6. August 2009
Heute stehen noch die letzten von Kununurra mit Zweiradantrieb erreichbaren Ziele auf dem Programm: Lake Argyle und der Mirima Nationalpark. Der See ist angeblich so groß, dass 18-mal der Hafen von Sydney - der scheint hier das Maß aller Dinge zu sein – reinpassen soll. Man kann aber nur einen Bruchteil sehen, von der schattigen Picknickarea aus, blickt man direkt auf den Damm. Schwimmen darf man leider mal wieder nirgendwo – bei der Hitze ziemlich frustrierend. Die Wanderung durch den Nationalpark ist glücklicherweise auch nur eine kurze, lohnt sich aber, denn wir bekommen
völlig abgefahrene Steinformationen zu sehen. Das entschädigt ein wenig dafür, dass wir mit unserem Auto nicht nach Bungle Bungles fahren können, denn dort soll es ähnlich aussehen – nur in groß. Da wurden im Übrigen auch große Teile von ‚Australia’ gedreht, weshalb wohl auch in der in der offiziellen Touristenbroschüre von Kununurra jeder, der was auf sich hält mit Hugh Jackman abgedruckt ist. Von Nicole Kidman ist in dem Blättchen nichts zu finden – die lässt sich vermutlich eher für Gala oder Hello ablichten :-) Abends werden dann noch die Angeln ausgepackt. Ich halte mich da raus, aber Stefan und Laila haben tatsächlich mehrfach was am Haken. Netterweise entlassen die beiden Sportfischer die kleinen Fischchen aber wieder in die Freiheit und wir müssen stattdessen die Steaks in die Pfanne werfen.
7. August 2009
Gestern haben wir eine Rohrzange gekauft und heute morgen erstmal wieder einen Liter Öl nachgeschüttet. Der Rohrzangenverkäufer – obwohl es ihn ja eigentlich gar nichts angeht - hat uns schwer ins Gewissen geredet, unbedingt mal eine Werkstatt aufzusuchen. Dass das nicht normal ist, wenn man auf 2000 km einen Liter Öl verbraucht, haben wir auch schon vermutet und deshalb für nächste Woche in Broome vorsorglich schon mal einen Servicetermin vereinbart. Die 1000 km bis dahin wird das Auto wohl hoffentlich noch durchhalten. Den Tag verbringen wir dann mal wieder ausnahmslos im Auto. Die
Landschaft wechselt von trostlosen Flächen zu seltsamen, großen Steinhaufen und komisch geformten Hügeln und nach knapp 500 km rasten wir dann endlich auf einer Restarea irgendwo im Nirgendwo. Wir sind überrascht, wie voll es dort schon ist als wir ankommen. Obwohl ich ja normalerweise eher der Campingplatz-Camper bin, der gerne ein Toiletten- und Duschgebäude in der Nähe hat, hat zugegebenermaßen auch so eine Restarea ihren Charme. Wir machen ein Lagerfeuer, grillen Marshmallows, suchen die Milchstrasse und sind um 9.00 Uhr (bestimmt nicht als die Ersten) im Bett!
8. August 2009
Da es auf der Restarea keine Duschen gibt, braucht man sich mit dem Thema Körperpflege schon mal nicht allzu lange zu beschäftigen und so sind wir bereits um 8.00 Uhr auf der Bahn und 1 ½ Stunden später in Fitzroy Crossing auf dem Campingplatz. Allerdings auch nur lange genug, um Tisch und Stühle auf unseren Platz zu stellen, denn um 11.00 Uhr gibt es eine Bootstour (schon wieder eine!) durch das Geikie Gorge. Dort wimmelt es von Freshwater Krokos, die dort träge in der Sonne braten. Die Felsen rechts und links haben tolle Farben und Formen (Gaudi hätte seinen Spaß daran gehabt!), und damit man die auch richtig gut fotografieren kann, hat das
Boot vorsichtshalber kein Dach. Nach einer Stunde in der prallen Sonne, endet die Tour und wir sind, ich würde mal sagen: medium bis gut durch! Wir überqueren noch den Fitzroy River auf der alten, ursprünglichen Strasse und haben schon leichte Bedenken, dass wir auf der anderen Seite nicht wieder hoch kommen und das war’s dann auch an Sehenswürdigkeiten, in diesem sonst eher trostlosen Ort. Das alles stört Laila wenig, denn sie findet nach einer langen Durststrecke endlich mal wieder eine Freundin zum Spielen. So kommen wir dann völlig unverhofft zu einem entspannten Nachmittag mit Lesen, Angeln und einer ausgiebigen Dusche.
