Bevor wir losgefahren sind, war ich mir noch gar nicht sicher, ob es dieses Mal sinnvoll ist, den Blog fortzusetzen. Schließlich reisen wir ja nicht an unterschiedliche Orte. Da es aber für uns selber eine schöne Erinnerung ist, die ich auch noch mal lesen kann, wenn ich alt und grau in meinem Schaukelstuhl sitze, habe ich mich entschieden es doch zu tun. Und mittlerweile habe ich festgestellt, dass es hier doch so viele kleine, größere und lustige Ereignisse gibt, dass es einfach auch Spaß macht sie aufzuschreiben.
| Ausblick von Loch 1 |
Los ging es gleich am Sonntagabend. Für ein heimisches Sonntagabend-Feeling hatten wir es uns gerade vor dem Fernseher gemütlich gemacht, um um Punkt 20.15 Uhr (argentinischer Zeit) den Tatort zu streamen als hier die Hölle losbricht. Es donnert und blitzt rund um uns, was insbesondere über den Bergen ein besonderes Schauspiel ist. Dann fängt es an zu regnen. Kein Regen, wie wir ihn normalerweise in Hamburg kennen, sondern gigantische Wassermassen, die sich in riesigen Tropfen über uns ergießen. Es prasselt so laut, dass wir kaum noch den Ton hören können. Dann beginnt die Lampe zu flackern und wenig später versinkt ganz Cafayate in Dunkelheit. Der Strom ist ausgefallen! Zum Glück gibt es Handytaschenlampen, denn es gibt keine einzige funktionierende Lichtquelle mehr, die die Dunkelheit erhellen würde. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes schwarz wie die Nacht. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei, der Strom ist wieder da. Ich setze als erstes Kerzen auf die Einkaufsliste. So wie ich das Stromnetz hier einschätze, war das nämlich bestimmt nicht das letzte Mal.
| Kakteenblüte |
Montagabend folgt Teil 2 in unserer Unwetter-Sammlung. Im
strömenden Regen retten wir uns in das erstbeste Restaurant am Plaza in Cafayate
bevor erneut die Sintflut einsetzt. Zwar hält diesmal zumindest das Stromnetz
stand, dafür verwandelt sich aber der gesamte Gehweg in einen reißenden Bach.
Wir können es gar nicht fassen, welche Wassermassen sich in kürzester Zeit
durch die Straßen ergießen. Das nennt man wohl Regenzeit J
Das schöne ist, dass Gewitter und Sintfluten sich meistens abends ereignen und am Morgen die gute alte Sonne wieder strahlt. So können wir entspannt die ein oder andere Golfrunde spielen und das meist mit einer tollen Kulisse über den umliegenden Bergen. Jeden Tag bietet sich ein anderer Anblick mit tollen Farben und den unterschiedlichsten Wolkenformationen. Ich bin mittlerweile ein echter Fan dieses Naturschauspiels hier geworden.
Allerdings kann die Natur ruhig draußen vor der Tür bleiben! In Form
eines Skorpions in unserem Badezimmer – zum Glück frisch verstorben – ist mir
das dann doch ein bisschen zu viel der Natur.
| Unser Mitbewohner |
Ein weiterer Punkt, den man von der Agenda streichen kann –
zumindest in Cafayate – ist das Eis essen. Wie so vieles hier, ist es dermaßen
überzuckert, dass wir nach der Hälfte kurz vorm Zuckerschock aufgeben. Zucker
ist hier wirklich allgegenwärtig, Joghurt, Quark und selbst gemahlener
Kaffee werden hier mit Zucker versetzt. Insgesamt gibt es kaum gesunde Produkte
im Supermarkt - die Cola gibt es in 3 Liter Flaschen, Chips, Ketchup und anderen
Kram in gigantischen Einheiten. Und auch, wenn man das heute ja nicht mehr
sagen darf: den meisten Argentiniern und leider auch vielen Kindern sieht man
die Form der Ernährung auch an.
| Bunt und viel zu süß... |
Insgesamt ist das Thema Einkaufen hier in Cafayate so ein Ding. In Deutschland geht man zu Edeka, Rewe und Co. und sammelt alles ein, was man benötigt. Hier hingegen gibt es für alles einzelne kleine Läden. Für Obst, für Gemüse, für Fleisch, für Plastikschüsseln und –behälter, um nur einige Beispiele zu nennen. Wir haben 3 Anläufe gebraucht, nur um irgendwo eine Schere aufzutreiben. Die erste Aufgabe ist es, den Laden überhaupt ausfindig zu machen und dann muss man natürlich noch das Glück haben, dass das was man sucht auch gerade erhältlich ist. Ein bisschen erinnert das an die alten DDR Zeiten.
| Kleine Eulen auf dem Fairway |
Das Highlight der Woche findet am Samstagabend statt. Wir sind zu einem Asado eingeladen. Das ist hier in Argentinien eine große Sache und wird regelrecht zelebriert. Auf einem riesigen Kamingrill werden Unmengen von Fleisch, Würsten und Gemüse gegrillt. Das Ganze zieht sich über Stunden hin und wird von etlichen Flaschen Wein begleitet. Ein toller, lustiger Abend mit unglaublich leckerem Fleisch.
Leider endet dieser nette Abend etwas unschön als wir gegen
Mitternacht nach Hause kommen. Im Nachbarhaus hat sich eine sehr feierfreudige
Gruppe von Argentinier eingemietet, die uns schon die vorangegangene Nacht verdorben
haben mit lautstarkem Karaokegesang und Geschrei bis morgens um vier. Trotz
angeblicher Abmahnung dieser Truppe spielt sich nun exakt dasselbe Szenario wieder
ab. Die Musik und das Geschrei sind so ohrenbetäubend, dass wir kein Auge zu
machen bis sich die Runde endlich gegen Morgen ins Innere des Hauses verlagert.
Jetzt liege ich also wie schon letzten Sonntag leicht
gerädert auf dem Sofa, schreibe noch schnell den Blog fertig und hoffe auf eine
ruhige kommende Nacht. Denn wenn ich es richtig gesehen habe, sind die SUVs der
Partytruppe vor dem Haus nicht mehr da und damit der Frieden auf der Estancia hoffentlich wieder hergestellt.
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