Sonntag, 17. Oktober 2021

Reisemüde

Super Stellplatz in Vieste...
Während wir etwas ziellos durch Italien irren, ist Laila inzwischen mit Unterstützung ihres Opas nach Bremen gezogen. Sie hat ein Zimmer in einer neu gegründeten Sechser-WG gefunden und beginnt jetzt mit ihrem Bio-Studium. Ein komisches Gefühl ist das schon, das alles nur aus der Ferne zu erleben und in ein paar Wochen nach Hause zu kommen, ohne sie in ihrem Zimmer vorzufinden. Aber vielleicht fällt die Trennung auf diese Art auch ein bisschen leichter und Bremen ist zum Glück ja nicht ganz so weit weg.

... aber leider auch super kalt

Wir bleiben schließlich zwei weitere Nächte in Vieste auf einem Campingplatz und haben den wohl besten Platz, den man sich vorstellen kann. Zwischen uns und dem endlos weiten, menschenleeren Strand ist nur ein kleiner Zaun. Leider verdirbt uns das Wetter den Spaß an längeren Strandaufenthalten. Stefan stürzt sich morgens kurz heldenhaft in die tobenden Wellen, ansonsten sind beim Spaziergang am Strand aber Jacke und Mütze notwendig. Schließlich verlassen wir Vieste ohne allerdings einen Plan zu haben, wo wir eigentlich hin wollen. Das Wetter hat sich gebessert, aber es bleibt kalt. Wir fahren die nördlich Seite des Sporens entlang, dort gibt es zwei größere Seen, an denen wir kurz stoppen. Dann geht es weiter an der Küste entlang nach Vasto, einem kleinen Badeort, der nun ziemlich verlassen vor sich hin schlummert.

Verlassener Badeort Vasto
Wir übernachten auf einem kleinen Parkplatz am Meer, morgens geht es weiter in Richtung Norden. Wir sind nach wie vor unentschlossen und beschließen, erstmal eine Runde Golf zu spielen. Das Greenfee beträgt nur 10 €, mehr ist der Platz allerdings auch nicht wert. Auf den Grüns tummeln sich mehr Ameisen, Sandwürmer und Eicheln als Gras und ein Rasenmäher hätte den Fairways sicherlich auch mal gut getan. Ich spiele katastrophales Golf, dann zieht ein Unwetter auf, ein Hubschrauber kreist verdächtig lange über uns, wir haben Sorge, dass ein Tornado aufzieht und brechen die Runde ab – es soll heute einfach nicht sein. Zumindest der Abend ist versöhnlich. Wir übernachten auf einem Agritourismo mit eigener Bierbrauerei und Verköstigung am Abend. Zwei Bier und ein paar Antipasti heben die Stimmung vorübergehend bis dann nachts die Temperaturen so weit fallen, dass ich trotz mehrerer Schichten an T-Shirts und Pullis friere wie ein Schneider. Erst die heiße Dusche am Morgen taut mich wieder ein wenig auf.
Trabucco - Pfahlbau zum Fischfang

Schlechtgelaunt und müde fahren wir los, verwerfen den Plan noch ein paar Tage in den Apennin zu wandern und stoppen schließlich in Sirolo, einem kleinen Bergort. Während wir in einem Cafe auf unsere heiße Schokolade warten, sinkt die Stimmung auf den Tiefpunkt. Draußen tobt der Wind, mir ist kalt und ich bin müde. Wir haben keine Lust noch weitere Altstädte, Kathedralen und ähnliches zu besichtigen. Ich würde sagen, der Begriff Reisemüdigkeit beschreibt unseren derzeitigen Zustand sehr treffend. Und so kommt es, dass wir entscheiden früher als gedacht, nach Hause zu fahren. Wir werfen den Motor an und fahren an diesem Tag noch bis Cattolica, einer hübschen kleinen Stadt etwas südlich von Rimini und nicht weit entfernt von San Marino. Denn San Marino wollen wir auf jeden Fall noch besuchen, bevor wir weiterfahren. Mittlerweile sind wir Profis im Übernachten auf Parkplätzen, so auch in Cattolica. Sitzt man drinnen und schließt alle Jalousien am Camper, ist es eigentlich auch fast egal wo man steht J

