Donnerstag, 25. März 2010

Perth - Riesenhagel und ABBA-Debakel

20. – 26. März 2010

Heute ist der große Tag – Laila und Sara fiebern schon den ganzen Tag dem ABBA Konzert entgegen. Morgens besuchen sie noch zusammen Saras Singklasse, wo sie sich schon mit ABBA Songs einstimmen und dann bringt Sharron, Sara Mum, uns zum Open Air Kino nach Burswood, wo die Veranstaltung stattfindet. Zur Erklärung sollte ich vorher noch sagen, dass die Veranstaltung für einen guten Zweck ist, nämlich für ‚Riding for Disabled’ – eine große Organisation in Australien. In Anbetracht der Kartenpreise von 155 AUD – im Vergleich: Karten für AC/DC gab es schon ab 99 AUD – erwarten wir eine tolle und vor allem professionelle Veranstaltung. Das Kinogelände ist riesig, ausgelegt für ca. 1500 Besucher, und was soll ich sagen: gefüllt mit vielleicht 80 Personen. Von den 80 sind die eine Hälfte Ordner und die andere Hälfte Disabled. Wir vermuten, dass wir die einzigen voll zahlenden Gäste sind. Aufgrund der geringen Besucherzahl wurde dann auch das Rahmenprogramm für die Kinder gekürzt und es blieb lediglich das Facepainting übrig. Die mickrige Bühne steht in der prallen Sonne – ohne Überdachung und die Anlage klingt wie eine Heim-Karaoke-Anlage. In Spitzenzeiten halten sich 10 Leute vor der Bühne auf – die Stimmung siedet also quasi. Erwähnenswert ist noch das VIP Zelt, wo man sich vermutlich von unserem Eintrittsgeld mit Weintrauben und Käsehäppchen verköstigt. Die ganze Veranstaltung endet dann auch noch eine Stunde früher als geplant – vermutlich reichte das Geld nicht länger für die Gage der osteuropäisch wirkenden Pseudo-Schweden. Positiv zu vermerken ist, dass die Kinder sich von Kopf bis Fuß haben anmalen lassen und somit die Kinderanimation bestmöglich ausgenutzt haben und wir einen Gutschein für 18-Loch Golf in Burswood gewonnen haben. Nichtsdestotrotz hat das Ganze einen bitteren Nachgeschmack, wir fühlen uns übers Ohr gehauen und sind nicht bereit das so hinzunehmen. Gemeinsam mit Sharron setzen wir am Montag eine Email auf und fordern RDA auf, uns das Geld zurückzuerstatten, da wir uns ansonsten ans ‚Ministry for Unfair Trade’ (ja, das gibt es wirklich!) wenden werden. Es dauert keine 3 Stunden bis wir die Antwort bekommen und unser Geld zurück. Das heißt im Nachhinein haben wir sogar ein Plus von 35 AUD erzielt, wenn man den Golf-Gutschein mitrechnet.

Nach diesem Debakel haben Stefan und ich für abends noch Karten für das Western Australian Symphony Orchstra – welch ein Kontrastprogramm zu ABBA ;-) – Laila übernachtet bei Aidan. Obwohl wir ja beide nicht gerade die großen Musikexperten sind gefällt es uns sehr gut, aber wir sind an diesem Tag auch nicht mehr besonders anspruchsvoll. Da wir ja nun schon mal Ausgang haben, wollen wir danach noch gerne irgendwo einen Caipi trinken gehen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Alle Kneipen und Bars sind überfüllt mit lärmenden Jugendlichen. Schließlich finden wir eine etwas ruhigere Bar, die ein Sofa direkt am Gehsteig stehen hat. Dort machen wir es uns gemütlich, schlürfen unsere Caipis und beobachten das Schaulaufen der Miniröcke, die scharenweise an uns vorbei ziehen. Am Sonntag sammeln wir Laila wieder ein und statten den neu aufgestellten Dinosauriern im Kingspark einen Besuch ab.

Während die letzten Wochen ja eher gemächlich verliefen, scheint diese Woche offenbar einiges bereit zu halten. Am Montag nach der Schule ist Lailas Freundin Freya zu Besuch. Bereits gegen 15.30 Uhr verdunkelt sich langsam der Himmel. Ich gehe mit den Mädels noch schnell an den Pool, denn in der Ferne fängt es schon an zu blitzen und zu donnern. Als das Unwetter langsam näher rückt, treten wir den Rückzug in Richtung Appartement an und kaum haben wir die zwei Stockwerke erklommen, bricht draußen die Hölle los. Ich bin mir sicher, dass ich so ein Unwetter noch nie erlebt habe. Golfballgroße Hagelkörner prasseln vom Himmel und es stürmt was das Zeug hält. Nach einer halben Stunde Pause bricht dann die zweite Unwetterwelle los. Diesmal ohne Hagel, dafür mit umso mehr Regen. Unser Pool wird mit Schlamm und Laub überschwemmt, unser Treppenaufgang steht bis zur zweiten Stufe unter Wasser, gegenüber im Park ist ein Baum vom Blitz getroffen worden und trotzdem sind wir dabei wohl noch ganz gut weggekommen. Bestimmt jedes zweite Auto ist von den Hagelkörnern zerbeult worden und riesige Schlamm- und Wassermassen haben Wohnungen, Geschäfte, Tiefgaragen und die darin stehenden Autos geflutet – die haben aber zumindest keine Hagelschäden ;-). Laut Aussage der Medien war das das schlimmste Unwetter seit 16 Jahren. Die Aufräumarbeiten, um Schlamm und Unrat von den Strassen zu beseitigen und die Tiefgaragen zu entleeren, dauern noch immer an. Unseren Pool werden wir wohl vor unserem Urlaub nicht mehr benutzen können und ob wir danach wieder hier einziehen, steht noch nicht fest. Eine Woche bleibt uns hier jetzt noch, bevor wir wieder unseren Bus einpacken und für drei Wochen auf Tour in Richtung Süden bzw. Südwesten gehen, um auch noch den Rest von Western Australia kennenzulernen.

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