Montag, 29. August 2022

Balkan, wir kommen

Es ist tatsächlich vollbracht! Die Drosselstraße ist leer geräumt – naja, zumindest fast. Denn einige von Lailas Kisten und Möbeln mussten wir dann doch noch in der Garage zurücklassen, da sie überraschenderweise nicht in ihr 12 qm Zimmer in Bremen passen würden. Aber der Rest ist frisch gestrichen und ausgeräumt und wir haben den Großteil unserer Sachen verkauft, verschenkt und entsorgt. Darüber alleine könnte ich eine mehrseitige Abhandlung schreiben, aber um es kurz zu fassen: es war ein schmerzhafter, heilsamer und am Ende befreiender Prozess J

Und jetzt sind wir wieder mit unserem Campervan auf Tour. Gestartet sind wir zunächst in Richtung Ruhrgebiet, um mit meinen Eltern ihren 60. Hochzeitstag zu feiern!  Das ist eine so unfassbar lange Zeit, dass wir schon ganz schön alt werden müssen, um das ebenfalls zu schaffen. Umso schöner also, dass wir das so toll mit meinen Eltern feiern durften!


Am Sonntagmittag geht es dann weiter in Richtung Südosten. Nachdem wir lange zwischen Bretagne und Kroatien geschwankt haben, ist letztlich die Entscheidung zu Gunsten des Balkans gefallen.

Bleder See - Slovenien

Wir fahren bis kurz hinter München und haben, auch wenn es eine sehr lange Tour ist, riesiges Glück mit dem Verkehr. In der Gegenrichtung stauen sich die Autos kilometerlang, während wir so durchrauschen und um 20.00 Uhr bei einem bayrischen Bier in Holzkirchen sitzen. Morgens geht es weiter durch Österreich und über den Wurzenpass nach Slowenien. Wir stoppen auf eine Pizza in Kranjska Gora, einem kleinen Ski- und Ferienort und sind gleich so begeistert von Slowenien, dass wir beschließen dort erst noch ein paar Tage zu verbringen. Die Idee in den Triglav Nationalpark mit seinem namensgebenden Berg Triglav zu fahren, verwerfen wir wieder, weil uns das zu weit in die falsche Richtung führen würde. Stattdessen stoppen wir in Bled, mit seinem idyllischen Gletschersee. Bevor wir diesen allerdings zu Gesicht bekommen, werden wir erstmal von den slowenischen Campingplatzpreisen ernüchtert. Für eine Nacht kostet uns der Spaß für ein kleines Fleckchen in der hintersten Ecke ohne Strom fast 70€. Gratis dazu gibt es dafür ein paar ordentliche Regenschauer, so dass wir die geplante Wanderung um den Bleder See am nächsten Morgen sein lassen und nach einem Kaffee und ein paar Fotos am See mit Insel und Burg, die Weiterreise nach Ljubljana  antreten.

Nach dem Preisschock des letzten Abends suchen wir uns dort eine erschwinglichere Übernachtungsmöglichkeit bei einem etwas außerhalb gelegenen Restaurant mit Busanbindung vor der Tür.

Ljubljana

Ljubljana liegt an einem von Restaurants gesäumten Fluss, hat eine sehr hübsche Altstadt und wird von einem Schloss überragt. Wir bummeln durch die Altstadt, erklimmen den Schlossberg und finden nach ausgedehnter Suche abends irgendwann auch einen Platz in einem Restaurant. So hübsch die Stadt auch ist, so überlaufen ist sie im Sommer leider auch von Touristen, zu denen wir natürlich ja auch gehören. So ist es aber gar nicht schlimm, dass der Bus uns abends wieder in den kleinen ruhigen Ort Sostro befördert, der zum Glück abseits der Touristenströme liegt.

Höhlenburg Predjama

Vor einiger Zeit haben wir in einer Restaurantdoku einen Bericht über eine Höhlenburg in Slowenien gesehen und so nutzen wir die Gelegenheit sie direkt vor Ort mal zu besichtigen. Morgens fahren wir nach Predjama und kaufen uns ein Kombiticket für die Burg und eine nahegelegene Grotte. Die Burg ist noch sehr gut erhalten und trotz der Wärme draußen kann man sich gut vorstellen, wie kalt und dunkel es dort früher gewesen sein muss, insbesondere in dem hinteren Teil, der sich in der Felsenhöhle befindet. Es ist interessant und spannend die Burg mit einer Audioführung zu erkunden. Dann geht es zurück in Richtung Postojna, wo sich die Grotten befinden. War die Burg schon beeindruckend, sind die Grotten es umso mehr. Mit einem Zug fahren wir 20 Minuten in die Tiefe des Berges. Schon auf diesem Weg sehen wir unfassbare Tropfsteine und eine riesige mit Kronleuchtern beleuchtete Halle. Dann folgt eine 1,5 Stunden lange Führung durch die absolut faszinierenden Grotten. Die gehören ab jetzt auf jeden Fall in meine Top Ten Highlights. Es gibt Schluchten und Hallen und Brücken und unfassbare Formationen. Das Ganze ist kunstvoll illuminiert und mir fehlen tatsächlich die Worte, um das zu beschreiben. Wirklich ein Erlebnis der Extraklasse und absolut jeden Cent wert!

