Montag, 7. November 2022

Umzug, Auto, Wetterlage...

Nun sind schon wieder zwei Wochen um und ich wundere mich jeden Tag, wie schnell die Zeit auch hier in Cafayate vergeht. Dabei passiert hier zwischen Arbeit, Sport und Entspannung gar nicht so viel.

Es weihnachtet hier schon sehr...

Viel passiert ist dagegen in Deutschland. Am letzten Oktoberwochenende hat in mehreren Etappen Lailas Umzug stattgefunden. Doch auch wenn wir tausende von Kilometern entfernt sind und mein Bruder und seine Familie tollerweise die ganze Arbeit für uns übernommen haben, habe ich mich gestresst gefühlt. Bei einem Umzug geht ja selten alles glatt, aber in diesem Fall zogen sich die die Katastrophen durch die ganzen zwei Tage. Schon der Start am Samstag ist nicht besonders geschmeidig: Berge an Sachen in dem kleinen WG Zimmer, Verkehrschaos in Bremen, fehlende Parkmöglichkeiten vor der neuen Wohnung und, und, und… Aber das ist alles noch harmlos gegenüber dem Sonntag. Es beginnt damit, dass der gemietete Transporter nicht an der angegebenen Position steht, die Wartezeit in der Hotline über 30 Minuten beträgt, der Wagen letztendlich einen Kilometer entfernt zu finden ist und es am Ende auch noch das falsche und viel zu kleine Fahrzeug ist. Was das zur Folge hat kann man sich ja ausmalen. Die Sachen, die in Ellerbek und Rellingen gelagert sind, passen natürlich nicht alle rein, müssen auseinander gebaut bzw. zurückgelassen werden. Das ganze dauert natürlich unendlich viel länger. Dementsprechend mache ich drei Kreuze als der ganze Kram in Lailas Wohnung verstaut ist. Faszinierend finde ich dann allerdings, dass sie nach dem ganzen Trubel noch die Energie aufbringt mitten in der Nacht zu einer Halloween-Party zu fahren. Es lebe die Jugend!

Halloween-Queen

Doch auch hier ist natürlich ein bisschen was passiert. Abgesehen von den seltsamen Wetterphänomenen mit Stürmen und Temperaturstürzen um über 20°C, sind jetzt auch schon seit 2 Tagen die Berge um uns herum verschwunden. Gerüchte behaupten, es läge an einem Brand in Salta. Aber egal, woher es auch kommt: Für alle Tagestouristen, die wegen der tollen Ausblicke extra stundenlang hierher gefahren sind, muss das jedenfalls die totale Enttäuschung sein.

Sie blühen noch immer!

Unser Highlight der Woche jedoch, ist die Abholung unseres Autos. Freitagmittag machen wir uns ein letztes Mal mit unserem geliehenen Wagen auf den Weg nach Salta und ich kann nicht behaupten, dass ich darüber traurig bin. Nach dem ganzen Trouble mit kryptischen Warnmeldungen und platten, abgefahrenen Reifen bin ich froh, demnächst ein neues, hoffentlich fehlerfreies Auto mit neuen Reifen fahren zu können. Und ich muss zugeben, dass ich entgegen meiner ursprünglichen Skepsis positiv überrascht bin von der Farbe. Ich finde es richtig schick und hey, uns übersieht so einfach keiner mehr J. Aber vor allem brauchen wir uns keine Gedanken mehr zu machen, wenn in der Regenzeit die Flüsse quer über die Straßen fließen oder die Straßen mal nicht befestigt oder holprig sind. Ich freue mich schon auf unsere erste längere Tour – und bis Feuerland sind es ja nur 4500 km ;-)

Das ist es!!!


Sonntag, 23. Oktober 2022

Aus der Quarantäne nach Cafayate

Da haben wir es 1,5 Jahre geschafft dem Coronavirus auszuweichen und ausgerechnet auf unserer Campertour durch die einsamen Ecken des Balkans erwischt es uns dann doch. Zuerst Stefan und nach unserer Rückkehr schließlich auch mich. Alles andere wäre wohl auch eher ein Wunder gewesen, denn enger als im Campervan kann man wohl kaum aufeinander hocken. Das Timing ist natürlich nicht besonders günstig, denn wir haben nur noch 10 Tage bis zu unserer Abreise nach Argentinien und sind quasi ans Haus gefesselt, auch wenn es mir eigentlich nach einem Tag mit Fieber und Kopfschmerzen wieder gut geht. Alle unsere Erledigungen schieben sich nach hinten und das Treffen mit Freunden fällt entweder ganz aus oder findet auf den letzten Drücker statt. Selbst meine gemeinschaftliche Geburtstagsfeier im Tennisclub findet ohne mich statt. Aber um auch mal die positive Seite zu erwähnen: rechtzeitig zu unserem Abflug nach Argentinien sind unsere Tests wieder negativ und die Symptome waren sehr moderat.

30 km vor Cafayate

Tja, und dann sind wir unterwegs. Über Zürich und Sao Paulo geht es nach Buenos Aires. Dort haben wir 10 Stunden Aufenthalt und sind froh und glücklich, dass wir unsere vier megaschweren Gepäckstücke im Hotel von Freunden deponieren können. Der Flughafen in BA hat nicht mal eine Gepäckaufbewahrung. Wir organisieren Handykarten, gehen Essen und chillen ein wenig, bevor es wieder zum Flughafen und weiter nach Salta geht.