Cattolica

Freitagmorgen nach dem Frühstück fahren wir nach San Marino. Mir war vorher gar nicht klar, dass die Stadt San Marino oben auf einer Bergspitze liegt. Den Camper müssen wir deshalb auch unterhalb stehen lassen und uns mit Fahrstühlen nach oben arbeiten. Die Altstadt ist von einer Stadtmauer umgeben, kleine Straßen ziehen sich steil nach oben, eine Burg und drei Wachtürme haben die Stadt früher beschützt und sind auch heute noch gut erhalten. San Marino ist wirklich schön und im Moment sind nicht mehr viele Touristen unterwegs, aber die Anzahl der Parkplätze lässt vermuten, was in der Hauptsaison hier los ist. Nach unseren Recherchen besuchen jährlich 2 Mio. Touristen das kleine San Marino, welches übrigens auf Platz 210 von 210  der Fußballweltrangliste steht J. Da San Marino kein Mitglied der EU ist, ist Einkaufen hier auch günstiger, was sich in den zahllosen Parfüm- und Schmuckgeschäften wieder spiegelt. Kurz vor der Grenze zu Italien gibt es überdies eine neue Outlet Shoppingmall. Wir wissen nicht, ob Corona der Grund ist, aber wir finden uns in einer riesigen nagelneuen, luxuriösen Anlage wieder, in der 90% der Geschäfte leer stehen. Laute Musik dröhnt aus Lautsprechern, aber Menschen sind so gut wie keine zu sehen. Wir kommen uns vor wie in einer Filmkulisse - eine absolut surreale Atmosphäre.
San Marino

Wir brechen auf in Richtung Bologna, aber als wir uns nähern ist es noch hell und so fahren wir weiter und immer weiter in Richtung Norden bis ein Stau uns schließlich kurz vor Mantua zum Anhalten bringt. In unserem Camper mit Klo, Kühlschrank und Automatikschaltung ist ein Stau ja halbwegs gut zu ertragen. Wir holen ein alkoholfreies Bier und ein paar Snacks aus dem Kühlschrank und warten bis es weitergeht. Irgendwann fahren wir von der Autobahn ab und wie das Schicksal es so will, befindet sich an unserem avisierten Übernachtungsparkplatz in Mantua doch tatsächlich eine Outlet Mall. Da ist doch noch ein Stündchen Shopping drin – auch wenn ich eigentlich gar nichts kaufen will. Alleine das Gefühl so zu tun als ob, ist ja manchmal schon Balsam für die Seele.

Unser Platz am Gardasee

An diesem Abend aktivieren wir zum ersten Mal unsere Heizung und auch wenn ich schlecht schlafe, liegt es zumindest nicht daran, dass ich friere. Es ist kuschelig warm und auch morgens beim Frühstück müssen wir nicht mit Mütze und Schal sitzen. Das ist wieder ein ganz anderes Lebensgefühl und so beschließen wir frohen Mutes, erst noch mal einen Abstecher zum Gardasee zu machen bevor wir den Heimweg antreten. Den deutschen Herbst und Winter können wir schließlich noch lange genug genießen.

Urlaub :-)

Wir fahren an die südwestliche Seite des Gardasees und sind überrascht wie viel hier los ist. Die Campingplätze, die noch geöffnet haben, sind fast voll, Restaurants und Cafes haben mehrheitlich geöffnet und sind gut besucht. Eine ganz andere Atmosphäre als in den verlassenen Badeorten an der Küste. Unser Stellplatz ist direkt am See, die Sonne scheint und bei einem Gläschen Aperol ist das Leben auf einmal doch wieder ganz entspannt. Eine gute Entscheidung noch eine Woche ‚Urlaub‘ am Gardasee einzuplanen J

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