Es ist schon so lange her, dass ich den letzten Blog-Post veröffentlich habe, dass ich mich schon kaum noch erinnern kann, was alles so passiert ist. Aber fängt man erstmal an zu schreiben, fallen einem ja zum Glück doch viele Dinge wieder ein.
| Kunst in Palermo! |
Sicherlich nie vergessen werde ich allerdings unsere Abreise nach Salta. Samstagmorgen irgendwann nach dem Frühstück sollte es ganz entspannt losgehen, um dann nach einer Übernachtung am Sonntagmorgen den Flug nach Buenos Aires anzutreten. So der Plan – zumindest bis Freitagabend. Als wir uns gerade ganz entspannt mit einer Flasche Wein zu Freunden auf den Weg gemacht hatten, kam die Nachricht unserer Mietwagenfirma, dass wir den Wagen am Samstagmorgen um 9.00 Uhr am Flughafen in Salta (ca. 3,5 Stunden von Cafayate entfernt) abgeben müssen, weil er wieder vermietet ist. So nahm der Abend dann eine ganze andere Wendung. Statt gemütlichem Weintrinken, hektisches Packen und Einlagern unserer Klamotten und ein Frühstart bei Nacht und Nebel morgens um 6.00 Uhr. Nicht unbedingt die allerbeste Zeit, um als Gringos über die kurvige, unbeleuchtete und gerne von Kühen und Eseln bevölkerte Straße der Quebrada zu navigieren. Offenbar meint es aber jemand gut mit und um 10.00 Uhr sitzen wir bereits bei einem ausgiebigen Frühstück in einem Cafe in Salta.
| Street Art in Palermo |
Dann startet das Sightseeing-Programm inklusive Museumsbesuch. Das Museum für Hochgebirgsarchäologie ist klein, aber interessant. Ausgestellt sind dort u.a. die mumifizierten Körper von 2 Kindern und einer Frau, die zu Inkazeiten auf dem 6739m hohen Vulkan Llullaillaco geopfert wurden.
| Palermo |
| Markthalle in San Telmo |
Stefan, Laila und ich haben beschlossen länger in Argentinien zu bleiben, so dass nur Florian am Dienstag den Rückflug antreten muss. Umso mehr müssen wir jetzt auf die Tube drücken, um noch ein entsprechendes Sightseeing-Programm in BA unterzubringen. Und nebenbei müssen Stefan und ich auch noch unsere Visa verlängern, die in einigen Tagen ablaufen. Sonntag erkunden wir zunächst mal die Märkte in San Telmo. Neben einer coolen Markthalle mit Trödelgeschäften und vielen kleinen gemütlichen Restaurants und Snackbars, gibt es noch einen großen Straßenmarkt mit Kleinkunst und Co. Dann trennen sich unsere Wege. Florian ist genauso wie Stefan nicht tauglich für Lailas und mein Shopping-Tempo. Florian macht sich auf den Weg nach La Boca – Heimat des berühmten argentinischen Fußballclubs, Laila und ich zu einem Secondhand-Markt und einer coolen Mall in den Backstein-Bögen unter einer Bahnlinie.
| Plattenladen in San Telmo |
Montagmorgen wird es dann ernst. Stefan und ich fahren zum Einwanderungsamt für unsere Visaverlängerung – und werden gleich wieder weggeschickt, weil wir frühestens 10 Tage vor Ablauf unser Visum verlängern können. Damit ist also klar, dass wir noch eine Weile in BA bleiben müssen. Naja, es gibt schlimmere Orte.
| 14-spurige Avenida 9 de julio |
Wir treffen Laila und Florian in Recoleta. Die beiden sind mit dem Fahrrad dorthin gefahren und haben sich todesmutig zwischen Bussen, LKWs und Taxen über die 14 spurige Avenida 9 de Julio zum berühmten Friedhof durchgekämpft. Ein toller Tipp ist außerdem ein Buchgeschäft in Recoleta, das sich in einem alten, ehemaligen Theater befindet. Es ist super in Schuss und auf der ehemaligen Bühne befindet sich jetzt ein Restaurant. Wenn man solche Orte und viele andere sieht, wundert man sich immer wieder, dass Argentinien eigentlich ja offiziell ein Entwicklungsland ist.
| Friedhof in Recoleta |
Abends sind wir im Hotel zum Essen verabredet. Mike und Nati wohnen selber in ihrem Hotel und so werden wir erstklassig von der Hotelküche bekocht. Es ist Florians letzter Abend und leider ein Montag. Der schlechteste Tag, um in Argentinien abends durch die Clubs zu ziehen, denn die meisten haben geschlossen. Dank ein paar Tipps von Nati findet er aber offensichtlich doch einen – inklusive 3 hübscher brasilianischer Touristinnen und einem argentinischen Clubbesitzer, der ihn noch in weitere Locations mitnimmt. Ich denke, es hat ihm gut gefallen J! Und dann heißt es Abschied nehmen. Nach einem späten Frühstück geht’s für Florian zum Flughafen und zurück nach Deutschland.
| Buchladen El Aterno |
Wir haben noch ein paar Tage mehr, um BA zu erkunden. Besuchen ein Museum für Moderne Kunst, bummeln ein weiteres Mal durch San Telmo und zum Hafen Puerto Madero mit seinen Restaurants und Cafes. Dort sind wir schockiert über die Preise. Es ist für argentinische Verhältnisse unfassbar teuer und wird vermutlich hauptsächlich von Touristen besucht. Zusätzlich hat mich noch irgendein Virus erwischt und ich bekomme üble Magenschmerzen und fühle mich so durch die Mangel gedreht, dass ich den Rest des Tages und einen Großteil des nächsten Tages im Bett verbringe. Spätestens jetzt machen mich die beiden Hunde auf dem Balkon gegenüber komplett wahnsinnig. Den ganzen Tag stehen sie auf dort und bellen im 2-Minutentakt wie irre, wenn ein Auto oder ein anderer Hund vorbeikommt. Ich frage mich, ob die Besitzer nicht zu Hause sind oder ihnen das komplett egal ist.
| Beim Friseur |
Donnerstagnachmittag muss ich mich allerdings wieder aufraffen, denn Nati hat für Laila und mich einen Friseurtermin organisiert. Das wäre ja normalerweise nicht unbedingt erwähnenswert, wäre der Friseur nicht so eine einmalige Erfahrung gewesen. Es fängt schon damit an, dass an der Tür gar nicht zu erkennen ist, dass sich in dem Gebäude ein Friseur befindet. Wir klingeln und werden durch einen Innenhof geleitet in einen riesigen Salon über mehrere Etagen. Eine Stunde lang werden Lailas Haare gewaschen, geknetet und mit einer Kur bepinselt, während bei mir die Farbe von diversen Experten angerührt, aufgetragen und regelmäßig überprüft wird. Zum Schneiden und Föhnen werden wir dann in einen anderen Bereich geleitet und 3 Stunden später haben wir es dann geschafft. Frisch frisiert verlassen wir den Laden und dank Bluerate noch mit einer für uns moderaten Rechnung. Für uns auf jeden Fall eine Friseurerfahrung der anderen Art!
| Recoleta |
Freitagmorgen starten wir den nächsten Versuch in Sachen Visaverlängerung. Um kurz vor acht stehen wir in der Schlange vor einem massiven Zaun vor dem Einwanderungsamt. Dann geht es in mehreren Etappen voran. Zunächst durch ein Tor in die nächste Schlange, dann ins Gebäude. Dort warten wir in der nächsten Schlange. Und so geht es eigentlich zwei Stunden lang weiter. Immer wenn wir denken, so jetzt sind wir aber fertig, werden wir an den nächsten Schalter geschickt bis wir zum Schluss eine weitere Stunde auf unbequemen Sitzen warten müssen, um letztendlich unsere Reisepässe mit der Visaverlängerung zurückzubekommen. Immerhin hat es uns nur Zeit und 40 € gekostet und wir können jetzt theoretisch bis Juli hier bleiben.
| Puerto Madero |
Dann treffen wir uns mit Laila, um weitere Ecken von BA zu erkunden. Wir bummeln durch die Haupteinkaufsstraße Florida und ihre Seitenstraßen und es ein unglaubliches Schauspiel, das sich hier abspielt. Im Abstand von 2 Metern stehen die sogenannten Arbolitos, die oftmals getarnt sind als Touristenguide oder ähnliches und kontinuierlich „Cambio, Cambio, Cambio“ vor sich hin brabbeln. Sie versuchen so ahnungslose Touristen zum Geldwechseln zu ködern und im Zweifelsfall dabei mit Taschenspielertricks auch noch übers Ohr zu hauen. Nach dieser Erfahrung besuchen wir das CCK – Centro Cultural Kirchner. Es ist das ehemalige, sehr imposante Gebäude der argentinischen Post, welches vom verstorbenen ehemaligen Präsidenten Nestor Kirchner für unfassbare 500 Mio. Dollar in ein Kultur Center umgebaut wurde. Es umfasst einen Konzertsaal und zahlreiche Ausstellungsräume über 9 Etagen. Die Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sind sicherlich Geschmackssache, die Innenarchitektur mit mattiertem Glas und Edelstahl schon sehr sehenswert. Trotzdem fragt man sich, ob das viele Geld in einem Land wie Argentinien nicht hätte sinnvoller eingesetzt werden können.
| Centro Cultural Kirchner |
Freitagabend erwartet uns noch eine kleine Party Hotel. Freunde aus Cafayate machen auf dem Weg nach Europa einen Zwischenstopp in BA und so gibt es an der Hotelbar zusammen mit Freunden von Mike und Nati ein paar Snacks und Drinks. Die Zeit bis zu unserer Abreise am Sonntag verfliegt dann ziemlich schnell. Wir bummeln über den Kunstmarkt in Palermo, gehen Frühstücken und machen uns schließlich auf den Weg zum Flughafen, wo wir leider viele, viele Stunden auf unseren verspäteten Flug nach Salta warten müssen und erst irgendwann nach Mitternacht im Hotel ankommen. Leider muss Stefan am nächsten Morgen um 7.00 Uhr schon die Freunde zum Flughafen bringen, deren Auto wir für die nächste Zeit benutzen können – es wird also leider eine sehr kurze Nacht – bevor es dann zurückgeht nach Cafayate. Auch dort hat sich für uns etwas geändert. Wir ziehen nämlich in das Haus eines Freundes, welches deutlich gemütlicher eingerichtet ist und über einen richtigen Garten statt einer unkrautbewachsenen Geröllhalde verfügt. Wir freuen uns jetzt auf die nächste Zeit in Cafayate – nach dem Trubel von BA brauchen wir erstmal wieder etwas Erholung!
1 Kommentar:
Liebe Susanne,
vielen Dank für den neuen Blog. Wir wünschen euch frohe Ostern!
Nina und Marco
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