9. August 2009
Da bis Montag alle Campingplätze in Broome ausgebucht sind (wieder mal Horseraces!), machen wir erst noch einen Schlenker nach Derby. Die erste und einzige Sehens- würdigkeit, den Boab Prison Tree, in dem offenbar ab und zu über Nacht mal Gefangene campiert haben, haken wir schon auf dem Weg zum Campingplatz ab. Und danach kommt dann auch nicht mehr viel. Derby ist ungefähr so aufregend wie die Mönckebergstrasse nach Ladenschluss und der Campingplatz hat nicht mal einen Pool, da das öffentliche Schwimmbad direkt nebenan ist. Nur hat das leider im Winter geschlossen. Ist ja logisch, bei knapp 35° C Lufttemperatur würde da ja auch keiner hingehen. So fahren wir dann an den einzig kühlen Ort in Derby – auf den Bootsanleger, an dem allerdings seit 1973 kein Passagierschiff mehr angelegt hat. Dabei würde ich schon gerne mal sehen, wie die Queen Mary II Passagiere in Derbys erlesene Tool-, Hardware oder
Outdoorstores statt in teuren Uhren- oder Schmuck- geschäften shoppen :-). Ein Einheimischer vermacht Stefan einen Köderfisch, was dem Nachmittag dann noch eine ungeahnte Wendung gibt. Zusammen mit Laila badet er ein paar Fischstücke, aber außer ein paar ekligen Viechern - die mich sofort an die hinterhältigen Methaneiswürmer aus ‚Der Schwarm’ erinnern, interessiert sich nichts für die Köder. So genießen wir dann noch den Sonnenuntergang und verarbeiten das Hühnchen, das noch im Kühlschrank schlummert. Chicken Madras schmeckt mit Fisch ja sowie nicht.
10. August 2009
Heute geht es früh los, denn der Campingplatz nimmt keine Reservierungen entgegen und so heißt es möglichst vor der Grey Army dort anzukommen. Glücklich ergattern wir den vorletzten Platz mit Stromanschluss. Die Lage ist gigantisch – es sind keine 10 m bis zum Strand. Wir testen erst diesen Strand, dann schwingen wir uns noch mal ins Auto und fahren nach Cable Beach, das soll schließlich einer der besten Strände Australiens sein – und das können wir nur bestätigen! Feiner weißer Sand, klares Wasser und ideale Surfwellen. Wir haben einen Riesenspaß und es ist klar, dass wir hier nicht das letzte Mal waren. Einziger Wermutstropfen ist, dass es dort kaum Kinder gibt Für den Abend haben wir vor uns mal eine ordentliche Pizza auf den Zahn zu legen. Das klappt leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Pizzas sind viel zu klein und halb kalt und wir müssen noch ein Knoblauchbrot und Scampis nachordern, um überhaupt satt zu werden und das vom Lonely Planet angekündigte BYO (Bring your own (Alkohol)) gibt es auch nicht mehr bzw. nur gegen entsprechendes Korkfee.
11. August 2009
Heute schlägt die Stunde der Wahrheit: Unser Auto geht zur Inspektion. Stefan bringt es hin und dann machen wir es uns – da wir ja sozusagen obdachlos sind – in den Liegestühlen des benachbarten Town Beach Cafes gemütlich. Laila findet schnell ein paar Spielkameraden und so verbringen wir einen extrem entspannten Vormittag mit Kaffee und Pancakes. Mittags können wir unser Auto dann wieder abholen und man glaubt es kaum: es ist alles paletti! Der Ölverlust wird dem alten Motor (400.000 km sind ja auch kein Pappenstiel) zugeschrieben und wir sind jetzt wieder guter Dinge, dass wir mit einem kleinen Öltanker im Schlepptau problemlos nach Perth kommen. Wir beeilen uns, um noch bei Hochwasser nach Cable Beach zu kommen. Stefan will es auf seine alten Tage noch mal wissen und leiht sich ein Surfboard aus. Das Ergebnis sind gesandstrahlte Arme und Beine und das Gefühl, dass man Surfen tatsächlich noch lernen könnte,
wenn man ein paar Wochen nichts anderes tut. Die langhaarigen Surfheroes um ihn herum, machen diese Illusion aber mit Sprüchen wie: „It took me a long time to learn how to stand on the board, mate!“ wieder zunichte. Ich surfe lieber mit Lailas Bodyboard (da darf man drauf liegen) und Laila surft ohne Board und am Ende hatten wir alle irgendwie die perfekte Welle – nur die Knie und Ellbogen schmerzen. Dann fahren wir zum für ‚Nicht-Franzosen’ unaussprechlichen Gantheaume Point, wo es aussieht als hätte ein Riese gewütet und sämtliche Steine durcheinander gewirbelt. Bei Ebbe soll man dort sogar versteinerte Dinosaurierspuren sehen können. Aber natürlich ist keine Ebbe und um darauf zu warten, sind wir viel zu hungrig. Heute gibt es nämlich eine richtige Pizza: groß, warm und weil heute Dienstag ist, sogar noch zum Sonderpreis!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen