Freitag, 5. Februar 2010

Perth - Einschulungsrekord und Zigeunerleben

30. Januar – 5. Februar 2010

Große Enttäuschung, nachdem wir gedacht haben, wir hätten jetzt die ultimative Lösung für unser Wohnungs-/ Schulproblem gefunden. Wir haben in Hilton (hört sich ja erstmal super an!) eine telefonische Zusage für einen Schulplatz und einen Besichtungstermin für eine Haus. Allerdings waren wir noch nie in Hilton und die Besichtigung des Viertels, lässt dann gleich auch alle Pläne platzen. Die Gegend ist ungefähr vergleichbar mit Steilshoop oder Wilhelmsburg. Zwar gibt es dort keine Hochhäuser, dafür aber 90% State Housing – auf deutsch: Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Aboriginies. Kein Wunder, dass die Schule uns als zahlende Mitglieder sofort gerne genommen hätte! Gottseidank haben wir aber für die nächste Woche noch 2 Besichtungs- termine für Appartements in West Perth, was direkt an Subiaco – das Eppendorf von Perth - grenzt und am Montag erfahren wir, ob Laila in der West Leederville Primary School dort in der Nähe einen Schulplatz bekommt. Bleibt also nur abzuwarten und das Wochenende zu genießen. Wir erkunden noch ein wenig Perth, faulenzen am Strand, fahren ins Swan Valley – Perth’ Weingegend - und beziehen Sonntagabend einen neuen Campingplatz, der näher an der Stadt und Lailas potentieller Schule liegt. Im Swan Valley finden wir einen witzigen Golfplatz, wo man mit überdimensionalen Schlägern und Bällen auf kürzeren Löchern spielt. Ein Spaß für die ganze Familie :-).

Montagmorgen machen wir uns dann auf zur Schule und nun scheint endlich mal was zu klappen. Laila bekommt einen Platz, optimalerweise sogar in einer gemischten 1. und 2. Klasse und kann am Dienstag gleich anfangen. Wir statten sie noch schnell mit Schuluniform und Schuhen aus, denn mit Flipflops darf sie dort nicht auflaufen und sind schon mal ein Problem los. Am Dienstag heißt es dann erstmals wieder früh aufstehen, Sonnencreme auftragen, Uniform anziehen, Schulbrote schmieren und ab in den Stau in Richtung City. In den ersten 2 Wochen gehen die Kinder täglich zum Schwimmkurs, weshalb sie schon gleich im Badeanzug unter der Schuluniform auflaufen müssen. Das erschwert dann leider auch den Toilettenbesuch in letzter Sekunde und sorgt dafür, dass wir zu Lailas 3. Einschulung in 12 Monaten so gerade noch pünktlich ankommen. Nachdem wir Laila abgeliefert haben, bleibt uns gerade noch Zeit für ein schnelles Frühstück, bevor wir die erste Wohnungsbesichtung haben. Das ist endlich mal ein Lichtblick. Das Appartement hat genau die richtige Größe und befindet sich in einer Anlage mit Pool und Gym. Einziges Problem: Unser Van ist zu hoch für den überdachten Stellplatz und an der Strasse gibt es aufgrund der Citynähe tagsüber nur kostenpflichtige Parkplätze. Trotzdem beschließen wir die Bewerbung abzugeben und nebenbei irgendwie das Parkproblem zu lösen. Der zweite Besichtigungstermin ist um 14.00 Uhr direkt nebenan und für die Zwischenzeit gibt es eine Shoppingmall in Fußnähe. Die zweite Wohnung ist parktechnisch auch nicht besser und hat kein Gym und nur einen winzigen Pool, scheidet also aus. Jetzt heißt es also wieder warten, bis unsere Bewerbung bearbeitet und hoffentlich akzeptiert wurde. So lange bleiben wir auf unserem Campingplatz, stellen uns brav jeden Morgen in den Stau und fühlen uns ein bischen wie Zigeuner, wenn wir Laila morgens auf dem Campingplatz in ihre Schuluniform stecken. Da bleibt nur, das Beste aus der Situation zu machen. Ich erkunde die Shoppingmöglichkeiten in Subiaco und der City, wir picknicken im Kingspark und am Monger Lake, Stefan verbringt endlich mal wieder ein paar Stunden in irgendwelchen Cafes vor seinem Notebook und Laila lernt in 2 Tage besser Freestyle zu schwimmen, als Stefan und ich in Jahrzehnten. Am Donnerstag finden wir, dass es mal Zeit ist, den Stand unserer Bewerbung zu erfragen, da wir noch nichts gehört haben und eigentlich am Freitag einziehen wollen. Es stellt sich raus, dass die Maklertussi die Bewerbung noch nicht mal an den Eigentümer geschickt hat, weil sie Andrew, den wir als Referenz angegeben haben, telefonisch nicht erreichen konnte. O.k., das war vielleicht auch unser Fehler, denn Andrew hockt gerade irgendwo im Nirgendwo um ein neues Minengelände für die Minenarbeiter bewohnbar zu machen. Das der Handyempfang dort nicht optimal ist, hätte uns eigentlich klar sein sollen. Erschwerend kommt noch dazu, dass der Eigentümer irgendwo in Europa sitzt und die Zeitverschiebung nicht gerade für uns arbeitet. Das bedeutet also wieder: Warten. Falls es am Freitag nicht mehr klappt, werden wir einen Wochenendausflug in Richtung Norden oder Süden unternehmen und hoffen, dass ab Montag das Zigeunerleben ein Ende hat und wir endlich wieder ein richtiges Dach überm Kopf haben.

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