Sonntag, 4. September 2022

Hippie-Vibe und Wasserfälle

Nach zwei entspannten Tagen und Nächten auf dem kleinen Campingplatz am Meer, wo es außer dem Baden im Meer und dem täglichen Bäckerwagen nicht viel Abwechslung gibt, fahren wir weiter. Aus unerklärlichen Gründen wurde an den Tagen dort fast mein gesamtes Jahres-Datenvolumen durch meinen mobilen Hotspot aufgebraucht… Ich habe weder irgendwas gestreamt noch was Großes runtergeladen. Ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, dass der 80-jährige Campingplatz-Inhaber mein Handy gehakt und alle Staffeln vom Games of Thrones runtergeladen hat… Es ist mehr als mysteriös und nervt mich extrem.

Der Hafen von Zadar

Da hilft wohl nur noch abhaken, Guthaben wieder aufladen und weiterfahren. Unser nächster Stopp ist die auf einer Halbinsel gelegene Stadt Zadar mit ihren römischen und venezianischen Ruinen. Die Altstadt ist eigentlich sehr hübsch, zu unserem Pech hat nur gerade ein Kreuzfahrtschiff seine Passagiere auf die Stadt losgelassen und entsprechend viele Menschen bevölkern die kleinen und großen Gassen. Nach einem Eis und einem Spaziergang durch die Altstadt reicht es uns und wir fahren weiter in Richtung des kleinen Ortes Pakostane. Wäre Laila nicht vor 3 Jahren auf einer Jugendreise dort gewesen, wären wir da vermutlich nie gelandet. So verbringen wir dort dann aber einen schönen Abend auf einem kleinen, abgelegenen Campingplatz am nahegelegenen Binnensee. Das Restaurant mit seinen selbst produzierten Limonaden und Weinen und der urige Campingplatz haben das Flair einer Aussteiger-Kommune, was auch durch die in Endlosschleife zum Besten gegebene Lebensgeschichte unseres Nachbarn unterstrichen wird. Blendet man das und das Bellen seiner Hunde aus, kann man den idyllischen Platz aber sehr genießen. Passend zu dem Hippie Vibe dort schauen Laila und ich abends Mamma Mia! Als wir fertig sind und das Licht wieder anmachen, stellen wir fest, dass die gesamt Decke unseres Campers schwarz ist von hunderten kleinen Eintagsfliegen. Wir fühlen uns wie in Ghostbusters als wir sie nach anfänglicher Ratlosigkeit schließlich alle mit unserem Handstaubsauger einsaugen und ihr Leben damit vorzeitig beenden.

Paparazzi Foto :-)

Auf einen Kaffee statten wir am Mittwochmorgen Pakostane einen kurzen Besuch ab und setzen dann unsere Reise fort zum Krka Nationalpark. Die Eintrittspreise haben sich mit 27 € pro Person gewaschen, aber wir nehmen es sportlich, sparen uns den Bus und wandern die 875 m zum Anfang des Rundganges zum Wasserfall. Tatsächlich ist es auch hier wieder so, dass es sehr professionell gemacht und jeden Cent wert ist. Auf Holzstegen wandern wir durch einen Märchenwald mit kleinen grünen und türkisenen Seen mit unzähligen Fischen, kleineren Wasserfällen und einem kleinen Mühlenmuseum. Nach knapp einer Stunde erreichen wir schließlich die Hauptwasserfälle, die sich beeindruckend über mehrere Ebenen in einen See stürzen. Wirklich toll und sehenswert! Und dann bleibt nur noch der schweißtreibende Aufstieg zum Parkplatz…

Wasserfälle im Krka Nationalpark

Etwas planlos machen wir uns wieder auf den Weg in Richtung Küste ohne genau ein Ziel im Auge zu haben. Ich suche während der Fahrt in der Park4Night App rauf und runter nach einer passenden Übernachtungsmöglichkeit, was nicht unbedingt immer die beste Idee ist. Über eine Schotterstraße, die eigentlich für Mountainbiker gedacht ist, versuchen wir zu dem beschriebenen Parkplatz zu gelangen, aber entweder Google Maps findet ihn nicht oder er existiert gar nicht mehr. Eigentlich bis dahin ja noch kein Problem, hätten wir nicht versucht ohne die Unterstützung von Google, die Abkürzung aus dem Offroad-Gelände zu nehmen. An einer unpassierbaren Häuserwand ohne jegliche Wendemöglichkeit scheitert dieser Versuch nämlich sehr abrupt und uns bleibt nur ein anstrengendes Manöver im Rückwärtsgang, um uns zwischen Mauern und Bäumen wieder herauszuwinden. Aber wir haben ja schon oftmals erfahren, dass so was auch für etwas gut sein kann. Denn letztendlich landen wir auf einem niedlichen Campingplatz auf einer kleinen Insel bei Rogoznica. Obwohl er eigentlich nur für Zelte gedacht ist, finden wir ein Fleckchen für unseren Camper und genießen einen wunderschönen Abend in dem kleinen Örtchen mit frischem Fisch und Livemusik.

Märchenwald

Am nächsten Morgen legt das schöne Wetter, das uns bisher die ganze Zeit begleitet hat, eine Pause ein und es fängt an zu regnen - aber eigentlich ist das ja auch mal eine gute Abwechslung zum Dauersonnenschein. Weniger schön ist allerdings unser Versuch den Campingplatz zu verlassen. Warum der Platz nur für Zelte ausgelegt ist, zeigt sich nämlich als wir an einer Steigung hängenbleiben, die Reifen durchdrehen und wir weder vor noch zurück können. Nach einer schweißtreibenden halben Stunde mit Anfahrmatten, Schieben und Rangieren haben wir es geschafft. Im Nachhinein stellen wir erstaunt fest, dass kein einziger anderer Camper sich hat blicken lassen, um mal mit anzufassen. Da lässt man doch lieber die beiden Blondinen das Auto aus dem Loch schieben! Aber sieht man davon mal ab, müsste damit unser Soll an aufwendigen Rangiermanövern für dieses Jahr jetzt eigentlich erfüllt sein.

Märchenwald 2

Auf der Fahrt nach Split regnet es weiter. Je näher wir kommen umso schlimmer wird der Verkehr. Offenbar sind wir nicht die einzigen, die bei dem schlechten Wetter einen Städtetag einlegen wollen. Deshalb habe ich die grandiose Idee bei dem Regen in eine nahegelegene Shopping Mall zu fahren. Um es kurz zu sagen: eine absolute Scheißidee. Wir stehen endlos im Stau, dann verpassen wir die richtige Abfahrt, die nächste Abfahrt ist gesperrt und als wir nach einer halben Ewigkeit endlich ankommen, sind die einzigen freien Parkplätze in einem für uns unzugänglichen Parkhaus. Die Menschenmassen, die sich von allen Seiten der Mall nähern, lassen darüber hinaus auch nicht viel Gutes vermuten. Da bleibt nur noch eins: schnell weg hier.

Rain in paradise

Wir pfeifen auf Split und setzen unsere Tour entlang der Küste fort. Volle Städte oder Einkaufszentren sind sowieso nicht unser Ding. Und schließlich findet auch dieser Tag, der bisher noch nicht viel Positives bereitgehalten hat, ein versöhnliches Ende. In der Nähe von Zivogosce an der Makarska Riviera entdecken wir einen kleinen, mit Pinien bewachsenen Campingplatz vor einer schroffen Bergkulisse. Er hat eine kleine private Bucht und ein hübsches Restaurant. Nach dem ersten eiskalten Bier sind die ganzen Desaster des Tages vergessen. Hier werden wir jetzt erstmal einige Tage bleiben und ganz entspannt Wäschewaschen, Schnorcheln, Paddeln und natürlich Chillen. Dann geht es am Dienstag nach Dubrovnik, denn leider endet Lailas Zeit hier am Mittwoch und sie tritt den Heimflug nach Hamburg an.

Unser Privatstrand

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