Freitag, 17. September 2021

Ausgrabungen und sengende Hitze

Bucht bei Capo San Vito
Am Montagmorgen düsen wir ab nach Capo San Vito im Nordwesten Siziliens. Der Strand ist hochgelobt, wurde vor ein paar Jahren wegen des türkisfarbenen Wassers und dem weißen Sand sogar zum schönsten Strand Italiens gekürt, so dass wir uns das natürlich nicht entgehen lassen wollen. Die Erwartungen sind entsprechend hoch.  Der Verkehr in Palermo ist am Montag leider nicht mehr so entspannt wie am Sonntag und auch die riesigen Müllhalden am Straßenrand machen uns den Abschied nicht allzu schwer. Wir sind verwundert als wir in Capo San Vito ankommen. Wir hatten einen langen Strand und ein kleines Örtchen erwartet. Stattdessen ist es eher umgekehrt. Im Ort reiht sich ein von Indern betriebener Souvenir- und Schmuckladen an den nächsten, der ‚schönste‘ Strand Italiens ist zugpflastert mit Liegen und Sonnenschirmen, die Strandduschen muss man bezahlen und das türkisene Wasser ist trüb und eher grau. Das ist nach der Adblue-Katastrophe die erste echte Enttäuschung unserer Reise und nach einer Nacht verlassen wir das vermeintliche Paradies wieder.

Tempel E in Selinunt

Auf dem Weg in Richtung Südküste der Insel entdecken wir eine Bucht weiter einen anderen Strand. Das Wasser ist glasklar, türkis und es gibt dort keine Sonnenschirme und Strandliegen. Da wären wir wohl besser aufgehoben gewesen, aber jetzt ist es zu spät. Wir sind auf dem Weg nach Selinunt, wo es eine große archäologische Fundstätte einer griechischen Stadt und ihren Tempeln gibt. Zeit für eine Einheit in Sachen Kultur. Das Gelände ist unfassbar groß und hügelig und zum Glück gibt es einen Shuttleservice, der uns in der sengenden Hitze zwischen den Highlights rumkutschiert. Gebäude und Tempel wurden schon vor langer Zeit durch Erdbeben zerstört und später teilweise wieder aufgebaut. Trotzdem schon sehr beeindruckend.

Erecea Minoa

Dann geht es weiter nach Erecea Minoa, einer kleinen Bucht umgeben von weißen Felsen mit lediglich einem Campingplatz und zwei Strandbars. Wir stehen mit unserem Camper in einem Pinienwald direkt am Strand und es ist eigentlich gleich klar, dass wir hier zwei Nächte bleiben wollen bevor wir den Weg nach Catania antreten. Einen besseren Platz hatten wir wirklich noch nie.

Auf unserem Weg nach Catania liegen die Felsen von Scala dei Turchi. Die weißen Felsen, die wie Treppen ins Meer führen, sehen toll aus, uns reicht aber ein kurzer Fotostopp bevor es weiter geht nach Agrigent, einer weiterer archäologische Ausgrabung. Das Wetter meint es mittlerweile leider schon etwas zu gut mit uns und die Temperaturen steigen auf über 30°C, so dass die Besichtigung in Agrigent sich in der prallen Sonne als sehr anstrengend gestaltet. Nach zwei Stunden und diversen griechischen Tempeln entscheiden wir die Weiterfahrt nach Catania anzutreten. Der ‚Campingplatz‘ dort liegt am Rande der Altstadt auf dem Parkplatz eines Beachclubs, der vor 2 Jahren abgebrannt ist, dann wieder aufgebaut wurde und nun vor 5 Tagen durch einen Tornado erneut zerstört wurde. Wieviel Pech kann man eigentlich haben… Immerhin gibt es noch Strom und ein Klo.

Ericea Minoa


Der Weg in die Altstadt führt durch ein übles Viertel mit Ruinen und Müllbergen, auf keinen Fall eine Option für den Rückweg im Dunkeln. Positiv überrascht sind wir von der Altstadt selbst. In den vielen kleinen Gassen gibt es hübsche Restaurants und coole Bars und bei noch immer angenehmen 26°C ist es der perfekte Abend für ein paar kalte Drinks und Antipasti. Es hätte also alles so schön sein können, wären dann da nicht erstmal der Taxifahrer gewesen, der uns in offenbar Catania typischer Manier um 10 Euro beschissen hat, zweitens die dubiosen Typen, die um Mitternacht direkt hinter unserer bis dahin noch geöffneten Hintertür ein
Agrigent

Feuerwerk gezündet haben und drittens Lailas aufziehende Mandelentzündung. Kurzum, wir haben die Nase voll von Catania, packen zusammen und fahren auf einen 5 Sterne Campingplatz am Etna. Die
Scala dei Turchi

Temperaturen liegen mittlerweile bei mehr als 35°C, lassen sich hier aber deutlich besser ertragen als auf einem verlassenen Beach Club Parkplatz. Morgen früh geht es dann für Laila zurück nach Hamburg, für mich an Bord des Segelboots und für Stefan zusammen mit einem Freund auf den Golfplatz – ich glaube, wenn die Temperaturen so bleiben, ist das die schlechteste Option







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