Sonntag, 8. Oktober 2017

Big Island und Maui


Mantas und Tigersharks hautnah
Die erste Hälfte unserer Zeit auf Big Island stand ganz im Zeichen von Lailas Tauchausbildung und natürlich zahlreicher Tauchgänge. Laila hat in drei Tagen fast 20 Stunden Theorie durchgepaukt und hervorragend bestanden. Nach einem Tag Poolsession ging es das erste Mal gemeinsam aufs Boot. Ich hatte vorab viel Respekt vor den berüchtigten Hawaiianischen Wellen und jeder empfahl mir dringend Drogen gegen Seekrankheit zu nehmen. Da ich als einziger Fahrer die damit einhergehende Müdigkeit nicht riskieren wollte, habe ich mich wieder einmal voll auf meine guten alten Ingwerkapseln verlassen. Am Ende ging alles gut, wir hatten allerdings auch ein paar ruhige Tage erwischt.
Die Tauchgänge waren teilweise spektakulär. Als wir an unserem Tauchspot ankamen sahen wir vom Boot aus bereits einen Tigershark. Diese gehören zu den beiden gefährlichsten Haien im Ozean, fressen aber nur selten Taucher. Auf unserem Tauchgang drehte ich mich gerade zu meinen Mit-Tauchern um, als ich diese wild gestikulierend in meine Richtung zeigen sah. Ich drehte  mich um und da war er, nur wenige Meter von mir entfernt. Ein fast 4 Meter langer Tigerhai! Irgendwie habe ich es geschafft ihn trotz oder gerade wegen des mega Adrenalinschubes mit unserer neuen Unterwasserkamera zu fotografieren. Was für ein cooler Screensaver und Hintergrund für mein Handy! Auf dem Tauchgang am nächsten Tag habe ich drei weitere dieser beeindruckenden Kreaturen gesehen und auch Laila hatte dieses Mal Glück. Ein Tigerhai bei Ihrem 1.Tauchgang, ich habe 20 Jahre gebraucht.

Laila taucht übrigens schon bei Ihren ersten Tauchgängen wie ein Profi, was sicherlich Ihrer extremen Affinität zu Wasser, aber auch ihrem Privatlehrer zu verdanken ist. One- on -one ist definitiv sein Geld wert!

Kann man den Tigerhai als Taucher noch toppen? Wenn ja, dann auf Hawaii. Kona ist weltberühmt für seine küstennahe Mantapopulation, mit einer Chance von fast 90%, dass man einen zu Gesicht bekommt. Leider haben wir eine sehr schlechte Phase erwischt und schieben daher unseren Mantatauchgang immer weiter auf. In den letzen zwei Wochen gab es 10 No-Shows, was sehr selten ist. Irgendwann können wir nicht noch länger warten, da man nach dem Tauchen am nächsten Tag nicht auf den 2500 Meter hohen Vulkan darf. An unserem Tauchspot angekommen, bringen die Tauchlehrer eine große Lampe auf den Meeresgrund. Es wird dunkel und das Licht zieht das nahrhafte Plankton an wie an Land die Mücken. Das winzige Plankton wiederum ist die Lieblingsspeise der gigantischen Mantarochen. Unten angekommen setzen wir uns mit den anderen Tauchern im Kreis um die Lampe wie um ein Lagerfeuer. Plötzlich erscheint aus dem Nichts ein riesiger Schatten und da war er, ein majestätischer Manta mit fast 3 Metern Spannweite und gleich dahinter ein etwas kleinerer. Die beiden faszinierenden Kreaturen ziehen Ihre Kreise, ziehen sich das Plankton zwischen die Kiemen und gleiten dabei wenige Zentimeter über unsere Köpfe hinweg. Die 45 Minuten bis wir wieder auftauchen müssen,  vergehen wie im sprichwörtlichen „Manta“-Flug. Laila ist als Taucherin nun endgültig gespoiled, der Mantatauchgang von Kona gilt als einer der besten Tauchgänge der Welt!

Glühende Lava und heiße Füße

Unsere Zeit in Kona ging nun zu Ende und wir hatten noch DAS Highlight von Big Island vor uns. Der Kilauea ist der einzige aktive Vulkan der Welt, an dem man als Tourist bis an die fließende Lava heran kann. Unser Guidebook „Big Island Revealed“ schreibt: „ If you can only do one thing on Hawaii, it has to be the volcano!“ (Die Revealed Guidebooks sind übrigens mit riesigem Abstand die besten, die wir je hatten. Lonley Planet ist Schrott dagegen, selbst die besseren).

Auf dem Weg dahin, machen wir noch einen Zwischenstopp am südlichsten Punkt der USA. Erwische die falsche Welle und du findest dich in der Antarktis wieder. Wir beobachten ein paar Daredevil, die eine 20 Meter hohe Klippe herunter springen und sich dann an einem Seil wieder die Felswand hochhangeln. Dann fahren wir zum Green Beach, der angeblich smaragdgrünen Sand haben soll. Allerdings muss man ca. 20 Minuten offroad fahren um dort hinzugelangen. Wir haben zwar einen Rangerover gemietet, aber zum Glück hat mir Randall empfohlen, die Strecke nicht selber zu fahren, sondern für 40 $ den Service einer einheimischen Familie in Anspruch zu nehmen, die einen bis zur Bucht und wieder zurück fahren. Die Karre sah so aus, als würde sie bereits beim nächsten Windhauch auseinander fallen. Wir mussten uns stehend auf der Ladefläche des Pickups an einer Stange festhalten. Truck-Surfing sozusagen. Teile der „Strasse“ waren das Härteste an „Strasse“ was ich je gesehen habe und das bezieht Australien mit ein. 40 $ well spent!

Leider war der Green Beach selber etwas enttäuschend, da er nicht so grün ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Kann aber auch an meiner leichten Rot-Grünschwäche liegen. Aber das Truck-Surfing war ein Erlebnis, für das man anderswo alleine Geld hätte zahlen müssen.
Als wir endlich den Vulkan erreichten, wurde es schon langsam Dunkel. Im Qualm des Kraters reflektierte die glühende Lava, so dass er eindrucksvoll leuchtete. Am nächsten Tag fuhren wir erneut in den Nationalpark des Vulkans, da wir am Vortag noch nicht viel gesehen hatten. Es gab jede Menge erkaltete Krater uns Lavamassen in den abgefahrensten Formen und Farben. Das Highlight aber war nur durch eine weitere 1,5 stündige Fahrt und einen 4 stündigen Hike zu erreichen. Es gibt eine Stelle, an der die heiße Lava ins offene Meer fließt. Vom Parkplatz aus läuft man ca. 6 Km durch mondähnliche Landschaft bevor man an eine von Parkrangern bewachte Absperrung gelangt. Leider ist der eigentliche Ort des Geschehens noch ca. 800 Meter weg (früher kam man noch viel näher). Als wir uns auf den Weg machten, mussten wir feststellen, dass wir fast die einzigen Wanderer waren und die meisten Leute sich Fahrräder ausgeliehen hatten. Wir kamen kurz vor der Dämmerung an und warteten auf die Dunkelheit. Es war schon beeindruckend wie die glühende Lava ins dampfende Meer floss, wir wären aber gerne näher dran gewesen. Als wir uns gerade auf den Rückweg machen wollten, haben wir zum Glück einen Ranger gefragt, wo denn die ganzen Leute hinlaufen, die mit Taschenlampen Richtung Berg (Vulkan) verschwinden. „If you hike up there you can see surface lava, the only spot in the world where you can get that close. But it is a hard one hour hike through the Lavafield in the dark“ Wir überlegten kurz und machten uns auf den Weg.
Die meisten Leute kamen uns bereits entgegen und wäre da nicht noch ein anderes Pärchen gewesen, wären wir alleine in der Dunkelheit verschwunden. Es gab keinen Weg nur hügelige Lava. Nach fast einer Stunde fiel uns dann auf dass der Boden neben uns glühte. Es wurde immer heißer und alle paar Meter prüften wir, ob unsere Schuhsohlen bereits schmolzen. Noch ein paar Meter und da war sie. Aus dem Nichts floss 5 Meter orange glühende Lava direkt neben uns. Es war unglaublich heiß und wir tippelten permanent, damit unsere Sohlen sich nicht verflüssigten. Es war ein recht beänstigendes Gefühl, zu wissen und zu sehen, das nur wenige Zentimeter unter uns der Boden glühte. Länger als ein paar Minuten konnte man die Hitze und auch die giftigen Dämpfe nicht aushalten, daher machten wir uns mit leichten Kopfschmerzen auf den Rückweg. Lange Zeit habe ich gedacht, die Leute, die mir empfohlen hatten 6 Liter Wasser mitzunehmen hätten mich veräppelt, nun war ich froh dass ich die ganze Flüssigkeit hierher geschleppt hatte (pinkeln auf heiße Lava ist übrigen auch pretty cool).

Nach einer Stunde kamen wir  vom Lavafeld voller Stolz und Freude wieder auf den Weg, der  zum Parkplatz führte. Hier hätte der Tripp gerne zu Ende sein können. Leider hatten wir noch zwei Stunden Rückmarsch alleine durch die Dunkelheit. Der gigantische Sternenhimmel war aber eine Entschädigung und wir vertrieben uns die Zeit mit lautem Gesang. Alles in allem ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis!

Maui - A place to live

Maui ist unsere letzte Insel und was soll ich sage, das beste zum Schluss. Jede der Inseln war faszinierend und einzigartig, aber auf Maui könnte ich auch leben und das werde ich wahrscheinlich auch irgendwann. Die besten Strände, hohe Berge, relaxte Athmosphäre, jede Menge Aktivitäten und vor allem perfektes Wetter. Unser Airbnb war diesmal ein Condo nicht weit vom Strand weg. Jede Menge Platz und super ausgestattet, Pool und Waschmaschinen eingeschlossen. In unsere 10 Tagen auf Maui haben wir es langsam angehen lassen. Eine Mischung aus Strandaktivitäten (Surfen, Bodysurfen, Snorkeln, Tauchen und Sperrfischen), Arbeit, Bloggen und Schule. Die Highlights haben wir natürlich trotzdem mitgenommen.

Sonnenaufgang auf 3000 Metern
Schon in Deutschland hatte ich uns ein Ticket für den Haleakala Nationalpark reserviert. Ja, seit Anfang dieses Jahres muss man sich tatsächlich ein Ticket für den Sonnenaufgang reservieren, da die Parkmöglichkeiten begrenzt sind. Sonnenaufgang 6:15 Uhr heißt um 2:50 aufstehen, dann 2 h Serpentinen bis zum Gipfel des Haleakala. Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Der Gipfel liegt oberhalb der Wolkendecke und wenn die Sonne durch die Wolken bricht, erleuchtet ein organgfarbener Teppich vor den Augen seiner Betrachter. Der Weg hinunter im Hellen eröffnet ungeahnten Weitblick über die Insel und den Ozean.


The Road to Hana - vielleicht die beste Cabriostrecke der Welt

Der zweite große Tagesausflug war die berühmte Road to Hana. 2 Stunden mit 600 Kurven durch Urwald und Küstenlandschaft mit unzähligen Scenic-Stopps und Wasserfällen. Das ganze bei offenem Dach in unserem Mustang, wie aus einem Film. Leider muss man in Hana wenden und den gleichen Weg wieder zurück fahren, wenn man keinen Allrad hat, aber man kann nicht alles haben. Beim nächsten mal dann Jeep und ganz rum.


Spearfishing and Freedivung -  new Hobbies?
Für unseren letzten Tag haben wir uns noch etwas ganz besonderes aufgehoben. Einen vier stündigen Kurs im Speerfischen, also Schnorcheln und Freediving mit Harpune. Ganz neue Skills für Laila und mich. Die beiden Jungs, die unseren Kurs durchgeführt haben, waren echt coole und nette Typen, die bis zu 90 Meter tauchen und über 6 Minuten die Luft anhalten können. Wir haben sehr viel gelernt, z.b. das wir bereits beim ersten Versuch die Luft länger als zwei Minuten anhalten konnten. Nun haben wir beschlossen uns auf über vier Minuten zu trainieren. Wird wohl ne 10er Karte fürs Hallenbad Pinneberg nötig.

Spearfishing macht tatsächlich süchtig. Man muss zunächst von der Oberfläche die richtigen Fische spotten. Wir jagen nur sogenannte „invasive Fish“, d.h. Fische, die von den Menschen nach Hawaii gebracht wurden, die aber hier nicht hingehören und große Schäden anrichten. Dann muss man im Freedive 10-15 Meter runtertauchen, zielen und treffen. Sehr anspruchsvoll aber machbar. Wir waren noch bei meinen ersten Übungschüssen, als Laila einen sogenannten „Royal“ entdeckte, ein invasiver Raubfisch. Aufgabe 1 bestanden, einen 25 cm großen Fisch aus 10 Metern entdeckt. Unser Guide drückte Laila die Harpune in die Hand und sagte Ihr, dass sie ihren ersten Übungsschuss auch gleich auf den Royal machen könne. Laila schnappt sich die Waffe, taucht 10 Meter runter wie ein Fisch, zielt und bumm. Treffer! Der Guide flippt an der Oberfläche fast aus. „You told me Laila was born for the Ocean, but that is sick (meint:unglaublich). I have never seen that before. A 13 year old with no practice shot, diving that deep and hitting a small fish“. Wahrscheinlich gehörte auch ein wenig Glück dazu, aber alleine wie sie da runtergetaucht ist war schon genial. Jetzt muss sie nur noch das Essen der Fische lernen.

Weder Spearfishing noch Freediving haben wir das letze Mal gemacht, da sind wir uns beide einig.

Jetzt sitze ich gerade im Flieger von Hawaii nach San Francisco und nutze die Zeit, endlich den Blog weiter zu schreiben bevor Susanne ab morgen wieder übernimmt.


Mein erster Flug mit einer amerikanischen Airline und was soll ich sagen, ich weiß warum ich diese bei meinen Flügen nach Südamerika immer meide wie die Pest. Dabei haben Laila und ich noch Glück gehabt, dass wir beide auf unserem Mittelplatz nicht von zwei amerikanischen Weight-Watchers Aspiranten eingequetscht oder gar erstickt werden. Dieses Risiko ist auf amerikanischen Flügen im Vergleich zu asiatischen massiv erhöht. Erste große Enttäuschung, insbesondere für Laila: Keine Bildschirme in den Sitzen oder anderswo. Stattdessen ein blauer Sticker „United Private Screening“. Private klingt ja erstmal toll, meint aber „bring your own device!“. Man kann Filme mit Wifi vom Entertainment-System des Fliegers auf sein Iphone, Ipad etc. streamen. Kopfhörer? „Bring your own….“. Als jeder Versuch, „private Screening“ zu aktivieren scheitert, frage ich meine „freundliche“ Flugbegleiterin, was ich tun muss. „You don´t have the United Airlines app, stupid? Then you are screwed. You have to download it first.“ (ok das waren nicht ihre Worte, aber ihr Tonfall). „Can I download it now?“ „No you have to do that at home.“ Super, die Masterminds bei United haben die Sache mit dem „Private Screwing“ wirklich durchdacht. Naja, so kann ich mich wenigstens dazu bringen diesen Beitrag zu verfassen.


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi Stefan,
habe gerade den neusten Artikel und den letzten von Hawaii gelesen. Das war in der Tat der so ziemlich Beste bisher. Ich fürchte, Eure Tour lässt sich an Highlights kaum noch toppen.
Wenn du wirklich nach Maui ziehst, werde ich der Erste sein, der dich besucht.... :-)
Beste Grüße,
Ralf