Montag, 9. März 2009

Nelson - Cable Bay und Laugenbrezel

3. - 9. März 2009

So langsam nimmt das geregelte Leben also seinen Lauf. Laila geht in die Schule, wir gehen Golfen. So hatten wir uns das zumindest vorgestellt. Da wussten wir auch noch nicht, dass vormittags busseweise neuseeländische Senioren über den Platz geschleust werden, so dass es fast unmöglich ist, eine Startzeit zu bekommen. Und sollte es dann doch mal klappen, hängt man hinter den Rollatoren und anderen Beförderungsmitteln und braucht ewig, so dass man Laila schon wieder abholen muss, bevor man das 12. Grün erreicht hat. Da müssen wir uns also noch was einfallen lassen. Zumindest Laila hat aber volles Programm. Am Mittwoch nach der Schule kommt ihre neue Freundin Sarah zu Besuch. Nachdem die beiden ihre Schuluniformen gegen Lailas beste Kleidchen (von denen sie sowieso kaum welche hat) eingetauscht haben, starten sie dann eine ausgiebige Malaktion. Die beginnt ganz harmlos mit Buntstiften und endet damit, dass alle Farbtöpfe leer sind. Die Farbe hat sich dabei leider nicht nur aufs Papier entleert, sondern auch auf Kleider, Teppich, Handtücher (beim Versuch die Spuren zu beseitigen), Arme und Beine. So habe ich dann wenigstens auch was zu tun. Vermutlich wäre Anita nicht sonderlich erbaut über die roten und grünen Farbflecken auf ihrem Teppich! Am Donnerstag ist dann Ballet. Sarah geht dahin und Lailas Wunsch war es ja schon länger, deshalb soll sie es heute erstmal ausprobieren, bevor wir sie anmelden. Natürlich hat sie auch noch kein entsprechendes Outfit, was dann auch gleich zu dem ersten Ärger führt als Sarah sich ihr Balletkleidchen wirft und Laila mit Leggins und T-Shirt vorlieb nehmen muss. Manchmal habe ich den Eindruck, es geht mehr ums Aussehen als ums Tanzen. Wie schon erwartet, gefällt es ihr, obwohl ich finde, dass sie manchmal etwas unmotiviert rumsteht, aber sie versteht natürlich auch nicht alle Anweisungen. Am Freitag regnet es dann – da hätten wir sogar mal eine Startzeit gehabt :-( - und so mache ich dann mein Vorhaben wahr und gehe Schwimmen. Ich schaffe tatsächlich die 1000 m und belohne mich dafür mit einer Portion Sushi und einem Bummel durch die Richmond Mall. Am Nachmittag erweitern wir dann unser Sortiment an deutschen Backrezepten um Laugenbrezel. Die sehen zwar noch etwas schrumpelig aus, schmecken aber zumindest nach Laugengebäck. Mit ein paar Verbesserungsmaßnahmen könnten sie noch den Franzbrötchen Konkurrenz machen. Vielleicht also doch eher Brezelkönig statt Franzbrötchen-Imperium? Am Samstagmorgen ist der Regen entgegen der Vorhersage dann vorbei und wir starten zu einem Ausflug nach Cable Bay, von wo 1876 das erste Telefonkabel Neuseeland mit dem Rest der Welt verband. Leider gibt es dort nur einen Steinstrand, der nicht gerade zum Baden einlädt, so dass wir uns dann auf den Cable Bay Wanderweg begeben, der über Schafwiesen steil nach oben führt. Laila hat sowieso schon keinen Bock und zugegebenermaßen ist das kein besonders kinderfreundlicher Weg. Wir stiefeln zwischen Schaf- und Kuhkacke rum, da die Viecher sich natürlich nicht darum scheren, ob da ein Weg ist und nach der Hälfte der Strecke lässt sich Laila auch nicht mehr mit irgendwelchen Versprechen motivieren und wir kehren um. Stefan erklimmt dann einsam und allein noch den Gipfel. Das versprochene Eis gibt es dann trotzdem auf dem Rückweg und da die Geschäfte in der City noch geöffnet sind, kaufen wir noch schnell das heiß ersehnte Balletoutfit. Am Strand von Nelson stoppen wir, denn es ist gerade Hochwasser und ein paar Wellen gibt es auch, so dass Lailas Surfboard doch noch zum Einsatz kommt. Sie ist schon ein echt cooles Surfer-Girl und einige Wellen erwischt sie richtig gut. Der Sonntag beginnt dann wieder mit Kinder-Golftraining – diesmal sogar pünktlich – und endet nach einem weiteren Strandbesuch und einer Runde Minigolf. Und dann ist das Wochenende auch schon wieder um. Laila geht in die Schule, Stefan arbeitet irgendwelchen unangenehmen Kram ab und ich mache so dies und das. Während Laila den Schwimmunterricht besucht, schwimme ich dann meine 1000 m. Anschließend müssen wir für Laila spontan einen neuen Badeanzug kaufen, denn durch Chlor und Salzwasser hat sich die ganze Gummierung des thailändischen Qualitätsmodells aufgelöst und er hängt jetzt bis in die Kniekehlen. Abends fallen die Temperaturen erstmals unter 10°C, ein kleiner Vorgeschmack auf den kommenden Herbst. Heizungstechnisch sind wir nicht gerade bestens ausgestattet; außer einer Klimaanlage (hier Heatpump genannt) im Wohnzimmer und einem Heizlüfter im Bad gibt’s nix. Und ich bin mir nicht sicher, ob man da allein mit warmen Gedanken weiterkommt ;-)

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