Montag, 6. September 2021

Ruinen und Vulkane

Altstadt von Bolsena
Unsere Reise in Richtung Süden bringt uns an den Bolsenasee. Ehrlichgesagt habe ich davon vorher noch nie was gehört, aber alles was man darüber liest hört sich toll an – klares Wasser, keine großen Hotels, eher ein Geheimtipp… Da es Sonntag ist als wir dort ankommen, ist es leider nicht ganz so geheim wie erwartet – eine riesige Reisegruppe von Indern und viele italienische Tagestouristen bevölkern die Strände und die Promenade. Der Rest stimmt allerdings. Das Wasser ist traumhaft klar und der See super schön, auf dem Berg über dem See liegt die Altstadt von Bolsena umgeben von einer Stadtmauer. Am Montag sind dann auch die ganzen Menschen weg und wir entschließen uns noch eine Nacht länger zu bleiben und die entspannte Atmosphäre am, im und um den See herum zu genießen. Wir gehen schwimmen, erklimmen die Altstadt und chillen.

Unser Platz bei 'Giuliana'

Dann geht es weiter nach Pompei. An Rom und Neapel rauschen wir entspannt vorbei und beziehen unseren Stellplatz bei Giuliana mit Blick auf den Vesuv. Giuliana ist eigentlich Russin und heißt mit Sicherheit nicht Giuliana, denn es ist nicht so wahrscheinlich, dass die Straße Via Giuliana, an der der Campingplatz liegt, nach ihr benannt wurde und für einen Zufall halte ich diese Namensgleichheit auch nicht. Davon abgesehen hat Giuliana aber ein paar gute Tipps – so auch, dass man auf gar keinen Fall die Amalfiküste mit dem Campervan erkunden kann.

Ausgrabungen Pompei

Als erstes wollen wir aber die Altstadt von Pompei besichtigen und haben für Donnerstagmorgen eine Tour gebucht. Alfredo, unser italienischer Guide, spricht akzentfreies Deutsch, obwohl er nie in Deutschland gelebt hat, und ist wirklich jeden Euro wert. Die Ausgrabungen sind an sich schon viel beeindruckender und größer als ich es erwartet hatte, aber viele Dinge hätte man ohne Führung gar nicht verstanden oder erfahren. Es ist unglaublich, was die Römer damals schon alles hatten und konnten – es gab Badehäuser, Saunen, Wasserrohre, Restaurants und Bars und vieles mehr. Und das, während wir noch in Höhlen im Wald gehaust haben.

Amphitheater

Nach einer Pause von all den Eindrücken und der Hitze fahren Stefan und ich mit dem Zug nach Torre Annunziato. Dort gibt es die Villa Oplontis – auch eine Ausgrabung, welche zum Weltkulturerbe gekürt wurde. Leider ist es nur auch immer entscheidend, an der richtigen Station auszusteigen. Wir steigen dummerweise zu früh aus und landen in der übelsten Hafengegend der Stadt – zum Glück ist es noch nicht dunkel. Die Villa scheint kein touristisches Highlight zu sein – wir sind so ziemlich die einzigen dort – obwohl sie unglaublich gut erhalten und sehenswert ist. So hat sich die Tour am Ende doch gelohnt. Dann setzen wir uns in ein Cafe, trinken Aperol und beobachten das Verkehrschaos in Pompei. Autos, Mopeds, Busse, Lieferwagen – jedes zweite Fahrzeug von vorne bis hinten verschrammt und verbeult, es wird nie langweilig.

Einsame Bucht Amalfiküste

Freitag steht eine Tour entlang der Amalfiküste auf dem Plan. Mit einem Mietwagen statt Campervan – so die Idee. Eigentlich sollte die gute Giuliana das organisieren, aber aus welchem Grund auch immer endet es damit, dass sie uns für einen Vorzugspreis ihren russisch getunten Fiat mit polnischen Kennzeichen überlässt. Nicht ganz das was wir wollten. Wir hätten lieber das Rundum-Sorglospaket gebucht, nachdem wir ja gerade ausgiebig die süditalienische Fahrweise studiert haben. Aber es lässt sich jetzt auch nicht mehr kurzfristig ändern und somit geht es los. Die erste Herausforderung ist schon der Weg raus aus Pompei. Die Straßen werden immer kleiner und schlechter und bevor wir überhaupt Pompei verlassen haben, sind wir mit den Nerven schon am Ende. Stefan macht an dem Tag seinen ‚italienischen Führerschein‘ mit hupenden Autos, überholenden Mopeds, entgegenkommenden Bussen… nichts für schwache Nerven. Aber die Aussicht ist toll - sofern man sie genießen kann - und der Abstecher in eine einsame Bucht, mit glasklarem türkisenem Wasser entschädigt für einiges.

Charme von Gestern

Dann reicht es uns mit Pompei und wir streichen Neapel und den Vesuv vom Programm und fahren weiter in Richtung Süden. Auch das Wetter meint es auch heute nicht so gut mit uns. Es beginnt zu regnen, so dass wir einfach immer weiter fahren bis wir letztlich auf einem Campingplatz landen, der direkt an der Bahnlinie liegt und seinen Zenit schon seit 40 Jahren überschritten hat. Die alte Leuchtschrift am Eingang und die uralten Spielautomaten zeugen noch davon. Irgendwie passt das aber auch zum Rest des Ortes – ich habe mir nicht mal den Namen gemerkt, der vermutlich irgendwann mal bessere Zeiten gesehen hat.

Hang Loose Beach


Nach einer unruhigen Nacht brechen auf nach Pizzo. Bekannt offenbar durch das dort erfundene Tartufo-Eis. Das ist wohl der Grund, warum sich am Piazza von Pizzo mindestens 10 - 15 Eisdielen mit der Spezialität Tartufo-Eis befinden. Sehr viel mehr hat der Ort dann eigentlich auch schon nicht mehr zu bieten, aber unser Tartufo-Eis ist wirklich sehr, sehr lecker. Mit vollem Magen geht es weiter in Richtung Tropea. Der Campingplatz, den wir ausgesucht haben, liegt ein wenig südlich davon und es wäre im Nachhinein ratsam gewesen, die Google Bewertungen auch bis zum Ende zu lesen. Wir folgen voller Vertrauen unserem Navi bis ich auf einem Schild den Hinweis lese ‚No camper‘. Die Straße wird steiler, schmaler und einspurig, was uns zu der Fehlentscheidung verleitet an einem Parkplatz wenden zu wollen. Die Bäume sind viel zu niedrig, so dass wir mit dem Dach unter den Ästen entlang schraddeln, dann setzen wir mit dem Auspuff auf und zu guter Letzt bleiben wir seitlich an einem Tor hängen. Tolle Aktion, zum Glück ohne nachhaltig sichtbare Blessuren! Wir lesen dann auch mal die Google Bewertungen zu Ende und siehe da, da steht genau beschrieben, dass es steil, schmal und einspurig und nichts für schwache Nerven ist. Der Hinweis 'No camper' bezog sich offenbar auf die Parkplätze :-( Wir beschließen, dass jetzt zu Ende zu bringen und stehen nach ein paar engen Serpentinen endlich vor der Schranke des Campingplatzes und ein paar Minuten später auf einem Platz mit Meerblick in einer tollen kleinen Bucht mit klarem, türkisfarbenem Wasser und dem Stromboli-Vulkan am Horizont. Stefan braucht als erstes ein kaltes Bier und ich würde sagen, das war heute die Ausbaustufe des italienischen Führerscheins. Hier bleiben wir jetzt ein paar Tage, feiern unsere Geburtstage und bewegen den Camper erst wieder zur Weiterfahrt in Richtung Messina.

Sonnenuntergang am Stromboli

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