Lang ist es her, dass ich den letzten Post verfasst habe, denn mittlerweile ist das Leben hier in Cafayate ja unser Alltag geworden, der an den meisten Tagen tatsächlich eher unspektakulär und mit Arbeiten ausgefüllt ist.
Doch jetzt sind wir tatsächlich im Urlaub – davon später - und das ist natürlich ein guter Anlass mal wieder etwas zu schreiben. Denn ein paar Dinge sind natürlich trotzdem passiert.
| Das 1. Spiel lief nicht soooo gut! |
Zum einen wäre da natürlich der Weltmeistertitel für Argentinien.
Nach einem eher enttäuschenden Start hat Argentinien - im Gegensatz zu Deutschland
– die Kurve gekriegt und letztendlich in einem nervenaufreibenden Finale
gegen Frankreich gewonnen. Daraufhin stand ganz Argentinien für eine Woche Kopf.
Der folgende Dienstag wurde zum Feiertag erklärt und Millionen von Menschen
sind nach Buenos Aires gepilgert, um Messi & Co. zu feiern. Unfassbar! Und
für Argentinien in seiner desaströsen wirtschaftlichen Lage sicherlich eine verdiente
und willkommene Abwechslung.
| Das Finale dagegen schon! |
Die darauf folgenden Weihnachtstage verliefen dann ebenfalls
anders als gewöhnlich. Statt familiärer Weihnachtsbaum-Zeremonie gab es einen
Mini-Häkeltannenbaum und ein Dinner mit Freunden am Pool. Doch zumindest die
Käsefondue-Tradition haben wir am 2. Weihnachtstag aufrechterhalten. Und: auf
den hohen Bergen rundherum lag für einen Hauch von Weihnachtstimmung sogar
etwas Schnee!
| Schnee zu Weihnachten |
Anfang Januar haben wir uns dann auf den Weg nach Salta
gemacht, um unser 90-Tage Touristenvisum zu verlängern. Tja, aber wer nicht
richtig rechnen kann, hat dann eben leider Pech gehabt. Unsere Anfangseuphorie
über die kurze Wartezeit wurde nämlich abrupt gestoppt durch die Tatsache, dass
wir genau einen Tag zu spät gekommen waren. Unser ursprüngliches Visum war
bereits abgelaufen und somit auch nicht mehr verlängerbar. Unsere restlichen
Tage bis zu unserem Brasilien-Trip Anfang März würden wir jetzt als illegale
Einwanderer verbringen und vor unserer Ausreise eine (sehr moderate) Strafe
zahlen müssen.
| 1 Liter Bier im Plastikbecher |
Leider sind dann auch noch ein paar wirklich schlimme Dinge
passiert. Einem unserer guten Freunde ging es schon ein paar Tage nicht
besonders gut, da er mit einem üblen Hautausschlag - vermutlich bakterieller Natur - zu kämpfen hatte. Nachdem wir ihn schon ein paar Tage nicht gesehen hatten und
Stefans 7. Sinn ihm sagte, dass da etwas nicht stimmen kann, hat er sich
schließlich auf den Weg gemacht, um nach ihm zu sehen. Leider lag er zu dem
Zeitpunkt schon seit mehr als 24 Stunden bewusstlos in seinem Haus: Diagnose Schlaganfall!
Er hat es überlebt, aber leider mit sehr schweren körperlichen Einschränkungen.
Nur wenige Tage später ist dann eine Bekannte beim Enduro
fahren in den Bergen tödlich verunglückt. Sie wurde erst am nächsten Morgen 700
m von ihrem Motorrad entfernt gefunden!
Nach diesen schrecklichen Ereignissen bin ich jetzt
eigentlich ganz froh, mal ein wenig Abstand zu Cafayate zu bekommen.
| Straßenblockade mit brennenden Autoreifen |
Letzte Woche haben wir also unsere Koffer gepackt und uns auf den
Weg nach Cachi gemacht. Nachdem wir erstmal vor der qualmenden Straßenblockade protestierender
Arbeiter ausharren mussten, ging es dann über unbefestigte Straßen 3 Stunden
lang durch eine gigantische Berglandschaft mit Blick auf den 6380 m hohen und
schneebedeckten Nevado de Cachi. Ich bin mir sicher, wäre diese Landschaft in
den USA könnte man sich vor lauter Touristen nicht retten – doch wir waren dort
komplett allein unterwegs!
| Fahrt in die Wolken |
Die zweite Etappe am nächsten Morgen führt dann von Cachi
nach Salta. Wir haben diese Tour 2006 schon einmal gemacht – allerdings unter
komplett anderen Bedingungen. Von der gigantischen Aussicht vom 3457 m hohen
Gipfel bekommen wir dieses Mal nämlich absolut gar nichts zu sehen. Wir kämpfen
uns über eine Stunde lang durch die Wolken mit einer Sichtweite von maximal 2 m.
