19. Januar 2010
So, nun geht unsere Tour also tatsächlich doch weiter. Vor ziemlich genau 4 Monaten bin ich operiert worden und damals hätte ich nicht darauf gewettet, dass ich jetzt schon wieder auf Achse bin. Da hat mein Schutzengel ganze Arbeit geleistet. Widererwartend haben wir uns bei der Fortsetzung unserer Reise dann auch nicht für Alaska oder die Antarktis entschieden und so bleibt es also beim selben Motto und beim alten Blog.
Anders als beim letzten Mal erfolgt die Abreise allerdings diesmal in mehreren Etappen. Nachdem wir noch 10 ungemütliche Tage im mehr oder weniger unmöblierten Haus meines Bruders verbracht haben – der ist nämlich bereits Anfang Januar nach Belgien gezogen – machen wir uns am 15. Januar bei Schnee und Eis mit einem Transporter voll mit unserem zwischenzeitlich wieder angehäuften Kram auf den Weg nach Hamburg. Das Zwischenlager im Keller unseres alten Hauses ist damit nun endgültig am Ende seiner Lagerkapazität. Wir verbringen noch 4 Tage in der Wohnung von Freunden – an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an alle, die uns in den letzten 4 Monaten beherbergt haben oder uns ihre Wohnungen geliehen haben – bevor wir dann am Vormittag des 19. Januar die wirklich letzten Sachen einlagern und uns auf den Weg zum Flughafen machen.
Die erste Teilstrecke bis Dubai dauert glücklicherweise nur 6 Stunden, denn die ersten 2 Stunden funktioniert auf unseren Plätzen auch nach diversen Resets das Bord-Entertainment gar nicht und danach nur eingeschränkt. Auch das Essen, was ich gewählt habe ist nicht mehr vorrätig und das Personal eher unfreundlich, womit Emirates im Vergleich zum letzten Mal deutliche Minuspunkte kassiert. Bei 21°C landen wir in Dubai, quälen uns durch die langsamste Passkontrolle der Welt, müssen noch diverse Male unser Gepäck scannen und durchsuchen lassen – wonach wissen wir nicht, bevor wir dann endlich ins Taxi, ins Hotel und ins Bett kommen.
20.- 22. Januar 2010
Den ersten halben Tag verschlafen wir, bevor wir uns auf den Weg zum kürzlich eröffneten, höchsten Haus der Welt machen. Dorthin befördert werden wir mit der ebenfalls erst kürzlich eröffneten Metro, wobei davon auch nur ca. 1/10 der Stationen in Betrieb sind. Auch der Weg zu besagtem Gebäude gestaltet sich nicht ganz einfach, den ringsherum sind nur Baustellen und man wird als erstes durch die vermutlich größte - auch erst kürzlich eröffnete - Shopping Mall der Welt – die Dubai Mall – geschleust. In das Gebäude zu kommen und sich auf ca. 400 m (gerade mal die Hälfte) befördern zu lassen, ist viel zu teuer und so bleiben nur Fotos aus der Ferne und eine kleine Runde durch die Mall, in der es im Übrigen sogar eine Eislaufbahn, ein Aquarium und einen
gigantischen Süßwarenladen gibt. Mit dem Taxi fahren wir zum Gewürz- und Goldmarkt und hätte ich ernsthaft vorgehabt, was zu kaufen, wäre ich bei der Vielzahl an Schmuck- geschäften komplett überfordert gewesen. Aber da ich mir Schmuck lieber schenken lasse und gerade Weihnachten war, brauche ich mich dem Stress schon mal nicht auszusetzen. Auch für die vielen Händler von gefälschten Uhren, IPods und Handtaschen bin ich kein geeignetes Opfer und so treten wir quasi mit leeren Händen den Heimweg an. Den nächsten Tag beginnen wir dann mit einem Abstecher an die Skipiste – nicht das wir nicht in letzter Zeit genug Schnee gesehen hätten ;-) - aber direkt neben unserem Hotel ist die ‚Mall of the Emirates’ und dort gibt es eine komplette Winterlandschaft. Ich möchte lieber nicht wissen, was das im Sommer bei 50°C Außentemperatur an Energie kostet, die Skihalle runterzukühlen. Damit sollte sich vielleicht der nächste
Klimagipfel mal befassen! Aber vielleicht kann man ja irgendwann die ganzen armen Eisbären, deren Eisschollen dahinschmelzen, nach Dubai bringen ;-) Von dort fahren wir zum Strand mit Blick auf Dubais 7 Sterne Hotel Al Arab und dann nach Atlantis, einem Hotel- und Unterhaltungskomplex auf einer der künstlichen Inseln, wo in einem Riesenaquarium tatsächlich ein einsamer Walhai herumschwimmt. Zum Abschluss des Tages gehen wir ins Kino: Stefan in Avatar, Laila und ich in einen aus unserer Sicht kindergerechten Film - Chipmunks 2. Allerdings scheint auch Avatar in Dubai als Kinderfilmzu zu gelten, denn hinter Stefan sitzt eine ganze Familie inclusive Kleinkindern und Baby. Wie ein Baby wohl einen 3D-Film wahrnimmt? Unser letzter Tag in Dubai ist ein Freitag und wir lernen, dass freitags in moslemischen Ländern erstmal gar nichts geht, bevor nicht ausgiebig gebetet wurde. Die Metro fährt nicht, die Museen sind
geschlossen, die Geschäfte sowieso. Wir könnten Skifahren gehen, das geht anscheinend immer, entscheiden uns dann aber für einen Abstecher in den alten Teil Dubais. Nachdem wir dort etwas ziellos rumgelatscht sind und uns in einem Cafe erfrischt haben, macht dann endlich doch noch das Dubai Museum auf und wir lernen, dass es in Dubai vor nicht allzu langer Zeit nur ein paar Perlenfischer gegeben hat. Und vielleicht wird das ja bald wieder so sein. Viele Baukräne stehen schon still und wenn man genau hinschaut, entdeckt man auch zahlreiche Bauruinen. Vielleicht bleiben dann irgendwann wieder nur die Perlenfischer übrig.
23. -24. Januar 2010
Heute geht es also weiter: Destination Perth. Zurück zu unserem Campervan und vielen mehr oder weniger verschwom- menen Erinnerungen. Auch heute läuft es mit Emirates nicht so gut. Fast 2 Stunden sitzen wir im Flugzeug, bevor es überhaupt losgeht. Nicht gerade erheiternd, wenn man sowieso noch über 10 Stunden vor sich hat und dann streikt ein weiteres Mal das Unterhaltungsprogramm an unseren Sitzplätzen. Warum immer bei uns? Nach 5-maliger Aufforderung erfolgt dann endlich der obligatorische Reset und diesmal sogar erfolgreich. Ich wüsste auch nicht, wie wir sonst die lange Flugzeit hätten überstehen sollen – zumal es ja helllichter Tag ist und die Economy-Sitze auch nicht gerade zum Schlafen einladen. Um 3 Uhr morgens Ortszeit landen wir endlich in Perth und haben dann noch Immigration und Bio-Security vor uns. Als wir endlich im Bett liegen ist es 5 Uhr und als wir das erste Mal wieder die Augen öffnen ist es 13.00 Uhr. Der Tag reicht gerade noch für ein nachmittägliches Frühstück und dazu den Bus bei Andrew und Sharon abzuholen. Dann ist es schon wieder dunkel und eigentlich Zeit zu Schlafen.
25. – 29. Januar 2010
Nach 2 Nächten im Hotel beziehen wir wieder unseren Campervan und suchen uns einen Campingplatz in der Nähe von Fremantle. Als wir abends vor unserem Bus sitzen, ist es als wären wir nie fortgewesen, wären da nicht die nachwachsenden Haare (bie mir!) und das gelegentlich Jucken der Narbe unter dem Stirnband. Unsere Wohnungs- und Schulsuche wird gleich am zweiten Tag wieder unterbrochen, denn am 26. Januar ist Australia Day und alles was Beine hat, macht sich – ausgestattet mit Australienflaggen in allen Formen - auf den Weg zum Strand, zum Barbecue oder in den Pub. So legen wir dann auch einen Strandtag ein und lernen dabei immerhin gleich auch noch ein paar Stadteile kennen. Am Mittwoch laden wir Laila bei Sharon ab, denn mit einer maulenden Tochter im Schlepptau, finden wir garantiert nie eine Wohnung oder Schule. Leider stellt sich raus, dass wir aber auch ohne sie kein Glück haben. Es gibt kaum möblierte Wohnungen oder Häuser, die kürzer als 6 Monate vermietet werden und kaum Schulen, die noch Plätze an Kinder mit Touristenvisum vergeben. So schwierig hatten wir uns das nicht vorgestellt! Am Donnerstagabend ist die Stimmung dann auf dem Tiefpunkt. Keine Unterkunft und keine Schule in Sicht – zumindest nicht in ein und demselben Stadtteil, dazu ein unzufriedenes, motzendes Kind. Wir sind kurz davor wieder nach Neuseeland zu fliegen – irgendwie war da alles einfacher, sieht man mal von der Geburtsurkundenstory ab. Der Freitag verläuft dann etwas hoffnungsvoller, es tun sich noch ein paar neue Möglichkeiten auf und wir beschließen, Perth doch noch mal eine zweite Chance zu geben. Schauen wir mal wie es morgen aussieht!
1 Kommentar:
Na endlich geht's wieder los! Hab' das Reisetagebuch schon vermisst. Toll, dass Ihr Euren Plan weiterführt!
/Michael
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