Donnerstag, 25. Februar 2010

Perth - Delphine und Haifischzähne

19. – 25. Februar 2010

Am Freitag ist es soweit. Stefan und ich haben die erste Stunde unseres Schwimmkurses. Wir haben Glück und sind an diesen Tag alleine, so dass wir quasi Privatunterricht bekommen. Es ist erstaunlich, denn nach dieser einen Stunde können wir bereits besser Kraulschwimmen als jemals zuvor. Das schwierigste dabei, ist ab und zu auch nochmal zu atmen. Aber das kriegen wir bestimmt auch noch hin, wir haben ja noch 5 weitere Stunden vor uns. Danach packen wir unseren Bus, sammeln Laila in der Schule ein und auf geht’s nach Mandurah, 90 km südlich von Perth. Wir sind überrascht, wie groß Mandurah ist. Offensichtlich hat es dort in den letzten Jahren einen unglaublichen Bauboom gegeben, der auch noch immer anhält. Es gibt allein 7 Golfplätze in der näheren Umgebung. Irgendwie hatten wir uns das kleiner vorgestellt. Am Samstag machen wir eine Bootstour durch die Kanäle und die ‚Hafencity’. Wir haben Glück und sehen tatsächlich einen Delphin, der vor unserem Boot herumschwimmt. Da wir mal wieder unseren Fotoapparat im Auto vergessen haben, gibt es davon leider keine Fotos, genauso wenig wie von den unzähligen Luxus-Ferienhäusern in der Ocean Marina. Da fragt man sich ja schon, womit all diese Leute ihr Geld verdienen, dass sie sich so ein Millionen-Häuschen nur fürs Wochenende leisten können. Nach einer Portion Fish and Chips machen wir einen Ausflug in die Natur und schauen uns die Thromboliten – auch als lebende Steine bezeichnet – an, die es nur an ganz wenigen Orten auf der Welt gibt. Aber so richtig viel Leben habe ich da jetzt nicht gesehen ;-)

Sonntagmorgen setzen wir uns dann wieder in Bewegung Richtung Norden. Zufällig landen wir an einem Strand, von dem man über eine Sandbank durchs flache Wasser zu einer Insel namens Penguin Island waten kann. Der Name Penguin Island ist allerdings irreführend, denn abgesehen von ein paar angesiedelten Pinguinen in einer Art Mini-Zoo hat die Insel mit Pinguinen nicht viel zu tun. Allerdings ist sie eine Brutstätte für Pelikane und davon kriegen wir dann auch entsprechend viele zu sehen. Wir sind erstaunt, wie gut Pelikane fliegen können. Zuvor haben wir sie immer nur irgendwo plump am Strand herumsitzen sehen. Wir stoppen noch auf eine Erfrischung in Rockingham bevor wir letztendlich wieder in Perth landen. Für die kommende Woche ist einen Hitzewelle angekündigt, mit Temperaturen über 40°C. Da legen wir am Montag noch schnell eine Golfrunde ein, bevor man sich nur noch in klimatisierten Räumen aufhalten kann. Nebenbei machen wir die Entdeckung, dass wir uns wohl bald von Lailas süßem Milchzahnlachen verabschieden müssen. Still und heimlich sind unten in zweiter Reihe die beiden Schneidezähne durchgebrochen. Da wir etwas besorgt sind, dass die Zähne zu weit hinten stehen und nicht in die Lücken passen, gehen wir vorsichtshalber mit ihr zum Zahnarzt. Aber ihr Haifischgebiss scheint kein Problem darzustellen und über kurz oder lang werden die Milchzähne dann wohl ausfallen. Trotzdem erscheinen mir die neuen Zähne riesig groß, in dem kleinen Mund. Aber ich hoffe nach wie vor, dass sie nicht meine Riesenzähne geerbt hat. Am Donnerstag erreicht die Hitze dann ihren vorläufigen Höhepunkt mit 42°C. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine solche Temperatur erlebt zu haben und ohne Klimaanlage ist es nicht zu ertragen. Selbst nachts fällt die Temperatur nicht mehr unter 30°C – das ist also auch der Sommer in Perth, der im übrigen am Montag endet. Mal schauen, ob es dann auch kälter wird :-). Neben dem Herbstanfang ist Montag auch noch Labor Day und somit ein langes Wochenende. Wir werden in Richtung Norden fahren, uns die berühmten Pinnacles anschauen und dann wieder an die Küste, wo wir mit viel Glück noch einen Platz auf einem Campingplatz ergattert haben. Denn anscheinend ist an diesem Wochenende ganz Perth unterwegs und ich habe stundenlang Campingplätze abtelefoniert, um noch was zu bekommen. Ich glaube, wir müssen uns für solche Gelegenheiten mal eine etwas langfristigere Vorbereitung angewöhnen.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Perth - Young Walton and Good Sammy

13. – 18. Februar 2010

Gestern Abend haben wir mal ganz neue Erfahrungen gesammelt. Wir waren beim Pferderennen, genauer gesagt beim Trabrennen! Das scheint hier mehr ein Spaß für die ganze Familie zu sein mit Hüpfburgen, Picknick und Livemusik. Und gewonnen hat man schon am Eingang ohne überhaupt ein Pferd gesehen zu haben. Man bezahlt 10 $ Eintritt und bekommt dafür Essens- und Getränkegutscheine für 15 $. Beim ersten Rennen such Laila sich dann zielsicher Pferd Nr. 2 namens Young Walton aus und siehe da: der Zosse gewinnt und wir damit auch immerhin 14 $. Leider stellt sich raus, dass das wohl Anfängerglück war, denn auch wenn die Namen der Pferde, auf die wir setzen, noch so toll klingen wie Apache Blue, On all Fours oder Touch me Toes kommen sie vorzugsweise als letzte durchs Ziel. Damit kann man also keinen Blumentopf gewinnen. Man sollte wohl nicht allzu viel auf die Namen geben. Nichtsdestotrotz haben wir einen Riesenspaß und Laila ist förmlich im Wettfieber. Samstagvormittag ist Mutter-Tochter Tag. Laila bekommt nach einem halben Jahr endlich mal wieder einen Haarschnitt verpasst. Die Läuse sind erfolgreich bekämpft, so dass man sie auch mit gutem Gewissen einem Friseur überlassen kann. Danach gehen wir noch ein bischen shoppen. Ich habe bei einer meiner Touren ‚The good Sammies’ entdeckt, wo man günstige Secondhand Kinderklamotten kaufen kann und da Laila aus vielen ihrer Sommerklamotten vom letzten Jahr komplett rausgewachsen ist oder zumindest darin aussieht als müsste sie die Sachen ihrer nichtvorhandenen jüngeren Geschwister auftragen, kaufen wir erstmal ein paar Hosen und Kleider. Nachmittags sind wir dann bei Sharon und Andrew zum Barbecue eingeladen und Laila kann es kaum erwarten ihren Freund Aidan wiederzusehen. Die beiden verschwinden stundenlang in Aidans Zimmer und sperren gnadenlos seine kleine Schwester Karis aus. Wären die beiden nicht erst 5 bzw. 6 Jahre alt, würde ich mir doch ernsthafte Sorgen machen. Aber ich glaube, so ein ganz kleines bischen ist sie auch tatsächlich in Aidan verliebt. Wir verbringen einen entspannten Nachmittag und Abend in und am Pool bei traumhaftem Sommerwetter, einem Gläschen Wein und jeder Menge Grillade. Am Sonntag wird es dann schon fast unerträglich heiß und wir flüchten uns an den Strand. Da sind wir allerdings nicht die einzigen und am City Beach bekommt man quasi nur noch Stehplätze. Auch der zweite Strand scheidet aus, denn das ist offensichtlich der Hundestrand. Ich habe ja nichts gegen Hunde, aber das sind auch mir ein paar zu viel und als noch einer vor meiner Nase sein Geschäft im Wasser verrichtet, ist es endgültig Zeit zu gehen. So landen wir wieder an unserem guten alten Surferstrand und bekommen endlich die verdiente Abkühlung. Und dann ist das Wochenende wieder vorbei. Auch ich nutze jetzt mal die Zeit, die Laila in der Schule ist, für eine Runde Golf. Ansonsten beginnen diese Woche Lailas Golf- und Schwimmkurs und - man glaubt es kaum – unser Schwimmkurs. Stefan und ich haben beschlossen auf unsere alten Tage noch mal richtig Kraulschwimmen zu lernen bevor unsere Tochter uns davonschwimmt. Am Freitag geht es los. Und dann werden wir endlich mal wieder unseren Bus einpacken und Richtung Süden nach Mandurah aufbrechen. Schließlich haben wir gerade für viel Geld den Kühler reparieren lassen. Jetzt müssen wir auch noch den ein oder anderen Kilometer fahren, damit sich das auch gelohnt hat.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Perth - Eingezogen und Ausgesperrt

6. – 12. Februar 2010

Es klappt mit der Wohnung vorm Wochenende natürlich nicht mehr – nicht, dass wir wirklich noch damit gerechnet hätten - und so setzen wir uns am Freitag nach der Schule in Bewegung in Richtung Norden. Man muss hier nicht weit fahren, um dem Großstadttrubel zu entfliehen. In 45 Minuten sind wir in Burns Beach, haben einen Stellplatz mit Meerblick und einen einsamen Strand. Leider ist für den nächsten Tag Gewitter angesagt und wir beschließen am Samstag den Campingplatz zu wechseln und uns etwas von der Küste zurückzuziehen, bevor es zu ungemütlich wird. Am nächsten Morgen erwartet uns erst noch mal eine böse Überraschung als ich 2 kleine grau-braune Tiere auf Lailas Haaren rumflitzen sehe. Ihr könnt Euch sicherlich schon denken, was jetzt kommt: Läusealarm! Das dritte Mal in 4 Monaten! Und die australischen Kollegen scheinen auch noch besonders groß zu sein, dafür gibt es in der Apotheke aber auch eine riesige Auswahl an den entsprechenden Mittelchen. Es folgt also die übliche Prozedur, aber im Gegensatz zu den ersten beiden Malen bin ich da jetzt schon deutlich entspannter geworden. Als Entschädigung finden wir zumindest einen schönen Campingplatz mit zentralem Stellplatz zwischen Spielplatz, Küche und Klo und dazu noch direkt am See. Am Montag beginnt dann für Laila wieder der Alltag, wir dagegen sitzen nach wie vor in der Warteschleife und wissen nichts so recht mit dem Tag anzufangen. Wir hängen ein paar Stunden am Citybeach rum bis endlich der erlösende Anruf kommt. Wir können unser Appartement beziehen und das tun wir dann auch. Klamotten raus aus dem Bus, rein in die Wohnung und zur Feier des Tages erstmal ein Gläschen Sekt auf dem Balkon. Und dort hätten wir dann auch fast übernachten müssen, denn als wir die Balkontür zuschieben rastet der Sicherungsmechanismus ein und man kann die Tür von außen nicht mehr aufschieben. Glücklicherweise ist Laila schon im Bett und somit in der Wohnung, wenn auch leicht hysterisch. Durch einen schmalen Spalt schiebt sie Stefans Handy durch die Tür – gut, das die Dinger mittlerweile so flach sind, vor 10 Jahren hätten die da nicht durchgepasst – und wir rufen Bob, den (Haus-)meister an, der uns schließlich befreit. Danach läuft aber alles glatt und wir genießen es, endlich mal wieder so viel Platz und einen Ort zu haben, an dem man sich aufhalten kann. Die Anlage verfügt über einen 20m Pool und einen Fitnessraum und das Appartement ist super ausgestattet, auch wenn einige Details wie Teppiche, Möbel und Häkeldeckchen leichte Erinnerungen an Anitas Haus in Nelson heraufbeschwören. Am Donnerstag muss dann unser Bus zur Inspektion in die Werkstatt. Der ist leider im Moment das Sorgenkind. Nachdem Andrew in unserer Abwesenheit schon irgendwas reparieren lassen musste, verliert jetzt der Kühler ordentlich Wasser und seit neuestem kriegt man immer öfter den 2. und 3. Gang nicht mehr rein. Das Problem lässt sich dank Vorführeffekt in der Werkstatt nicht reproduzieren und wir wissen nach wie vor nicht genau, ob es nur die Kupplung ist oder uns das Getriebe in nächster Zeit abraucht. Eigentlich sollten wir ihn so schnell wir möglich verkaufen, aber wir haben ja noch ein paar Touren geplant bevor wir Australien wieder verlassen.

Laila hat sich in ihrer neuen Schule schon super eingewöhnt, bereits Freundinnen gefunden und anscheinend auch ihr Englisch wiedergefunden. Jedenfalls quatscht sie mittlerweile wieder völlig ungehemmt drauf los und ist schon kaum noch von den Aussie-Kids zu unterscheiden.

Alles in allem kann man also nur sagen: No worries! Die Sonne scheint so gut wie immer, Laila erfreut sich jeden Tag an ihrem eigenen Pool, Stefan geht nach langer Durststrecke heute das erste Mal wieder Golfen und ich komme endlich mal zum Friseur.