Eine interessante Erfahrung, aber auf Dauer super anstrengend in den
Serpentinen überhaupt auf der Fahrbahn zu bleiben.
| Gipfel ohne Ausblick |
In Salta wartet dann eine weitere Herausforderung auf uns.
Vor unserer Ausreise nach Brasilien benötigen wir ein neues Visum und müssen
unsere Strafe bezahlen. Von einem Freund wissen wir bereits, dass er es nicht
an einem Tag geschafft hat. Denn die Immigration schließt bereits um 12.30
wieder und da man zuvor zur Zahlung quer durch die Stadt zur chronisch überlasteten Bank muss, kann das
schon mal knapp werden. In seinem Fall hat er wegen des folgenden langen
Wochenendes 4,5 Stunden bei der Banco National warten müssen L!
| Gut, wenn man 4x4 hat |
Doch wir haben offenbar unseren Glückstag! In unter 2,5
Stunden haben wir Immigration- und Bezahlvorgang erledigt und können den Rest
des Tages entspannt dem Shopping, Autowaschen und Entspannen widmen.
Am Donnerstagabend geht schließlich unser Flug nach Sao
Paulo, wo Laila bereits am Morgen angekommen ist. Nach 5 Monaten gibt es nun
endlich eine Familienzusammenführung J
und wir freuen uns riesig darauf.
Nachdem wir uns in Argentinien mittlerweile einigermaßen verständigen können, erfolgt in Brasilien allerdings der große Rückschlag. Wenigstens in unserem als international deklarierten Airporthotel hätte ich ja noch erwartet mich mit Englisch oder wenigstens Spanisch verständigen zu können. Aber weit gefehlt. Stefan und ich schauen uns ratlos an als wir nach unserer ‚Umai‘ gefragt werden… Nach längerem Rätselraten stellt sich heraus, dass damit unsere Emailadresse gemeint ist. Mmhh, meines Wissens nach heißt das selbst in Portugiesisch Email…
| Wiedervereint :-) |
Da es mittlerweile ein Uhr nachts ist, verschieben wir unser Treffen mit Laila auf den nächsten Morgen beim Frühstück und treten dann gemeinsam die Weiterreise nach Curitiba an. Doch der Wettergott scheint es dort nicht besonders gut mit uns zu meinen. Denn kaum haben wir in unserem Hotel eingecheckt, beginnt es wie aus Eimern zu regnen. Da ist der beste Zufluchtsort doch die wenige Meter entfernte Shoppingmall, in der wir uns für einige Stunden austoben können.
| Museum Oscar Niemeyer |
Unglaublich begeistert sind wir vom Museum Oscar Niemeyer. Schon von außen ist das außergewöhnliche Design des Gebäudes faszinierend, aber auch die ausgestellte Kunst ist besonders und insbesondere die modernen Objekte begeistern sogar mich Kunstbanausen.
| Kunstobjekt im 'Auge' |
Beim anschließenden Bummel durch die Altstadt bleiben wir bei einem Capoeira-Wettbewerb hängen. Auch wenn das sicherlich noch nicht die oberste Liga ist, ist es unfassbar mit welcher Körperbeherrschung und Gelenkigkeit die Männer, Frauen und Kinder sich bewegen.
| Capoeira |
Auch faszinierend ist, wie voll die Bars an diesem Sonntagnachmittag sind. Und überall spielt Livemusik. Dabei wirkt es teilweise wie ein spontanes Treffen von Freunden zum Musizieren – allerdings mit erfreulich gut hörbarem Ergebnis.
Am Montagmorgen kehren wir dann Curitiba den Rücken und
nehmen einen FLIXBUS!!! nach Florianopolis. Dabei haben wir tatsächlich ein
wenig Glück, denn auf Grund der starken Regenfälle der vergangenen Nacht ist
die Strecke durch die Berge morgens gesperrt und wird erst ganz kurz vorher
wieder geöffnet. Dafür dauert die Fahrt allerdings nicht die geplanten 4,5
Stunden, sondern mehr als 6 Stunden – und der längste Teil schlängelt sich
dabei durch Serpentinen und Regenwald. Doch während Laila und ich uns ganz
entspannt zurücklehnen, schlafen und Musik hören, bedeutet das für Stefan eine
lange Tortur und einen harten Kampf mit seinem Mageninhalt.
| Pantano do Sul |
Doch was lange währt… Wohlbehalten erreichen wir letztendlich den Busbahnhof von Florianopolis und freuen uns nun auf ein paar entspannte Tage an Meer und Lagunen.
2 Kommentare:
😃😃😃
Schönen Urlaub! Liebe Grüße von Viola und Matthias
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