Cooler Roller

Es ist immer wieder erstaunlich, wie einfach wir das Jetlag überwunden haben. Wir gehen spät ins Bett, wachen zu einer normalen Uhrzeit auf und das war’s. Gut erholt machen wir uns auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz. Zwar haben wir uns für die nächsten 2 Monate das Auto eines Freundes geliehen, aber spätestens dann benötigen wir eine Alternative. Die erste Idee einen Roller zu kaufen, verwerfen wir aus verschiedenen Gründen wieder, auch wenn ich finde, dass ich mich optisch ganz gut darauf mache. Letztendlich landen wir bei einem Nissanhändler mit der Option noch im Oktober einen nagelneuen Nissan XGear bekommen zu können.

Kakteenblüte

Danach treten wir die letzte 3-stündige Etappe nach Cafayate an. Und dieses Mal ist es tatsächlich anders als die Male zuvor. Als wird die letzte Strecke durch die Quebrada fahren, fühlt es sich nicht mehr nach Urlaub, sondern mehr nach Nachhausekommen an.  Alles ist so vertraut und es fühlt sich an als wären wir nie weggewesen. Allerdings platzt Cafayate gerade aus allen Nähten, denn mit Feiertagen am Freitag und Montag ist es ein XXL-Wochenende und ganz Argentinien ist auf Reisen.

Unser neues Auto

Wir haben für die gesamten 7 Monate ein sehr schönes Haus gemietet und müssen zum Glück dieses Mal auch nicht zwischendurch ausziehen. Die Eingewöhnungsphase ist eigentlich schon vorbei, nachdem wir unsere Koffer ausgepackt haben. Und dann startet das Leben hier, eigentlich so wie es aufgehört hat – zum Glück allerdings bei höheren Temperaturen. Golfen, Schwimmen, Squashen, Haus planen, Steaks essen… Eine tolle Neuerung ist nebenbei, dass es im Supermarkt in Salta jetzt endlich auch alkoholfreies Bier gibt. Damit haben wir uns erstmal gut eingedeckt, denn es ist nicht so wahrscheinlich, dass wir es auch in Cafayate bekommen.

Noch mehr Kakteenblüten

Die Tage fliegen hier so dahin, die Nächte werden langsam wärmer, wir erkunden ein paar neue Restaurants und dann erfahren wir, dass wir noch im Oktober ein Auto haben können. Einziger Haken: die Farbe! Es ist knallrot. Doch in Argentinien sollte man besser die Gelegenheit nutzen, denn ob es in absehbarer Zeit ein anderes geben wird, kann uns niemand versprechen.

Da Stefan die Verträge unterschreiben und Geld anzahlen muss, müssen wir wieder nach Salta fahren. Als wäre es eine Vorahnung, fahren wir vor unserer Abfahrt zur Tankstelle, um den Reifendruck zu prüfen. Und man ahnt es ja schon, der linke Hinterreifen hat kaum noch Luft und bei genauerem Hinschauen wissen wir dann auch warum. Drei (!!!) Nägel stecken in dem Profil, welches überdies auch noch dermaßen abgefahren ist, dass man auch so schon ein ungutes Gefühl haben müsste. Mit argentinischem Pragmatismus verkauft der Reifenhändler uns für stolze 70€ einen mindestens ebenso abgefahrenen Reifen aus seinem Fundus und 1,5 Stunden später kann es dann auch schon losgehen. Ich würde es mal Glück im Unglück nennen, denn wäre uns der Reifen irgendwo in der Quebrada geplatzt, hätten wir dort weder einen passenden Ersatzreifen noch Handyempfang für einen Notruf gehabt. Ich bin sehr froh, dass wir die Strecke nach Salta mit diesem Auto nur noch einmal fahren müssen. Mit dem neuen Auto sollten wir dann hoffentlich erstmal keine Probleme haben.

Das erste argentinische Steak

Da die Hotels in Salta deutlich teurer geworden sind, probieren wir dieses Mal ein anderes Hotel aus. Die Lage ist perfekt, es hat eine Garage, doch damit sind auch alle positiven Eigenschaften genannt. Das Zimmer ist winzig klein und um es mal neutral auszudrücken im Vintagestil eingerichtet. Die Matratze ist steinhart, aber am schlimmsten ist der Lärm, der die ganze Nacht im und um das Haus tobt. Katastrophal! An Schlaf ist eigentlich kaum zu denken und dementsprechend gerädert machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg, um alle Formalitäten und ein paar Einkäufe zu erledigen. Nächsten Freitag können wir voraussichtlich das Auto abholen und sind dann stolze Besitzer eines Feuerwehrwagens J Da hat man auf jeden Fall kein Problem mehr, das Auto auf einem vollen Parkplatz wiederzufinden. Die Farbe hat also auch ihre Vorteile. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf!

Sonntag, 25. September 2022

Nordmazedonien, Ungarn, Slowakei, Tschechien - der Weg nach Hause

Am Sonntagmorgen haben wir den Dauerregen überstanden und beim Frühstück strahlt die Sonne wieder. Doch die Temperatur ist abrupt um 15°C gefallen. Ohne jegliche Übergangsphase braucht man nach dem Trägertop jetzt einen warmen Pullover. Insbesondere die warmen Sommerabende sind plötzlich vorbei, die Temperaturen fallen nachts auf 6°C und wir sind einmal mehr dankbar für unsere Heizung.