Freitag, 5. Februar 2010

Perth - Einschulungsrekord und Zigeunerleben

30. Januar – 5. Februar 2010

Große Enttäuschung, nachdem wir gedacht haben, wir hätten jetzt die ultimative Lösung für unser Wohnungs-/ Schulproblem gefunden. Wir haben in Hilton (hört sich ja erstmal super an!) eine telefonische Zusage für einen Schulplatz und einen Besichtungstermin für eine Haus. Allerdings waren wir noch nie in Hilton und die Besichtigung des Viertels, lässt dann gleich auch alle Pläne platzen. Die Gegend ist ungefähr vergleichbar mit Steilshoop oder Wilhelmsburg. Zwar gibt es dort keine Hochhäuser, dafür aber 90% State Housing – auf deutsch: Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Aboriginies. Kein Wunder, dass die Schule uns als zahlende Mitglieder sofort gerne genommen hätte! Gottseidank haben wir aber für die nächste Woche noch 2 Besichtungs- termine für Appartements in West Perth, was direkt an Subiaco – das Eppendorf von Perth - grenzt und am Montag erfahren wir, ob Laila in der West Leederville Primary School dort in der Nähe einen Schulplatz bekommt. Bleibt also nur abzuwarten und das Wochenende zu genießen. Wir erkunden noch ein wenig Perth, faulenzen am Strand, fahren ins Swan Valley – Perth’ Weingegend - und beziehen Sonntagabend einen neuen Campingplatz, der näher an der Stadt und Lailas potentieller Schule liegt. Im Swan Valley finden wir einen witzigen Golfplatz, wo man mit überdimensionalen Schlägern und Bällen auf kürzeren Löchern spielt. Ein Spaß für die ganze Familie :-).

Montagmorgen machen wir uns dann auf zur Schule und nun scheint endlich mal was zu klappen. Laila bekommt einen Platz, optimalerweise sogar in einer gemischten 1. und 2. Klasse und kann am Dienstag gleich anfangen. Wir statten sie noch schnell mit Schuluniform und Schuhen aus, denn mit Flipflops darf sie dort nicht auflaufen und sind schon mal ein Problem los. Am Dienstag heißt es dann erstmals wieder früh aufstehen, Sonnencreme auftragen, Uniform anziehen, Schulbrote schmieren und ab in den Stau in Richtung City. In den ersten 2 Wochen gehen die Kinder täglich zum Schwimmkurs, weshalb sie schon gleich im Badeanzug unter der Schuluniform auflaufen müssen. Das erschwert dann leider auch den Toilettenbesuch in letzter Sekunde und sorgt dafür, dass wir zu Lailas 3. Einschulung in 12 Monaten so gerade noch pünktlich ankommen. Nachdem wir Laila abgeliefert haben, bleibt uns gerade noch Zeit für ein schnelles Frühstück, bevor wir die erste Wohnungsbesichtung haben. Das ist endlich mal ein Lichtblick. Das Appartement hat genau die richtige Größe und befindet sich in einer Anlage mit Pool und Gym. Einziges Problem: Unser Van ist zu hoch für den überdachten Stellplatz und an der Strasse gibt es aufgrund der Citynähe tagsüber nur kostenpflichtige Parkplätze. Trotzdem beschließen wir die Bewerbung abzugeben und nebenbei irgendwie das Parkproblem zu lösen. Der zweite Besichtigungstermin ist um 14.00 Uhr direkt nebenan und für die Zwischenzeit gibt es eine Shoppingmall in Fußnähe. Die zweite Wohnung ist parktechnisch auch nicht besser und hat kein Gym und nur einen winzigen Pool, scheidet also aus. Jetzt heißt es also wieder warten, bis unsere Bewerbung bearbeitet und hoffentlich akzeptiert wurde. So lange bleiben wir auf unserem Campingplatz, stellen uns brav jeden Morgen in den Stau und fühlen uns ein bischen wie Zigeuner, wenn wir Laila morgens auf dem Campingplatz in ihre Schuluniform stecken. Da bleibt nur, das Beste aus der Situation zu machen. Ich erkunde die Shoppingmöglichkeiten in Subiaco und der City, wir picknicken im Kingspark und am Monger Lake, Stefan verbringt endlich mal wieder ein paar Stunden in irgendwelchen Cafes vor seinem Notebook und Laila lernt in 2 Tage besser Freestyle zu schwimmen, als Stefan und ich in Jahrzehnten. Am Donnerstag finden wir, dass es mal Zeit ist, den Stand unserer Bewerbung zu erfragen, da wir noch nichts gehört haben und eigentlich am Freitag einziehen wollen. Es stellt sich raus, dass die Maklertussi die Bewerbung noch nicht mal an den Eigentümer geschickt hat, weil sie Andrew, den wir als Referenz angegeben haben, telefonisch nicht erreichen konnte. O.k., das war vielleicht auch unser Fehler, denn Andrew hockt gerade irgendwo im Nirgendwo um ein neues Minengelände für die Minenarbeiter bewohnbar zu machen. Das der Handyempfang dort nicht optimal ist, hätte uns eigentlich klar sein sollen. Erschwerend kommt noch dazu, dass der Eigentümer irgendwo in Europa sitzt und die Zeitverschiebung nicht gerade für uns arbeitet. Das bedeutet also wieder: Warten. Falls es am Freitag nicht mehr klappt, werden wir einen Wochenendausflug in Richtung Norden oder Süden unternehmen und hoffen, dass ab Montag das Zigeunerleben ein Ende hat und wir endlich wieder ein richtiges Dach überm Kopf haben.