Samstag, 10. September 2022

Dubrovnik, Kotor und Skutarisee

Fünf Tage bleiben wir letztendlich auf dem kleinen Campingplatz und genießen die entspannte Atmosphäre und die tollen Sonnenuntergänge. Passend zu der Stimmung schauen wir den zweiten Teil von Mamma Mia!, sind aber eher enttäuscht – spätestens als überflüssigerweise auch noch die auf 20-Jährige getrimmte Cher ihren Auftritt hat.

Selfie mit Laila

Am Dienstag ist es dann soweit und wir machen uns auf den Weg nach Dubrovnik. Erst seit Juni dieses Jahres kann man über eine von den Chinesen gebaute und finanzierte Brücke über die Küstenstraße nach Dubrovnik fahren. Wir nehmen aber die ursprüngliche alternative Route und fahren durch Bosnien und Herzegowina – schließlich haben wir damit ein weiteres Land auf unserer Liste. In Neum, der einzigen Stadt des Landes mit einem Zugang zum Meer, trinken wir einen Kaffee. Bezahlen kann man hier in fast allen Währungen – Kuna, Euro, Dollar oder der Landeswährung Konvertible Mark, von der ich zugegebener Maßen vorher noch nie was gehört habe.

Gasse in Dubrovnik

In Dubrovnik fahren wir den einzigen Campingplatz der Stadt an, stellen den Camper ab und machen uns mit dem Bus auf den Weg in die berühmte Altstadt Dubrovniks. Wir haben sicherlich Glück, dass die Hauptsaison vorüber ist und an dem Tag nur ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt. Dennoch ist die Stadt voll mit Touristen und das wird auch preislich durchaus ausgenutzt. Will man oben auf der Stadtmauer entlang spazieren, kostet der Spaß 30€ pro Person und die Preise für Essen und Getränke sind in der Altstadt exorbitant. Aber sieht man darüber hinweg, sind Stadt und Altstadt wirklich toll. Umgeben von einer Festungsmauer, kann man durch kleine Gassen streifen, die sich oftmals steil den Berg hoch ziehen. Durch einen Durchgang gelangt man an einen kleinen Hafen. Sehr hübsch und theoretisch auch sehr idyllisch.

Sunset Kayak Tour

Allerdings veranschaulicht eine Karte in der Altstadt, welche Straßen und Gebäude während des Krieges vor 30 Jahren zerstört wurden. Es wird schnell klar, dass damals nicht viel von der Altstadt übrig geblieben sein kann und alles mühsam wieder aufgebaut werden musste. Ich finde es erschreckend, wie wenig man damals doch davon mitbekommen hat oder wie schnell es wieder in Vergessenheit geraten ist.

Good bye Dubrovnik

Zur Feier des Tages – es ist nämlich mein Geburtstag – gehen wir abends am Sunset Beach essen. Die Preise dort deutlich moderater als in der Altstadt und das Essen wirklich gut. Ach ja und bevor ich es vergesse: Dubrovnik scheint ein beliebtes Ziel für Luxusyachten zu sein. Einige sind so groß, dass wir sie auf den ersten Blick für Kreuzfahrtschiffe halten.

Restaurant auf dem Weg nach Kotor

Mittwoch ist es dann soweit: nach einem Geburtstagsfrühstück für Stefan treten wir den Weg zum Flughafen an, denn Laila verlässt uns nun. Die Strecke zum 40 Minuten außerhalb gelegenen Flughafen ist spektakulär. Die Küstenstraße eröffnet tolle Blicke auf die Altstadt von Dubrovnik, Inseln und Buchten mit schroffe Bergen und türkisblauem Wasser.

Nur 195.000 € pro Woche

Überraschend ist der Flughafen von Dubrovnik. Er ist modern und nagelneu. Aber auch hier ist der Hintergrund eher traurig. Denn auch er wurde während des Krieges vollständig zerstört und dann sukzessive wieder aufgebaut. OK, und in den letzten Jahren hat dann sicherlich auch die EU noch den ein oder anderen Euro dazu getan.

Böses Erwachen in Kotor

Hier geht also nun unsere gemeinsame Reisezeit mit Laila zu Ende und es wäre gelogen zu sagen, dass ich darüber nicht auch sehr traurig bin. Aber der Tag hält natürlich trotzdem noch einiges bereit. Nach einer Erkundungstour des völlig überteuerten Copacabana Beaches in der Nähe unseres Campingplatzes, machen wir uns auf zu unserer Sunset Kayak Tour. Bei der Buchung hatte ich gehofft, dass die Gruppe nicht ganz so groß ist, was leider nicht geklappt hat und zu Anfang der Tour zu einem ziemlich wilden, chaotischen Gedränge und Geschubse führt. Die Tour dauert 3 Stunden und führt uns 7km entlang der Festungsmauern, zu einer kleinen Höhle zum Schnorcheln und rund um die Insel Lokrum bis wir dann schließlich stoppen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Wir haben zwei coole Guides aus Frankreich und Australien und lernen viele interessante Dinge über Dubrovnik und seine Umgebung. Alles in allem eine tolle und lohnenswerte Tour und für mich dazu überraschend wie einfach man doch solche Strecken mit dem Kayak zurücklegen kann. Allerdings haben wir auch perfekte Bedingungen ohne Wind und Wellen.

Festungsmauer von Kotor

Am Donnerstag verlassen wir Dubrovnik und folgen erneut der Küstenstraße vorbei am Flughafen und weiter nach Montenegro. Da Montenegro kein EU Land ist, dauert der Grenzübertritt bedeutend länger. Nach der schnellen Ausreise aus Kroatien reihen wir uns in eine lange Schlange vor dem montenegrinischen Schalter ein. Dafür gibt es aber zur Belohnung auch einen neuen Stempel im Reisepass. Unser Ziel an diesem Tag ist Kotor, die angeblich schönste Stadt Montenegros und in einer Fjord ähnlichen Bucht gelegen. Auf unserem Weg dorthin schlängeln wir uns am Ufer entlang gesäumt von steilen Felsen. Wir stoppen in einem kleinen Cafe mit Badeplattform und einige Kilometer weiter an einem winzigen Restaurant mit eigener Austern- und Muschelzucht. Die Zucht von Austern und Muscheln scheint hier ein verbreitetes Geschäft zu sein, denn vermutlich sind die Bedingungen in den geschützten, aber salzigen Gewässern dafür ideal.

Nationalpark Skutarisee

In Kotor stellen wir unseren Camper auf einem Parkplatz direkt am Wasser ab und machen uns auf den Weg in die Altstadt. Genauso wie in Dubrovnik ist die Altstadt von einer Festungsmauer umgeben. In den vielen kleinen verwinkelten Gassen finden sich kleine Geschäfte, Bars, Cafes und Restaurants. Wir haben Glück und an diesem Tag liegt kein Kreuzfahrtschiff hier vor Anker und so können wir sehr entspannt durch die Stadt streifen, ein paar Drinks nehmen und zu sehr moderaten Preisen Essen gehen. Bekannt ist Kotor offenbar auch noch für seine vielen Katzen. Ein Platz scheint der Kindergarten zu sein, denn dort und eigentlich auch nur dort finden wir Katzenbabies in allen Größen und Farben vor. Und neben den Katzen ist Montenegro wohl auch noch ein letzter Zufluchtshafen für Oligarchen-Yachten. Eine beeindruckende Yacht mit eigenem Hubschrauber liegt gerade dort im Hafen. Laut Internetrecherche kostet eine Woche mit dem Kahn 195.000 € + Extrakosten J


Für den nächsten Morgen planen wir eine Wanderung zur auf dem Berg gelegen Festung. Die Festungsmauer zieht sich steil den Berg hinauf und ist abends wunderschön beleuchtet. Doch das Wetter macht unsere Wanderpläne komplett zunichte. Bereits nachts beginnt es zu regnen und gegen morgen steigert es sich zu einer Art Weltuntergang. Ein unglaubliches Gewitter tobt direkt über uns und bringt gigantische Sturmböen und Wassermassen mit sich. Ich schaue immer mal wieder aus dem Fenster auf das fünf Meter entfernte Ufer mit dem tobenden Wasser, den Segler, der hektisch ausläuft, bevor er auf Land gedrückt wird und das Fischerboot, was immer näher zu kommen scheint.


Gegen 10.00 Uhr ist der größte Spuk vorbei und wir wagen uns zum Frühstück bei moderatem Regen in die Altstadt. Doch heute geht es dort nicht mehr so entspannt zu. Busseweise werden Touristen aus dem nahegelegenen Budva dort abgeladen und die Altstadt quillt fast über. Zeit für uns das Weite zu suchen. Wir setzen unsere Reise fort zum Nationalpark Skutarisee, der auf der Grenze von Montenegro und Albanien liegt. Durch Zufall landen wir auf einem kleinen, abgelegenen Campingplatz direkt an einem der kleinen Flüsse des Sees. Der Campingplatz existiert erst seit 2 Wochen, doch die Stimmung dort hat was von Zeltlager. Wir sitzen dort zusammen mit unseren deutschen und slowenischen Mitcampern gemütlich auf der Terrasse, trinken Weißwein und tauschen Geschichten aus unserem Camperleben aus. Abends gehen wir gemeinsam in ein tolles Restaurant am Wasser und schlagen uns für unfassbare 20€ den Bauch voll mit Fischsuppe, Forellen und lokalem Bier.


In der Nacht kehrt dann der Regen zurück. Morgens gewittert es wieder und wir haben unsere geplante Bootstour schon fast abgehakt als doch noch die Sonne durch kommt und wir mit einem kleinen Fischerboot aufbrechen können. Und was soll ich sagen: die Tour ist unbeschreiblich. Wir fahren abseits der üblichen Touristenboote durch Seerosenfelder, durch enge Gassen aus Schilf, sehen hunderte von Vögeln – wie Fischreiher und Fischadler, unglaubliche Bergkulissen, baden in einem kleinen Kanal. Es ist wie in einem Film und ein absolutes Mega-Highlight. Man kann nur hoffen, dass die Natur hier weiterhin so unberührt bleibt und nicht irgendwann Heerscharen von Touristenbooten den See und die kleinen Flüsse bevölkern.


Wir bleiben jetzt noch eine weitere Nacht hier, gönnen uns ein weiteres leckeres Essen auf der Seeterrasse und dann machen wir uns auf den Weg nach Albanien. Ich bin sehr gespannt, was uns dort erwartet!

Mein Arbeitsplatz ;-)

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