Versunkene Kirche im Mavrovo-See

Nach einem Abstecher in den Supermarkt fahren wir in Richtung Norden in den Mavrovo Nationalpark. Der Ort Mavrovo liegt tatsächlich in einem kleinen Skigebiet und mit seinen Holz- und Steinhäuser und den niedrigen Temperaturen kommt tatsächlich ein bisschen Skiurlaubsfeeling auf. Beim Anblick des uralten Einsitzer-Sessellifts verfliegt es dann allerdings auch gleich wieder J. Da kann man nur hoffen, dass die anderen Lifte in einem besseren Zustand sind.

Skigebiet im Mavrovo Nationalpark

Für den nächsten Tag planen wir eine Wanderung vom Ort Galicnik aus. Dafür müssen wir uns über eine sehr kurvige und steile Straße erstmal dorthin vorarbeiten. Landschaftlich sehr sehenswert und optisch irgendwo zwischen Neuseeland und Österreich, nur fahrtechnisch mit dem Camper etwas anstrengend. Unter einem Basketballkorb, vor einer Art Wanderhütte und direkt am Anfang des Hikingtrails finden wir unseren Schlafplatz. Am Morgen geht es dann los zum auf knapp 2200 m hoch gelegenen Gipfel des Medenica. Es geht stetig bergauf und wir müssen feststellen, dass wir doch konditionell schon mal fitter waren. 

Mavrovo Nationalpark

Als ich kurz davor bin die Wanderung abzubrechen, hört die Steigung auf und wir laufen ganz entspannt durch eine Hochebene. Besser hätte man es ja eigentlich nicht timen können! Nach dieser Erholungsphase meistern wir auch noch die letzten Aufstiege und werden mit gigantischen Ausblicken auf den Korab, den höchsten Berg Nordmazedoniens und die umliegenden Gipfel belohnt. Als wir nach 4,5 Stunden wieder an unserem Campervan ankommen, sind wir platt und können kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen. Aber dafür haben wir einen Höhenunterschied von 750 m überwunden und die Schmerzen lassen ja bekanntlich nach einigen Stunden wieder nach.

Auf dem Gipfel

Wir arbeiten uns die Serpentinen wieder runter und fahren in Richtung Skopje. Eigentlich hätten wir gerne mal eine heiße Dusche, doch in Skopje gibt es keinen Campingplatz und so fahren wir zum nahegelegenen Matka Canyon und stellen uns stattdessen ohne Dusche dort an den Fluss. Morgens wandern wir vorbei an dem Wasserkraftwerk hinein in den Canyon und erkunden ihn anschließend mit einer 30 minütigen Bootstour von der Wasserseite. An einem Dienstag und außerhalb der Ferienzeit ist dort nicht viel los. Wir sind alleine auf dem Boot und außer einigen Kayakfahrern ist kaum ein Mensch zu sehen. So können wir in aller Ruhe die Fahrt durch den schroffen Canyon genießen. Ich möchte aber ehrlichgesagt nicht wissen, was dort zu Hochzeiten im Sommer abgeht!

Übernachten im Matka Canyon

Nachdem Stefan schon bei der Bergwanderung mit Kopfschmerzen zu kämpfen hatte, stellt sich jetzt auch noch ein verdächtiges Kratzen im Hals ein. Mehr brauche ich vermutlich nicht zu sagen: der Coronatest zeigt in Sekundenschnelle 2 Linien an… Zu verdanken hat er das vermutlich unserem Supermarktbesuch am Ohridsee, denn ansonsten sind wir ja tagelang nicht mit anderen Menschen in geschlossenen Räumen gewesen.

Matka Canyon bei Skopje

Da es schwer vorher zu sagen ist, wie schlimm es wird und ob ich mich auch noch anstecke, sehen wir zu, dass wir uns in Richtung Heimat bewegen. Wir fahren über die Grenze nach Serbien. 100 km vor Belgrad stoppen wir an einem kleinen Campingplatz irgendwo im Nirgendwo, aber ausgestattet mit einer heißen Dusche. Stefan kämpft jetzt zusätzlich mit dem obligatorischen trockenen Husten und  immer schlimmeren Halsschmerzen und ist froh als er schlafen kann. Was für ein Mist!

Vorbei an Belgrad

Am nächsten Morgen geht es weiter: vorbei an Belgrad und in Richtung ungarischer Grenze. Da wir vermuten, dass Diesel in Ungarn auf jeden Fall günstiger ist als in Serbien, vermeiden wir es vor der Grenze nochmal zu tanken. Die letzte Tankstelle vor der Grenze können wir dann auch gar nicht mehr erreichen, da die LKWs sich bereits kilometerlang von der Grenze zurückstauen und dabei komplett die Ausfahrt blockieren. Aber wir fühlen uns ja trotz leuchtender Benzinleuchte auch noch sicher, schließlich sollte der Sprit laut Anzeige noch für 68km ausreichen. Durch die serbische Grenzkontrolle rutschen wir dann auch in 2 Minuten durch. Doch der richtige Spaß beginnt leider erst danach. In einem großen Knäuel stauen sich die PKWs vor der ungarischen EU-Außengrenze zurück – da reihen wir uns doch besser als EU-Bürger mal in die EU Schlange ein… Dass das ein Fehler ist, wird uns klar als wir erkennen müssen, dass es dort nur einen Schalter gibt und sowieso jedes Auto – egal woher - komplett gefilzt wird. Doch wenig später ist das sowieso unser geringstes Problem.

Nach 10 Minuten in diesem Grenzchaos ertönt und leuchtet eine rote Warnmeldung unseres Autos, die uns mitteilt, dass wir nur noch sehr wenig Treibstoff haben. Die Benzinnadel bewegt sich nur noch marginal nach oben, die Anzeige der noch zu fahrenden Kilometer zeigt nun statt 68 km nur noch ein paar rote Punkte an…

Es ist offensichtlich, dass wir noch mindestens eine Stunde brauchen werden bis wir endlich dran sind. In mir macht sich leichte bis mittelschwere Panik breit. Wenn wir hier inmitten dieses Chaos ohne Sprit liegenbleiben, werden wir garantiert gelyncht. Die Stimmung rundherum ist sowieso schon äußerst angespannt und die nächste Tankstelle ist natürlich erst hinter der Grenze. So machen wir also den Motor erstmal aus und fahren nur jedes zweite Mal an, um den knappen Sprit zu sparen. Währenddessen versuchen wir ergebnislos mit Hilfe von Google und dem Handbuch herauszufinden, wie viele Kilometer wir theoretisch jetzt noch fahren können. Stefan errechnet, dass wir nur noch 100 ml benötigen, um bis zur Tankstelle zu kommen. Aber auch das wirkt nur begrenzt beruhigend auf meine angespannten Nerven.


Eine Stunde lang hoppeln wir durch Orbans Grenzstau nach vorne bis wir endlich am Schalter angelangen. Grenzpolizei und Zoll durchforsten unseren Camper nach Drogen, Alkohol und vor allem nach Flüchtlingen, aber das ist mir in dem Moment sowas von egal. Schließlich sind es jetzt nur noch 300 m bis zur rettenden Tankstelle. Bis dahin könnten wir zur Not auch noch schieben. 

Die Ernüchterung kommt dann an der Tankstelle. Unsere ungarischen EU-Freunde haben nämlich ihr eigenes Konzept, was das Tanken für Nicht-Ungarn angeht. Wir dürfen nur 50 l tanken, zahlen dafür aber einen 1,5 fachen Phantasiepreis. Austricksen kann man zumindest die Mengenbeschränkung indem man bezahlt und ein zweites Mal tankt – schließlich wollen wir jetzt auch wissen, wieviel Diesel wir noch hatten. Tatsächlich sind es noch fast 2 Liter – damit hätten wir es sogar noch fast bis zur nächsten Tankstelle geschafft :-) Doch für mich ist nach dieser Erfahrung trotzdem endgültig klar: keine Experimente mehr in Sachen Treibstoffversorgung. Das halten meine Nerven nicht mehr aus!

Pistenraupe :-)

Unser Nachtquartier schlagen wir an diesem Abend auf dem Parkplatz eines Restaurants auf, in dem wir uns zuerst den Bauch mit ungarischem Kesselgulasch vollschlagen. Der Parkplatz scheint auch ein gängiger Übernachtungsplatz für LKWs zu sein. Als es dunkel wird, werden wir quasi von Brummis umzingelt, deren Fahrer dann bereits am frühen Morgen lauthals in südländischer Manier an ihren Handys herumlamentieren.


Bevor wir Ungarn wieder verlassen, machen wir noch einen Abstecher zum Plattensee. Nachdem uns der mit Hotels zugebaute Ort Balatonfüred eher abschreckt, fahren wir zum auf einer Halbinsel gelegenen Tihany. Es wird schnell deutlich, dass die Saison vorüber ist, denn alle Restaurants am Seeufer haben bereits geschlossen. Im kleinen Ort Tihany gibt es zwar noch geöffnete Restaurants, aber ohne Bargeld für den Parkautomaten können wir dort nicht parken, denn das wird mit Parkkrallen bestraft. Irgendwie hat Ungarn uns nicht so richtig gern und so beschließen wir, das Land in Richtung Slowakei wieder zu verlassen. 

Plattensee

Nach unserer Grenzerfahrung bei der Einreise nach Ungarn, ist die Einreise in die Slowakei das krasse Gegenteil. Über eine baufällige Landstraße holpern wir durch verlassene, rostige und verfallene Grenzanlagen. Hier interessiert sich keiner mehr für unsere Pässe oder den Inhalt unseres Autos.

Grenze zur Slowakei

Wir übernachten auf einem einsamen, abgelegenen Parkplatz kurz vor Bratislava bevor es weitergeht in Richtung Prag und schließlich in Richtung Dresden. Da Stefan noch immer nicht fit ist und mit Husten und Halsschmerzen zu kämpfen hat und mit seiner Corona Erkrankung auch nicht unter Menschen gehen kann, fahren wir in unserem Quarantäne-Bus eigentlich den ganzen Tag. In Pirna, in der sächsischen Schweiz, fahren wir einen Campingplatz am Elbufer an und suchen uns in der Altstadt ein Restaurant, in dem man Corona-konform mit Abstand draußen sitzen kann. Ein schöner letzter Abend mit leckerem Essen und tollem Elbblick! Und dabei hätten wir es dann vielleicht auch besser belassen sollen! Die Suche nach einem Bäcker am nächsten Morgen zerstört ein wenig das gute Bild von Pirna. Wir finden weder ein geöffnetes Cafe noch einen Bäcker, der uns ein belegtes Brötchen verkaufen könnte. Nach 1,5 Stunden ergattern wir endlich ein paar angetrocknete Salamibrötchen und kehren Pirna den Rücken. Jetzt gilt es noch die letzten 550 km bis Ellerbek zurückzulegen und damit endet die Campertour 2022.

Sonnenuntergang in Pirna

Lange Zeit waren wir unentschlossen, ob wir in die Bretagne oder in Richtung Balkan fahren sollen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war. Wir haben 11 Länder bereist und sind dabei 8000 km gefahren. Wir sind unglaublich vielen netten und hilfsbereiten Menschen begegnet, auch wenn wir nicht immer dieselbe Sprache gesprochen haben. Wir haben schöne Städte, aber noch viel beeindruckendere Nationalparks, Berge, Flüsse und Seen erkundet. Eine tolle Erfahrung, nicht zuletzt auch um das ein oder andere Vorurteil mal über Bord zu werfen. Und auch, wenn das Ende unserer Reise durch Stefans Covid-Infektion etwas eingeschränkt war, waren es unvergessliche 5 Wochen – und die Hälfte davon tollerweise zusammen mit Laila. Nächste Woche geht es wieder nach Argentinien, aber ich freue mich jetzt schon auf unsere Tour im nächsten Sommer!



Samstag, 17. September 2022

Albanien - Vorurteile und Realität

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von all den netten Menschen, die wir auf dem winzigen Campingplatz am Skutarisee kennengelernt haben und treten die Fahrt nach Albanien an. Es ist ja oftmals so, dass man eine gewisse Vorstellung von einem Land hat und ich bin gespannt, wie es nun tatsächlich dort ist. Direkt nach dem Passieren der Grenze empfängt uns an der Straße ein Verkäufer von Handy-Karten und wir müssen erstmal die durch albanische Waffen-, Drogen- und Menschhändlerringe verursachten Vorurteile über Bord werfen, bevor wir ihm schließlich eine völlig legale SIM Karte abkaufen. 

Sonnenuntergang in Golem

Unser erster Stopp in Albanien ist die Stadt Shkodra, denn wir brauchen unbedingt erstmal albanisches Geld. Im Vergleich zu den Orten in Kroatien oder Montenegro ist die Stadt schon um einiges exotischer. Obwohl es Sonntag ist herrscht ein buntes Treiben auf den Straßen, alle Geschäfte haben geöffnet, geparkt wird gerne in der zweiten Reihe, so dass der Verkehr ein ziemliches Chaos darstellt. Und auch die Verkehrsregeln werden hier maximal als Anregung interpretiert. In einem Kreisverkehr kommt uns ein Fahrradfahrer entgegen, ein PKW wendet auf der Autobahn, um über die Auffahrt wieder abzufahren, ein anderer versucht eine ähnliche Variante allerdings im Rückwärtsgang.

Apollonia

Fußgänger, Eselkarren, Kühe, Pferde und Ziegen bevölkern Straßen und Autobahnen. Tankstellen findet man gehäuft im Abstand von einigen hundert Metern. Das gleiche gilt für Hotels. Allgegenwärtig sind außerdem Bauruinen, leerstehende Firmen- und Privathäuser und Müllberge am Straßenrand. Was aber besonders auffällt, ist die hohe Anzahl an Mercedes-Fahrzeugen. Wir googeln das mal und finden heraus, dass Albanien die höchste Mercedes-Dichte der Welt hat. Dass dem Albaner sein Auto wichtig ist, erkennen wir allerdings auch an der extrem hohen Anzahl an Autowaschanlagen und den unzähligen riesigen Reifen- und Felgenshops entlang der Straßen.


Insgesamt fällt auf, dass in Albanien sehr viele große und teure Autos und eigentlich nur sehr wenige Schrottkarren herumfahren. Da sind die Prioritäten klar gesetzt. Wie wir später noch erfahren, ist Albanien aber natürlich leider ein Land, das in erster Linie für Korruption und Geldwäsche steht. Investitionen in Tankstellen, Hotels und dicke Autos stehen oftmals genau in diesem Zusammenhang.

Nach erfolgreicher Bargeldabholung verlassen wir Shkodra in Richtung Durres an der Küste. Wir sind überrascht, wie zugebaut, zugemüllt und touristisch die Küstenregion ist. Wir fahren bis Golem, einem etwas kleineren Ort, wo wir schließlich in einem Pinienwald am Strand campieren. Überrascht sind wir von den Preisen: ein kleines Bier in der Strandbar kostet 2,50 €, was ich für Albanien extrem teuer finde. Gratis ist dafür aber der unfassbar tolle Sonnenuntergang über dem Meer.

Blick auf Korfu

Am nächsten Morgen fahren wir nach Apollonia, einer antiken Ausgrabungsstätte. Wir erkunden das Gelände mit seinen teils restaurierten Stätten und besuchen das umfangreiche und anscheinend auch relativ neue Museum. Dann setzen wir unsere Fahrt fort zum ehemaligen Kloster von Zvernec. gelegen auf einer kleinen Insel in einem Naturschutzgebiet. Die Besichtigung dauert nicht besonders lang und wir haben keine große Lust mehr auf die zugebauten Küstenorte im Norden Albaniens. Deshalb machen setzen wir unseren Weg fort weiter in Richtung Süden. Zunächst ist uns gar nicht klar, dass wir dafür den 1000 m hohen Llogara-Pass überqueren müssen. Das wird uns erst bewusst als die Straße immer steiler und kurviger wird. Belohnt werden wir für die anstrengende Fahrerei mit einem gigantischen Ausblick – auch wenn der Wind auf dem Pass so stark ist, dass man sich beim Fotografieren kaum auf den Beinen halten kann. Dann geht es kurvig und steil wieder runter und weiter zum Strand nach Borsh. Dort gibt es nur ein paar einzelne Strandbars und eine Handvoll weiterer Camper – wie angenehm! Ach ja, und nicht zu vergessen natürlich eine Gruppe von Pferden, die ganz entspannt die Mülleimer durchforstet. Auf der Suche nach einer Toilette landen wir am nächsten Morgen in einem unfassbaren Cafe. Es ist terrassenförmig in einen Wasserfall gebaut. Man muss eigentlich quasi nur sein Glas darunter halten und es wird automatisch mit dem frischesten Wasser gefüllt. Wirklich total abgefahren!

Cafe im Wasserfall

Wir arbeiten uns weiter in Richtung Süden und griechischer Grenze vor – immer mit dem Blick auf die Insel Korfu – bis nach Butrint. Dort gibt es eine weitere antike Ausgrabungsstätte. Das Gelände ist deutlich größer als in Apollonia und es gibt eine Menge zu sehen. Römer, Griechen und Venezianer haben dort ihre Spuren und Bauwerke wie Kirchen, Tempel, Türme und Theater hinterlassen. Auf von Bäumen beschatteten Wegen kann man das Gelände erkunden und es wirklich sehr spannend und sehenswert. Doch ein weiteres Highlight erwartet uns an diesem Tag noch. Wir fahren zu einem der sogenannten Blue Eyes. Von einem Parkplatz aus wandert man entlang einer komplett neu gepflasterten und asphaltierten Straße zum Blue Eye. Dort liegt eine 40 m tiefe Quelle, aus der mit hohem Druck das Wasser austritt und die in unglaublichen Blau- und Türkistönen schimmert. Eigentlich ist dort Badeverbot, doch viele ignorieren es und steigen oder springen in das 12°C kalte Wasser. Für mich ist das bei der Temperatur ja nichts, aber Stefan lässt sich das natürlich nicht entgehen und springt von der Aussichtsplattform in den  türkisen Wasserkrater. Durch einen lustigen Zufall treffen wir dort auf ein Paar aus dem Krupunder Weg in Rellingen. Die Welt ist doch manchmal wirklich ein Dorf!

Blue Eye

Nachdem wir der Küste nun endgültig den Rücken gekehrt haben, ist unser Ziel für den Abend Gjirokastra. Die Stadt ist eine der ältesten des Landes und gehört zum UNESCO-Welterbe. Unser Park- und Schlafplatz liegt unterhalb der Burg mit Blick über das Tal und 10-minütiger Laufentfernung zur Altstadt. Ich bin ganz angetan von der hübschen Altstadt. Trotz der zahlreichen Souvenirläden gibt es viele hübsche Gassen mit netten kleinen Restaurants und Cafes. Die Burg, die den Ort überragt, besichtigen wir am nächsten Morgen. Es ist überraschend, wie groß die Räume in der Burg sind, insbesondere im Vergleich mit den Burgen die wir bisher so besichtigt haben. Weniger überraschend, aber trotzdem erwähnenswert ist natürlich der weite Blick von dort oben.

Gjirokastra

Wir setzen unser Fahrt fort nach Berat – die Stadt der 1000 Fenster. Nach 5 Tagen ohne Dusche fahren wir dort nun mal einen Campingplatz an und sind ganz begeistert. Zur Begrüßung bekommen wir einen Obstteller, die Benutzung der Waschmaschine ist im Preis inbegriffen und Duschen und Toiletten sind nagelneu und extrem sauber. Außerdem läuft man nur 10 Minuten bis zum Zentrum von Berat. Nach einer sehr ausgiebigen Dusche – man genießt es ja auch viel mehr, wenn man nur selten die Gelegenheit hat J - gehen wir köstlich und super günstig essen, schlafen ohne Schräglage unseres Campers wie die Könige und erkunden am nächsten Morgen frisch erholt und geduscht den namensgebenden Stadtteil mit seinen 1000 Fenstern und die Altstadt. Die Gassen sind extrem hügelig, eng und holprig und ich vermute, dass sich bei stärkerem Regen größere Wasserströme durch sie ergießen und dadurch die Steine weggespült werden.

Berat - Stadt der 1000 Fenster

Unser nächstes Ziel ist jetzt der auf der Grenze zu Nordmazedonien gelegene Ohridsee. Die Fahrt dorthin führt durch ein tolles Bergpanorama entlang eines klaren Flusses. Wir fahren direkt an das Ufer des Sees heran und parken dort mit einigen anderen in der Nähe eines bereits geschlossenen Resorts. Als ein heftiger Sturm einsetzt, wird es allerdings extrem ungemütlich. Der Wind heult und tobt und schüttelt unseren Van wie verrückt hin und her, das Wasser ist aufgewühlt und wellig. Aber urplötzlich – als hätte jemand einen Schalter umgelegt – ist alles vorbei und es geht kein Windhauch mehr!

Getrocknete Paprika

Nach dem Frühstück machen wir noch einen letzten Abstecher in die Brauereistadt Korca und damit endet unsere Zeit in Albanien. Am Nachmittag überqueren wir die Grenze nach Nordmazedonien und fahren durch die Berge an die mazedonische Seite des Ohridsees in die Stadt Ohrid und schließlich weiter in einen kleinen Ort am See, wo wir uns einen kleinen Campingplatz suchen. Denn leider ist die Wettervorhersage für den nächsten Tag katastrophal. Bereits in der Nacht beginnt es zu gewittern und zu regnen und daran ändert sich auch im Laufe des Tages nur wenig. So sitzen wir also einfach in unserem Van, hören ein Hörspiel, schauen dem Regen zu und nutzen das gute Internet, um den Blog mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Und morgen geht es dann hoffentlich bei besserem Wetter wieder weiter.

Samstag, 10. September 2022

Dubrovnik, Kotor und Skutarisee

Fünf Tage bleiben wir letztendlich auf dem kleinen Campingplatz und genießen die entspannte Atmosphäre und die tollen Sonnenuntergänge. Passend zu der Stimmung schauen wir den zweiten Teil von Mamma Mia!, sind aber eher enttäuscht – spätestens als überflüssigerweise auch noch die auf 20-Jährige getrimmte Cher ihren Auftritt hat.

Selfie mit Laila

Am Dienstag ist es dann soweit und wir machen uns auf den Weg nach Dubrovnik. Erst seit Juni dieses Jahres kann man über eine von den Chinesen gebaute und finanzierte Brücke über die Küstenstraße nach Dubrovnik fahren. Wir nehmen aber die ursprüngliche alternative Route und fahren durch Bosnien und Herzegowina – schließlich haben wir damit ein weiteres Land auf unserer Liste. In Neum, der einzigen Stadt des Landes mit einem Zugang zum Meer, trinken wir einen Kaffee. Bezahlen kann man hier in fast allen Währungen – Kuna, Euro, Dollar oder der Landeswährung Konvertible Mark, von der ich zugegebener Maßen vorher noch nie was gehört habe.

Gasse in Dubrovnik

In Dubrovnik fahren wir den einzigen Campingplatz der Stadt an, stellen den Camper ab und machen uns mit dem Bus auf den Weg in die berühmte Altstadt Dubrovniks. Wir haben sicherlich Glück, dass die Hauptsaison vorüber ist und an dem Tag nur ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt. Dennoch ist die Stadt voll mit Touristen und das wird auch preislich durchaus ausgenutzt. Will man oben auf der Stadtmauer entlang spazieren, kostet der Spaß 30€ pro Person und die Preise für Essen und Getränke sind in der Altstadt exorbitant. Aber sieht man darüber hinweg, sind Stadt und Altstadt wirklich toll. Umgeben von einer Festungsmauer, kann man durch kleine Gassen streifen, die sich oftmals steil den Berg hoch ziehen. Durch einen Durchgang gelangt man an einen kleinen Hafen. Sehr hübsch und theoretisch auch sehr idyllisch.

Sunset Kayak Tour

Allerdings veranschaulicht eine Karte in der Altstadt, welche Straßen und Gebäude während des Krieges vor 30 Jahren zerstört wurden. Es wird schnell klar, dass damals nicht viel von der Altstadt übrig geblieben sein kann und alles mühsam wieder aufgebaut werden musste. Ich finde es erschreckend, wie wenig man damals doch davon mitbekommen hat oder wie schnell es wieder in Vergessenheit geraten ist.

Good bye Dubrovnik

Zur Feier des Tages – es ist nämlich mein Geburtstag – gehen wir abends am Sunset Beach essen. Die Preise dort deutlich moderater als in der Altstadt und das Essen wirklich gut. Ach ja und bevor ich es vergesse: Dubrovnik scheint ein beliebtes Ziel für Luxusyachten zu sein. Einige sind so groß, dass wir sie auf den ersten Blick für Kreuzfahrtschiffe halten.

Restaurant auf dem Weg nach Kotor

Mittwoch ist es dann soweit: nach einem Geburtstagsfrühstück für Stefan treten wir den Weg zum Flughafen an, denn Laila verlässt uns nun. Die Strecke zum 40 Minuten außerhalb gelegenen Flughafen ist spektakulär. Die Küstenstraße eröffnet tolle Blicke auf die Altstadt von Dubrovnik, Inseln und Buchten mit schroffe Bergen und türkisblauem Wasser.

Nur 195.000 € pro Woche

Überraschend ist der Flughafen von Dubrovnik. Er ist modern und nagelneu. Aber auch hier ist der Hintergrund eher traurig. Denn auch er wurde während des Krieges vollständig zerstört und dann sukzessive wieder aufgebaut. OK, und in den letzten Jahren hat dann sicherlich auch die EU noch den ein oder anderen Euro dazu getan.

Böses Erwachen in Kotor

Hier geht also nun unsere gemeinsame Reisezeit mit Laila zu Ende und es wäre gelogen zu sagen, dass ich darüber nicht auch sehr traurig bin. Aber der Tag hält natürlich trotzdem noch einiges bereit. Nach einer Erkundungstour des völlig überteuerten Copacabana Beaches in der Nähe unseres Campingplatzes, machen wir uns auf zu unserer Sunset Kayak Tour. Bei der Buchung hatte ich gehofft, dass die Gruppe nicht ganz so groß ist, was leider nicht geklappt hat und zu Anfang der Tour zu einem ziemlich wilden, chaotischen Gedränge und Geschubse führt. Die Tour dauert 3 Stunden und führt uns 7km entlang der Festungsmauern, zu einer kleinen Höhle zum Schnorcheln und rund um die Insel Lokrum bis wir dann schließlich stoppen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Wir haben zwei coole Guides aus Frankreich und Australien und lernen viele interessante Dinge über Dubrovnik und seine Umgebung. Alles in allem eine tolle und lohnenswerte Tour und für mich dazu überraschend wie einfach man doch solche Strecken mit dem Kayak zurücklegen kann. Allerdings haben wir auch perfekte Bedingungen ohne Wind und Wellen.

Festungsmauer von Kotor

Am Donnerstag verlassen wir Dubrovnik und folgen erneut der Küstenstraße vorbei am Flughafen und weiter nach Montenegro. Da Montenegro kein EU Land ist, dauert der Grenzübertritt bedeutend länger. Nach der schnellen Ausreise aus Kroatien reihen wir uns in eine lange Schlange vor dem montenegrinischen Schalter ein. Dafür gibt es aber zur Belohnung auch einen neuen Stempel im Reisepass. Unser Ziel an diesem Tag ist Kotor, die angeblich schönste Stadt Montenegros und in einer Fjord ähnlichen Bucht gelegen. Auf unserem Weg dorthin schlängeln wir uns am Ufer entlang gesäumt von steilen Felsen. Wir stoppen in einem kleinen Cafe mit Badeplattform und einige Kilometer weiter an einem winzigen Restaurant mit eigener Austern- und Muschelzucht. Die Zucht von Austern und Muscheln scheint hier ein verbreitetes Geschäft zu sein, denn vermutlich sind die Bedingungen in den geschützten, aber salzigen Gewässern dafür ideal.

Nationalpark Skutarisee

In Kotor stellen wir unseren Camper auf einem Parkplatz direkt am Wasser ab und machen uns auf den Weg in die Altstadt. Genauso wie in Dubrovnik ist die Altstadt von einer Festungsmauer umgeben. In den vielen kleinen verwinkelten Gassen finden sich kleine Geschäfte, Bars, Cafes und Restaurants. Wir haben Glück und an diesem Tag liegt kein Kreuzfahrtschiff hier vor Anker und so können wir sehr entspannt durch die Stadt streifen, ein paar Drinks nehmen und zu sehr moderaten Preisen Essen gehen. Bekannt ist Kotor offenbar auch noch für seine vielen Katzen. Ein Platz scheint der Kindergarten zu sein, denn dort und eigentlich auch nur dort finden wir Katzenbabies in allen Größen und Farben vor. Und neben den Katzen ist Montenegro wohl auch noch ein letzter Zufluchtshafen für Oligarchen-Yachten. Eine beeindruckende Yacht mit eigenem Hubschrauber liegt gerade dort im Hafen. Laut Internetrecherche kostet eine Woche mit dem Kahn 195.000 € + Extrakosten J


Für den nächsten Morgen planen wir eine Wanderung zur auf dem Berg gelegen Festung. Die Festungsmauer zieht sich steil den Berg hinauf und ist abends wunderschön beleuchtet. Doch das Wetter macht unsere Wanderpläne komplett zunichte. Bereits nachts beginnt es zu regnen und gegen morgen steigert es sich zu einer Art Weltuntergang. Ein unglaubliches Gewitter tobt direkt über uns und bringt gigantische Sturmböen und Wassermassen mit sich. Ich schaue immer mal wieder aus dem Fenster auf das fünf Meter entfernte Ufer mit dem tobenden Wasser, den Segler, der hektisch ausläuft, bevor er auf Land gedrückt wird und das Fischerboot, was immer näher zu kommen scheint.


Gegen 10.00 Uhr ist der größte Spuk vorbei und wir wagen uns zum Frühstück bei moderatem Regen in die Altstadt. Doch heute geht es dort nicht mehr so entspannt zu. Busseweise werden Touristen aus dem nahegelegenen Budva dort abgeladen und die Altstadt quillt fast über. Zeit für uns das Weite zu suchen. Wir setzen unsere Reise fort zum Nationalpark Skutarisee, der auf der Grenze von Montenegro und Albanien liegt. Durch Zufall landen wir auf einem kleinen, abgelegenen Campingplatz direkt an einem der kleinen Flüsse des Sees. Der Campingplatz existiert erst seit 2 Wochen, doch die Stimmung dort hat was von Zeltlager. Wir sitzen dort zusammen mit unseren deutschen und slowenischen Mitcampern gemütlich auf der Terrasse, trinken Weißwein und tauschen Geschichten aus unserem Camperleben aus. Abends gehen wir gemeinsam in ein tolles Restaurant am Wasser und schlagen uns für unfassbare 20€ den Bauch voll mit Fischsuppe, Forellen und lokalem Bier.


In der Nacht kehrt dann der Regen zurück. Morgens gewittert es wieder und wir haben unsere geplante Bootstour schon fast abgehakt als doch noch die Sonne durch kommt und wir mit einem kleinen Fischerboot aufbrechen können. Und was soll ich sagen: die Tour ist unbeschreiblich. Wir fahren abseits der üblichen Touristenboote durch Seerosenfelder, durch enge Gassen aus Schilf, sehen hunderte von Vögeln – wie Fischreiher und Fischadler, unglaubliche Bergkulissen, baden in einem kleinen Kanal. Es ist wie in einem Film und ein absolutes Mega-Highlight. Man kann nur hoffen, dass die Natur hier weiterhin so unberührt bleibt und nicht irgendwann Heerscharen von Touristenbooten den See und die kleinen Flüsse bevölkern.


Wir bleiben jetzt noch eine weitere Nacht hier, gönnen uns ein weiteres leckeres Essen auf der Seeterrasse und dann machen wir uns auf den Weg nach Albanien. Ich bin sehr gespannt, was uns dort erwartet!

Mein Arbeitsplatz ;-)