Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von all den netten Menschen, die wir auf dem winzigen Campingplatz am Skutarisee kennengelernt haben und treten die Fahrt nach Albanien an. Es ist ja oftmals so, dass man eine gewisse Vorstellung von einem Land hat und ich bin gespannt, wie es nun tatsächlich dort ist. Direkt nach dem Passieren der Grenze empfängt uns an der Straße ein Verkäufer von Handy-Karten und wir müssen erstmal die durch albanische Waffen-, Drogen- und Menschhändlerringe verursachten Vorurteile über Bord werfen, bevor wir ihm schließlich eine völlig legale SIM Karte abkaufen.
| Sonnenuntergang in Golem |
Unser erster Stopp in Albanien ist die Stadt Shkodra, denn wir brauchen unbedingt erstmal albanisches Geld. Im Vergleich zu den Orten in Kroatien oder Montenegro ist die Stadt schon um einiges exotischer. Obwohl es Sonntag ist herrscht ein buntes Treiben auf den Straßen, alle Geschäfte haben geöffnet, geparkt wird gerne in der zweiten Reihe, so dass der Verkehr ein ziemliches Chaos darstellt. Und auch die Verkehrsregeln werden hier maximal als Anregung interpretiert. In einem Kreisverkehr kommt uns ein Fahrradfahrer entgegen, ein PKW wendet auf der Autobahn, um über die Auffahrt wieder abzufahren, ein anderer versucht eine ähnliche Variante allerdings im Rückwärtsgang.
| Apollonia |
Fußgänger, Eselkarren, Kühe, Pferde und Ziegen bevölkern Straßen und Autobahnen. Tankstellen findet man gehäuft im Abstand von einigen hundert Metern. Das gleiche gilt für Hotels. Allgegenwärtig sind außerdem Bauruinen, leerstehende Firmen- und Privathäuser und Müllberge am Straßenrand. Was aber besonders auffällt, ist die hohe Anzahl an Mercedes-Fahrzeugen. Wir googeln das mal und finden heraus, dass Albanien die höchste Mercedes-Dichte der Welt hat. Dass dem Albaner sein Auto wichtig ist, erkennen wir allerdings auch an der extrem hohen Anzahl an Autowaschanlagen und den unzähligen riesigen Reifen- und Felgenshops entlang der Straßen.
Insgesamt fällt auf, dass in Albanien sehr viele große und teure Autos und eigentlich nur sehr wenige Schrottkarren herumfahren. Da sind die Prioritäten klar gesetzt. Wie wir später noch erfahren, ist Albanien aber natürlich leider ein Land, das in erster Linie für Korruption und Geldwäsche steht. Investitionen in Tankstellen, Hotels und dicke Autos stehen oftmals genau in diesem Zusammenhang.
Nach erfolgreicher Bargeldabholung verlassen wir Shkodra in
Richtung Durres an der Küste. Wir sind überrascht, wie zugebaut, zugemüllt und
touristisch die Küstenregion ist. Wir fahren bis Golem, einem etwas kleineren
Ort, wo wir schließlich in einem Pinienwald am Strand campieren. Überrascht
sind wir von den Preisen: ein kleines Bier in der Strandbar kostet 2,50 €, was
ich für Albanien extrem teuer finde. Gratis ist dafür aber der unfassbar tolle
Sonnenuntergang über dem Meer.
| Blick auf Korfu |
Am nächsten Morgen fahren wir nach Apollonia, einer antiken
Ausgrabungsstätte. Wir erkunden das Gelände mit seinen teils restaurierten
Stätten und besuchen das umfangreiche und anscheinend auch relativ neue Museum.
Dann setzen wir unsere Fahrt fort zum ehemaligen Kloster von Zvernec. gelegen
auf einer kleinen Insel in einem Naturschutzgebiet. Die Besichtigung dauert
nicht besonders lang und wir haben keine große Lust mehr auf die zugebauten
Küstenorte im Norden Albaniens. Deshalb machen setzen wir unseren Weg fort
weiter in Richtung Süden. Zunächst ist uns gar nicht klar, dass wir dafür den
1000 m hohen Llogara-Pass überqueren müssen. Das wird uns erst bewusst als die
Straße immer steiler und kurviger wird. Belohnt werden wir für die anstrengende
Fahrerei mit einem gigantischen Ausblick – auch wenn der Wind auf dem Pass so
stark ist, dass man sich beim Fotografieren kaum auf den Beinen halten kann.
Dann geht es kurvig und steil wieder runter und weiter zum Strand nach Borsh.
Dort gibt es nur ein paar einzelne Strandbars und eine Handvoll weiterer Camper
– wie angenehm! Ach ja, und nicht zu vergessen natürlich eine Gruppe von
Pferden, die ganz entspannt die Mülleimer durchforstet. Auf der Suche nach einer
Toilette landen wir am nächsten Morgen in einem unfassbaren Cafe. Es ist
terrassenförmig in einen Wasserfall gebaut. Man muss eigentlich quasi nur sein
Glas darunter halten und es wird automatisch mit dem frischesten Wasser gefüllt. Wirklich
total abgefahren!
| Cafe im Wasserfall |
Wir arbeiten uns weiter in Richtung Süden und griechischer Grenze vor – immer mit dem Blick auf die Insel Korfu – bis nach Butrint. Dort gibt es eine weitere antike Ausgrabungsstätte. Das Gelände ist deutlich größer als in Apollonia und es gibt eine Menge zu sehen. Römer, Griechen und Venezianer haben dort ihre Spuren und Bauwerke wie Kirchen, Tempel, Türme und Theater hinterlassen. Auf von Bäumen beschatteten Wegen kann man das Gelände erkunden und es wirklich sehr spannend und sehenswert. Doch ein weiteres Highlight erwartet uns an diesem Tag noch. Wir fahren zu einem der sogenannten Blue Eyes. Von einem Parkplatz aus wandert man entlang einer komplett neu gepflasterten und asphaltierten Straße zum Blue Eye. Dort liegt eine 40 m tiefe Quelle, aus der mit hohem Druck das Wasser austritt und die in unglaublichen Blau- und Türkistönen schimmert. Eigentlich ist dort Badeverbot, doch viele ignorieren es und steigen oder springen in das 12°C kalte Wasser. Für mich ist das bei der Temperatur ja nichts, aber Stefan lässt sich das natürlich nicht entgehen und springt von der Aussichtsplattform in den türkisen Wasserkrater. Durch einen lustigen Zufall treffen wir dort auf ein Paar aus dem Krupunder Weg in Rellingen. Die Welt ist doch manchmal wirklich ein Dorf!
| Blue Eye |
Nachdem wir der Küste nun endgültig den Rücken gekehrt haben, ist unser Ziel für den Abend Gjirokastra. Die Stadt ist eine der ältesten des Landes und gehört zum UNESCO-Welterbe. Unser Park- und Schlafplatz liegt unterhalb der Burg mit Blick über das Tal und 10-minütiger Laufentfernung zur Altstadt. Ich bin ganz angetan von der hübschen Altstadt. Trotz der zahlreichen Souvenirläden gibt es viele hübsche Gassen mit netten kleinen Restaurants und Cafes. Die Burg, die den Ort überragt, besichtigen wir am nächsten Morgen. Es ist überraschend, wie groß die Räume in der Burg sind, insbesondere im Vergleich mit den Burgen die wir bisher so besichtigt haben. Weniger überraschend, aber trotzdem erwähnenswert ist natürlich der weite Blick von dort oben.
Wir setzen unser Fahrt fort nach Berat – die Stadt der 1000
Fenster. Nach 5 Tagen ohne Dusche fahren wir dort nun mal einen Campingplatz
an und sind ganz begeistert. Zur Begrüßung bekommen wir einen Obstteller, die
Benutzung der Waschmaschine ist im Preis inbegriffen und Duschen und Toiletten
sind nagelneu und extrem sauber. Außerdem läuft man nur 10 Minuten bis zum
Zentrum von Berat. Nach einer sehr ausgiebigen Dusche – man genießt es ja auch
viel mehr, wenn man nur selten die Gelegenheit hat J - gehen wir köstlich und
super günstig essen, schlafen ohne Schräglage unseres Campers wie die Könige
und erkunden am nächsten Morgen frisch erholt und geduscht den namensgebenden Stadtteil
mit seinen 1000 Fenstern und die Altstadt. Die Gassen sind extrem hügelig, eng und
holprig und ich vermute, dass sich bei stärkerem Regen größere Wasserströme durch
sie ergießen und dadurch die Steine weggespült werden.
| Berat - Stadt der 1000 Fenster |
Unser nächstes Ziel ist jetzt der auf der Grenze zu
Nordmazedonien gelegene Ohridsee. Die Fahrt dorthin führt durch ein tolles
Bergpanorama entlang eines klaren Flusses. Wir fahren direkt an das Ufer des
Sees heran und parken dort mit einigen anderen in der Nähe eines bereits
geschlossenen Resorts. Als ein heftiger Sturm einsetzt, wird es allerdings
extrem ungemütlich. Der Wind heult und tobt und schüttelt unseren Van wie
verrückt hin und her, das Wasser ist aufgewühlt und wellig. Aber urplötzlich – als
hätte jemand einen Schalter umgelegt – ist alles vorbei und es geht kein Windhauch
mehr!
| Getrocknete Paprika |
Nach dem Frühstück machen wir noch einen letzten Abstecher in die
Brauereistadt Korca und damit endet unsere Zeit in Albanien. Am Nachmittag überqueren
wir die Grenze nach Nordmazedonien und fahren durch die Berge an die
mazedonische Seite des Ohridsees in die Stadt Ohrid und schließlich weiter in
einen kleinen Ort am See, wo wir uns einen kleinen Campingplatz suchen. Denn leider
ist die Wettervorhersage für den nächsten Tag katastrophal. Bereits in der Nacht
beginnt es zu gewittern und zu regnen und daran ändert sich auch im Laufe des
Tages nur wenig. So sitzen wir also einfach in unserem Van, hören ein Hörspiel,
schauen dem Regen zu und nutzen das gute Internet, um den Blog mal wieder auf
den neuesten Stand zu bringen. Und morgen geht es dann hoffentlich bei besserem Wetter wieder weiter.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen