| Amphitheater in Lecce |
Am zweiten Abend in unserem Pinienhain trinken wir ein Gläschen Wein mit unseren Nachbarn, die auf dem Weg sind nach Sizilien, um dort zu überwintern. In Deutschland haben sie alles aufgelöst, sich ein Wohnmobil gekauft und seitdem sind sie unterwegs. Auch ein durchaus interessantes Lebensmodell – auf jeden Fall mit wenig Ballast.
Unser nächster Stopp ist in Policoro, ein offenbar neu erschlossener Strandort mit neuen Ferienunterkünften und zahlreichen, aktuell leider schon geschlossenen Strandbars und Restaurants. Wäre nicht gerade ein Angelwettbewerb in Vorbereitung, wären wir vermutlich fast die einzigen Strandbesucher an diesem späten sonnigen Nachmittag. Nachdem wir das Projekt Wäschewaschen endlich erfolgreich abgeschlossen haben, geht es gegen Mittag los in Richtung Stiefelabsatz. Dort gibt es einige kleinere Barockstädtchen, die wir anschauen wollen. Zuvor verbringen wir aber die Nacht auf dem Parkplatz eines ehemaligen Campingplatzes. Der Weg dorthin ist holperig und als die Sonne schließlich untergeht, sind wir die einzigen weit und breit inmitten des Naturschutzgebiets. Für meinen Geschmack ist das etwas zu einsam!
| Leuca |
Am Morgen geht es nach Lecce, die erste Barockstadt in unserer
Sammlung und außerdem die reichste Stadt Süditaliens. Das wirkt sich offenbar auch
positiv auf die Sauberkeit aus. Die Stadt ist wie geleckt, hat eine tolle Altstadt
und die Ausgrabung eines Amphitheaters. Und auch nachdem wir mittlerweile schon
viele Kathedralen gesehen haben, sind wir beeindruckt von der aufwendigen
Fassade der Basilika. Gratis dazu gibt es noch eine Hochzeitsgesellschaft
inklusive Pferdekutsche. Wir verbringen einen entspannten Tag in Lecce und
übernachten anschließend auf einem Agritourismo, mit den besten sanitären
Einrichtungen, die ich bisher auf einem Campingplatz gesehen habe. Es gibt
richtige Badezimmer mit Dusche und Bidet – fast besser als zu Hause. Kleiner
Wermutstropfen: die zugehörige Pizzeria und der Pool haben geschlossen, das
Olivenöl ist ausverkauft… Man kann wohl nicht alles haben.
Frisch geduscht und ausgeschlafen starten wir unsere Tour entlang der Ostküste. Die Küstenstraße nach Leuca am Südzipfel verläuft direkt am Meer entlang und ist eine der schönsten, die ich je gefahren bin. Wir stoppen in Otranto, der östlichsten Stadt Italiens, in einigen kleineren Orten und erreichen gegen Abend Leuca, einen kleinen Badeort mit einem großen, in italienischen Farben illuminierten Leuchtturm. Auch hier ist es offensichtlich, dass die Saison vorüber ist. Nur noch wenige Restaurants haben geöffnet, dafür ein gutes Geschäft für die Pizzeria, in der sich die letzten gestrandeten Touristen versammeln.
| Weihnachtsstimmung |
Aus Ermangelung an Alternativen übernachten wir im Camper am Straßenrand, was sich auf Grund des Verkehrs nicht als besonders erholsam herausstellt. Leider keine gute Schlafplatzwahl. Dafür gibt es als Entschädigung ein Frühstück in exklusiver Strandlage, bevor es auf der Küstenstraße an der Westseite des Absatzes weitergeht nach Gallipolli. Die Altstadt liegt auf einer Felseninsel, ist hübsch, gepflegt, aber auch sehr touristisch geprägt, so dass wir nach einer Kaffeepause die Weiterfahrt antreten. Wir stoppen an einem Strand in der Nähe von Maduria und übernachten auf einem Campingplatz mit angrenzender Beachbar. Die Bar ist riesig groß und richtig cool mit südamerikanischem Flair und dazu menschenleer. Bei einem Kaffee erfahren wir, dass dort in den Sommermonaten die Hölle los ist, jetzt aber die Saison zu Ende geht. Der Besitzer schließt die Bar Ende Oktober und verbringt den Winter bei einem Freund in Paris, wo er für 3 Monate im Restaurant aushilft, bevor er dann im April zurückkehrt in seine Strandbar. Auch das ist nicht das schlechteste Leben J
| Cafe in Ostuni |
An diesem Morgen hadern wir ein wenig, wie wir unsere Route fortsetzen sollen. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist nicht besonders erfreulich – es soll kalt und regnerisch werden. Schließlich entscheiden wir uns Ostuni, Alberobello und Monopoli anzuschauen.
Ostuni wird auch die weiße Stadt genannt, weil alle Häuser
weiß gekalkt sind und sie dadurch schon von weitem zu sehen ist. Die schmalen
Gassen gehen steil bergauf bzw. bergab – einige Cafes erstrecken sich über
mehrere steile Treppenzüge – Hut ab vor den Kellnern dort ;-) Im Oktober sind
auch hier nicht mehr viele Touristen unterwegs, aber wir mögen uns nicht
vorstellen, was hier in den Sommermonaten abgeht. Das Gleiche gilt für
Alberobello, welches bekannt ist für seine Trulli und damit zum UNESCO
Weltkulturerbe avancierte. Trulli sind kleine, weiße Rundhäuser mit einem
Spitzdach, die wirklich hübsch aussehen, aber natürlich auch entsprechend
touristisch vermarktet werden.
| Trulli in Alberobello |
Für den Abend steuern wir schließlich Monopoli an. Unser Übernachtungsplatz ist diesmal ein kostenloser Parkplatz in zentraler Lage am Hafen, das eingesparte Geld legen wir an diesem Abend in Cocktails und Essen an. Die Altstadt grenzt direkt an den Fischereihafen, so dass die Wege kurz sind und wir, nachdem wir den Fischern beim Entladen ihrer Boote zugesehen haben, direkt im Getümmel von Monopoli landen. Es gefällt uns richtig gut und nach dem dritten Cocktail vermutlich noch besser. Leider wollen wir am nächsten Morgen weiter und bedauerlicherweise trifft auch die Wettervorhersage ein. Es hat sich abgekühlt und fängt leicht an zu regnen… Ein ungewohntes Ereignis nach so langer Trockenheit!
| Monopoli |
Wir fahren die Küste entlang in Richtung Manfredonia (sehr lustiger Name). Auf einem Teil der Strecke befinden sich kilometerlange Salzseen, welche zu den größten Salinen Europas gehören. Und in den Salzseen stehen tatsächlich weiße Flamingos. Wie cool! Unser Campingplatz liegt an der Steilküste in einem Olivenhain und man kann sich kaum noch vorstellen, dass man dort im Sommer im türkisblauen Wasser baden kann. Die Wellen brechen jetzt tosend und spritzen an den Felswänden in die Höhe. Ein echtes Spektakel, dem man endlos zuschauen könnte.
| Ordentlich Brecher |
Wir fahren nach Monte Sant Angelo. Dort gibt es eine Wallfahrtskirche, eine Festung und deutlich mehr Touristen als wir erwartet hatten. Aber allein die Fahrt dorthin mit spektakulären Ausblicken über die von Olivenbäumen geprägte Landschaft und die Stadt Manfredonia ist den Aufwand wert. Dann erwischen wir auch noch gerade einen günstigen Moment, um in die eigentlich bereits geschlossene Kirche zu gelangen. Damit haben wir dort eigentlich alles abgehakt und können uns durch Foresta Umbra weiterarbeiten nach Vieste. Der Wald ist groß, dicht und dunkel, was wohl auch seinen Namen Schattenwald begründen dürfte und es ist toll nach so viel Strand, Meer und Olivenbäumen endlich mal wieder durch einen richtigen Buchenwald zu fahren und die Waldluft einzuatmen. Was man nicht nach einer Weile so alles vermissen kann J.
| Kreidefelsen in Vieste |
Schließlich erreichen wir Vieste, parken am Strand, bewundern die Kreidefelsformationen und unternehmen einen ausgiebigen Strandspaziergang. Eine Strandbar reiht sich an die nächste, alle sind geschlossen. Im Sommer tobt hier garantiert der Bär. Heute sind wir fast alleine. Wir parken unseren Camper auf dem Parkplatz, auf dem wir übernachten wollen, erkunden die Stadt und die Altstadt, gehen Essen und finden schließlich zur Schlafenszeit eine lärmende Horde Jugendliche genau neben unserem Van. Die Idee ist wohl nicht aufgegangen und wir disponieren um und suchen einen anderen Parkplatz.
| Altstadt von Vieste |
Nachdem das streitende Ehepaar dort endlich abgefahren ist, kehrt endlich Ruhe ein bis das Prasseln des Regens uns am Morgen wieder weckt. Nun ist es also passiert. Der Herbst hat uns auch in Süditalien gefunden. Wir haben ungemütliche 13°C und Dauerregen. Unser Wassertank ist leer, die Batterie auch. Wir suchen uns in Vieste einen Campingplatz zum Auftanken und Abhängen und dann schauen wir mal, wie die Welt hier morgen aussieht. Vielleicht kommt der Sommer ja doch noch mal zurück!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen