Nachdem wir jetzt schon so lange unterwegs sind, bin ich tatsächlich etwas schreibfaul geworden. Aber heute nutze ich mal den Tag der Arbeit, um den Blog endlich mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen.
| Ayers Rock von Cafayate |
Nach der langen Zeit in Buenos Aires genießen wir die Rückkehr nach Cafayate. Das Haus ist innen gemütlich und hat draußen viele verschiedene Terrassen und Sitzecken. Im Vergleich zu unserem vorherigen Haus sind auch endlich die Sitzmöbel bequem. Unbequeme Sitzgelegenheiten scheinen ein weitverbreitetes Problem in Argentinien zu sein. Wir freuen uns jeden Tag wieder über den tollen Blick auf die Berge, die entspannten Golfrunden und den Besuch in Sauna, Pool und Fitnesscenter.
| Schlechtes Wetter ;-) |
Leider ist das Haus an Ostern bereits vermietet, so dass wir nach 1,5 Wochen vorübergehend wieder ausziehen müssen. Das stellt sich dann leider als gar nicht so einfach heraus. Alle Unterkünfte in Cafayate sind restlos ausgebucht, wir wollen auch nicht schon wieder nach Salta und so beschließen wir ins 4 Stunden entfernte San Miguel de Tucuman zu fahren – auch wenn alle Freunde uns fragen, was wir da denn eigentlich wollen.
| Weg durch die Wolken |
Donnerstagmorgen geht es los. Wir fahren an Quilmes vorbei und verlassen dann die Ruta 40, um über die über 3000 m hohen Berge nach Tafi de Valle zu gelangen. Die Wolken hängen an dem Tag extrem tief und irgendwann sind wir mittendrin und fahren wie durch Nebel durch die karg bewachsene Berglandschaft. Eine sehr bizarre Kulisse. In Tafi de Valle – einem auf 2000m gelegenen hübschen Bergort – legen wir einen Stopp ein, bevor wir die Weiterreise antreten. Nach der kargen Landschaft folgt auf dem zweiten Teil der Fahrt dann die Urwaldkulisse.
| Vergnügungspark in Tafi de Valle |
Entlang eines Flusses fahren wir durch dichte, grüne Wälder – im strömenden Regen. Schließlich erreichen wir San Miguel und schon der Weg in die Stadt lässt nicht unbedingt das Beste vermuten. Entlang der Straße befinden sich ärmliche zusammengezimmerte Häuser, Pferdekarren scheinen hier noch ein gängiges Fortbewegungs- und Transportmittel zu sein, Autowäscher mit Eimern und Schwämmen bewaffnet, säumen im Abstand von wenigen Metern die Einfallstraße.
| Urwald in Tucuman |
Unser Appartement liegt im Inneren der Stadt nur einen kurzen Fußweg entfernt von der Fußgängerzone und dem Plaza, der leider übersät ist mit Hundehaufen. Bei unserer ersten Erkundungstour verstehen wir auch, warum alle gesagt haben, dass die Stadt eher hässlich sei. Neben einigen wenigen historischen Gebäuden erstrecken sich mehrheitlich neuere Häuser in unterschiedlichem Zustand des Verfalls über die Stadt. Durch die Stadt tobt ein unglaublicher Verkehr, es ist laut und chaotisch.
| Chillen in San Miguel |
Für San Miguel gilt wohl tatsächlich, dass der Weg das Ziel ist. Denn die Fahrt war landschaftlich wirklich toll. So machen wir jetzt einfach das Beste aus unserem Aufenthalt. Ich kaufe mir endlich neue Sportschuhe, wir verbringen einen Tag im gigantisch großen Parque 9 Julio, hören Hörbücher, ich schaue Tennis und Sonntag geht es wieder zurück nach Cafayate. Diesmal begleitet uns auf der gesamten Fahrt die Sonne und so bietet sich eine komplett andere Kulisse. In der Ferne sieht man die schneebedeckten Berge und Urwald und Berge sehen im Sonnenlicht komplett anders aus. Angekommen in Cafayate erwartet uns dann leider eine Überraschung. Die Putzfrau, die unser Haus wieder in Schuss bringen sollte ist nicht erschienen und am Ostersonntag ist wohl nicht so einfach Ersatz zu beschaffen. Als wir schließlich wieder einziehen, ist die neu angeheuerte Putzfrau quasi schon wieder auf der Flucht, obwohl die Hälfte noch nicht fertig ist, es fehlen die Handtücher und die Bettwäsche. Aber in Argentinien muss man eben einfach entspannt bleiben.
| Schneebedeckte Berge |
Und dann geht das Leben hier wieder so seinen Gang. Laila
hat sich an den Hochschulen in Münster und Bremen für Design beworben und
werkelt an ihrer Mappe, Stefan arbeitet an seinem Golfschwung und natürlich
auch an ein paar ernsthafteren Dingen, ich schreibe ein bisschen was für Mount
Natural. Ansonsten spielen wir Golf, gehen Schwimmen, Saunen und ab und zu mal
ins Bierhaus am Plaza. Man wundert sich immer, wie schnell doch so ein Tag
vergehen kann.
Aber es gibt tatsächlich auch noch etwas größere Nachrichten, über die ich jetzt auch endlich schreiben, nachdem es offiziell ist. Wir haben beschlossen hier auf der Estancia ein Haus zu bauen. Die Pläne sind schon fertig und wir hoffen, dass sie im zweiten Versuch auch vom Design-Komitee der Estancia genehmigt werden. Leider gibt es hier - nachdem einige Bausünden entstanden sind - hunderte Regeln und Richtlinien, die nicht immer so ganz eindeutig sind. Im ersten Versuch sind wir daran leider auch erstmal gescheitert, aber wir sind optimistisch ;-). Dann dauert es natürlich noch eine Weile bis das Haus fertig ist. Zwischen 12 und 18 Monaten oder noch mehr ist alles möglich, da man nie weiß, was gerade an Materialien so verfügbar ist. Wir sind schließlich in Argentinien :-)
Grundsätzlich ist unsere Idee aber, hier 6 -7 Monate im Jahr zu verbringen und die restliche Zeit in Deutschland und Europa unterwegs zu sein. Das hat letztlich dann auch zu der Entscheidung geführt unser wunderschönes Haus in Rellingen zu kündigen. Bis Ende Juli müssen wir nun unseren ganzen Kram loswerden und einen kleinen Rest irgendwo einlagern. Ich muss sagen, dass das der Teil ist, vor dem es mir noch etwas graust und der mir schon jetzt schlaflose Nächte bereitet. Wenn ich vor meinem geistigen Auge alleine nur Dachboden und Keller sehe, macht sich eine leichte Panik breit. Das Gute daran ist allerdings, dass ich jetzt schon weiß, dass ich mich danach sehr befreit fühlen werde. Schließlich leben wir jetzt schon seit Januar ohne unsere ganzen Sachen und ich kann nicht sagen, dass ich bisher irgendetwas davon vermisst hätte – außer vielleicht meine Daunendecke, denn die Nächte sind jetzt mittlerweile doch schon etwas kalt hier.
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