volcano!“ (Die Revealed Guidebooks sind übrigens mit
riesigem Abstand die besten, die wir je hatten. Lonley Planet ist Schrott
dagegen, selbst die besseren).

Auf dem Weg dahin, machen wir noch einen Zwischenstopp am
südlichsten Punkt der USA. Erwische die falsche Welle und du findest dich in
der Antarktis wieder. Wir beobachten ein paar Daredevil, die eine 20 Meter hohe
Klippe herunter springen und sich dann an einem Seil wieder die Felswand
hochhangeln. Dann fahren wir zum Green Beach, der angeblich smaragdgrünen Sand
haben soll. Allerdings muss man ca. 20 Minuten offroad fahren um dort
hinzugelangen. Wir haben zwar einen Rangerover gemietet, aber zum Glück hat mir
Randall empfohlen, die Strecke nicht selber zu fahren, sondern für 40 $ den
Service einer einheimischen Familie in Anspruch zu nehmen, die einen bis zur
Bucht und wieder zurück fahren. Die Karre sah so aus, als würde sie bereits
beim nächsten Windhauch auseinander fallen. Wir mussten uns stehend auf der
Ladefläche des Pickups an einer Stange festhalten. Truck-Surfing sozusagen.
Teile der „Strasse“ waren das Härteste an „Strasse“ was ich je gesehen habe und
das bezieht Australien mit ein. 40 $ well spent!
Leider war der Green Beach selber etwas enttäuschend, da
er nicht so grün ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Kann aber auch an
meiner leichten Rot-Grünschwäche liegen. Aber das Truck-Surfing war ein
Erlebnis, für das man anderswo alleine Geld hätte zahlen müssen.

Als wir endlich den Vulkan erreichten, wurde es schon
langsam Dunkel. Im Qualm des Kraters reflektierte die glühende Lava, so dass er
eindrucksvoll leuchtete. Am nächsten Tag fuhren wir erneut in den Nationalpark
des Vulkans, da wir am Vortag noch nicht viel gesehen hatten. Es gab jede Menge
erkaltete Krater uns Lavamassen in den abgefahrensten Formen und Farben. Das
Highlight aber war nur durch eine weitere 1,5 stündige Fahrt und einen 4
stündigen Hike zu erreichen. Es gibt eine Stelle, an der die heiße Lava ins
offene Meer fließt. Vom Parkplatz aus läuft man ca. 6 Km durch mondähnliche
Landschaft bevor man an eine von Parkrangern bewachte Absperrung gelangt.
Leider ist der eigentliche Ort des Geschehens noch ca. 800 Meter weg (früher
kam man noch viel näher). Als wir uns auf den Weg machten, mussten wir
feststellen, dass wir fast die einzigen Wanderer waren und die meisten Leute
sich Fahrräder ausgeliehen hatten. Wir kamen kurz vor der Dämmerung an und
warteten auf die Dunkelheit. Es war schon beeindruckend wie die glühende Lava ins
dampfende Meer floss, wir wären aber gerne näher dran gewesen. Als wir uns
gerade auf den Rückweg machen wollten, haben wir zum Glück einen Ranger
gefragt, wo denn die ganzen Leute hinlaufen, die mit Taschenlampen Richtung
Berg (Vulkan) verschwinden. „If you hike up there you can see surface lava, the
only spot in the world where you can get that close. But it is a hard one hour
hike through the Lavafield in the dark“ Wir überlegten kurz und machten uns auf
den Weg.

Die meisten Leute kamen uns bereits entgegen und wäre da nicht noch
ein anderes Pärchen gewesen, wären wir alleine in der Dunkelheit verschwunden.
Es gab keinen Weg nur hügelige Lava. Nach fast einer Stunde fiel uns dann auf
dass der Boden neben uns glühte. Es wurde immer heißer und alle paar Meter
prüften wir, ob unsere Schuhsohlen bereits schmolzen. Noch ein paar Meter und
da war sie. Aus dem Nichts floss 5 Meter orange glühende Lava direkt neben uns.
Es war unglaublich heiß und wir tippelten permanent, damit unsere Sohlen sich
nicht verflüssigten. Es war ein recht beänstigendes Gefühl, zu wissen und zu
sehen, das nur wenige Zentimeter unter uns der Boden glühte. Länger als ein
paar Minuten konnte man die Hitze und auch die giftigen Dämpfe nicht aushalten,
daher machten wir uns mit leichten Kopfschmerzen auf den Rückweg. Lange Zeit
habe ich gedacht, die Leute, die mir empfohlen hatten 6 Liter Wasser
mitzunehmen hätten mich veräppelt, nun war ich froh dass ich die ganze
Flüssigkeit hierher geschleppt hatte (pinkeln auf heiße Lava ist übrigen auch pretty
cool).
Nach einer Stunde kamen wir vom Lavafeld voller Stolz und Freude wieder
auf den Weg, der zum Parkplatz führte.
Hier hätte der Tripp gerne zu Ende sein können. Leider hatten wir noch zwei
Stunden Rückmarsch alleine durch die Dunkelheit. Der gigantische Sternenhimmel
war aber eine Entschädigung und wir vertrieben uns die Zeit mit lautem Gesang.
Alles in allem ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis!
Maui - A place to live
Maui ist unsere letzte Insel und was soll ich sage, das
beste zum Schluss. Jede der Inseln war faszinierend und einzigartig, aber auf
Maui könnte ich auch leben und das werde ich wahrscheinlich auch irgendwann.
Die besten Strände, hohe Berge, relaxte Athmosphäre, jede Menge Aktivitäten und
vor allem perfektes Wetter. Unser Airbnb war diesmal ein Condo nicht weit vom Strand
weg. Jede Menge Platz und super ausgestattet, Pool und Waschmaschinen
eingeschlossen. In unsere 10 Tagen auf Maui haben wir es langsam angehen
lassen. Eine Mischung aus Strandaktivitäten (Surfen, Bodysurfen, Snorkeln,
Tauchen und Sperrfischen), Arbeit, Bloggen und Schule. Die Highlights haben wir
natürlich trotzdem mitgenommen.
Sonnenaufgang auf 3000 Metern
Schon in Deutschland hatte ich uns ein Ticket für den Haleakala Nationalpark reserviert. Ja, seit Anfang dieses Jahres muss man sich
tatsächlich ein Ticket für den Sonnenaufgang reservieren, da die
Parkmöglichkeiten begrenzt sind. Sonnenaufgang 6:15 Uhr heißt um 2:50
aufstehen, dann 2 h Serpentinen bis zum Gipfel des Haleakala. Der Aufwand hat sich
aber gelohnt: Der Gipfel liegt oberhalb der Wolkendecke und wenn die Sonne
durch die Wolken bricht, erleuchtet ein organgfarbener Teppich vor den Augen
seiner Betrachter. Der Weg hinunter im Hellen eröffnet ungeahnten Weitblick
über die Insel und den Ozean.
The Road to Hana - vielleicht die beste Cabriostrecke der
Welt
Der zweite große Tagesausflug war die berühmte Road to
Hana. 2 Stunden mit 600 Kurven durch Urwald und Küstenlandschaft mit unzähligen
Scenic-Stopps und Wasserfällen. Das ganze bei offenem Dach in unserem Mustang,
wie aus einem Film. Leider muss man in Hana wenden und den gleichen Weg wieder
zurück fahren, wenn man keinen Allrad hat, aber man kann nicht alles haben.
Beim nächsten mal dann Jeep und ganz rum.
Spearfishing and Freedivung - new Hobbies?
Für unseren letzten Tag haben wir uns noch etwas ganz
besonderes aufgehoben. Einen vier stündigen Kurs im Speerfischen, also
Schnorcheln und Freediving mit Harpune. Ganz neue Skills für Laila und mich.
Die beiden Jungs, die unseren Kurs durchgeführt haben, waren echt coole und
nette Typen, die bis zu 90 Meter tauchen und über 6 Minuten die Luft anhalten
können. Wir haben sehr viel gelernt, z.b. das wir bereits beim ersten Versuch
die Luft länger als zwei Minuten anhalten konnten. Nun haben wir beschlossen
uns auf über vier Minuten zu trainieren. Wird wohl ne 10er Karte fürs Hallenbad
Pinneberg nötig.

Spearfishing macht tatsächlich süchtig. Man muss zunächst von
der Oberfläche die richtigen Fische spotten. Wir jagen nur sogenannte „invasive
Fish“, d.h. Fische, die von den Menschen nach Hawaii gebracht wurden, die aber
hier nicht hingehören und große Schäden anrichten. Dann muss man im Freedive
10-15 Meter runtertauchen, zielen und treffen. Sehr anspruchsvoll aber machbar.
Wir waren noch bei meinen ersten Übungschüssen, als Laila einen sogenannten
„Royal“ entdeckte, ein invasiver Raubfisch. Aufgabe 1 bestanden, einen 25 cm
großen Fisch aus 10 Metern entdeckt. Unser Guide drückte Laila die Harpune in
die Hand und sagte Ihr, dass sie ihren ersten Übungsschuss auch gleich auf den
Royal machen könne. Laila schnappt sich die Waffe, taucht 10 Meter runter wie
ein Fisch, zielt und bumm. Treffer! Der Guide flippt an der Oberfläche fast
aus. „You told me Laila was born for the Ocean, but that is sick
(meint:unglaublich). I have never seen that before. A 13 year old with no
practice shot, diving that deep and hitting a small fish“. Wahrscheinlich
gehörte auch ein wenig Glück dazu, aber alleine wie sie da runtergetaucht ist
war schon genial. Jetzt muss sie nur noch das Essen der Fische lernen.
Weder Spearfishing noch Freediving haben wir das letze
Mal gemacht, da sind wir uns beide einig.
Jetzt sitze ich gerade im Flieger von Hawaii nach San Francisco
und nutze die Zeit, endlich den Blog weiter zu schreiben bevor Susanne ab
morgen wieder übernimmt.
Mein erster Flug mit einer amerikanischen Airline und was
soll ich sagen, ich weiß warum ich diese bei meinen Flügen nach Südamerika
immer meide wie die Pest. Dabei haben Laila und ich noch Glück gehabt, dass wir
beide auf unserem Mittelplatz nicht von zwei amerikanischen Weight-Watchers
Aspiranten eingequetscht oder gar erstickt werden. Dieses Risiko ist auf
amerikanischen Flügen im Vergleich zu asiatischen massiv erhöht. Erste große
Enttäuschung, insbesondere für Laila: Keine Bildschirme in den Sitzen oder
anderswo. Stattdessen ein blauer Sticker „United Private Screening“. Private
klingt ja erstmal toll, meint aber „bring your own device!“. Man kann Filme mit
Wifi vom Entertainment-System des Fliegers auf sein Iphone, Ipad etc. streamen.
Kopfhörer? „Bring your own….“. Als jeder Versuch, „private Screening“ zu
aktivieren scheitert, frage ich meine „freundliche“ Flugbegleiterin, was ich
tun muss. „You don´t have the United Airlines app, stupid? Then you are
screwed. You have to download it first.“ (ok das waren nicht ihre Worte, aber
ihr Tonfall). „Can I download it now?“ „No you have to do that at home.“ Super,
die Masterminds bei United haben die Sache mit dem „Private Screwing“ wirklich
durchdacht. Naja, so kann ich mich wenigstens dazu bringen diesen Beitrag
zu verfassen.