Unfassbar tolle Grotten

Am nächsten Tag beschließen wir Slowenien zu verlassen und nach Kroatien zu fahren. Wir machen noch einen Zwischenstopp in der slowenischen Stadt Koper und treten dann die Weiterfahrt nach Kroatien an. In Umag, der Tennishauptstadt Kroatiens - wie ich zufällig kurz danach lese – stoppen wir an einem Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit. Weder die kleine Stadt Umag noch das Restaurant sind besonders beeindruckend. Wir trinken ein kaltes Bier in einem der zahllosen Restaurants am Wasser und essen in unserem Übernachtungsquartier als einzige Gäste zu Abend. Es ist ein bisschen traurig, dass dort so wenig los ist, während die anderen Restaurants an denen wir vorher vorbeigefahren sind rappelvoll sind. Zum guten Schluss kommen wenigstens noch ein paar Italiener, so dass wir uns ohne schlechtes Gefühl in unseren Camper verziehen können.


Da wir noch nicht genau wissen, wohin wir als nächstes wollen, fahren wir erstmal nach Rovinj. Die Stadt liegt an einem Hügel und hat eine hübsche Altstadt. Leider ist auch hier in der Ferienzeit extrem viel Trubel, so dass wir nach einer kleinen Runde und einem Kaffee wieder das Weite suchen. Wir beschließen Istrien hinter uns zu lassen und fahren weiter in Richtung Dalmatien. An einem kleinen Campingplatz mit eigener Badebucht stoppen wir für die Nacht. Belohnt werden wir dafür mit der größten Sternschnuppe, die ich je gesehen habe. Wenn der Wunsch nicht in Erfüllung geht, dann weiß ich es aber auch nicht ;-)


Wir folgen der Küstenstraße E65, die sich über 600 km durch Kroatien und die Nachbarländer schlängelt, bis Stinica und setzen mit der Fähre über auf die Insel Rab. Dort soll eins der besten Tauchreviere Kroatiens sein. Allerdings ist Lailas Mission zuerst, hier einen Friseur zu finden und sich einen Kurzhaarschnitt verpassen zu lassen. Meine wohlgemeinten mütterlichen Ratschläge, das lieber in Deutschland zu machen, werden dabei geflissentlich ignoriert. Während Stefan und ich die Stadt Rab erkunden, zieht sie also los, um sich mit Hilfe von Händen, Füßen und Google Fotos einen neuen Haarschnitt verpassen zu lassen. Jetzt sind die Haare jedenfalls ab und ich muss zugeben, dass das Ergebnis doch tatsächlich sehr gelungen ist.

Für die Übernachtung wählen wir an diesem Tag schließlich den Parkplatz eines Fischrestaurants, denn dort kann man kostenlos stehen, wenn man den köstlichen Fisch im Restaurant genießt. Um 10.00 Uhr am nächsten Morgen geht es dann los auf einen Tauch- bzw. Schnorcheltripp. Das Tauchboot ist wohl das langsamste, mit dem ich jemals gefahren bin, aber das Wasser ist klar und ruhig und so ist das Ganze auch irgendwie meditativ. Leider gibt es beim Schnorcheln und auch beim Tauchen nicht übermäßig viel zu sehen, aber die kleinen Buchten und das tolle Wasser allein entschädigen schon für einiges. Darüber hinaus lernen wir in der Mittagspause noch kostenlos die ehemalige Gefängnisinsel Goli – das kroatischen Alcatraz – kennen. Ein karger Felsen, auf dem die ehemalige Gefängnisanlage nach ihrer Schließung dem Verfall preisgegeben wurde.


Für die zweite Nacht auf Rab suchen wir uns ein einsames Plätzchen in einem Pinienwald in der Nähe einer Strandbar. Während Stefan unseren Übernachtungsplatz super findet, lauschen Laila und ich in der Nacht auf jedes einsame Auto oder Moped, das in der Nähe vorbei fährt. Man sollte in solchen Nächten besser nicht auf die Idee kommen, an australische Thriller mit psychopathischen Serienkillern zu denken ;-) Der Hubschrauber, der uns aus dem Schlaf reißt als er genau über uns kreist, macht das Ganze dann auch nicht unbedingt besser. Doch auch diese Nacht geht vorbei und nach einem kurzen Toiletten- und Shoppingstopp in Rab verlassen wir wohlbehalten die Insel und setzen unsere Reise in Richtung Südosten fort. Auf einem kleinen Campingplatz am Meer chillen wir jetzt erstmal zwei Tage bevor es weitergeht – mal schauen, wohin es uns dann verschlägt.

Keine Kommentare: