Freitag, 25. August 2017

Bewegendes Hiroshima

Der Freitag ist ein harter Brocken. Wir stehen früh auf und erreichen nach einer zweistündigen Zugfahrt Hiroshima. Erstes Ziel ist der A-Bomb Dome: das Gebäude, über dem in 600 Metern Höhe die Atombombe explodierte und welches erstaunlicherweise nicht komplett in Schutt und Asche gelegt wurde so wie der Rest der Stadt. Es wurde als Denkmal erhalten und zählt mittlerweile zum UNESCO Weltkulturerbe.
A-Bomb Dome
Durch den Peace Memorial Park gelangen wir ins Peace Memorial Museum. Der Haupttrakt wird im Moment leider renoviert, aber die wichtigsten Teile wurden ins Nebengebäude verlagert und dort verbringen wir schließlich mehrere Stunden. Das Museum ist super gemacht. Unter einer großen Glaskuppel wird das Geschehen des 6. Augusts 1945 sehr anschaulich simuliert, die politische und geschichtliche Entwicklung die zum Abwurf der Atombomben führte, wird erläutert sowie die wissenschaftliche Funktionsweise von Atombomben mit all ihren Folgen. Dazwischen gibt es Stationen mit Videoberichten von Überlebenden. Am bewegendsten ist aber der letzte Bereich, in dem Kleidungsstücke und Gegenstände ausgestellt sind, die der Bombe ausgesetzt waren.
Dreirad nach der Bombe
Dazu werden die Geschichten der Menschen dazu - teils von den Angehörigen - erzählt. Ich habe einen riesigen Kloß im Hals und neben mir steht eine Frau, die weint. Es ist so unvorstellbar, was für einen Grauen das gewesen sein muss und in Anbetracht der ganzen Irren in dieser Welt kann einem Angst und Bange werden, dass mal einer davon auf die Idee kommen könnte, eine Atombombe zu zünden.
Das war echt schwere Kost und wir müssen erstmal raus an die Luft. Wir spazieren noch zum Hiroshima Castle, aber keiner von uns ist mehr in der Stimmung noch irgendwas anzuschauen und so machen wir uns vorzeitig auf den Weg zum Bahnhof, um einen früheren Zug zu nehmen.
Bahnhof Kyoto
So, und jetzt wird es auch wieder etwas spaßiger J, denn wir müssen schmerzlich erfahren, dass es in Japan offenbar solche und solche Züge gibt. Eigentlich gehen wir davon aus, dass unser Zug stündlich fährt und tatsächlich gibt es auch einen passenden. Wir fahren los, aber bereits nach zehn Minuten halten wir wieder und bleiben weitere zehn Minuten im Bahnhof stehen. Das Spiel wiederholt sich diverse Male, aber da sämtlich Durchsagen nur in Japanisch sind, haben wir keine Ahnung, was los ist. Nach zwei Stunden, in denen wir unserem Ziel nur unwesentlich näher gekommen sind, machen wir uns auf die Suche nach dem Schaffner. Der bestätigt uns, dass das alles seine Richtigkeit hat und wir noch weitere zwei Stunden brauchen und es von da, wo wir gerade sind auch keine schnellere Alternative gibt. Wir machen das Beste draus – schließlich sind wir Schlimmeres gewohnt, kaufen am Bahnsteig ein paar Bier und was zu Essen und schauen auf dem IPad unsere Serie weiter. Fürs nächste Mal wissen wir es besser: Aufgepasst bei der Zugwahl!
Treppen im Bahnhof
Und ein Gutes hatte das Ganze dann doch noch. Dadurch, dass wir so spät und ausgehungert ankommen, erkunden wir noch den futuristischen Bahnhof von Kyoto auf der Suche nach einem Restaurant. Das Gebäude ist der Hammer: ein riesiges Kuppeldach schwebt in schwindelerregender Höhe über dem Bahnhof und man kommt über offene Rolltreppen und Treppen bis in den 11. Stock, von wo man eine geniale Aussicht über die beleuchtet Stadt hat. Ein schönes Ende für einen sehr bewegenden Tag.

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