Montag, 3. November 2014

Rogaining und Whalesurfing

So, wir sind also heil zurück aus dem Busch und um einige Erfahrungen reicher. Die beiden wichtigsten Erkenntnisse:
1. Wir können uns jetzt nur mit Kompass und Karte durch den australischen Busch und auch wieder raus kämpfen.
2. Wir haben gelernt, wie man Zecken erfolgreich mit Zahnpasta entfernen und dabei $140 sparen kann
Aber jetzt mal der Reihe nach.

Samstagmorgen um 06.30 ist Abfahrt. Nach einer Stunde verlassen wir die Straße und somit auch jeglichen Versicherungsschutz für unseren Mietwagen. Es geht eine weitere Stunde über staubige, holprige Schotter- und Sandpisten und ich hoffe die ganze Zeit nur, dass wir nicht irgendwo steckenbleiben, uns überschlagen oder ein Känguru anfahren. Und ehrlich gesagt: Ich wäre am liebsten nach 10 Minuten wieder umgekehrt. Aber wir schaffen es ohne Totalschaden zum sogenannten Hash House, einem improvisierten Campingplatz mit Dixieklos und Feldküche. Gerade noch rechtzeitig zur Einweisung, wo Regeln, Karte und Kompass erklärt werden. Nach ein paar Trockenübungen und Routenplanung fällt um 10.00 Uhr der Startschuss und es geht los in den Busch auf der Suche nach Bäumen mit orange-weißen Schildern. Und mit Busch meine ich auch Busch!
Nachdem wir 10 Minuten gelaufen sind, ist vom Hashhouse nichts mehr zu sehen und ohne Kompass und Karte wäre man spätestens jetzt orientierungslos. Zu meiner Beruhigung haben wir Sharron, eine erfahrene Rogainerin dabei, eine Trillerpfeife um den Hals und die Gewissheit, dass am Ende gecheckt wird, ob auch alle wieder angekommen sind. Nach 5 1/2 Stunden, 15 km Bushwalk, 6 abgehakten Kontrollpunkten und um eine echte Aussie-Experience reicher, erreichen wir ziemlich erschöpft wieder das Hashhouse, trinken noch schnell einen scheußlichen Instantkaffee und machen uns auf den Weg zurück nach Perth, um das Känguruland zu verlassen bevor die Dämmerung anbricht. Laila bleibt mit Sharron und Sara da, um noch eine Nachtetappe zu unternehmen und danach zu Zelten. Diesen Teil erspare ich meinem lädierten Kreuzband lieber, die Tagesetappe war schon mehr als genug.
Als wir endlich wieder festen Boden bzw. Asphalt unter den Reifen haben, wollen wir eigentlich nur noch Duschen, aufs Sofa und ein kaltes Bier - bis ich unter meinem Arm die Zecke entdecke! Jetzt will ich erstmal nur noch diesen Blutsauger unter meiner Haut los werden. So geht es also nicht nach Hause, sondern zur Apotheke, um eine Zeckenzange zu kaufen. Dummerweise gibt es keine Zeckenzangen und ich gerate an die einzige Mitarbeiterin, die wohl keine Australierin ist und mir überzeugend versichert, dass ich damit zum Arzt muss. Per se kostet der Arztbesuch schon mal $95, aber als wäre das nicht schon teuer genug, gibt es auch noch einen Aufschlag für 'Removal of foreign bodies'. Was da wohl sonst noch so drunter fällt? Schlangen, Krokodile, ausländische Liebhaber, Außerirdische... Macht also am Ende $140 und das Ding ist raus. Als Laila am nächsten Tag unter der Dusche ebenfalls eine Zecke entdeckt, sparen wir uns den Weg zum Arzt und entfernen sie auf die australische Weise: Zahnpasta drauf, 15 Minuten warten bis die Zecke sich kurz vorm Ersticken entschließt das Weite zu suchen, mit der Pinzette entfernen, fertig. Einfach, wirkungsvoll und fast umsonst. Leider stellen wir am Montag dann fest, dass wir noch ein paar von den Kameraden im Auto haben und die sind noch deutlich größer. Ich finde, es wäre jetzt  an der Zeit unter einer fadenscheinigen Begründung den Mietwagen zu tauschen :-) allerdings sollten wir vorher lieber den roten Outbackstaub unserer Offroad-Tour beseitigen.
Soviel also zu unserem Buschwochenende und nun zum Abschluss noch eine Anekdote, die es ja auch schon in die deutsche Presse geschafft hat.
Gestern wurde der Strand von Scarborough gesperrt, nachdem ein toter Wal angespült wurde begleitet von zahlreichen Haien. Eben auf diesem Wal hatte es sich am Tag zuvor ein 26-jähriger Australier vor Rottnest Island bequem gemacht als er überraschenderweise feststellen musste, dass dieser von Haien umzingelt war und es vielleicht nicht die beste Idee seines Lebens war, vom Boot zu dem Wal zu schwimmen, um darauf zu klettern.
http://www.spiegel.de/video/unglaublicher-leichtsinn-in-australien-am-hai-vorbei-video-1532897.html
Als wir heute Vormittag in Scarborough waren, waren die Bergungsarbeiten noch in vollem Gange und offensichtlich gab es noch keinen richtigen Plan, wie man die 50 Tonnen stinkenden Walkadaver beseitigen soll, nachdem beim ersten Versuch den Wal an der Schwanzflosse an Land zu ziehen, schon das Seil gerissen ist. Mal schauen, wie es ausgeht :-)

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