Sonntag, 23. Oktober 2022

Aus der Quarantäne nach Cafayate

Da haben wir es 1,5 Jahre geschafft dem Coronavirus auszuweichen und ausgerechnet auf unserer Campertour durch die einsamen Ecken des Balkans erwischt es uns dann doch. Zuerst Stefan und nach unserer Rückkehr schließlich auch mich. Alles andere wäre wohl auch eher ein Wunder gewesen, denn enger als im Campervan kann man wohl kaum aufeinander hocken. Das Timing ist natürlich nicht besonders günstig, denn wir haben nur noch 10 Tage bis zu unserer Abreise nach Argentinien und sind quasi ans Haus gefesselt, auch wenn es mir eigentlich nach einem Tag mit Fieber und Kopfschmerzen wieder gut geht. Alle unsere Erledigungen schieben sich nach hinten und das Treffen mit Freunden fällt entweder ganz aus oder findet auf den letzten Drücker statt. Selbst meine gemeinschaftliche Geburtstagsfeier im Tennisclub findet ohne mich statt. Aber um auch mal die positive Seite zu erwähnen: rechtzeitig zu unserem Abflug nach Argentinien sind unsere Tests wieder negativ und die Symptome waren sehr moderat.

30 km vor Cafayate

Tja, und dann sind wir unterwegs. Über Zürich und Sao Paulo geht es nach Buenos Aires. Dort haben wir 10 Stunden Aufenthalt und sind froh und glücklich, dass wir unsere vier megaschweren Gepäckstücke im Hotel von Freunden deponieren können. Der Flughafen in BA hat nicht mal eine Gepäckaufbewahrung. Wir organisieren Handykarten, gehen Essen und chillen ein wenig, bevor es wieder zum Flughafen und weiter nach Salta geht.

Cooler Roller

Es ist immer wieder erstaunlich, wie einfach wir das Jetlag überwunden haben. Wir gehen spät ins Bett, wachen zu einer normalen Uhrzeit auf und das war’s. Gut erholt machen wir uns auf die Suche nach einem fahrbaren Untersatz. Zwar haben wir uns für die nächsten 2 Monate das Auto eines Freundes geliehen, aber spätestens dann benötigen wir eine Alternative. Die erste Idee einen Roller zu kaufen, verwerfen wir aus verschiedenen Gründen wieder, auch wenn ich finde, dass ich mich optisch ganz gut darauf mache. Letztendlich landen wir bei einem Nissanhändler mit der Option noch im Oktober einen nagelneuen Nissan XGear bekommen zu können.

Kakteenblüte

Danach treten wir die letzte 3-stündige Etappe nach Cafayate an. Und dieses Mal ist es tatsächlich anders als die Male zuvor. Als wird die letzte Strecke durch die Quebrada fahren, fühlt es sich nicht mehr nach Urlaub, sondern mehr nach Nachhausekommen an.  Alles ist so vertraut und es fühlt sich an als wären wir nie weggewesen. Allerdings platzt Cafayate gerade aus allen Nähten, denn mit Feiertagen am Freitag und Montag ist es ein XXL-Wochenende und ganz Argentinien ist auf Reisen.

Unser neues Auto

Wir haben für die gesamten 7 Monate ein sehr schönes Haus gemietet und müssen zum Glück dieses Mal auch nicht zwischendurch ausziehen. Die Eingewöhnungsphase ist eigentlich schon vorbei, nachdem wir unsere Koffer ausgepackt haben. Und dann startet das Leben hier, eigentlich so wie es aufgehört hat – zum Glück allerdings bei höheren Temperaturen. Golfen, Schwimmen, Squashen, Haus planen, Steaks essen… Eine tolle Neuerung ist nebenbei, dass es im Supermarkt in Salta jetzt endlich auch alkoholfreies Bier gibt. Damit haben wir uns erstmal gut eingedeckt, denn es ist nicht so wahrscheinlich, dass wir es auch in Cafayate bekommen.

Noch mehr Kakteenblüten

Die Tage fliegen hier so dahin, die Nächte werden langsam wärmer, wir erkunden ein paar neue Restaurants und dann erfahren wir, dass wir noch im Oktober ein Auto haben können. Einziger Haken: die Farbe! Es ist knallrot. Doch in Argentinien sollte man besser die Gelegenheit nutzen, denn ob es in absehbarer Zeit ein anderes geben wird, kann uns niemand versprechen.

Da Stefan die Verträge unterschreiben und Geld anzahlen muss, müssen wir wieder nach Salta fahren. Als wäre es eine Vorahnung, fahren wir vor unserer Abfahrt zur Tankstelle, um den Reifendruck zu prüfen. Und man ahnt es ja schon, der linke Hinterreifen hat kaum noch Luft und bei genauerem Hinschauen wissen wir dann auch warum. Drei (!!!) Nägel stecken in dem Profil, welches überdies auch noch dermaßen abgefahren ist, dass man auch so schon ein ungutes Gefühl haben müsste. Mit argentinischem Pragmatismus verkauft der Reifenhändler uns für stolze 70€ einen mindestens ebenso abgefahrenen Reifen aus seinem Fundus und 1,5 Stunden später kann es dann auch schon losgehen. Ich würde es mal Glück im Unglück nennen, denn wäre uns der Reifen irgendwo in der Quebrada geplatzt, hätten wir dort weder einen passenden Ersatzreifen noch Handyempfang für einen Notruf gehabt. Ich bin sehr froh, dass wir die Strecke nach Salta mit diesem Auto nur noch einmal fahren müssen. Mit dem neuen Auto sollten wir dann hoffentlich erstmal keine Probleme haben.

Das erste argentinische Steak

Da die Hotels in Salta deutlich teurer geworden sind, probieren wir dieses Mal ein anderes Hotel aus. Die Lage ist perfekt, es hat eine Garage, doch damit sind auch alle positiven Eigenschaften genannt. Das Zimmer ist winzig klein und um es mal neutral auszudrücken im Vintagestil eingerichtet. Die Matratze ist steinhart, aber am schlimmsten ist der Lärm, der die ganze Nacht im und um das Haus tobt. Katastrophal! An Schlaf ist eigentlich kaum zu denken und dementsprechend gerädert machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg, um alle Formalitäten und ein paar Einkäufe zu erledigen. Nächsten Freitag können wir voraussichtlich das Auto abholen und sind dann stolze Besitzer eines Feuerwehrwagens J Da hat man auf jeden Fall kein Problem mehr, das Auto auf einem vollen Parkplatz wiederzufinden. Die Farbe hat also auch ihre Vorteile. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf!

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