Sonntag, 26. Juli 2009

Nitmiluk und Kakadu Nationalpark

21. Juli 2009

Das Bier scheint keinen größeren Schaden angerichtet zu haben und so kommen wir früh – mittlerweile stehen wir immer freiwillig um 7.00 Uhr auf – aus dem Bett, um dann schließlich doch wieder fast die letzten zu sein, die vom Hof fahren. Keine Ahnung, wie die anderen das immer hinkriegen ihren ganzen Hausstand in Rekordzeit zu verstauen. Wahrscheinlich 60 Jahre Übung :-). Wir stoppen noch kurz an einem alten Airfield, wo es aber außer einem zerfallenen Hangar nicht viel zu sehen gibt und nehmen dann Kurs auf Mataranka. Dort gibt es einen Thermalpool unter schattenspendendem Regenwald. Eine willkommene Abwechslung auf der ansonsten eher eintönigen Fahrt. Immerhin haben wir aber jetzt die Grenze von der trockenen Mitte zum feuchteren Norden überschritten. Die Bäume werden wieder größer und grüner – allerdings nimmt auch die Hitze mit jedem Kilometer Richtung Norden zu – wenn das der Winter ist, möchte ich hier lieber keinen Sommer erleben! Schließlich erreichen wir Katherine – immerhin die drittgrößte Stadt im Northern Territory. Wir steuern kurz den Woolworths Supermarkt an, wo uns gleich die ersten rumgrölenden Aboriginies begegnen und sehen zu, dass wir weiterkommen. Ziel ist der Nitmiluk National Park – ein paar Kilometer weiter östlich. Leider gibt es für die erste Nacht keinen Strom mehr, dafür lernen wir aber eine nette Truppe australischer Familien kennen, die uns mit ihren 8 Luxus-Wohnmobilen quasi umzingelt haben und uns gleich zu einer Geburtstags- party einladen. Laila hat im Pool auch gleich wieder Anschluss gefunden – diesmal sogar mal aus Deutschland. Die 3 Kids streunen die halbe Nacht über den Campingplatz, um Wallabies zu suchen und zu fotografieren und das mit Erfolg Es geling ihnen sogar ein kleines Joey im Beutel zu fotografieren.


22. Juli 2009

Nicht so glücklich über die Wallabies ist die 20-jährige Alice aus Drääsden, die in ihrem Schlafsack 10 m neben unserem Bus im Freien campiert und immer wieder von den neugierigen Wallabies belästigt wird. Andererseits kann sie ja froh sein, dass es nur Wallabies sind, denn es gibt hier ja auch genug weniger freundliche Tierchen. Darüber scheint sie sich aber weiter keine Sorgen zu machen. Heute ist aber zumindest ihr Glückstag, denn die netten Australier nehmen sie bis Darwin mit – für ein paar Tage mal kein Trampen und vermutlich kriegt sie sogar noch ein Bett im Wohnmobil – in sicherer Entfernung von Wallabies, Schlangen, Spinnen... Ich hoffe nur, ihre armen Eltern im fernen Sachsen wissen nicht so genau, was sie da treibt. Die würden sich sonst glatt die Mauer zurückwünschen ;-)

Für mittags haben wir Kanus reserviert und wollen durch die erste von 3 Schluchten paddeln. Stefan und Laila haben ein Zweier-Kanu, ich paddele alleine. Nach 10 Minuten schmerzen mir dermaßen die Arme und Schultern, dass ich am liebsten wieder umdrehen würde. Aber nach ein paar Verbesserungen an meiner nicht ganz ausgereiften Technik, geht es besser und nach einer Stunde erreichen wir das Ende der Schlucht. Dort gibt es ein paar Aboriginie-Malereien und ein sehr erfrischendes Bad im Fluss. Auf dem Rückweg kommen dann auch endlich die angekündigten Krokodile ins Spiel. Am Ufer entdecken wir ein 2,5 m langes Exemplar – aber soweit wir das erkennen können nur ein harmloses Freshie. Die weniger freundlichen Salties werden mit Hilfe von 700 g Steaks in Fallen aus dem Verkehr gezogen – hoffentlich erfolgreich ;-) Auf jeden Fall weiß ich jetzt aber, dass Kanufahren mit oder ohne Krokodile nie meine große Leidenschaft werden wird – der Deutschland-Achter muss wohl auch weiterhin auf meine Unterstützung verzichten. Dank der jetzt wieder vorherrschenden Hitze am Abend, ist an frühes Schlafen nicht mehr zu denken und so verbringen wir einen sehr netten Abend mit der Berliner Familie bei diversen Flaschen Wein. Es kommen glatt noch ein paar sentimentale Erinnerungen an meine Studie-Zeiten in Kreuzberg hoch. Ein weiterer, allerdings ungeladener Gast, ist ein hungriges Wallabie, das genüsslich unsere Gemüseabfälle verspeist.


23. Juli 2009

Heute heißt es für Laila mal wieder Abschied nehmen von ihren neugewonnenen Berliner Freunden. Allerdings gibt es noch einen kurzen Aufschub, denn wir besuchen noch alle zusammen die ‚Katherine School of the Air’. Von dort – mit über 1.000.000 qkm dem größten Klassenraum der Welt - werden per Radio und Web Kinder im ganzen Northern Territory unterrichtet, die auf einsamen Farmen oder in abgelegenen Aboriginie-Kommunen leben. Leider sind gerade Ferien, so dass man nicht live den Unterricht verfolgen kann – aber trotzdem sehr interesaant! Dann tun wir uns noch ein zweites Mal den Supermarkt in Katherine an – aus dem benachbarten Pub dröhnt mittags um 12.00 Uhr schon laute Musik und die ersten Volltrunkenen stolpern bereits durch die Tür – dann geht’s weiter nach Edith Falls. Dort gibt es einen Wasserfall, der in einem großen Pool mündet. Bei der Hitze ist ein Bad eine willkommene Abwechslung, sonst gibt es dort allerdings nicht allzu viel – nicht mal einen vernünftigen Kaffee! Aber wir haben den Campingplatz schon bezahlt und so bleiben wir dann halt die Nacht dort.


24. Juli 2009

Heute kommen wir mal richtig zeitig los. Wir sparen allerdings auch die Zeit fürs Duschen, da die Waschräume nicht wirklich einladend sind. In Pine Creek machen wir einen kurzen Tankstopp und setzen fröhlich die Fahrt fort. Bis Stefan mich dann irgendwann fragt, wann denn eigentlich der Abzweig zum Kakadu Nationalpark kommen soll. Ich habe gar nicht weiter aufgepasst und bin davon ausgegangen, dass wir in Pine Creek quasi schon abgezweigt sind. Das war aber wohl ein Irrtum und so sind wir schön 50 km in die falsche Richtung gefahren. Na super, gut dass wir es noch vor Darwin bemerkt haben! Wenige Kilometer später stellt sich das dann aber sogar noch als Glücksfall raus, als nämlich plötzlich und dauerhaft die Ölwarnlampe angeht In Pine Creek gibt es – wie wir ja bereits wissen – wenigstens eine Tankstelle. Der Ölstand ist tatsächlich beim Minimum, aber Voraussetzung fürs Nachfüllen ist natürlich, dass man den Deckel aufkriegt. Und mit Deckeln stehen wir ja bekanntlich auf Kriegsfuss. So stehen wir also in der sengenden Hitze, warten, dass der Motor sich abkühlt…in der sengenden Hitze…netter Versuch… und schließlich fahren wir zur immerhin vorhandenen Werkstatt um die Ecke, um uns eine Rohrzange zu leihen. Danach ist alles ganz einfach: Deckel auf, Öl rein, Abzweig nach Kakadu und keine 2 Stunden später sind wir in Cooinda. Der Campingplatz entschädigt für den vorangegangenen und wir sind immerhin noch so früh dran, dass wir noch Zeit haben für eine Maschine Buntes, ein Bad im Pool, eine Dusche… bevor dann bei Anbruch der Dämmerung die Moskitos über uns herfallen und ein gemütliches Sternegucken nur unter Einsatz chemischer Waffen in Form von Räucherspiralen, Insect Repellent und Insektenspray möglich ist.


25. Juli 2009

Um 5.30 Uhr schellt der Wecker – das ist selbst für uns Neu-Frühaufsteher zu früh. Wir haben die erste Bootstour auf dem South Alligator River gebucht, denn im Morgengrauen bekommt man die meisten Tiere - insbesondere auch noch die nachtaktiven – zu sehen. Jake, unser Ranger ist Busfahrer, Bootsführer und Touriguide in einem und erspäht mit unglaublicher Sicherheit kaum sichtbare Krokodile und unzählige Vogelarten, deren Namen ich mir beim besten Willen nicht merken kann. In Anbetracht der Anzahl an Krokodilen, die wir im Laufe der Fahrt zu sehen kriegen – das dienstälteste Krokodil hier, heißt übrigens Wallace und sieht besonders grimmig aus -, braucht man sich über den Gebrauch der an Bord befindlich Schwimmwesten eigentlich auch keine Gedanken zu machen. Vielleicht können die Krokodile können einen damit ein bischen schlechter schlucken oder man kann möglicherweise auch mit einem Bein noch weiterschwimmen – mehr Vorteile kann ich daran nicht entdecken und auf den gebrauch wird auch nicht weiter eingegangen :-) Naja, wir kommen jedenfalls sicher wieder an Land, legen uns ein ordentliches Frühstück vom Buffet auf den Zahn und verbringen den Rest des Tages schlapp von Hitze und Schlafmangel am bzw. im Pool.


26. Juli 2009

Heute bewegen wir uns mal wieder ein paar Kilometer weiter. Nach einem Besuch im Warradjan Aboriginal Culture Center, fahren wir nach Nourlangie, wo man sich bis zu 20 000 Jahre alte Wandmalereien der Aboriginies ansehen kann. In weiser Voraussicht haben wir heute unsere sonst üblichen Kletter-Flipflops mal gegen Sandalen getauscht und schleppen uns in sengender Mittagshitze über Stock und Stein den Rundweg entlang. Man muss Unmengen von Wasser in sich reinschütten, um nicht zu kollabieren. Ich sage nur: WINTER! Wir verwerfen die Idee, den Zeichnungen noch eine Voss- Strich- männchen- Familie hinzuzufügen und setzen die Fahrt nach Jabiru – benannt einer hier ansässigen Vogelart – fort. Dort soll es sogar einen Supermarkt, ein Cafe und einen Bäcker geben. Gibt es auch, aber auch im Kakadu-Nationalpark ist Sonntag und somit mehr als tote Hose im großangekündigten Towncenter. Richtig was los ist dagegen im Jabiru Golf Club. Dort ist nach dem Sonntagsturnier nämlich gerade ein Heavy Metal Session im Gange. Es ist wohl auch der einzige Golfclub, der von November bis März mit ganzen 3 Löchern aufwarten kann – der Rest steht unter Wasser :-). Unser Campingplatz ist eine positive Überraschung – alle Stellplätze haben Strom und sind kreisförmig um Pool und Bar angeordnet. Da sind die Wege kurz, der Pool erfrischend und das Bier auch – es gibt Live Musik und ein Barbecue. Lailas auserwählter Spielkamerad kommt diesmal aus Perth, was uns gleich den ersten Kontakt in unserer vorübergehenden Wahlheimat beschert. Das hat ja schon mal gut geklappt und wenn wir uns für die 6000 km bis Perth mit ein paar Litern Öl und einer Rohrzange bewaffnen, haben wir sogar ganz gute Chancen dort auch anzukommen…

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