Mittwoch, 23. März 2022

Salta, Quilmes und El Paso

In den letzten Tagen hatten wir so viele Aktivitäten auf dem Plan, dass ich leider nicht mal dazu gekommen bin zu schreiben. Aber jetzt gibt es dafür umso mehr zu erzählen ;-)

Himmel über Cafayate (by Laila)
Mittwoch haben Stefan und ich tatsächlich das erste Mal seit unserer Ankunft hier Cafayate für länger als ein paar Stunden verlassen. Da wir einige organisatorische Dinge erledigen müssen, haben wir uns für 3 Tage auf den Weg nach Salta gemacht. So begegnen wir seit langer Zeit mal wieder einem ziemlichen Verkehrschaos aus LKWs, Bussen und Mopeds und vor allem Ampeln. Uns fällt erst in dem Moment auf, dass es in Cafayate tatsächlich keine einzige Ampel gibt.

Reitausflug mit David

Optimistischer Weise haben wir kein Hotel reserviert, was sich leider nicht als besonders tolle Idee herausstellt. Als wir schließlich eins finden, landen wir in einem Zimmer ohne Aussenfenster, mit Pappwänden und einer Sperrholztür zum Nebenzimmer. Es erübrigt sich wohl, die Akustik im Detail zu beschreiben als erst die direkten Zimmernachbarn und dann eine 10-köpfige Frauentruppe in den Nachbarzimmern einfallen. Immerhin können wir für die zweite Nacht ein anderes Zimmer ergattern und das ist wirklich schön – mit richtigen Fenstern und ohne Durchgangstür.

Wie kommt er hierher?
Abgesehen von der ersten Nacht ist Salta aber für ein paar Tage eine schöne Abwechslung. Im Jumbo Supermarkt gehen uns fast die Augen über und wir fühlen uns nach der eingeschränkten Supermarktauswahl in Cafayate vermutlich ein bisschen wie die DDR Bürger nach dem Mauerfall. Das einzige was es selbst dort nicht gibt, ist alkoholfreies Bier. Die riesige Auswahl an Coca-Cola erklärt allerdings, was hier wohl die gängige Alternative zu Bier darstellt.

End of the road...

Wir genießen es mal andere Restaurants auszuprobieren, auch wenn wir am ersten Abend in einer eher touristisch geprägten Ecke stranden und von allen Seiten gleichzeitig mit überlauter Tangomusik und -tanz zugedröhnt werden. Als kleines Sahnehäubchen bleibt am Donnerstag sogar für mich noch Zeit für eine kurze Shoppingtour.

Fahrt durch die Quebrada

Nachdem wir alles erledigt haben, geht es am Freitagmorgen zurück und wir erfahren am eigenen Leib, was der Verkehr bedeutet, von dem immer alle erzählen. Es dauert ewig Salta und seine Vororte hinter sich zu lassen, doch wie immer entschädigen die letzten 50 Kilometer durch die unglaubliche Kulisse der Quebrada für einiges. Nach jeder Kurve sieht es spektakulärer aus und ich mache bestimmt 50 Fotos aus dem fahrenden Auto.

Immer noch Quebrada...

Am Abend gibt es eine tolle Grillparty im Reception-Haus der Estancia. Wir sind bei den Letzten, die weinselig nach Haus fahren, um noch ein weiteres Fläschchen Wein zu öffnen. Laila und Florian müssen nämlich noch Zeit totschlagen, denn der Caos Dance Club öffnet erst um 00.00 Uhr. Doch selbst als sie um 00.45 Uhr eintreffen, müssen sie noch eine Weile vor dem Eingang warten bevor sie nach Ausweis- und Impfnachweiskonrolle eingelassen werden. Über weitere Details kann ich leider nicht viel berichten. Man munkelt lediglich, dass die Musik eher unbekannt, dafür allerdings unglaublich laut gewesen sei und der Argentinier an sich auch gerne erst früh am Morgen in der Disco aufläuft, idealerweise erst nachdem der Foodtruck vor der Tür gegen 3.00 endlich geöffnet hat. Ach ja, und das Stefan und ich definitiv zu alt sind, um dort hinzugehen J.

14. Geburtstag ;-)

Aus obigen Gründen überspringen wir den Samstag einfach mal und machen beim Sonntag weiter. Es ist Florians 19. Geburtstag. Nachdem er am Freitag noch von einer blondierten, russischen Pseudo-Instagramerin auf 13 geschätzt wurde als er sich ein Bier bestellen wollte, muss er natürlich so einige Scherze über sein Alter ertragen.

Ruinenstadt der Quilmes

Zur Feier des Tages unternehmen wir nach dem Frühstück einen Ausflug zu den Ruinen von Quilmes. Obwohl es schon seit Tagen nicht mehr geregnet hat, müssen wir auf der Ruta National 40 doch zahlreiche Flüsse durchqueren, die die Straße überfluten. Nicht unbedingt geeignet für meine zarten Nerven!

Riesenkakteen
Dank eines Museums und unserer englischsprachigen indianischen Führerin erfahren wir eine Menge über die ursprüngliche Stadt und seine Bewohner. Die Quilmes sind ein Indianerstamm, der nach 130 Krieg gegen die Spanier 1667 wegen des Goldes so gut wie ausgerottet bzw. auf einer einjährigen Wanderung nach Buenos Aires getrieben wurden. Ein sehr bitteres Schicksal!

Blick vom Gipfel

Anschließend erklimmen wir über einen steilen Pfad den Gipfel mit seinem spektakulären Blick über die Ruinenstadt und das von riesigen Kakteen übersäte Umland. Noch anstrengender als der Aufstieg ist wie immer der Abstieg. Man muss höllisch aufpassen, wohin man tritt oder wo man sich festhält. Viele Steine auf diesem laut Touri-Guide total sicheren Weg sind locker und bieten keinerlei Halt.

Ein Königreich für ein Lama :-)
Unten angekommen erwartet uns eine lustige Herde Lamas, die entspannt im Schatten vor sich hindösen. Wir fahren zurück, durchqueren wieder erfolgreich alle Flüsse, gehen Essen und dann früh ins Bett, denn am nächsten Morgen müssen wir früh raus für unsere Wanderung durch die Quebrada.

Wanderung durch die Quebrada

Damit die Hitze nicht unerträglich wird, wandern wir um 8.30 Uhr bei El Paso los. Wir sind die einzigen Menschen weit und breit, nur eine offenbar gelangweilte Ziege beobachtet uns von einem Felsvorsprung und beschließt spontan uns auf unserer Wanderung zu begleiten. Die Wanderung führt durch spektakuläre Felsformationen und schließlich hinauf auf eine aus rotem Sand gebildete dünenähnliche Erhebung mit einem sensationellen Blick über ein Flusstal. Wir fühlen uns ein bisschen wie in einem Film irgendwo zwischen Western und Star Wars – nur die Ziege passt nicht ganz ins Bild J. Ich kenne tatsächlich nicht viele Orte – den Grand Canyon eingeschlossen – die so unfassbar spektakulär sind.

Am Ziel!

Auf der Rückfahrt legen wir diverse Fotostopps ein bevor wir wieder in Cafayate ankommen. Ich bin jetzt ja schon einige Male durch die Quebrada gefahren, aber es ist immer wieder beeindruckend, sieht bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit anders aus und ist irgendwie immer aufs Neue das ein oder andere Foto wert!

Bild mit Ziege


Los Castillos





Sonntag, 13. März 2022

Reiten, Golfen, Dauerregen...

Sie sind da!!! Freitagnachmittag ist es endlich soweit. Noch etwas angeschlagen und auf der Fahrt gut durchgeschüttelt, klettern Laila und Florian also schließlich in sengender Hitze in Cafayate aus dem Bus. Mit Hilfe eines argentinischen Wundermedikaments hat Laila den schlimmsten Teil ihrer Erkrankung überstanden und sich auch während der Busfahrt nicht auf ihren Vordermann übergeben müssen. Trotzdem ist sie noch etwas wackelig auf den Beinen und bei der ersten festen Nahrung nach zwei Tagen rebelliert der Magen erstmal entsprechend. Trotz allem kommt hier jetzt eine ganz andere Dynamik auf. Nachdem wir nach all den Wochen hier schon etwas abgeschlafft sind, was unsere sportlichen Aktivitäten angeht, sind die Kids (eigentlich darf ich sie so gar nicht mehr nennen) voller Tatendrang. Und Möglichkeiten gibt es hier ja genug. Samstag stehen erstmal Gym, Squash, Pool und Sauna auf dem Plan. Beim Squash wird schnell der Unterschied zwischen Frauen und Männer offensichtlich. Während Laila und ich hauptsächlich versuchen Spaß zu haben und möglichst lange Ballwechsel hinzukriegen, bestimmt bei den Männern von Beginn an das Krieger-Gen das Spiel. Ob das Spaß bringt, kann ich nicht beurteilen, aber lange Ballwechsel sind ganz klar nicht das Ziel.

Da sind sie...
Sonntagmorgen folgt ein Highlight der anderen Art. Florian und ich gehen mit David reiten. Bisher war ich immer in den Dünen unterwegs, aber da seine Pferde jetzt ans andere Ende der Estancia umgezogen sind, geht es nun durch Wald und Weinberge. Ich schätze, ohne David hätten wir schon nach 3 Minuten komplett die Orientierung verloren. Da lehne ich mal lieber das Angebot ab, mit Laila und Florian auch alleine reiten zu gehen. Es gibt größtenteils keine Wege und häufig muss man den Kopf einziehen, um sich vor Ästen oder Dornen zu schützen. Nichtsdestotrotz ist es ein unglaublich tolles Erlebnis vor sagenhafter Bergkulisse. Für Florian ist es zudem die erste Reiterfahrung nach dem Kinder-Ponyreiten, die er allerdings sehr souverän und mit viel Begeisterung meistert.

Ponyreiten 2.0

Damit ja keine Langeweile aufkommt, starten wir am Montag mit dem Thema Golfspielen. Nach dem Frühstück geht es auf das Übungsgrün zum Putten und Chippen. Während Laila und ich einen kleinen Wettbewerb austragen, bekommt Florian von Stefan die Grundlagen beigebracht. Dienstag geht es dann auf die Driving Range für die langen Bälle und Mittwoch spielen wir die ersten 9 Löcher mit Laila und Florian. Das Schöne ist, dass hier – obwohl es ein toller, gepflegter Golfplatz ist – kaum jemand jemals spielt. Denn auch, wenn wir am Ende 3,5 Stunden brauchen, stört das hier überhaupt keinen. Bessere Bedingungen für Golfanfänger gibt es wohl kaum irgendwo auf der Welt. Und auch ich finde es ehrlich gesagt viel entspannter, wenn man am Abschlag nicht immer noch 4 Leute im Nacken hat.

Golfen 2.0

Am Donnerstag endet dann vorübergehend die Schönwetterphase in Cafayate. Die Temperaturen fallen auf unter 20 Grad und es fängt an zu regnen. Bisher – insbesondere während der Regenzeit im Januar – gab es heftige, kurz Regenfälle, aber jetzt regnet es den ganzen Tag Bindfäden. Das erinnert doch sehr an das typische Hamburger Schmuddelwetter. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Kanalisation in Hamburg deutlich besser funktioniert. Der ganze Ort hier steht komplett unter Wasser. Es ist fast unmöglich die Straßen zu überqueren – zumindest nicht ohne durch 30 cm hohes Wasser zu waten. Autos können nur noch im Schneckentempo fahren, um die Fußgänger nicht nass zu spritzen und die nicht geteerten Straßen sind mit unserem Mietwagen nicht mehr so einfach zu bewältigen. Es regnet die ganze Nacht und erst Freitagmittag hört es endlich auf. Das gibt es um diese Jahreszeit hier eigentlich nie.

Dünen ohne Meer

Neben unseren sportlichen Aktivitäten haben wir außerdem noch das Spielen entdeckt. Normalerweise ist das ja nicht so mein Ding, aber nach meinem furiosen Einstieg beim Pokern um Streichhölzer und Sonnencremetuben, finde ich doch tatsächlich auch Spaß daran. Laila und ich haben uns am Regen-Donnerstag außerdem noch mit ein paar weiteren Spielen ausgestattet, so dass es eigentlich nicht langweilig werden sollte. Ansonsten gibt es für den Notfall ja auch noch Netflix und Sky für den heimischen Kinoabend. Und natürlich den Caos Dance Club – zumindest freitags und samstags. Interessant sind dabei allerdings die Öffnungszeiten von 00:00 bis 17:00 Uhr. Damit geht die Wahrscheinlichkeit, dass Stefan und ich es jemals dorthin schaffen werden, wohl eher gegen Null - außer vielleicht morgens um 10.00 Uhr nach dem Frühstück :-) Aber wir setzen jetzt voll auf Laila und Florian, um herauszufinden, was dort so los ist. Letzte Woche gab es jedenfalls eine Fernet Branca Party! Ich bin also sehr gespannt!

Freitag, 4. März 2022

Sick in Salta

Der versprochene Bericht über den Karneval in Cafayate fällt widererwartend sehr kurz aus. Ja, es waren viele argentinische Familien und Touristen in Cafayate, denn Rosenmontag und Faschingsdienstag sind hier Feiertage und nein, es gab weder Karnevalsumzüge noch lustige Verkleidungen. Aber ich glaube ehrlichgesagt auch, dass das Serenata Wochenende sowieso nicht mehr zu toppen gewesen wäre.

Sonnenuntergang - Immer wieder traumhaft schön...

Viel ist in unserem beschaulichen Leben hier in den letzten Tagen auch sonst nicht passiert. Das wird sich demnächst vermutlich aber ändern. Laila und Florian – ein Freund – sitzen gerade in diesem Moment im Bus von Salta nach Cafayate. 

Bis Salta hatte die Anreise eigentlich perfekt geklappt – alle Flüge und Flughafentransfers liefen reibungslos und pünktlich und nach einer Übernachtung fehlte nur noch die letzte Etappe. 

Und dann kam das Abendessen in Salta. Was auch immer es war, es hat Laila in der Nacht komplett umgehauen. Durchfall und Erbrechen der schlimmsten Sorte. Erstmal kein Denken an eine vierstündige Weiterreise durch die Quebrada im argentinischen Überlandbus. Nach einer weiteren Übernachtung in Salta ist jetzt wohl das Schlimmste - bis auf die typischen Nachwirkungen der Dehydrierung wie Kopf- und Gliederschmerzen - überstanden. Sie sitzen auf jeden Fall im Bus und wir freuen uns schon riesig darauf, sie in ein paar Stunden am Busterminal einsammeln können.

Bierhaus - heimische Gefühle

Bis es soweit ist, muss ich aber schnell noch ein bisschen arbeiten und vor allem Spanisch lernen. Denn morgen schreiben wir den ersten Test!

Deshalb verabschiede ich mich jetzt und in der nächsten Woche gibt dann wieder einen längeren Post mit hoffentlich vielen neuen Erlebnissen.