31. Juli 2009
Da wir gestern schon alle ‚To-Do’s’ für Darwin angehakt haben, können wir heute ganz relaxt auf dem Campingplatz abhängen und uns um Wäsche und Blog (Ich), Pool und Jumping Pillow (Laila) und Schweinebäuche (Stefan) kümmern. Abgesehen von Stefans und Lailas kleinen Ausflug zu einer WWII (World War 2) Flugzeugausstellung bewegen wir uns nicht groß vom Fleck. Ginge man nach der Anzahl der Hinweisschilder auf irgendwelche WWII Schauplätze, könnte man glauben, der 2. Weltkrieg hätte sich komplett in Australien und insbesondere in Darwin abgespielt! Immerhin wissen wir ja seit ‚Australia’ zumindest, dass Darwin tatsächlich von japanischen Bomben zerstört wurde. Allerdings hat man – oder wir zumindest - dank desselben Films auch eine völlig falsche Vorstellung von Darwin. Mit seinen Hochhäusern, Einkaufs- und Restaurantmeilen ist nicht viel von der kleinen Stadt mit dem einen Pub wiederzufinden.
1. August 2009
Wir lassen Darwin und damit quasi die Zivilisation hinter uns und fahren in Richtung Litchfileld Nationlpark. Auf dem Weg liegt ein Wildlife Park, den wir noch besuchen wollen. Der Park ist riesig und es gibt alles an Tieren zu sehen, was Australien so zu bieten hat – sämtliche Nachttiere, Schlangen, Pelikane, Fische und natürlich Krokodile. Gottseidank gibt es eine Bahn, die uns am Schluss wieder zurück zum Hauptgebäude bringt, wo wir noch ein schnelles Picknick mit Känguru einlegen. Ein aufdringliches Wallabie klettert mir nämlich fast auf den Schoß, um auch was vom Essen zu ergattern. Am späten Nachmittag erreichen wir dann unseren Campingplatz an den Wangi Falls. Nur einen kurzen Fußmarsch entfernt ist der Pool, in den der Wasserfall mündet und in dem man auch baden kann. Unseren Van haben wir aus
Ermangelung an richtigen Stellplätzen in der Mitte am zentralen Grillplatz geparkt. Wir wundern uns etwas über das frische Grün des Rollrasens!!! dort und auch darüber, dass alle anderen kurz vor 21.00 Uhr ihre Tische und Stühle wegräumen, bis dann um Punkt 21.00 Uhr die unterirdischen Rasensprenger angehen. Ich entschuldige mich insgeheim dafür, dass ich die anderen als Spießer bezeichnet habe. Da zeigt es sich doch mal wieder, dass man klar im Vorteil ist, wenn man ab und zu auch mal liest, was auf Hinweisschildern steht. Allerdings finde ich, dass man mitten in der Wildnis auf einem kostenlosen Campingplatz auch nicht mit derartigen Vorrichtungen rechnen kann J.
2. August 2009
Von den Eltern von Lailas Spielkameraden in Darwin haben wir einen Tipp bekommen, wo man abseits von tagestourenden Senioren ungestört baden kann. Allerdings muss man dafür auch einen längeren Fußmarsch in Kauf nehmen – mit Rollator nicht zu bewältigen ;-). Laila ist aus unerfindlichen Gründen heute mal extrem motiviert und läuft voran – ohne zu Jammern – und in Rekordzeit bis zu den beiden natürlichen Pools. Wir sind tatsächlich mutterseelenallein dort, das Wasser ist glasklar, nicht zu
kalt (nicht mal für mich) und voller kleiner Fische und Garnelen. Dafür hat sich der weite Weg durch Hitze und Staub auf jeden Fall gelohnt. Kurz bevor wir wieder aufbrechen, sehen wir noch eine große Echse, die uns neugierig beobachtet und sich wahrscheinlich fragt, was wir für komische weiße Wesen sind. Nachmittags springen wir dann auch noch in den Wangi-Falls Pool, schwimmen bis zum Wasserfall und schauen uns die lärmenden Fledermäuse in den Bäumen an. Die restlichen Sehenswürdigkeiten im Litchfield Nationalpark heben uns für den nächsten Tag auf.
3. August 2009
Laila ist offenbar mit dem falschen Fuß aus ihrem Hochbett gestiegen, hat extrem schlechte Laune und ist überhaupt nicht in der Stimmung für die Besichtigung weiterer Wasserfälle und Termitenhügel. So haben wir dann alle nicht viel Spaß bei der kurzen Wanderung zu den Tolmer und Florence Falls. Bei den Termitenhügeln bleibt sie lieber gleich im Auto, was wohl besser für unsere Nerven ist. Die Aneinanderreihung der Termitenhügel, die aus thermischen Gründen alle in Nord-Südausrichtung stehen – wie auch immer die Termiten das ohne Kompass hinkriegen -, erinnert an
einen Friedhof – ein Wunder, dass das mal nicht als WWII Schauplatz ausgewiesen wird ;-). Der restliche Tag besteht dann nur noch aus Fahren, Fahren, Fahren… In Katherine stoppen wir noch mal kurz am Supermarkt – dort ist es noch immer genauso schrecklich wie vor einer Woche – und weiter geht’s in Richtung Victoria River. Kurz hinter Katherine machen wir dann das erste Mal die Erfahrung, wie es ist wenn sich ein lebensmüdes Känguru versucht vor ein Auto – in diesem Fall unseres – zu werfen. Es rumpst ordentlich, aber wir haben es offenbar nur gestreift und Skippy taumelt angeschlagen wie nach einer Rechts-Links-Kombination der Klitschkos in seine Ecke. Das ist gerade noch mal gut gegangen: kein technisches K.O. weder für Känguru noch für Auto. In Victoria River, einem riesigen staubigen Rastplatz, haben wir trotz fortgeschrittener Stunde noch die Aufgabe sämtliches Gemüse kochtechnisch zu verarbeiten, denn morgen überqueren wir die Grenze nach Western Australia und dahin darf man kein frisches Gemüse mitnehmen. Es lebe das thailändische Essen.
4. August 2009
Wir sind überrascht, wie streng die Kontrolle an der Grenze zwischen nach WA ist. Wir müssen tatsächlich den Kühlschrank, die Kühltasche und die Schränke öffnen und die beiden einsamen Knoblauch- zehen, die wir aus humanitären Gründen nicht auch noch in das Thaiessen pressen konnten, werden gnadenlos einbehalten. Gut, wenn man als Quarantäne-Kontrolleur irgendwo einsam im Nichts sitzt, wo alle 2 Stunden mal ein Auto vorbeikommt, dann ist so ein Campervan-Kühlschrank sicherlich mal eine willkommene Abwechslung… Staatsfeind Nr. 1 ist offenbar eine giftige Krötenart, die sämtliche Reptilien beim Versuch die Kröte zu verdauen ins jenseits befördert. Mit den letzten Litern Sprit erreichen wir dann endlich Kununurra – der Gebrauch der Klimaanlage treibt offenbar den Spritverbrauch in solch astronomische Höhen, dass wir zukünftig zum Schutz der
Umwelt lieber wieder ein bischen schwitzen werden.
Nachdem wir uns im Pumphouse – das auch ohne weiteres irgendwo in Hamburg an der Elbe zu finden sein könnte (sieht man mal von den hunderten von Cat-Fischen ab, die hungrig unter der Terasse rumschwimmen) – mit Kaffee und Sandwich gestärkt haben, suchen wir den örtlichen Supermarkt auf, denn schließlich müssen wir unsere Knoblauchvorräte wieder aufstocken. Wir kaufen uns eine Packung Eis und fahren zu einem Aussichtspunkt oder besser gesagt fahren wir uns bei einem nicht ganz optimalen Wendemanöver dort fest bis uns ein paar kräftige Aussies helfen den Wagen wieder auf die Strasse zu hieven und sicher rückwärts den Berg runter zu kommen. Dann haben wir uns das Eis aber auch verdient – na gut, eigentlich haben die sich das Eis verdient, wir essen es aber trotzdem :-)
5. August 2009
Dank Laila und der Zeitverschiebung von 1,5 Stunden zwischen NT und WA (jetzt sind es nur 6 h Unterschied zu Deutschland) sind wir jetzt schon um 6 Uhr auf den Beinen, was aber nicht heißt, dass wir besonders früh loskommen. Denn mit unserem neuen Kaffeebereiter dauert es eine Stunde bis zur ersten Tasse Kaffee und dank diverser Missgeschicke eine weitere bis zur zweiten Tasse. O..k., das ist leicht übertrieben, aber den Zeitvorsprung haben wir damit locker wieder eingebüßt. Nach dem Frühstück machen wir uns dann endlich auf den Weg ins 100 km entfernte Wyndham – glücklicherweise nur für einen Tagesausflug. Denn ab jetzt wissen wir, dass man niemals in Orte fahren sollte, in denen 3 von 7 Hauptsehenswürdigkeiten Friedhöfe sind. Dementsprechend kommen uns dann auch vor wie in einer
Geisterstadt – selbst der Herrenschneider Lee Tong Wong musste wohl letztendlich sein zukunfts- trächtiges Business im aufstrebenden 900 Seelendorf Wyndham aufgeben. Dabei liegen doch Maßanzüge, in bevorzugt von Aboriginies bevölkerten Orten bestimmt ganz weit vorne. Beeindruckend ist also lediglich der Blick über die fünf ineinander mündenden Flüsse. Auf dem Rückweg stoppen wir noch am Grotto, einem See, der angeblich 100m tief sein soll – bei einem Durchmesser von geschätzten 2 m. Wir können das leider nicht nachprüfen, weil man dazu erstmal 140 Stufen in einen Krater hätte hinabsteigen müssen und vor allem wieder hinauf! Nach den mehrheitlich enttäuschenden Ausflugszielen, haben wir auch keine besonders hohen Erwartungen als wir zur Zebra Rock Art Gallery abzweigen. Deshalb sind wir wahrscheinlich auch so positiv überrascht, von dem inmitten von Mangoplantagen gelegenen Anwesen mit hervorragenden Mango Smoothies (Überraschung!) und Cheesecake, jeder Menge zahmer Kakadus, Fishfeeding am See (wir sehen sogar noch 2 Schildkröten) und jeder Menge gestreifter Steine (daher der Name). Die Steine gibt es anscheinend nur an einer bestimmten Stelle in der Gegend hier und sie werden hier zu allen möglichen nutzlosen, aber hübschen Gegenständen verarbeitet. Einen Sundowner gönnen wir uns am Sunset Strip auf dem Campingplatz und beobachten dabei die tausenden Fledermäuse, die bei Sonnenuntergang über uns hinwegfliegen. Destination unknown!
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