5. April 2010
Wir verlassen Barbies Puppenstube und machen noch einen Abstecher nach Hopetoun, bevor
wir die Fahrt nach Esperance fortsetzen. Hopetoun soll laut Bob – unserem ehemaligen Hausmeister in Perth – irgendwann mal eine deutsche Siedlung gewesen sein. Davon ist allerdings nicht mehr viel zu erkennen und generell ist es mit der Besiedlung nicht weit her. Seit die Nickel-Mine vor 2 Jahren geschlossen wurde, lebt der Ort nur noch von den paar Touristen, die sich hier her verirren und die großen Neubauprojekte rundherum liegen wohl auch eher auf Eis. Aber der Name Hope ist hier Programm und alle hoffen, dass die Mine bald wiedereröffnet wird. Am frühen Nachmittag erreichen wir dann endlich Esperance, checken auf dem Campingplatz ein und den Ort kurz aus, aber am heutigen Ostermontag ist da nicht allzu viel los. Abends machen wir uns im Bus ein paar Toasts und ein Picknick auf dem Bett. Die lauen Sommerabende sind hier wohl leider vorbei und draußen kann man es nach Sonnenuntergang nicht mehr lange aushalten.
6. April 2010
Nach über zwei Monaten Dauersonnenschein erwartet uns ein ungewohnt trüber und regnerischer Tag. Ich
komme mir fast vor wie an der heimischen Ostseeküste und nicht wie am Southern Ocean. Da das Wetter nicht gerade zu einem Strand- und Badetag einlädt, fahren wir mit dem Auto den ‚Great Ocean Drive’ – nicht zu verwechseln mit der ‚Great Ocean Road’ ab – vom Twilight Beach, mit weißem Sand und riesigen Felsformationen bis zum Pink Lake, einem Salzsee, der unter bestimmten Bedingungen rosa aussieht. Da das Wetter sich zusehends verschlechtert, beschließen wir dem ganzen zu entfliehen und ins Kino zu gehen. Unglaublicherweise hat Esperance sogar ein 3D-Kino und so sehen wir uns ‚Alice in Wonderland’ in 3D an. Für Laila ist der Film allerdings grenzwertig und auch wenn sie es natürlich nie zugeben würde, gruselt sie sich an einigen Stellen doch ganz schön. Da wir nicht noch einen weiteren Abend Toastbrot im Bus essen wollen, beschließen wir Essen zu gehen, müssen aber feststellen, dass Esperance nicht gerade eine gastronomische Hochburg ist. So landen wir schließlich im Jetty Cafe, wo das Highlight allerdings nicht das Essen ist, sondern die Szene die sich am Nachbartisch abspielt als ein übellauniger Aussie lautstark die Bedienung zur Schnecke macht, weil das Essen angeblich ungenießbar ist.
7. April 2010
Überraschend ist heute die Sonne zurückgekehrt. Auf die Wettervorhersage kann man hier wirklich gar nichts geben! Damit wir die Golfschläger nicht umsonst durch halb Australien kutschieren, spielen wir morgens erstmal ein Runde Golf, wobei Laila vermutlich den meisten Spaß daran findet, hinten auf dem Elektro-Cart mitzufahren.
Anschließend fahren wir in den Le Grand National Park, wo es angeblich die schönsten Strände Australiens geben soll. Auch wenn ich ja noch nicht alle Strände Austrliens gesehen habe, kann ich mir durchaus vorstellen, dass das der Wahrheit entspricht. Der Sand am Lucky Bay ist so fein, dass er beim Laufen quietscht und dazu schneeweiß. Das Wasser ist glasklar und türkis und leider viel zu kalt – zumindest für mich ;-) Nach einem Picknick nehmen Stefan und Laila ein kurzes Bad, dann geht es weiter nach Cove bay, wo man über riesige Felsen wandern und klettern kann. Zum Abschluß schauen wir noch am Le Grand Beach vorbei, aber für heute ist unser Strandsoll erfüllt und wir machen uns wieder auf den Weg in Richtung Campingplatz.
8. April 2010
Laila stellt in diesem Urlaub einen neuen Rekord im Klamotten einsauen auf und so gehen ihr schon nach 4 Tagen
die sauberen Hosen aus und ich muss morgens erst mal eine Maschine ‚Buntes’ anwerfen. Weder Laila noch Stefan sind allerdings böse darum, den Vormittag auf dem Campingplatz zu verbringen. Laila verschwindet auf dem Spielplatz und Stefan hinter seinem Notebook. Das Wetter ist auch nicht so verlockend, dass man nun unbedingt an irgendeinen Strand müsste. Gegen Mittag machen treibt uns der Hunger in die Stadt und Stefan und Laila entdecken, dass der Tanker-Jetty offenbar das Anglerparadies ist. Nachdem sie im Angelshop das nötige Equipment zusammengekauft haben – irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass man jedes Mal andere Köder, Schwimmer, Haken etc. benötigt – verbringen die beiden dann zwei Stunden damit, vergeblich die Angel ins Wasser zu halten und so ist das Einzige, was abends in der Pfanne landet, ein Rindersteak aus dem Supermarkt.
9. April 2010
Heute verlassen wir Esperance wieder und treten die 400 km lange Fahrt nach Bremer Bay an.
Keine Ahnung, warum die Bucht so heißt, aber vermutlich haben sich da irgendwann mal ein paar heimwehkranke Norddeutsche hin verirrt, die sich beim Anblick der Dünen an die Nordsee erinnert fühlten. Und auch das Wetter weist ein paar Parallelen auf. Es gibt nämlich auch immer mal wieder einen Regenschauer. Stefan und Laila sind jetzt im Angelfieber und starten einen weiter Versuch, dass Abendessen selbst zu fangen, aber auch diesmal will nichts anbeißen und so gibt es schließlich eine Pizza beim Campingplatz-Italiener, was mir persönlich auch gar nicht so unlieb ist. Der Abend nimmt noch eine interessante Wende als Stefan beim Filmgucken auf einem Lindt-Schokoladenei einschläft. Das man das nicht ausbrüten kann, war mir ja schon klar, aber das so ein kleines Ei, so eine große Sauerei anrichten kann, hätte ich nicht erwartet. Bettlaken, Matratze und Stefans Hose sind in Schokolade getränkt und der ganze Bus riecht wie eine Schokoladenfabrik. Da ist am nächsten Morgen wohl erst mal eine größere Reinigungs- und Waschaktion angesagt.
10. April 2010
Nachdem die Schokoladenspuren so gut wie möglich beseitigt sind, brechen wir auf, um Bremer Bay zu
erkunden. Die erste Lektion, die wir dabei lernen, ist, dass unser Van nicht dafür geeignet ist, auf den Strand zu fahren – auch wenn dieser noch so festgefahren aussieht. Die zweite Lektion ist, dass kein Aussie ein Abschleppseil besitzt, weil hier ja alle mit Geländewagen rumfahren und dementsprechend auch keins brauchen. Wir hingegen stecken jetzt schön im Sand fest, besitzen natürlich auch kein Abschleppseil, müssen nun mühsam die Hinterräder ausbuddeln, um dann zusammen mit ein paar hilfsbereiten Australiern den Bus wieder aus dem tiefen Sand schieben. Von Stränden halten wir uns bzw. den Bus zukünftig also besser fern. So parken wir beim nächsten Mal also vorschriftsmäßig auf dem Parkplatz, packen die
Angelsachen aus und verbringen ein paar entspannt Stunden am Strand. Wieder zurück auf dem Campingplatz fällt mir auf, dass einer meiner geliebten blauen Converse-Schuhe, die neben der Schiebetür gelegen haben, fehlt. Super, wir haben die Tür an diesem Tag bestimmt an 10 verschiedenen Orten auf- und zu gemacht und zu jeder Zeit könnte der Schuh rausgefallen sein. Wir fangen also von hinten an, die Stellen abzuklappern und wo finden wir ihn schließlich: Direkt neben den Reifenspuren, die unser Bus am Morgen in den Strand gegraben hat. Als ich davon noch schnell ein Foto machen wollte, muss der Schuh wohl irgendwie entkommen sein. Ich habe den Eindruck, dass das heute nicht unser Tag ist.
11. April 2010
Nachdem wir in Bremer Bay jetzt alle mit Strassen, die man mit unserem Auto befahren kann, abgeklappert
haben, fahren wir weiter nach Albany. Auf dem Weg dorthin liegt noch die Stirling Range, mit dem höchsten Berg Western Australiens dem Bluff Knoll. Den kann man auch sogar besteigen, allerdings nur, wenn man kein meckerndes 6-jähriges Kind dabei hat. Wir schaffen ca. 1/3 der Strecke bis wir schließlich umkehren. Zu Lailas Ehrenrettung muss man allerdings auch sagen, dass es extrem steil bergauf geht und man dabei auch noch über große Felsen klettern muss. Trotzdem ist der Ausblick auch aus dieser Höhe toll und es hat sich auf jeden Fall gelohnt die Wanderung anzutreten. In Albany finden wir schließlich einen tollen Campingplatz, der nur durch die
Dünen vom Meer getrennt ist. Wir machen noch einen langen Strandspaziergang und geraten dabei in ein regelrechtes Muschelsuchfieber. Es gibt hier ganz tolle orange, rote und sogar pechschwarze Muscheln – war die Ölpest nicht auf der anderen Seite Australiens? Hier werden wir auf jeden Fall jetzt erstmal ein paar Tage bleiben, unsere Vorräte wieder auffüllen und Laila ein bischen Kinderanimation auf dem Campingplatz gönnen.