Lange Zeit habe ich geglaubt, dass ich ein Großstadtmensch
bin. Ich bin von Berlin nach Shanghai und schließlich nach Hamburg und Perth gezogen.
Immer Millionenstädte, wobei Shanghai selbst mir zu groß war. Ich weiß nicht,
ob es vielleicht am Alter liegt, aber in der letzten Zeit hat sich dieses
Gefühl komplett umgekehrt. Schon in Italien haben wir einen großen Bogen um die
großen Metropolen gemacht oder uns dort nur kurz aufgehalten.
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| Interessante Wanddeko ;-) |
Und jetzt bin ich
in Cafayate. Einem Ort mitten in den Anden mit knapp 11.000 Einwohner kleiner
als Rellingen und 3 Stunden entfernt von der nächstgrößeren Stadt. Niemals hätte
ich gedacht, dass ich es hier länger aushalten würde. Ohne Shoppingmalls, Kinos
und Schanzenviertel. Im Gegenteil: ich habe Stefan für leicht durchgeknallt
gehalten als er hier vor 11 Jahren ein Grundstück gekauft hat.
Aber irgendwas
hat sich wohl verändert. Ich wache hier jeden Morgen auf und freue mich, dass
die Sonne scheint, bin jeden Tag auf Neue fasziniert von der Bergkulisse
rundherum, die sich jeden Tag anders präsentiert und habe noch nicht eine
Sekunde irgendwas Materielles vermisst.
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| Schlechtes Wetter! |
Nach meiner kurzen, aber eher trostlosen Herbst- und Winterzeit in
Rellingen, in der ich mich – außer zum Tennis - kaum aufraffen konnte mich vom
Sofa zu erheben, ist hier jetzt das komplette Gegenteil der Fall. Wir spielen
Golf und Squash, gehen ins Fitnesscenter und Schwimmen. Lediglich das Tennisspielen fehlt mir sehr. Ich habe ein paar
Sachen für Mount Natural geschrieben und das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich
bin gespannt, ob diese Energie und Stimmung anhält oder ob irgendwann doch
noch die große Depression über mich hereinbricht. Denn Freunde und Familie fehlen mir natürlich schon.
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| Another beautiful day... |
Die Natur beeinflusst in der Tat auch unser tägliches Leben
hier. Der Januar ist der Monat mit den meisten Regenfällen und wenn es hier
regnet, dann richtig. Ausflüge in die umliegenden Berge sind zur Zeit nicht
empfehlenswert, weil die Straßen in Rekordzeit überschwemmt werden. Beim
Ausflug in einen benachbarten Ort mussten wir drei ‚Flüsse‘ durchqueren und ich
war froh, dass wir im 4WD von Freunden und nicht in unserem Mietwagen saßen. Am
Montag waren die Regenfälle so stark, dass sich der Fluss entlang der Estancia
in ein reißendes Gewässer verwandelt hat.
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| Gottesanbeterin auf unserem Auto |
Aber auch die Tierwelt ist hier in den unterschiedlichsten
Formen allgegenwärtig. Leider hat das nicht immer nur gute Seiten. Durch den
vielen Regen haben sich die Mücken explosionsartig vermehrt. Insbesondere auf
dem Golfplatz waren wir von hunderten Mücken gleichzeitig umzingelt. Das hat
mich trotz meiner Cafayate-Tiefenentspannung leicht bis mittelmäßig hysterisch
werden lassen. Jetzt sind sie weg. Und auch wenn man über die Verwendung von
Pestiziden streiten kann, bin ich in diesem Fall froh drüber, dass die
Greenkeeper da die chemische Keule rausgeholt haben.
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| Gürteltier... |
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| Frösche auf Wanderung... |
Allerdings habe ich mich in dem Zusammenhang gefragt, ob das
wohl auch den Fröschen geschadet hat, die zu Tausenden über den Golfplatz
gewandert sind und auf den Grüns und selbst im Loch gesessen haben, so dass man
nach dem Putten kaum die Fahne wieder reinstecken konnte. Leider sind auch
einige der kleinen Freunde unserem Auto zum Opfer gefallen. Es war aufgrund der
Massen schier unmöglich ihnen auszuweichen.
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| Taube nach Fluchtversuch... |
Ein weiterer trauriger Todesfall hat sich an unserem
Schlafzimmerfenster ereignet. Eine von einem Greifvogel gejagt Taube ist mit
voller Geschwindigkeit gegen die Scheibe geprallt und tot zur Seite
geschleudert worden. Der gesamte Vogel inklusive Flügeln hat dort einen Abdruck
hinterlassen. Die Leiche wurde dann zum Glück von besagtem Raubvogel
abtransportiert und uns damit die Entsorgung erspart.
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| Heimat in der Literflasche... |
Ein weiteres Highlight dieser Woche war der Beginn unseres
Spanischunterrichts. Jeden zweiten Tag lernen wir jetzt mit einer Lehrerin Spanisch.
Dazwischen gibt es noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen. Ich bin gespannt,
wie weit wir in der Zeit hier kommen. Aber ich habe selbst nach der einen Woche
das Gefühl schon richtig was gelernt zu haben. Mal schauen, wie es weitergeht...
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