Mittwoch, 11. August 2021

Burgen und Kathedralen

Nun sind wir also tatsächlich unterwegs!

Bouillon
Ich kann allerdings nicht behaupten, dass unsere Abreise reibungslos verlaufen wäre. Nachdem wir mit geschlagenen fünf Stunden Verspätung endlich losgefahren sind, hat der Check auf der Waage nicht das erhoffte, sondern 170 kg Übergewicht ergeben. Spätestens wenn Laila in Marseille mit ihrem Rucksack zusteigt, müssen wir Ballast abwerfen – was auch immer das sein soll. 

Auf Grund der späten Abreise entfällt dann auch die geplante Übernachtung in Aachen im Camper und wir landen stattdessen bei meinen Eltern im Gästebett, da es für eine Weiterfahrt schon zu spät wäre. Ich habe meine Eltern Corona bedingt seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen und möchte nicht nach einer Tasse Kaffee gleich weiterfahren müssen. Die erste Lektion haben wir also an Tag 1 schon gelernt: Planungen sind überbewertet, es kommt ja sowieso meistens ganz anders.

Wanderung an der Semois

Donnerstagmorgen erreichen wir zum Frühstück schließlich Aachen, unternehmen eine kurze Sightseeingtour, müssen feststellen, dass das Gebäude, das wir während unseres Frühstücks freudig für den Dom gehalten haben, nur das historische Rathaus ist J, besichtigen den echten Dom und machen uns auf den Weg nach Belgien. Wir finden einen hübschen Campingplatz an einem Fluss, trinken ein belgisches Bier (8,5 VOL%!!!), werden dann aber leider in unserer bierseligen Stimmung übel von sintflutartigem Regen überrascht.

Wir brechen morgens sehr früh auf, denn wir sind zum Frühstück mit meinen Bruder und seiner Familie in Bouillon (hat nichts mit der bekannten Brühe zu tun) in den Ardennen verabredet. Ein hübscher Ort an der Semois mit Burg und historischen Häusern. Offenbar ein beliebtes Ferienziel der Belgier. Hier kommen nun erstmalig unsere neuen Wanderschuhe zum Einsatz. Entlang der Semois wandern wir ein paar Stunden zu einem Kloster, über eine Hängebrücke und auf der anderen Uferseite zurück. Das Wetter ist mäßig, es regnet immer wieder, aber die Füße bleiben trocken und blasenfrei. Schuhtest schon mal bestanden!

Unser Campingplatz für die nächsten 3 Nächte liegt auf einer kleinen Insel in der Semois. Sehr idyllisch, leider auf Grund des ständigen Regens aber auch sehr schlammig. Wir sind froh, dass wir nicht wie 90% der Belgier hier, in einem nassen Zelt übernachten müssen, sondern gechillt in unserem trockenen Campervan Zuflucht suchen und die 4. Staffel ‚Lost‘ schauen können. 

Blick aus dem Camper

Damit wir wenigstens ein paar touristische Highlights von Bouillon abhaken können, nehmen wir uns am Sonntag die Burg und eine Art Museum vor. Die Burg ist durchaus sehenswert, das Museum und die in die Jahre gekommenen Animationen etwas eher weniger.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf nach Frankreich. Erster Stopp ist eine Tankstelle, denn eine Warnleuchte teilt uns mit, dass unser Dieselmotor dringend Adblue benötigt, einen Zusatzstoff zur Verbesserung der Abgaswerte – eine neue Erfahrung für Neu-Diesel Besitzer. Der zweite Stopp ist Chalons-en Champagne. Ich habe irgendwo gelesen, dass das inmitten von Weinbergen liegt und die Hauptstadt der Champagne sein soll. Wir sehen keine einzige Weinrebe weit und breit und auch der Ort ist nicht besonders spektakulär. Vielleicht habe ich da irgendwas verwechselt. Wir suchen uns ein neues Ziel am Lac d' Orient, einem großen See in einem Naturschutzgebiet. Dort gibt es einen Golfplatz und einen ruhigen, kleinen Campingplatz für die Nacht.

Fachwerkhäuser in Troyes
Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Ich spiele das erste Mal seit 3 Jahren wieder Golf und bin überrascht, wie gut das klappt. Am Nachmittag besichtigen wir Troyes. Ein wirklich hübscher Ort mit einer riesigen Kathedrale, unzähligen weiteren Kirchen und mit vielen, vielen hübschen Fachwerkhäusern, die teilweise beachtlich schief stehen. Hier hätte man durchaus noch ein bisschen mehr Zeit verbringen können, aber wir brauchen noch einen Schlafplatz für die Nacht und müssen leider weiterziehen. Wir landen auf einem Campingplatz mit 70er Jahre Charme, mit uraltem Minigolfbahnen und Duschbaracken, aber für uns der Startpunkt in die echte Champagne. 

Nach der Schlammschlacht in Belgien hat sich das Wetter im übrigen extrem gebessert und die Temperaturen nähern sich bereits der 30°C Marke. Ich befürchte, uns stehen in der nächsten Zeit heiße Nächte in unserem Camper bevor.

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